Die EDEN in Wien – für Nachtschwärmer die Bar zum Reden, für Hunde ein Garten EDEN

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Seit über 100 Jahren ist die Eden Bar in Wien ein im In- und Ausland bekannter Ort für gepflegte ­Abendunterhaltung. Wo sich zur Kaiserzeit noch der Adel im kleinen Kreis zusammenfand, ­treffen sich heute Menschen jedes Alters und jeder Couleur, um sich zu unterhalten, das internationale ­Entertainment zu genießen oder das Tanzbein zu schwingen. Was bisher nur wenige wussten ist, dass die allseits bekannte „Nachtklubkönigsfamilie“ Schimanko seit eh und je ein großes Herz für Hunde hat.

Wer kennt sie nicht, die Fotos in den verschiedenen Zeitungen und Magazinen, die die vergnüglichen Abende in der Wiener Eden Bar dokumentieren? Illustre Runden gutgelaunter Exponenten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaftsleben strahlen saturiert auf Flaneure, die durch das Gässchen ganz in der Nähe des Wiener Stephansdoms bummeln.

Die societyträchtige Foto-Auslage der Eden Bar ist eine Erfindung des früheren Bar-Besitzers Heinz Werner Schimanko, berichten seine Nachkommen und heutigen Eigentümer der Bar, Michaela Schimanko-Stiedl und Heinz Rüdiger Schimanko, und setzen wie aus einem Munde fort: „Anfangs wollten die Leute, die drinnen waren, nicht draußen hängen, aber ­mittlerweile intervenieren unsere Gäste sogar bei Personal und Fotografen, damit ihr Konterfei die Auslage ziert.“

Die Eden Bar – in einem weltweit einmaligen Art déco-Ambiente – gehört sicher zu den schönsten und elitärsten Bars der Welt und feierte vor drei ­Jahren ihr 100-jähriges Bestehen.

Die EDEN – lange Tradition
Der immer so genannte Nachtklubkönig Heinz Werner Schimanko hatte die Bar 1974 von dem Ungarn Gabor Kenezy übernommen, mit der Auflage, sie im Sinne Kenezys unter Wahrung von Kleideretikette und traditions­bewussten Umgangsformen weiterzuführen. Gabor Kenezy hatte die Bar seit 1953 geführt. Vor ihm hieß die Eden Bar-Betreiberin Emmy Stein. „Unser Vater kannte diese Emmy Stein aber gar nicht, wohl aber der Wiener Kabarettist Gerhard Bronner. Und Gerhard Bronner hat 1958 mit seinem für Helmut Qualtinger komponierten Lied „Der Papa wird‘s schon richten“ der Eden Bar zu ihrer bis dato besten Werbung verholfen,“ erzählt Michaela Schimanko-Stiedl. Und Heinz Rüdiger Schimanko ergänzt: „Ja, und ­Gerhard Bronner wäre einige Jahre zuvor selbst beinahe Eden-Bar-Be­sitzer geworden. Ihm, der damals die ­Marietta Bar führte, bot diese Emmy Stein nämlich ihre Eden Bar zur Übernahme an.

Also nachgefragt
Wer war eigentlich diese Frau Stein? Wie war sie? „Sehr alt und fast blind.“ Viel mehr konnte Gerhard Bronner angeblich auch nicht über sie sagen. „Sie dürfen nicht vergessen,“ sagte er einmal zu unserem Vater, „ich bin jetzt auch schon über 80 und damals war ich wohl einer der jüngsten Eden-Bar-Besucher.“ Bronner glaubte auch, Emmy Stein wäre eine Jüdin gewesen, die auf wunder­same Weise den 2. Weltkrieg in Wien unbeschadet überlebt haben soll. Allerdings im Zuchthaus wegen Feindsenderhörens,“ wissen die Schimanko-Geschwister aus dem väterlichen Nachlass zu berichten.

