400 Zweibeiner – 600 Vierbeiner beim 2. Kölner Galgo-Marsch

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„400 Zweibeiner – 600 Vierbeiner beim 2. Kölner Galgo-Marsch“

anlässlich des Welt-Galgo-Tages am 1. Februar

Am vergangenen Sonntag, dem 29. Januar 2017, trafen sich 400 Windhundbesitzer und Hundefreunde zum 2. Kölner Galgomarsch am Bürgerhaus Stollwerck, um von dort mit ihren Vierbeinern zu marschieren: Sie wollen damit auf die teils katastrophalen Haltungsbedingungen der spanischen Windhunde – der Galgos – aufmerksam machen, die neben anderen Jagdhunden – Podencos, Bodegueros, Bretonen oder Settern uva. zur Jagd „benutzt“ werden.

Der Marsch findet deshalb Ende Januar statt, weil dann genau das Ende der Jagdsaison in Spanien eingeläutet wird. Deshalb wurde auch bereits vor Jahren der „Welt Galgo Tag“ ins Leben gerufen: zu Ehren der am meisten gequälten Hunderasse in vielen Regionen Spaniens. DER Tag, den der Galgo Espanol nur fürchten kann, denn an diesem Termin ereilt viele Galgos ein Schicksal, das weitaus schlimmer ist als das grausame Leben, das sie bis dahin führen mussten.

2016 kamen zum ersten Galgo Marsch in Köln bereits etwa 150 Teilnehmer mit etwa 200 Hunden – dieses Jahr 2017 waren es 400 Menschen mit etwa 600 Hunden (!!!), die von der Südstadt bis zum Neumarkt gelaufen sind, um so den in ihrem Heimatland geschundenen Windhunden eine Stimme zu verleihen und die Menschen auf die Mißstände aufmerksam zu machen. Hauptsächlich Galgos, aber auch zahlreiche Podencos und alle Fremdrassen, die man sich nur vorstellen kann, waren mit am Start!

Wir leben in einem mehr oder minder hundefreundlichen Land und die meisten Menschen machen sich keinerlei Vorstellungen ob der Grausamkeit und der Misshandlungen dieser sanften Hunde in Spanien. Dies möchten wir ändern und den Menschen den Galgo Espanol näher bringen

Der spanische Galgo wird hauptsächlich für die Jagd von Hasen verwendet. Während der Jagdsaison von Oktober bis Januar werden die Hunde oftmals brutal trainiert: ihre Besitzer binden sie an Autos, Lastwagen, Quads oder Motorräder, die Hunde müssen hinterherlaufen, während der Galguero das Tempo anzieht. Gnade dem Hund, der strauchelt oder nicht schnell genug ist…

Leben müssen viele Galgos und Jagdhunde in überfüllten, abgedunkelten Schuppen oder auch in Steinhöhlen, wo ihnen seit neuestem mit Ketten und Stricken die Schnauze zugebunden wird, damit sie nicht bellen oder anderweitig auffallen. An ihren kurzen Ketten können sich die Hunde meist gerade mal hinlegen, stehen teilweise in ihrem eigenen Urin. Die als besonders wertvoll erachteten Galgos halten viele ihrer Besitzer in Kellern, unterirdisch, damit sie nicht gestohlen werden – gilt doch der Galgo gleichzeitig als eines der am meisten gestohlenen „Dinge“ in vielen spanischen Provinzen.

Am Ende der Jagdsaison entledigen sich die Galgueros, die spanischen Jäger, ihrer vermeintlich jagduntauglichen Tiere auf teils unvorstellbare Weise, als wären sie ein alter kaputter Schuh… Die Galgos werden ausgesetzt – mit zusammengebunden Beinen irgendwo abgelegt – man bricht ihnen die Beine, bevor man sie in den Bergen aussetzt, damit sie nicht dem Auto ihrer Besitzer hinterherlaufen können. Man wirft sie in Brunnen, damit sich bloss kein Dritter des Hundes annehmen kann. Man hängt sie in Bäumen auf: Die sicherlich brutalste Methode, „überflüssige“ Galgos regelrecht hinzurichten, wird „Klavierspielen“ genannt. Dabei wird dem Hund ein Strick um den Hals geknüpft, dessen anderes Ende derart an einen Baum gebunden wird, dass das Tier gerade mit den Hinterpfoten den Boden erreicht. Um nicht stranguliert zu werden, balanciert und „tanzt“ der Hund auf den Hinterbeinen hin und her – bis ihn die Kraft verlässt…

Die Glücklicheren unter den Abgabetieren landen in Perreras, wo aber auch die Uhr tickt (nach 3 Wochen winkt die Todesspritze) – teils ganze Wagenladungen mit „überschüssigen“ Windhunden geben die Jäger dort auf einen Schlag ab. Hier sind die vor Ort tätigen Tierschutzvereine zumindest noch in der Lage, diese Hunde freizukaufen (ja, man bezahlt Geld, um einen Galgo aus der Tötungsstation auszulösen!) oder sie landen direkt in „No Kill“- Auffangstationen – wie z.B. „Scooby Medina“, „Fundacion Benjamin Mehnert“, „Ciudad Animal“ oder bei „Galgos del Sur“. Engagierte Tierschützer in diesen Auffangstationen kämpfen und arbeiten für ein Umdenken bei den vor Ort ansässigen Jägern, damit diese ihre „Ausschuss“-Galgos im Zweifelsfall direkt bei ihnen abgeben und nicht nach brutalen Alternativen suchen. Sie leisten wo nur möglich Aufklärungsarbeit – auch hinsichtlich vernünftiger Zuchtprogramme.

