Maulkorb-Training: Gewöhnung an den Maulkorb

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Die Kolumne zum Thema „Alltagsprobleme mit dem Hund“.  WUFF-Autorin Yvonne Adler, Tierpsycho­login, akademisch geprüfte Kynologin und  Hundetrainerin, beantwortet Ihre Fragen. Schicken Sie uns Ihr Alltagsproblem mit Ihrem Hund , kurz formuliert und mit 1 bis 2 Bildern. In dieser Ausgabe geht es darum, einen Hund an den Maulkorb zu gewöhnen.

Liebe Frau Adler!
Unser Hugo ist ein Flat Coated ­Retriever-Mischling, 1 ½ Jahre alt, und bei uns, seit er ein Welpe ist. Da er uns im Junghundealter an einer Vergiftung fast verstorben wäre – er hat Gift gefunden und gefressen – trägt Hugo draußen nun immer einen Maulkorb. Hugo findet das jedoch gar nicht toll. Er versucht ihn ständig abzustreifen. Mittlerweile ist es sogar so, dass er gar nicht mehr gerne spazieren gehen mag. Vielleicht haben Sie einen Tipp für uns? Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort!
Liebe Grüße, Familie Roth

Liebe Familie Roth!
Ich kann Ihre Ängste, die aufgrund der damaligen Vergiftung ent­standen sind, durchaus nachvollziehen. Für uns Menschen ist der Maulkorb die einfachste Managementmaßnahme, um zu verhindern, dass der Hund unerwünschte Dinge vom Boden aufsammelt.

Anderen Maulkorb nehmen
Um dieses Werkzeug wirksam einsetzen zu können, ist es jedoch wichtig, den Maulkorb richtig anzutrainieren. Ihn einfach anzulegen ist dabei nicht zielführend. Anscheinend ist der Maulkorb für Ihren Hugo schon negativ besetzt. Um hier das Training neu starten zu können, sollten Sie einen neuen Maulkorb kaufen. Dieser sollte sich von dem alten Modell unterscheiden. Er sollte farblich anders gestaltet sein, aber auch im Aussehen variieren. Eventuell kann sich auch das Gewicht vom vorherigen Maulkorb unterscheiden – leichte Modelle gibt es unter anderem aus den Materialien Biothane, Leder oder Plastik. Denn Hugo hat mit dem ­vorhandenen Maulkorb auch ein negatives Körper­gefühl verinnerlicht. Wichtig ist außerdem beim neuen Modell, dass die Aufnahme von Wasser möglich ist, der Maulkorb gut sitzt, keinesfalls einschneidet und der Hund zum Temperaturausgleich hecheln kann. Maulschlaufen sind deshalb absolut ungeeignet und meistens vom Gesetzgeber auch nicht anerkannt!

Maulkorb-Training
Nun zum eigentlichen Training: Sie präparieren den neuen Maulkorb zuerst mit Leckerchen. Dazu halten Sie entweder eine Belohnung von unten hinein, oder Sie streichen ihn mit Streichwurst aus. Sobald Hugo mit seiner Nase in den Korb fährt, sagen Sie hier ein Kommando dazu. Ich verwende dazu beispielsweise „Nase“. Dieses Kommando darf immer erst dann gegeben werden, wenn er bereits auf dem Weg mit seiner Nase in den Maulkorb ist. Dieser Befehl und der neue Maulkorb müssen für Hugo etwas absolut Positives sein. Deshalb müssen immer gute Leckerli verwendet werden. Das Training soll in langsamen Schritten gesteigert werden: Das heißt, zuerst wird nur erwartet, dass Hugo seine Nase in den Maulkorb steckt, er darf jedoch noch nicht geschlossen werden! Ihr Hund darf sich dem Maulkorb jederzeit ­wieder entziehen. Erst wenn Hugo seine Nase freudig hineinsteckt, werden die ­Riemen geschlossen, jedoch vorerst nur für einige Sekunden. Wenn alles gut klappt, wird dieser Zeitraum nach und nach verlängert. Wichtig ist, dass das Training für Hugo Spaß macht, weshalb immer wieder Leckerchen folgen sollten.

Belohnungsintervalle verändern
Sobald Ihr Hund den Maulkorb ­gerne und freiwillig trägt, können Sie be­ginnen, die Belohnungsintervalle zu verändern. Hugo sollte nur beim An­legen und beim Tragen belohnt werden, jedoch keinesfalls beim Abnehmen des Maulkorbs. So könnte er sehr schnell die Schlussfolgerung ziehen, dass er nur dann gute Belohnungen bekommt, wenn das „Ding“ wieder unten ist. Damit der Maulkorb zur Lieblingsübung wird, müssen auch Sie diese Übung toll finden. Wenn Sie ein paar Mal täglich trainieren, sollten Sie auch Freude, Spaß und Motivation empfinden, denn diese Grund­stimmung überträgt sich auf Hugo!

Wenn Sie dieses Training konsequent verfolgen, können Sie Hugo den Maulkorb in Zukunft anziehen, ohne dass es immer ganz tolle Leckerchen gibt, schließlich haben Sie ja nun ein Kommando dafür. Sie sollten Hugo aber trotzdem noch hohe Aufmerksamkeit schenken und Belohnungen einsetzen, wenn er den Maulkorb trägt. Schließlich muss sich Verhalten für den Hund auch lohnen.

Zusätzlich möchte ich anmerken, dass es auch andere Lösungen gibt, um Hugo daran zu hindern, gefun­dene Sachen zu fressen. Zum Beispiel ­könnten Sie ihn lehren, Ihnen gefundene Sachen zu bringen, ohne diese zu schlucken. Dieses Training ist zwar meist aufwändiger, jedoch wären Spaziergänge ohne Maulkorb sowohl für Sie als auch für Ihren Hund ein ­tolles Erlebnis.

Ich wünsche Ihrer Familie und Hugo, dass Ihr gemeinsames Training ­großen Erfolg und in Zukunft entspannte ­Spaziergänge bringt!
Ihre Yvonne Adler

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Yvonne Adler
Yvonne Adler lebt und arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Hunden. Sie schloss das Studium zur Tierpsychologin mit Auszeichnung ab und ist zudem eine von Europas ersten akademisch geprüften KynologInnen. Neben ihrer Tätigkeit als Sachverständige für Hunde, absolviert sie laufend weitere in- und ausländische Aus- und Fortbildungen im Bereich der Kynlogie, um stets auf dem aktuellsten Stand der internationalen Hundewissenschaft. zu sein. www.adler-dogs.at

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