Michael Aufhauser & seine Gut-Aiderbichl-Hundefamilie

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Am Anfang war es eine Vision – einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen und Tiere ohne Angst treffen können. Vor zehn Jahren gründete der Schauspieler und Unternehmer Michael Aufhauser bei Salzburg sein Gut Aiderbichl. Heute ist diese Einrichtung mit über 20 Standorten zu Europas größtem ­Gnadenhof für Tiere angewachsen und  Michael Aufhauser ein viel geachteter Tierschützer.

„Ohne Hunde gäbe es kein Gut Aiderbichl“, sagt Michael Aufhauser und bezieht sich auf jenen Tag, an dem er Zeuge einer Tötung von Streunern in der Perrera von Malaga wurde. Da schlug es wie der Blitz in sein Leben ein und er rettete auf einen Schlag 40 Hunde und Katzen vor der ­nächsten Vergasung. Das war Ende der 1980er. Inzwischen sind es ­mehrere tausend in Not ­geratene Tiere, denen Michael Aufhauser mit engagierten Tierschützern und ­freiwilligen Helfern ein würdiges Leben schenken konnte. Heute steht das Gut als Symbol für den Schutz und die Würde der Tiere.

Happy Birthday Gut Aiderbichl
Gut Aiderbichl in Henndorf bei Salzburg feiert in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen. Es ist einer von inzwischen 20 „Gut Aiderbichl“-­Gnadenhöfen in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Während seiner arbeitsreichen 7 Tage-Woche setzt sich ­Michael Aufhauser ehrenamtlich für die ­Rettung von in Lebensgefahr befindlichen Tieren ein. Neben 526 Pferden und knapp 400 Rindern dürfen auch viele andere Tiere unterschiedlichster Rassen bis an ihr natürliches Lebensende unter seinem persönlichen Schutz auf zwei besuchbaren und betriebswirtschaftlich geführten Gütern und insgesamt 18 Höfen der gemeinnützigen Gut Aiderbichl-­Stiftung bleiben.

Derzeit genießen dort mehr als 2.000 gerettete Tiere ihr glückliches Leben, darunter fast 300 Katzen und über 100 Hunde. Für letztere hat sich der vorbildliche Tierfreund etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie leben wie in Familien und sehen in ihren Tierpflegern, von denen sie rund um die Uhr liebevoll betreut werden, ihre Bezugspersonen.

Wie sich so eine richtige Lebens­qualität für Hunde entwickeln kann, hat Michael Aufhauser bei sich zu­hause beobachtet. Die 18 Hunde seiner Gut Aiderbichl-Hundefamilie verbringen den ganzen Tag auf dem Gut und haben dort auch ihre ­eigenen Hundezonen. Am Abend dürfen sie bei ihren Pflegern wohnen. Zehn der ­Hunde haben sogar das Privileg, die Nacht bei Michael Aufhauser in seinem Schlafzimmer verbringen zu dürfen.

Ein Herz für notleidende Tiere
Jeder einzelne Vierbeiner dieser Hunde­familie wurde, so wie alle anderen tierischen Bewohner des Gutes auch, aus aussichtslosen Lebens­umständen gerettet. Und so weiß auch jede dieser Fellnasen ihre ­eigene, ganz persönliche Geschichte zu erzählen. „Darunter gibt es ­leider auch ganz schwierige Fälle, wie ­Daisy, eine Ex-Versuchslabor-Beagle-Dame, die zehn Jahre lang quälende ­Tierversuche über sich ergehen ­lassen musste,“ berichtet Aufhauser im Interview mit WUFF.

Als sie vor über zwei Jahren aus ihrem schrecklichen Dasein von dem prominenten Tierfreund gerettet wurde und zu Gut Aiderbichl kam, diagnostizierte die Tierklinik bei ihr und ihrer Schwester Kiara Krebs im Endstadium. Besonders schlimm sah es für Daisy aus. „Sie wird nur noch einige Wochen schmerzfrei leben können“, stellte die Tierklinik fest. „Ich erkenne aber schon am Atem eines Hundes, wann die Schmerzen einsetzen, und so nahm ich die beiden Beagle-Hündinnen zu mir nach Haus,“ erinnert sich Aufhauser. Kiara verstarb dann erst nach einem Jahr, dem wohl glücklichsten Jahr ihres Lebens. Und Daisy lebt heute noch schmerzfrei und sichtlich lebensfroh an seiner Seite.

