Recht gefährlich: Ordnungsrechtliche Folgen eines ­Hundekaufs

0
565

Ein Hund ist heute schnell gekauft. Ein paar Klicks auf den ­entsprechenden Portalen im Internet, schon stößt der Interessent auf unzählige Welpen, die von Züchtern, Händlern oder Privatpersonen ­feilgeboten werden. Was aber passiert, wenn ein Hund einer Rasse erworben wird, die möglicherweise im Bundesland des Käufers nicht oder nicht so ohne weiteres gehalten werden darf?

Hundewelpen sind süß. ­Insofern dürfte bei der geneigten Leserschaft Konsens bestehen. Welpen haben aber oftmals noch eine weitere Eigenschaft, und zwar vor allem dann, wenn es sich um Mischlinge oder aber Hunde völlig unklarer Herkunft handelt: mit zunehmendem Alter entwickeln sie sich phänotypisch, also nach ihrem äußeren Erscheinungsbild, anders als erwartet. Da wird aus dem im Internet als Boxer-, Labrador-, Cane Corso-, Ridgeback- oder Doggenmischling angepriesenen Hund ganz schnell ein solcher, der eher nach einem Pitbull oder einem American ­Staffordshire Terrier oder einem Mischling dieser Rasse aussieht.

Oder aber Welpen werden als neue Züchtungen unter mitunter spannenden Rassebezeichnungen angeboten, sogleich mit dem Zusatz versehen: „Keine Pitbulls oder Staffs“, obschon die Hunde erstaunlicherweise genau so aussehen.

Wer erkennt, welches Risiko er ­möglicherweise eingeht, aber trotzdem kauft, wird sich über späteren Ärger nicht wundern. Es gibt allerdings eine ganze Reihe recht unbedarfter Hundehalter oder Personen, die noch nie zuvor einen Hund gehalten haben, die den Angaben mancher Verkäufer Glauben schenken und spätestens dann hart auf dem Boden der Realität aufschlagen, wenn das Ordnungsamt vor der Tür steht oder der kommunale Außendienst den stolzen ­Hundehalter beim Spaziergang abgreift. Der ­weitere Ablauf ist dann – je nach Bundesland – oftmals ähnlich: in den Bundesländern, in denen Hunde bestimmter Rassen gar nicht oder nur mit Erlaubnis gehalten werden dürfen, werden die Hunde teilweise sofort sichergestellt. Manchmal hat der Betroffene auch etwas mehr Glück und er wird erst angeschrieben und darf sich zur beabsichtigten Sicherstellung und zur Untersagung der Hundehaltung äußern.

Unabhängig von der ­Beantwortung der Frage, ob gegen derartige Maßnahmen des Ordnungsamts möglicher­weise etwas unternommen werden kann – was mitunter durchaus der Fall ist, an dieser Stelle aber nicht vertieft werden soll – bekommen die Mitarbeiter der Behörden in der Regel zu hören, man habe doch einen Boxermischling gekauft und gar nicht gewusst, dass da vielleicht was anderes „drinstecken“ könnte, oder aber der Verkäufer habe doch versichert, es sei eine neue Züchtung und kein Pitbull …

Das mag natürlich alles richtig sein, allerdings gehen die Behörden zunächst einmal von dem aus, was sich ihnen objektiv darstellt; und dies ist oftmals ein Hund mit einem Phänotyp, der wenig Zweifel an seiner möglichen Rasse zulässt. Nun kann sich der Käufer zwar überlegen, ob er gegen den Verkäufer – sofern er seiner habhaft wird – zivilrechtlich vorgeht, weil möglicherweise die zugesicherte Rasse nicht stimmt. Oder aber dieserhalb Strafanzeige wegen Betruges erstattet. All dies interessiert indes das Ordnungsamt in aller Regel nicht, weil erst einmal nur die Rassezugehörigkeit entscheidet. Insofern wird oftmals ein Amtsveterinär oder ein Gutachter eingeschaltet, um die Rasse einzuschätzen, teilweise wird den Betroffenen ermöglicht, selbst ein Rassegutachten oder einen DNA-Test beizubringen; dies richtet sich danach, in welchem Bundesland der Hundehalter wohnt und wie dort die Rechtslage ist.

Stellt sich danach heraus, dass es sich um einen Hund einer inkriminierten Rasse handelt, kann die Luft ganz schnell ziemlich dünn werden. Teilweise kann – bspw. in Nordrhein-Westfalen – ein solcher Hund doch noch legalisiert werden, wenn dem Halter nicht nachgewiesen werden kann, dass er die Bestimmungen des LHundG NRW umgehen wollte, ­sondern vielmehr davon ausgegangen werden kann, dass er beim Erwerb des Hundes hinsichtlich der Rasseangaben des Verkäufers gutgläubig war und er im übrigen die Voraussetzungen erfüllt, die zur Erlangung einer Haltererlaubnis nötig sind. Leichtfertig auf diese Ausnahme bauen sollte allerdings niemand.

Noch unangenehmer können die Folgen sein, wenn der Hund aus dem Ausland stammt, da das ­Verbringen und die Einfuhr von Hunden der ­Rassen American Staffordshire ­Terrier, Pitbull Terrier, Bullterrier und Staffordshire Bullterrier in das Bundesgebiet zur dauerhaften Haltung nicht nur verboten, sondern gar strafbar ist. Insofern hat der Hundekäufer neben dem vorgenannten Ärger auch noch den Staatsanwalt im Nacken.

Fazit
Hunde aufgrund ihrer mutmaßlichen, vermeintlichen oder tatsächlichen Rasse als gefährlich einzustufen ist zwar mehr als fragwürdig, ­allerdings in den meisten Bundesländern üblich. Auf die damit verbundenen ­Probleme und Schwierigkeiten müssen sich heutzutage auch Welpenkäufer einstellen. Besondere Vorsicht ist ge­boten, wenn Mischlinge ­bestimmter Rassen angeboten werden oder aber Verkäufer explizit darauf ­hinweisen, dass es sich bei ihren Hunden keines­falls um gelistete Hunderassen ­handelt. Das kann zwar stimmen, muss aber nicht.

Es gilt daher immer noch: AUGEN AUF BEIM WELPENKAUF!

Teilen
Vorheriger ArtikelGedanken zur sog. Kampfhundesteuer (Teil II)
Nächster ArtikelHundeausbilder – das Dilemma um die Anerkennung der Sachkunde

Der Autor, Lars-Jürgen Weidemann, ist Partner der Anwaltskanzlei ­Sieger, Weidemann und Laakes in Mülheim an der Ruhr. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren u.a. mit rechtlichen Fragen zur Hundehaltung, zum Tierschutz- und Vereinsrecht.
 
Rechtsanwalt L.-J. Weidemann,
Duisburger Str. 272,
45478 Mülheim an der Ruhr,
Tel.: (02 08) 59 433 96,
Fax: (02 08) 59 433 93
weidemann@rae-swl.de
www.rae-swl.de

Keine Kommentare