Jetzt fallen die letzten Tabus

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Fast wäre ein Skandal unentdeckt geblieben, weil die Opfer besonders hilflos sind: Sie sind nämlich blind oder stark sehbehindert und auf die Hilfe ihrer Führhunde angewiesen. Die beiden engagierten Menschen- und Hundefreunde Iris Strassmann aus Flensburg im hohen deutschen Norden und Bettina Abramowski aus Hameln haben diesen Skandal öffentlich gemacht. So hat auch WUFF davon erfahren und sich mit den beiden Kämpfern gegen Hundehysterie und Übergriffe auf Hunde und ihre Halter in Verbindung gesetzt. Was WUFF erfuhr, läßt ob der besonderen Hilflosigkeit der Opfer erschauern: Jetzt sind in Deutschland nämlich offensichtlich die letzten Tabus gefallen. An verschiedenen Orten in der Bundesrepublik wurden Blindenführhunde, die eindeutig als solche erkennbar waren, von Menschen oder deren Hunden angegriffen (z.B. getreten, gebissen) und die Halter/innen beschimpft und bedroht. Iris Strassmann: „In einem uns bekannten Fall wurde ein Blindenführhund so oft attackiert und gebissen, dass eine weitere Arbeit als Führhund unmöglich ist. Die Halterin ist so stark verängstigt, dass sie sich kaum noch aus dem Haus wagt, vor allem, weil der Täter ihr noch eine Morddrohung zukommen ließ.“

Hundehysterie: Die letzten Tabus fallen
In dieser Situation sind nun nicht einmal mehr Blinde mit ihren für sie lebensnotwendigen Führhunden sicher! Manche von ihnen trauen sich überhaupt nicht mehr aus dem Haus, weil sie damit rechnen müssen, dass man ihnen und ihrem Hund auflauert. Die Angst geht um in Deutschland!
Bettina Abramowski: „Ein besonderer Skandal dabei ist, dass den Blinden manchmal bei der Polizei von einer Strafanzeige abgeraten wird, da eine Strafverfolgung keinen Zweck habe. Der Blinde kann ja den Täter nicht beschreiben und Zeugen stellen sich leider selten zur Verfügung.“ Und die Sache ist damit für die Polizei gegessen, denn ohne Anzeige besteht offiziell ja auch kein Straftatbestand.

Hilfs-Netzwerk aufgebaut
Was Deutschlands blinde Bürger und ihre Führhunde jetzt brauchen, ist konkrete Hilfe und echter Beistand in dieser Situation von Angst und Gefahr. Durch die Aktivitäten von Iris Strassmann und Bettina Abramowski haben sich bereits Helfer gemeldet, unter anderem werden jetzt Telefonlisten von engagierten Menschen zusammengestellt, die sich bereit erklären, Blinde in ihrer Gegend gelegentlich zu begleiten, wenn dies nötig ist. Ausserdem haben Iris und Bettina ein regelrechtes Internet-Netzwerk aufgebaut, um einen raschen Informationsaustausch zu sichern.
In Österreich sind solche Fälle bislang (noch) nicht bekannt geworden, was aus o.a. Gründen aber nicht heisst, daß es sie nicht gibt. Wenn Sie von solchen Vorfällen Kenntnis haben, teilen Sie uns dies bitte mit!

Hilfeaufruf an deutsche Hundefreunde!
Da WUFF seit dieser aktuellen Ausgabe auch in ganz Deutschland vertrieben wird, richten wir hier den Aufruf an alle deutschen Hundefreunde, ihren blinden Mitmenschen und deren Hunden in ihrer Gegend beizustehen (gelegentliche Begleitdienste, Gespräche, praktische Hilfen im Alltag usw.).
Schreiben oder mailen Sie an Iris Strassmann, Nerongsallee 48, D-24939 Flensburg
Tel.: 0461 – 51386.
Mail: Iris.Strassmann@t-online.de

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Dr. Hans Mosser

WUFF Chefredakteur

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