Also nachgeforscht
Mitnichten! Unbeschadet überlebte Emmy Stein den 2. Weltkrieg nicht. „Am rechten Auge total blind, linkes Auge fast eingebüßt, Nierenleiden, Rheumatismus, arbeitsunfähig, bedarf einer Führerin“, steht im Ansuchen an den KZ-Verband, welches sich im Dokumentationsarchiv des Öster­reichischen Widerstands findet. Emma Steininger – so der bürgerliche Name der einstigen Eden-Bar-Besitzerin – war von Juni bis August 1944 in Haft. Der Inhaftierungsgrund war das Delikt des „Feindsenderhörens“.

Ihre Bar bekam Emma Steininger am 5. Juni 1948 rückerstellt, da erwiesen war, dass ihr die Eden Bar im Zusammenhang mit der NS-Machtübernahme entzogen wurde. „Gerhard Bronner hat dann aber das Angebot dieser Frau Stein, die Bar zu übernehmen, nicht angenommen. Sondern ein gewisser Gabor Kenezy griff zu und übernahm die Eden“, erzählen mir Michaela und Rüdiger, während sich oben auf der Galerie der Bar der erste Vierbeiner lautstark und schwanz­wedelnd bemerkbar macht. „­Gestatten? Ares – und seines ­Zeichens ein ­dreijähriger, aufgeweckter Parson Russell Terrier.“

Ares & seine vier Freunde
Ares ist eindeutig der Chef einer fünfköpfigen Hunderasselbande im Hause Schimanko. Er begleitet sein Herrchen auf Schritt und Tritt durch Tag und Nacht, ist mit allen prominenten Gästen der Eden-Bar auf „Du und Du“ und hält natürlich auch Heinz Rüdiger Schimanko rund um die Uhr ordentlich auf Trab: „Ich liebe Ares, er ist ein absoluter Traumhund. Ares ist immer sehr freundlich und aufgeweckt und zuhause die beste Alarmanlage, die man sich vorstellen kann. Seine größte Freude ist es, mich täglich bei unserer einstündigen Radtour auf dem Land querfeldein zu begleiten und neben mir herzuspurten. Das ist sozusagen eine echte Win-Win-Situation für uns beide. Ich brauche den Sport, um nach einer intensiven Arbeitsnacht abzuschalten und zu entspannen, und Ares, um sich so richtig austoben zu können. Er ist eben ein typischer Terrier und diese Rasse braucht einfach extrem viel Bewegung.“

Davon könnten sich die vier Fellnasen von Michaela Schimanko-Stiedl eine Scheibe abschneiden. „Zumindest unsere faule Felicitas alias Feli“, lacht Michaela zustimmend und streichelt liebevoll ihre 10-jährige Labrador­dame, die sich mittlerweile auch aus ihrem Körbchen zu uns in die ­Runde inmitten der Eden Bar bequemt: „Sport war in Felis Lebensplanung offensichtlich nie so richtig vor­gesehen. Daher legt unsere Hundedame ihren Tag auch immer eine Spur gemütlicher an. Ihr Lieblingssport ist beispielsweise einfach nur Leckerlies zu verschlingen und das am besten im Liegen.“

Feli hätte vor neun Jahren ins Tierheim gebracht werden sollen, weil die Familie, bei der sie aufwuchs, keine Zeit mehr für sie hatte und Feli einfach loswerden wollte. Als Michaela von diesem Schicksal erfuhr, hat sie die damals einjährige Hündin ohne zu zögern bei sich aufgenommen: „Ich hatte immer schon ein großes Herz für Hunde. Das liegt bei uns in der Familie. Wir hatten, solange ich ­denken kann, immer mehrere Hunde der unterschiedlichsten Rassen und ich kann mir ein Leben ohne sie gar nicht vorstellen,“ gesteht die vorbild­liche, prominente Hundeliebhaberin.

