Der beherzte Sprung ins eiskalte Wasser …

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WUFF-Leserin Claudia Grutsch über ein für sie über­raschendes Erlebnis beim Spaziergang mit ihrer Hündin.

In der letzten Zeit haben sich viele Dinge zugetragen, die es wert wären, sie zu erzählen. Und doch habe ich mir nie die Zeit genommen, diese vielen kleinen lustigen Episoden rund um unser neues Familienmitglied Ilvy aufzuschreiben. Was heute passiert ist, kann ich Euch jedoch nicht vorenthalten und muss sofort zu Papier gebracht werden, ehe ein Detail in Vergessenheit gerät. Das glaubt mir kein Mensch!

Heute ist Montag, der absolut blödeste Tag der Woche! Und doch sah alles nach einem gelungenen Nachmittag aus. Die Sonne schien, die Temperaturen mit etwas über Null Grad waren wieder angenehmer und der Schnee hatte sich noch nicht in grauen Matsch verwandelt. Also beschloss ich, in das Naturschutzgebiet hinter unserem Haus zu gehen, und plante die große Runde, auf der wir gut zwei Stunden unterwegs sind. Es war herrlich! Blauer Himmel, schneebedeckte Felder, auf denen die Rehe standen und versuchten, etwas Fressbares auszugraben, und wir: Ich und Ilvy an der Flexileine. Nach 45 Minuten Gehzeit kommt Selma mit Frauchen und einem weiteren Mensch-Hund-Gespann auf uns zu. Selma ist eine zierliche Labradorhündin aus der Nachbarschaft, die wir gut kennen. Der anderen Hündin, Kaja, sind wir erst einmal begegnet. Letztes Mal sind mir bereits ihr seltsames Spielgebaren und vor allem ihre seltsamen Geräusche dabei aufgefallen. Ihr Frauchen erklärte, dass Kaja mit zwei Möpsen in der Welpenschule war und die für Möpse typischen Schnorchelgeräusche seit dieser Zeit übernommen hat. Naja, ein Schnorcheln war es eigentlich nicht, mehr ein intensives Knurren …

Jedenfalls sollten wir uns dadurch nicht ängstigen, das hätte nichts zu bedeuten! Soweit, so gut. Als ich die vier auf uns zukommen sah (ohne Leine) und ringsum freies Feld, habe ich mich entschlossen, Ilvy eine Spiel­runde mit den Artgenossen zu ­gönnen. Sie hat das bestimmt seit ein paar Wochen nicht mehr gehabt und sich dank der Hunde-Leberwurst aus der Tube immer sehr gut ablenken lassen, wenn potenzielle Spielpartner vorbei kamen. Nach dem notwendigen Blick zu Frauchen (Augenkontakt) habe ich die Leine gelöst. Dann ging alles ganz schnell! Selma und Ilvy haben sich freudig begrüßt, Kaja allerdings ist sofort auf Ilvy gestürzt (mit diesem für mich intensiven Knurren) und hat sie „gejagt“. Ilvy ist ihr ausgewichen UND – Moment, ich wollte noch etwas zu dem Gelände sagen: Ja, ringsum freies Feld, ABER auch ein breiter Graben mit dreckigem und (wie sich später herausstellte, auch tiefem) Wasser. Und innerhalb von wenigen Sekunden war mein Hund verschwunden – ja, in dem breiten Graben mit dem tiefen Schlamm­wasser. Ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen (leider), hat Frauchen sich die Sonnenbrille vom Gesicht gerissen und in den Schnee geworfen und ist mit einem beherzten Sprung IN DEN GRABEN GESPRUNGEN. Ilvy stand da drin und hatte keine Chance, an der steilen und hohen Schneewand wieder hoch zu kommen. Der Anblick von unserem Welpen (naja, okay, 8 Monate altem Junghund) in dem Graben war nicht zu ertragen – das als Entschuldigung für mein unüberlegtes Verhalten. Ich bin sofort bis ca. Mitte der Waden im Schlamm versunken (oberhalb der Wade war dann Wasser bis über das Knie). Ilvy wurde von mir mit einem (sehr) kräftigen Schubs wieder an Land befördert, ABER Frauchen hatte keine ­Chance, das Schlammloch ohne fremde ­Hilfe wieder zu verlassen. Zum Glück waren da noch die zwei völlig per­plexen Frauchen, die mir mit vereinten ­Kräften aus dem Graben geholfen haben.

Bilanz: Hund nass ungefähr bis zur Hälfte (Beine und Bauch), unversehrt und sofort bereit, sein wildes Spiel fortzusetzen. Bemerkung: Sie ist aufgrund ihres geringen Körpergewichts nicht so tief in den Schlamm eingesunken wie Frauchen … Frauchen nass bis über die Knie, geschockt, mit schmerzendem Knöchel und gefühltem 1 Liter Wasser im Goretex-Schuh. Okay – also schnell die anderen loswerden, Zähne zusammen und ab nach Hause. Und da sitzen wir nun, Hündchen geduscht, geföhnt, müde und zufrieden. Frauchen geduscht, müde, und inzwischen nicht mehr unter Schock. Im Nachhinein betrachtet wäre es richtig gewesen, den Hund an eine Stelle zu führen (gab es die überhaupt?), an der sie selber aussteigen könnte. ABER bei aller Liebe, ich sehe meinen 8 Monate alten Hund im tiefen Graben, ohne Chance diesen aus eigener Kraft zu verlassen, und das bei knapp über Null Grad – da suche ich nicht nach einer geeigneten Ausstiegsstelle. Auf alle Fälle ist Kaja für uns gestorben, für immer! Wäre ja mal interessant, was die beiden Frauchen heute abend so erzählen. Ich glaube, sie haben keine Handys gezückt (ging alles zu schnell), sonst wären wir sicher auf Youtube …

Auf den Dienstag, der sicher besser wird! Gute Nacht und liebe Grüße Claudia

P.S.: Jetzt kann ich die Meldungen nachvollziehen, dass ein Mensch ums Leben kommt, weil er seinem Hund in den reißenden Rhein nachspringt, um ihn zu retten – der Mensch ertrinkt und der Hund schwimmt an Land …

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