Hund vermisst

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Wenn man an das Schlimmste denken muss

Es mag auf den ersten Blick ungewöhnlich ­klingen, dass ein Verein nach toten Hunden sucht. Wer ­allerdings selber einmal in der ­unerträglichen Si­tuation war, über seinen vermissten Hund ­dauerhaft im Ungewissen zu bleiben, wird es verstehen. Um mit einem vermissten Hund abschließen zu können, muss man wissen, was mit ihm passiert ist. Der Verein „TotFundHund“ hilft dabei.

„Ihr sucht nach Besitzern toter Hunde?“ Solche oder ähnliche Fragen bekommen wir sehr oft zu hören, gefolgt von ungläubigen Blicken. Klingt komisch, ist aber so. Die Notwendigkeit unserer ehrenamtlichen Arbeit sollte jedem klar werden, sieht er sich nur unsere Statistik aus 2015 an. Dazu später mehr. „TotFundHund“ begann 2013 als kleine Gruppe bei Facebook unter dem Namen „überfahrene/tot aufgefundene Hunde“, gegründet durch Susanne Riedel. Auf der Suche nach einem entlaufenen Hund fand sie bei der Recherche heraus, dass viele Hunde einfach nie wieder auftauchten. Im Laufe der letzten Jahre schlossen sich mehr und mehr Helfer dieser ­Gruppe an, so dass bald darauf der Name TotFundHund entstand. Mittlerweile gehören unserer Gemeinschaft mehr als 1800 Mitglieder an, die in Teams nach Bundesländern aufgeteilt arbeiten. Des Weiteren gibt es TotFundHund seit einiger Zeit auch in Österreich und der Schweiz. Derzeit befinden wir uns in der Vereinsgründung.

Wird uns ein Totfund gemeldet, ­beginnen sofort die ersten Maßnahmen. Behörden werden kontaktiert, Mitglieder aus der Umgebung aktiviert. Ausgestattet mit Chiplesegeräten machen diese sich dann auf zum Fundort und ­verschaffen sich ein Bild der Lage. ­Unsere Helfer arbeiten im Übrigen alle ehrenamtlich und tragen die Kosten für die Anschaffung der Utensilien selbst. Die Einsätze sind natürlich kostenfrei. Neben der Transponderabfrage wird auch nach Tattoos und Marken, Halsband, dem Geschlecht, der Rasse und sonstigen Merkmalen geschaut, um weitestgehend eine gute Beschreibung abgeben zu können. Dazu werden detailreiche Bilder gemacht, in der Hoffnung, dass wir anhand dieser bei der Recherche nach vermisst gemeldeten Hunden fündig werden. Hierfür greifen wir auf Datenbanken im Netz zurück. Ist das Tier gechippt und auch registriert, geht die Halterermittlung recht zügig. Doch leider ist es nicht immer derart einfach. Wir appellieren an alle Hundehalter: Lassen Sie Ihr Tier chippen und registrieren!

Zurück zu unserer Statistik aus 2015. Die Zahl von 865 tot aufgefundenen Hunden könnte Sie jetzt erschrecken. Aber wir vermuten sehr stark, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher ist. Deswegen dürfen wir in diesem Fall nicht einfach wegschauen und müssen etwas bewirken. Die Zusammenarbeit mit Polizei und Straßenmeistereien funktioniert in einigen Regionen sehr gut, doch noch ist unsere Arbeit nicht bis zu jeder Dienststelle durchgedrungen. Oftmals ist es so, dass z.B. ­überfahrene Hunde einfach direkt entsorgt werden. Die zuständigen Straßenmeistereien haben meist weder die Zeit, sich um eine Halterermittlung zu kümmern, noch liegt es in ihrem Aufgabenbereich. Dazu kommt, dass das nötige Equipment wie das Chiplesegerät fehlt. So landet der Hund dann am Ende des Tages mit vielen anderen Wildtieren zusammen in einem ­Entsorgungsbetrieb. Einfach so, während die Halter weiter­hin im Ungewissen leben und ihren vierbeinigen Freund suchen.

Und genau darin liegt nun unsere Motivation! Wir wollen, dass kein Hund auf der Strecke bleibt. Jeder tot ­aufgefundene Hund hat es verdient, einen Namen zu bekommen. Und auch jeder Halter hat das Recht zu ­erfahren, was aus seiner geliebten Fellnase geworden ist, sollte sie einmal abhanden gekommen sein. Falls Sie einen toten Hund finden, scheuen Sie sich nicht, uns zu informieren. Wir arbeiten völlig kostenfrei und unbürokratisch.

Pdf zu diesem Artikel: totfundhund

 

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