Klinikaufenthalt mit Hund – Warum eigentlich nicht?

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In der psychosomatischen Parkklinik Heiligenfeld in Bad ­Kissingen ist etwas möglich, was es so bisher noch nicht gegeben hat. ­Patienten, die den Wunsch äußern, ihr Haustier mit zur Therapie zu bringen, können das seit nun vier Jahren machen. Die ­Nachfrage steigt enorm und der Genesungsprozess der Menschen wird mit dem eigenen Hund vorangetrieben. Mit zwei Tierzimmern hat alles begonnen, mittlerweile werden schon 27 Menschen mit ihren ­geliebten Vierbeinern zusammen betreut.

Die Heiligenfeld Kliniken in Bad Kissingen sind spezialisiert auf Behandlung von psychosomatischen Erkrankungen. Seit vier Jahren ist auch die Aufnahme von Patienten mit ihren Haustieren möglich und somit der Grundstein für ein neues Therapiekonzept gelegt worden.

Viele Patienten konnten sich nicht von ihrem treuen Begleiter trennen oder hatten niemanden, der ihr Tier in ihrer Abwesenheit gut betreut.
So entschloss sich das ­Heiligenfelder Team kurzerhand, die Tiere ihrer ­Patienten mit aufzunehmen. Dass diese Entscheidung richtig war, zeigt die enorme Nachfrage. Speziell die eigenen Hunde sind stark in den Alltag der Menschen integriert und daher ist es sehr sinnvoll, diese auch in die ­Therapie miteinzubeziehen.

„Vor vier Jahren haben wir mit zwei Tierzimmern angefangen und haben dann innerhalb kürzester Zeit auf 14 Zimmer, die immer belegt sind, erhöht. Durch die tierbegleitende ­Therapie, die die Parkklinik Heiligenfeld seit dem 1. Mai 2014 anbietet, ist die Nachfrage enorm gestiegen. ­Deshalb haben wir bereits zu Beginn des An­gebots auf 27 Tierzimmer erhöht. Die meisten Patienten reisen mit ihren Hunden an, aber generell ist die ­Aufnahme von Patienten auch mit Katzen und anderen Kleintieren möglich,“ erzählt Marina Prieb von der Heiligenfeld Klinik.

Artgerechte Unterbringung
Die Hunde oder auch Katzen leben mit ihren Frauchen und Herrchen im Zimmer, wie zu Hause auch. Sie dürfen überall in der Klinik mitgenommen werden und es gibt sogar eine eigene Hundedusche und Hundeküche. Vor der Klinik be­findet sich ein großzügiger Park, wo auch Freilauf möglich ist. Kooperationen mit Tierärzten und Hundesalons vor Ort werden dankend angenommen. Das Personal wird zusätzlich von Hundefachleuten gecoacht und Hundetrainer vor Ort bieten einige Seminare für alle Tierbesitzer direkt in der Klinik an.

„Der an die Parkklinik Heiligenfeld angrenzende Park wird intensiv von den Patienten mit ihren Hunden genutzt, sodass die Tiere genug Auslauf bekommen und dadurch sehr ­ausgeglichen sind. Bisher konnten wir keinerlei Probleme, weder im Umgang mit den Tieren untereinander, noch in der Beziehung zwischen Tier und Mensch, feststellen,“ so ­Marina Prieb.

Der richtige Umgang mit dem Hund
Zunächst erfolgt die Behandlung der Patienten nach dem bekannten und bewährten Klinikkonzept. Darüber hinaus kann der mitgebrachte Hund in die Therapie in Form von Einzelgesprächen miteinbezogen werden. Zusätzlich gibt es aber auch die Möglichkeit, den Umgang mit dem eigenen Tier zu verbessern. Gerade psychisch erkrankte Menschen neigen besonders dazu, ihre momentane Befindlichkeit über das Tier zu kanalisieren. Das kann schnell zu stressbesetzten Situationen führen, die zu gestörten Beziehungen ­zwischen Tier und Mensch werden können, bis hin zu schweren ­Verhaltensauffälligkeiten des Tieres.

Marina Prieb erzählt, was genau in diesen Workshops ­passiert: „Für viele Menschen sind Tiere ein Familienmitglied, häufig sind sie die einzige Bezugsperson und manchmal überschreitet die Liebe zwischen Mensch und Tier den gesunden Rahmen. In der Therapie möchten wir zu einer gesunden Mensch-Tier Beziehung hinführen, auch zur ­Entlastung des Tieres und zur Erhaltung seiner Würde.“

Hunde geben eine unmittelbare und vor allem eine sehr authentische Rückmeldung auf die Stimmung des ­Menschen. Wenn der Mensch besser auf seinen Hund ­achtet, ihn besser kennenlernt, kann er anhand der ­Reaktionen des Tieres sein eigenes Verhalten auch besser deuten. Zum anderen kann ein Mensch lernen, durch seinen Hund besser zu entspannen, Trost zu finden oder gemeinsam aktiver zu werden.

Gestärktes Team nach der Therapie
Während des Klinikaufenthalts gehen die Menschen gemeinsam mit ihren Hunden durch eine starke emotionale Zeit. Aber gerade diese Achterbahn der Gefühle stärkt auch das Zusammengehörigkeitsgefühl. Nicht nur der Patient, sondern auch sein Haustier profitiert von der Therapie. Durch ein ruhigeres Herrchen oder Frauchen, das nun in schwierigen Situationen besser und bewusster reagiert, wird auch der Stress vom Tier genommen. Denn oftmals werden menschliche negative Gefühle unbewusst auf das Tier transportiert, welches das Leid dann mittragen muss.

Die Heiligenfeld Klinik hat sich einer heiklen ­Problematik angenommen. Gerade Menschen, die eine ­stationäre ­Therapie dringend nötig bräuchten, hält oftmals die ­Trennung vom geliebten Vierbeiner davon ab. Deshalb wurde der Wunsch nach einer möglichen Aufnahme in eine Klinik zusammen mit dem geliebten Vierbeiner häufig ­geäußert und dieses Klinikteam hat alles getan, um das möglich zu machen! Ein großartiges Projekt, das sicher nach Erweiterung verlangt!

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