Gleichberechtigte Partnerschaft? – Gedanken zur Mensch-Hund-Beziehung

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WUFF-Leser haben unterschiedliche Gedanken, Vorstellungen und Meinungen. Manchmal lassen sich diese auch bei bestem ­Willen nicht auf einen kurzen Leserbrief reduzieren. Für solche Fälle gibt es nun die Möglichkeit, einen kleinen Leser­beitrag zu verfassen. WUFF-Leser Uwe Borchert ist Hunde­trainer und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Beziehung ­zwischen Menschen und Hunden. In diesem Zusammenhang geht er im Speziellen der Frage nach, inwieweit Hunde unsere Partner sind und wie wir uns ihnen gegenüber verhalten.
Wollen auch Sie Ihre Gedanken anderen WUFF-Lesern kundtun und zur Diskussion stellen, dann schreiben Sie an WUFF.

Mein Hund ist mein bester Freund und oft der bessere Mensch. Wirklich? Werden wir mit dieser Art der Vermenschlichung unseren vierbeinigen Hausgenossen gerecht? Ich meine, nein. Auch ein Partner, in unserem menschlichen Kontext, ist er nicht, denn Partnerschaft bedeutet Gleichberechtigung. Genau das aber existiert in der Be­ziehung Mensch-Hund nicht. Gleichberechtigung unter Hunden ist weder arttypisch noch genetisch disponiert. Eine gleichberechtigte Beziehung zu unseren Hunden ist auch wenig praktikabel. Es sei denn, Sie möchten auf gleicher Augenhöhe, so von Freund zu Freund, mit ihrem Hund ausdiskutieren, ob er an einer ­belebten Straße anhält oder doch lieber slalomlaufend die Autos umkurvt?

Worte sind Schall und Rauch
Ein Sozialpartner, ja, ausgestattet mit einem hohen Kommunikationsrepertoire, das zu entschlüsseln eine der vornehmsten und spannendsten Herausforderungen für uns Menschen im Umgang mit unseren Hunden ist. Ein Hund nimmt uns mit all seinen Sinnen wahr, olfaktorisch, optisch, akustisch oder taktil. Wir erfassen den Hund hingegen nahezu ausschließlich mit Augen und Ohren. Unser hauptsächliches Kommunikationsmittel ist die menschliche Sprache. Sehr zum Leidwesen für den Hund, denn das führt zwangsläufig zu Missverständnissen. Körpersprachliche Signalübermittlung jedoch, eindeutig, unmissverständlich und klar lesbar für den Hund, hilft uns, den Hund unmittelbar zu erreichen. Wie das geht? Gewöhnen Sie sich doch einfach mal an, Ihren Hund mehrmals am Tag intensiv zu beobachten. Ob allein in der Wohnung, auf dem Spaziergang in Feld und Flur oder in der Stadt. Eine wahre Fundgrube hündischer Kommunikation erleben Sie beim Hundespiel. Schauen Sie intensiv und aufmerksam zu, wie Ihr Hund mit anderen Hunden kommuniziert. Im Grunde ist es ganz einfach.

Hase schlägt Leckerli
Es ist meine feste Überzeugung: formaler Gehorsam wie Sitz, Platz, Fuß macht nur einen minimalen Teil in der spannenden Beziehung Mensch-Hund aus. Sozialer, kontextbezogener Gehorsam im Alltag ist deutlich bedeutsamer, auch und gerade um einem Hund viel Freiheit lassen zu können. Je höher die Frustrations­toleranz eines Hundes ist, je regel­mäßiger er „fragt" und der Mensch klar und eindeutig agiert, also führt, umso mehr kann ein Hund sich wie ein Hund in seinem wenig hundefreund­lichen Alltag bewegen.

Ein Hund ist keine Konditionierungsmaschine, die leckerligestopft „motiviert" wird, Sitz und Platz zu machen oder bei Fuß zu laufen. Im Grunde ist es doch eine Beleidigung unseren Hunden gegenüber, ihnen nur dann das Einhalten von Ge- und Verboten sowie das Befolgen von Kommandos zuzutrauen, wenn wir sie dafür hinterher mit einem Futterbrocken belohnen. Leckerchenbeutel-bewaffnet werden Hunde mit Fleischwurst oder Käse regelrecht bestochen, aber nicht angeleitet und geführt. Ein ausschließlich auf Futterbrocken konditionierter Hund zeigt keine ­Orientierung hin zu seinem Menschen, sondern ausschließlich auf die Hand, die den Futterbrocken hält. Und diese Hand ist austauschbar! Er wird unter starker Ablenkung, z.B. des plötzlich auftauchenden Hasen im Felde, sich gegen das Stück Fleischwurst und für das flüchtende Beuteobjekt entscheiden. Denn schon die Hatz hinter dem Hasen her ist eine selbstbelohnende Hormonexplosion im Gehirn.

Dreckig, aber glücklich
Wir Hundehalter sollten uns immer wieder mal die Frage stellen, ob unser Anspruch und das daraus ­resultierende Verhalten unserem Hund gegenüber nicht nur der Befriedigung eigener Bedürfnisse dient. Der Hund und ­seine Bedürfnisse bleiben dabei häufig auf der Strecke. Oder lassen Sie ihren Hund sich von Zeit zu Zeit in übelriechenden, halb vermoderten Tierexkrementen suhlen? Tun Sie es mal. Lassen Sie ihn einmal so richtig Hund sein und seinem Instinkt folgen. Das Fell ist danach schnell wieder ausgewaschen. Ihr Hund stinkt, ist aber glücklich!

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