Auf den Hund gekommen … Das Lebensabenteuer Ambossi

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Die Chirurgin Annelie Härtisch aus Thüringen ist durch den Verlust ihrer Katze auf den Hund gekommen, und Anfang der 2000er ­Jahre mitten hinein in eine „Kampfhund“-Debatte. Ihren mittlerweile ­dreizehnjährigen Am. Staff Ambossi kümmert’s wenig …

Meinem Mann und mir – gar nicht bereit und gar nicht damit befasst, im gut ­orga­nisierten Leben ein Tier zu haben – lief 1993 ein winziger roter Kater zu. Es heißt, Katzen suchen sich ihre Menschen aus! Plötzlich war da also ein kleines hilfebedürftiges Tier und wir übernahmen die Verant­wortung für dieses Wesen. Viereinhalb Jahre hatten wir sehr viel Freude an unserem Tommy. Dann lag er eines Morgens überfahren auf der Straße vor unserem Haus. Ein Familien­mitglied war tot und wir empfanden nur noch Schmerz.

Abenteuer Ambossi
„Du brauchst ein neues Tier“ ­sagte mein Mann. So fuhren wir eine Woche nach Tommys Tod umher und ­suchten – einen Hund. Warum einen Hund? Wir, völlig hundeunerfahren, kaum Hunderassen kennend und in un­bewältigter Trauer um den Kater. Warum also begaben wir uns auf die Suche nach einem Hund? Aber, wie so oft im Leben, werden wohl unbewusst die richtigen Entscheidungen ge­troffen. Im Nachhinein kann ich nur sagen: zum Glück suchten und fanden wir einen Hund – einen Hund fürs Glück! Bei einem jungen Züchterpaar gab es 8 Wochen alte American ­Staffordshire-Welpen. Wer kann einem Welpen mit viel zu viel Fell, Riesenpfoten und erwartungsvollen Augen widerstehen, selbst wenn er einem auf den Schoß pinkelt und kotzt?

Der kleine Rüde wurde gekauft und Ambossi genannt. Das Abenteuer begann – oder der Beginn einer ganz wunderbaren Beziehung. Wir wussten nicht, was auf uns zukommt. Nach einer Woche empfand ich das verrückte, alles zerbeißende, irrwischige Hundebaby nur noch als Monster und kam damit nicht zurecht. Doch Ambossi war nicht bereit, es mit mir aufzugeben. Mit unerschütterlicher Beharrlichkeit und dem zauberhaften Wesen eines Am. Staffs veränderte er unser Leben total. Was wir brauchten – das Hundebaby und ich – war Zeit.

In die „Kampfhund“-Kampagne geraten
Der kleine Hund lernte, ich lernte, mein Mann lernte. Hundeerziehung, Hundeeigenschaften, Hunderassen, Hundeernährung – es war durchaus nicht immer leicht. Der quirlige ­Welpe, der kraftstrotzende Junghund. Jagdtrieb ohne Ende, Leinenführigkeit, wozu? Und dann, nachdem er zwei Katzen vom Nachbarn gejagt hatte, gab es eine Anzeige – und schon waren wir mitten in die damalige „Kampfhund“-Kampagne hinein­geraten. Reißerische Fotos in den berichtegeilen Medien, haarsträubende Kommentare, nie eine Beurteilung von Hintergründen der Beißunfälle – einfach nur „der böse Hund“ und „die gefährliche Rasse“. Ich gebe es zu, auch wir, im Dorf wohnend, gingen eine Zeitlang nur bei Dunkelheit mit dem Hund spazieren! Und seit damals zahlen wir 400 Euro Hundesteuer! Offenbar nichts einfacher in diesem Land, als unbescholtene Leute und unbescholtene Tiere für die leeren Kassen der Städte und Gemeinden herhalten zu lassen.

Ambossi, von all dem unbeeindruckt, mit einem Riesenherz für Menschen, ein totaler Schmuser, ein ­Sensibelchen, ein Sommerhund, ein Betthund, der perfekte Kumpel, ein Tier mit einem unheimlichen Gespür für Stimmungen, ein Tier mit einer wunderbaren Seele, voller Lebensfreude, voller Mut; inzwischen auch voller Gelassenheit, Würde und Weisheit – dreizehneinhalb Jahre ist er jetzt schon unser geliebter Begleiter, und für jede Minute mit ihm sind wir unendlich dankbar! Nicht nur wir haben ihn erzogen, er hat uns auch erzogen, verändert, stark gemacht. Wir sind sehr stolz auf ihn und auf seine Rasse. Am. Staffs sind ganz wunderbare Tiere. Jeder, der etwas anderes schreibt und sagt, hat sich nicht die Mühe gemacht, sich mit ihnen zu beschäftigen! Als begeisterte Am. Staff-Besitzer sind wir gerne auf den Hund gekommen und wir würden es immer und immer wieder tun. Die Liebe und das Vertrauen eines Tieres zu besitzen, ist ein großes Geschenk, ein ganz großes! Wir sollten achtsam damit umgehen. Ja, aber leider ist auch Deutschland „auf den Hund gekommen“, allerdings in ganz anderer fataler Bedeutung. Armes Land, in dem die wundervollen Am. Staffs kein Zuhause mehr haben sollen.

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