Auch Lieblingshündin Lilly dürfte sich noch an fürchterliche Erlebnisse erinnern. Die heute 12-jährige Mischlingshündin kann zwar ihre Mundwinkel zu einem Lächeln heben – Angst vor schwarzhaarigen Männern hat sie allerdings noch immer. Einer muss ihr offenbar früher sehr wehgetan haben. Lilly war als Welpe auf eine Müllkippe von Istanbul geworfen worden, wo sie 2001 gerettet wurde und wenig ­später nach Gut Aiderbichl kam.

Der Bedarf an Plätzen für Hunde in Not wird aber leider immer größer. Daher lässt der Hundeliebhaber auch in diesem Jahr noch weitere Häuser mit angrenzenden Freilaufzonen für seine Hundefamilien entstehen. „Ich weiß, dass noch wichtiger als Welpen­schule und Agility für Hunde der Spaziergang ohne Leine ist,“ erklärt Michael Aufhauser. Deshalb wurden von ihm auch bereits zwei große Hundefreilaufwiesen in Seekirchen am Wallersee (40.000 qm) und in Salzburg (20.000 qm) gegründet, ein zusätzlicher Hundefreilaufpfad, der auf das Gut in Henndorf führt, und eine weitere Hundefreilaufwiese auf dem Gut bei Salzburg.

Tiere sind fühlende Mitgeschöpfe
Was für alle 200 Tierpfleger von Gut Aiderbichl gilt, ist die Philosophie von Michael Aufhauser: Tiere müssen uns nichts bieten. „Aus Sicherheitsgründen lehren wir Pferde, Stiere und alle anderen Großtiere führbar zu sein. und Hunde, dass sie im Umgang untereinander und mit Menschen friedfertig sind. Die Erziehungsmethode ist immer Liebe und Belohnung. „Wir müssen alte Rahmen brechen“, sagt Michael Aufhauser. „Sicherlich kennen Tiere eine funktionierende Rangordnung. Die ist aber nicht mit der Machtgier eines Menschen zu vergleichen. Da geht es mehr darum, welches Tier sich fortpflanzen soll. So wie wir Menschen das manchmal interpretieren, habe ich das bei den Hunden noch nicht erlebt. Nicht bei dominanten Rüden oder Hündinnen, Hengsten oder Leitstuten. Wenn sich der Mensch nicht selbst als Alpha-Hund aufführen würde, und nichts durcheinander bringt, tritt bald Entspannung ein.“

Da leider immer mehr ­Kapazitäten notwendig sind, um helfen zu ­können, wird sich Gut Aiderbichl auch in Zukunft in sehr großem Umfang erweitern. Realisiert werden kann dieses Vorhaben nur dank der 25.000 aktiven Paten, die das Gut mit Zuverlässigkeit unterstützen. „Es sind die Menschen, die in Tieren Mitgeschöpfe sehen und helfen wollen. Sie fühlen sich wohl in unserer Gemeinschaft, in der es keine Präsidenten und Direktoren gibt, auch keine „Vereinsmeierei“ und Kündigungsfristen. Sie verstehen, dass wir auf Hilfe an­gewiesen sind. Schon alleine ­deshalb, weil wir keine öffentlichen Gelder zur ­Verfügung gestellt bekommen. Sie sehen sich wie die mehr als 200 Mitarbeiter als Dienstleister unserer geretteten Tiere.“

Laut Michael Aufhauser ist es das Ziel von Gut Aiderbichl, auch weiterhin eine Verständigung zwischen Mensch und Tier in einem geschützten Umfeld zu erzeugen. Man müsse wieder ­lernen, die Relation Mensch – Tier auf gleicher Ebene zu sehen. Beide sollten sich gegenseitig ergänzen, nicht etwa bekämpfen. Der persönliche Bezug zu Tieren und die ethischen Grundsätze im Umgang mit Tieren müssen ­reflektiert werden.

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