Fakt ist: Offizielle Zahlen sprechen von mindestens 50.000 Galgos (plus weiterer Jagdhunde), die JÄHRLICH als „überflüssig und jagduntauglich“ anfallen. Leider nur ein Bruchteil landet im Tierschutz, wo sie versorgt, aufgepäppelt und vermittelt werden.

Der Galgo Espanol – eine wirklich wundervolle Hunde-Rasse, die regelrecht süchtig macht. „Einmal Galgo, immer Galgo“ hört man von den Liebhabern der Rasse. Obwohl sie von den Galgueros nicht als Haustiere betrachtet werden, sind sie tolle Kameraden und Zeit ihres Lebens dankbar für eine zweite Chance. Sie sind ausgesprochen sanft, zärtlich, anschmiegsam, extrem verschmust, hochsozial, äußerst grazil und hochintelligent. Verhalten sich wie Katzen, sind zumeist sehr reinlich, sind extrem ruhig im Haus – lieben es, auf weichen Plätzen zu schlafen. Sie sind keine „wilden Kläffer“, weisen zudem durch das fehlende Unterfell nicht den „typischen Hundegeruch“ auf. So sieht man dann – für manch Einen vielleicht etwas befremdlich – an kalten Wintertagen „bemäntelte“ Hunde, die sich ohne diesen Kälteschutz übelst erkälten und krank werden würden.

So auch beim Kölner Galgo Marsch, wo das Gros der Hunde „gut gekleidet“ mitmarschierte. Faszinierend, ca. 600 Hunde nahe beisammen, und man hörte kaum ein Bellen (und wenn dann meist von einem „Nicht“-Windhund ;-).

Der „Kölner Galgo Marsch“ war 2016 der erste in Deutschland stattfindende Solidaritätsmarsch für den spanischen Windhund – es folgten im Sommer Berlin und Saarbrücken. In England, Holland, in der Schweiz und auch den USA gingen Hundefreunde für den Galgo auf die Strasse. In Spanien, wo regelmäßig Galgodemos stattfinden, laufen die Tierfreunde in diesem Februar parallel in sage und schreibe 25 Städten, um den Galgos ihre Stimme zu verleihen!!!

Die Teilnehmer des Kölner Marsches kamen aus allen Ecken Deutschlands (Baden Württem-berg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern, Thüringen, Berlin, Brandenburg, Schleswig- Holstein), dazu aus den Niederlanden, Belgien und sogar aus Spanien!!! Per Auto, Bus, Bahn oder gar Flugzeug – die meisten mit Hunde-Begleitung, einige auch ohne!!! Zum Abschluss richteten in diesem Jahr auf dem Neumarkt auch einige Redner das Wort an die Teilnehmern und Zuschauer: Maria Theresa Garcia Rodriguez, die für einige spanische Vereine arbeitet, und gleichzeitig NAC = „NO A LA CAZA“ vertritt. Sie war extra aus Teneriffa nach Köln anreist, um u.a. auch über das Thema „Subventionierungen“ und die aktuelle Situation vor Ort in Spanien zu sprechen. Zudem kam Ute Kaiser zu Wort, die selbst lange Jahre in Spanien gelebt hat, derzeit u.a. die Galgo Hilfe unterstützt. Sie hat während ihrer Spanienzeit eine Vielzahl von Hunden aus Brunnen hochgeholt, von Bäumen geschnitten, von – Schnellstrassen und Autobahnen gesichert, zahlreiche Hunde auch als Pflegestelle hochgepäppelt und resozialisiert. In Köln fanden in diesem Jahr tolle Begegnungen von Hundebesitzern statt, Galgo- und Hundeliebende Menschen, die sich teils nur über Faceboook kannten, trafen sich face to face, wunderbare neue Kontakte konnten geknüpft werden: denn zusammen ist man stark und macht gemeinschaftlich auf das Elend der Galgos und auch der anderen (Wind)-Hunde aufmerksam. Es muss Aufklärungsarbeit geleistet werden, was im beliebtesten Urlaubsland der Deutschen an Tierelend (nicht nur der barbarische Stierkampf) passiert.

Ganz wichtig zu erwähnen: Wie bereits im Vorjahr haben wir die tollste Unterstützung erfahren: durch die Kölner Polizei, die mit ihrem tollen, herzlichen Team den Marsch angeführt und alle sicher durch die Kölner Innenstadt geleitet hat!!!

Die Galgos brauchen unsere Stimme, die Zustände in Spanien müssen einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden, damit ein Umdenken stattfinden kann bzw. derzeit noch fließende Subventionsgelder gestoppt werden können und dieses Hunde-Drama in Spanien ein Ende findet!!!

 

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