Es ist daher auch nicht weiter verwunderlich, dass Michaela zusätzlich noch drei weitere Hundeschicksale aus den verschiedensten Lebenssituationen gerettet und ihnen ein Leben im „Garten Eden“ ermöglicht hat. „Ja, das stimmt; da gibt es zum Beispiel ­unsere Tosca. Tosca ist eine 15-jährige ­italienische Straßenmischung, die wir aus einem Toscana-Urlaub mit nach Hause gebracht haben. Mario, mein Sohn, war damals gerade zwei Jahre alt, und ein Tagesausflug führte uns zufällig zu einem italienischen Tierschutzhaus. Mitten in der wunder­schönen Landschaft. Da war einfach nur ein großes Gehege mit vielen Hunden – keine Hundehütten, keine gemütlichen Schlafplätze, es gab dort einfach genau nichts. Nur viele arme, eingesperrte, traurige Hunde. Es war ein trostloser Anblick. Während ich noch völlig von dem Tierleid ergriffen war, schlich sich Mario unbemerkt ganz nah an diesen Zaun heran. Dahinter die vielen Hunde. Kläffend, bellend, winselnd. Mario steckte seine Hand durchs Gitter und mir blieb fast das Herz stehen. Plötzlich stürmte ein schwarzweißer Hund auf mein Kind zu und blieb wie erstarrt vor Mario stehen. Die beiden schauten sich einen Moment in die Augen. Ich bangte um meinen Sohn, konnte aber nicht mehr einschreiten. Spontan fing Mario an zu lachen. Gleichzeitig machte dieser Hund auf der anderen Seite des Gitters Freudensprünge ohne Ende. Mir fiel ein Stein vom Herzen und naja, was soll ich sagen, diese entzückende Hündin nannten wir Tosca und sie eroberte unsere Herzen im Sturm.“

Und dann waren da noch die beiden Spitzmischlinge Abi und Aja. „Ja,“ lacht Michaela, „die sind uns im wahrsten Sinne des Wortes „passiert“: Freunde hatten vor fünf Jahren einen Wurf entzückender Welpen und ich habe nichts ahnend meinen beiden Kindern davon erzählt und ihnen versprochen, diesen zu besuchen. Seither weiß ich, wenn man mit zwei Kindern eine Wurfkiste voller Welpen besucht, ­sollte man sich sicherheitshalber im Vorfeld auch gleich zwei Namen für die neuen Mitbewohner einfallen lassen. Und zwar unabhängig davon, wie viele Hunde man schon zu Hause hat.“

Besonders begeistert von seinen vier Freunden ist natürlich Ares. Er freut sich tierisch, wenn man sich hin und wieder in der Eden trifft und kann es dabei nicht lassen, backstage im ­ruhigen Büro, mit neu erlernten Tricks zu protzen. Kunststück, trainiert ­Herrchen Rüdiger doch fast täglich auf dem eigenen Hundeausbildungsplatz mit seinem aufgeweckten Rabauken, während Feli, Tosca, Abi und Aja die Zeit, in der Frauchen Michaela Geschäftliches erledigt, überwiegend in der angrenzenden Hundepension zum Chillen nutzen.

„Alles Hund“ – Schimankos Hundepension am Rande der Stadt
Hundeliebe war bei den Schimankos immer schon großgeschrieben – mit ein Grund, weswegen Heinz Rüdiger Schimanko im Jahre 2011 eine eigene „Alles Hund GmbH“ in Gänserndorf bei Wien gründete und sich somit ein weiteres Spiel- bzw Standbein schuf. „Ist der Hund gesund, freut sich der Mensch“, grinst Rüdiger und beginnt mir plausibel die Philosophie hinter seiner Idee zu erklären: „Ich möchte einfach nach asiatischem Vorbild nach dem Ganzheitsprinzip vorgehen! Es gibt daher fünf Ecksäulen, auf denen die Philosophie meiner Alles Hund GmbH basiert: das sind Betreuung, Ausbildung, Ernährung, Bewegung, Körper & Seele! Wenn ein Ungleich­gewicht der einzelnen Säulen entsteht, wissen wir, entwickeln sich auch Blockaden in Körper und Seele des Tieres. Somit kann es auch zu Fehlkommunikationen, Krankheiten und Unzulänglichkeiten kommen. Deshalb ist mir als bekennender Hundenarr wichtig, neben Hundeausbildung und einem Futterhandel zusätzlich eine recht komfortable Hundepension für unsere Tierfreunde und ihre vier­beinigen Lieblinge anzubieten.“

