Auf die Socken, fertig, los! – Neue Entwicklung im Wach- und ­Diensthundewesen

0
527

„So, und jetzt noch die Socken und Schuhe …"
Nein, hier geht es nicht um das Ankleiden eines Kindes, sondern um die Ausrüstung eines Hundes beim Praxis­training des deutschen Bundesverbandes Wach- und Diensthunde. Der will die Qualität der Ausbildung auf diesem Sektor verbessern.

Mehrere g’standene Manns- und Weibsbilder mühen sich auf Knien damit ab, ihren Deutschen und ­Belgischen Schäferhunden Socken über die Hinterpfoten zu ziehen. Die Hunde sind offenkundig wenig begeistert von ihrem neuen Outfit. Ihre Vorderpfoten stecken schon in Socken und stabilen Schuhen mit Klettverschluss und dicken Gummisohlen." Ein so ungewöhnliches wie amüsantes Bild, das Claudia Petschull, Hundetrainerin und Diensthundeführerin, WUFF schildert. Was auf den ersten Blick wie eine Modenschau für Gebrauchshunde wirkt, ist in Wahrheit eine wichtige Ausbildungseinheit für angehende Wach- und Diensthunde im Sicherheitsdienst. Veranstalter ist die Sektion Rhein-Main des BvWD, des Bundesverbandes Wach- und Diensthunde.

Wozu Hunde-Söckchen?
Ausbilderin Claudia Petschull überwacht genau, ob die Söckchen falten­frei über der Hundepfote sitzen, bevor der Schuh darübergestülpt und mit einem Klettverschluss fixiert wird. „Hundepfoten sind sehr empfindlich", weiß Petschull. Falten der Söckchen würden zu einem Wundlaufen der Hundepfoten führen. Natürlich müssen sich die Hunde an die Socken und Schuhe erst mal gewöhnen. Doch sie sind unentbehrlicher Schutz der Pfoten vor Glasscherben und Streusalz. Und das ­korrekte Anlegen der Ausrüstung muss vom Hundeführer erst einmal gelernt sein.

Unbeholfen staksen die Diensthunde mit ihren Schuhen auf der Wiese herum. Vielleicht ein Ball oder ein Stückchen Wurst, etwas Unterordnung oder Spiel – die Gewöhnung an die ungewohnte „Behinderung" wird jeder Hundementalität angepasst. Und schon nach wenigen Minuten laufen alle Vierbeiner – beinahe – normal neben ihren Hundeführern her. Nun können ihnen weder herumliegende Glasscherben noch Streusalz etwas anhaben.

Vielseitigkeit gefragt
Meist wird mit der Ausbildung von Wach-und Diensthunden „Verbellen und Beißen" assoziiert. Natürlich sind auch dies Fächer, die im Praxistraining des BvWD gelehrt werden, aber eben nicht die einzigen. Denn Wach- und Dienst­hunde müssen vielseitig sein. „Belastbarkeit und Nervenstärke gehören – neben der Verteidigungsbereitschaft – zu den herausragendsten Eigenschaften eines guten Wach- und Diensthundes", berichtet Claudia Petschull. „Gehorsam ist ebenso wichtig wie ein waches und aufmerksames Wesen." Wach- und Diensthunde sollen zunächst einmal schon präventiv wirken. Tritt ein gut geschultes Diensthund-­Hundeführer-Team schon souverän auf, ist das bei ­manchem Spitzbuben schon die halbe Miete.

Hundeführer im Sicherheitsdienst hatten es bis noch vor kurzer Zeit sehr schwer, eine wirklich Dienst-orientierte Ausbildungsmöglichkeit für sich und ihre Vierbeiner zu ­finden. Denn anders als im europäischen Ausland ist das ­private Wach- und Diensthundewesen in Deutschland nämlich immer noch völlig ungeregelt. Es gibt weder eine einheitliche Ausbildungsordnung noch eine bundesweit anerkannte Prüfungsordnung für Wach- und Diensthunde-Teams. Entsprechend schlecht waren daher bislang Ansehen und Bezahlung für die Teams auf sechs Beinen, so Petschull.

Gegen die Hunde-Verleiher
Besonders dem Unwesen der Hunde-Verleiher möchte der BvWD zu Leibe rücken, erklärt Petschull. Was bedeutet das? Die Ausbilderin des BvWD erklärt: „Anderswo ausgemusterte Gebrauchshunde, meist ältere oder nicht mehr gesunde Tiere, werden für wenig Geld von gewerbsmäßigen Hundeverleihern aufgekauft, um den Rest ihres Lebens Nacht für Nacht an Wachdienste verliehen zu werden." Das sieht dann so aus, dass die Tiere in Kleintransportern jede Nacht zu anderen Objekten gekarrt werden. Jede Nacht müssen die Hunde mit einem anderen, fremden Menschen „Dienst" tun. Mit einer echten Dienstleistung hat das überhaupt nichts zu tun, sagen Fachleute, aber billig ist es allemal. Petschull: „Wo der Kunde den Auftrag nach dem niedrigsten Preis vergibt, kauft er seinen eigenen Betrug eben mit."

Es ist schwer vorstellbar, doch so lange es keine ­verbindliche Überprüfung von Wach- und Diensthunde-Teams im Be­wachungsgewerbe gibt, ist das noch nicht einmal illegal.

Bundesverband Wach- und Diensthunde
Um dies zu ändern, haben sich engagierte Hundeführer und Ausbilder aus Bewachungsgewerbe und Behörden zum BvWD (Bundesverband Wach- und Diensthunde) zusammengeschlossen. Regionale Sektionen gründen sich, die für ihre Mitglieder einen regelmäßigen, Dienst-orientierten Übungsbetrieb anbieten. Die Zusammenarbeit mit Gesetzgebern und Institutionen ermöglicht die Korrektur bislang wirklichkeitsfremder oder mensch- und tierfeindlicher Vorschriften. Eine erste Prüfungsordnung ist in Kraft, und auch eine Sparte Spürhunde im Sicherheitsdienst ist im Entstehen. All das zeigt, wie die Entwicklung im Wach- und Diensthundewesen nun langsam, aber stetig bergauf geht.

Keine Kommentare