Und wenn Heinz Rüdiger Schimanko von Komfort spricht, kann man sich sicher sein – dann meint er auch Komfort: „Ja“, lacht Rüdiger und führt mich stolz durch die Räumlichkeiten seiner „Alles Hund GmbH“: „Diese Anlage ist wirklich sehr komfortabel. Sie hat beispielsweise sechs beheizte Suiten mit angrenzendem Auslauf. Alle Räumlichkeiten sind gut isoliert und bieten im Sommer eine angenehme Temperatur, und im Winter ist jedes einzelne Zimmer durch extra Thermostate individuell beheizbar. Wichtig war mir auch, dass alle Räume eine Verbindungstür haben; somit ist es möglich, bei Bedarf die Gästezimmer zu verbinden. Sollte ein Tier allerdings krank werden oder unverträglich mit Artgenossen sein – was zum Glück nur sehr selten vorkommt – ist es nun mal notwendig, es von den anderen zu trennen. Zusätzlich haben wir natürlich auch eine Freiluftanlage mit ­sieben Séparées, sozusagen. Und schau, Volker, überall befinden sich isolierte Hundehütten, bestückt mit kuscheligen Schmusedecken, diversen Spielsachen und allem, was ein glückliches Hundeherz begehrt.“

Während mich Ares, Feli, Tosca, Abi und Aja lautstark durch einen 450 Quadratmeter großen Auslauf in einen noch größeren mit ca. 3.500 Quadratmetern führen, erklärt mir der hundeliebende Hausherr nahezu selbstverständlich: „Und da meine Anlage ein Betrieb ist und kein Verein oder privat einfach in einem Einfamilienhaus untergebracht ist, haben wir eine ­amtstierärztliche Genehmigung und erfüllen alle gesetzlichen Kriterien und Hygienestandards. Und als besonderes Zuckerl bieten wir unseren Kunden in der Unterbringungszeit auch die Möglichkeit, die Hunde von einem ÖKV-Trainer ausbilden zu lassen. Bevor wir hier allerdings einen Hund bei uns aufnehmen, legen wir großen Wert darauf, den Hundehalter und seinen vierbeinigen Liebling im Vorfeld persönlich kennenzulernen. Also vom Prinzip her genau das Gegenteil von dem Hotel Orient, in dem absolute Diskretion oberste Priorität hat,“ lacht der erfolgreiche Unternehmer, der dieses einmalige Etablissement nach dem Tod seines Vaters Heinz Werner Schimanko übernahm.

Hotel Orient – kein Mucks dringt nach außen
Das Hotel Orient in Wien gehört zu den originellsten Stundenhotels weltweit und könnte vom Ambiente her bezaubernder nicht sein. Die winzige Bar ist ausgestattet mit einigen wenigen Barhockern, Bänken und Sesseln. Allzu laut geredet wird hier allerdings nicht, da der Nachbar Intimitäten nicht mithören soll. An den Wänden Spiegel, das Gemälde einer barocken Dame im Eva-Kostüm und ein Bildnis der Katharina Schratt. „Kaiser Franz Josef soll hier regelmäßig seine Geliebte getroffen und majestätisch beglückt haben“, erklärt mir Rüdiger recht stolz, während auch Ares von der Rezeptionistin mit Leckerlis standesgemäß verwöhnt wird. Und obwohl die Bar im Hotel Orient nichts Verruchtes hat, ist sie nicht die Bar zum Reden – ganz im Gegensatz zur EDEN.

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