RECHT teuer: Der entlaufene Hund

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Als würde ein Hund, der seinem Halter entläuft, letzterem nicht schon genug Sorge bereiten; mitunter kann dies auch ein durchaus teures Vergnügen werden.

Ein entlaufener Hund kann teuer werden! Damit sind noch nichtmals unbedingt die Kosten in Konstellationen gemeint, in denen der Hund dann auch noch einen Schaden verursacht, also bspw. seinem Halter in einem kleinen Park entläuft, auf die Straße rennt und einen Verkehrs­unfall verursacht. In einem solchen Fall wird in der Regel eine Tierhalterhaftpflichtversicherung, die jeder verantwortungsbewusste Hundehalter im ureigenen Interesse abschließen sollte, für den Schaden der Verkehrsteilnehmer einstehen. Vielmehr soll es an dieser Stelle um die Kosten gehen, die entstehen, wenn die Polizei oder die Feuerwehr ausrückt, um einen Hund einzufangen, der entlaufen ist und durch die Straßen irrt, was auch in der (Groß-) Stadt schnell passiert ist, sofern der Hundehalter oder andere Personen eine Tür nicht oder nicht richtig schließen oder ein Gartenzaun beschädigt ist.

Großer Hund – Eile geboten
Insbesondere wenn große Hunde entwischen ist – gerade im Straßen­verkehr – oftmals Eile geboten, so dass in der Regel die Polizei verständigt wird. Diese wird den Hund versuchen einzufangen und dem Halter zurückzubringen, so sie das Tier – etwa anhand einer Marke am Halsband oder über den Mikrochip – zuordnen kann. So ein Einsatz kann mehrere Stunden dauern, weil sich nicht jeder Hund gern einfangen lässt. Wenn der Hund kein Halsband mit Marke trägt oder nicht gechipt ist kann es ­ferner vorkommen, dass der Hund erst ­einmal in ein Tierheim gebracht wird und dort mehrere Tage verweilen muss, bis sich der Halter findet.

All dies kann durchaus kostspielig werden. Denn wenn die Polizei den Hund fängt, stellt sie ihn – rechtlich gesehen – sicher. In Nordrhein-Westfalen bspw. richtet sich eine solche Sicherstellung nach § 43 des Polizei­gesetzes (PolG NRW), wonach die Polizei eine Sache sicherstellen kann,

1. um eine gegenwärtige Gefahr abzuwehren;

2. um den Eigentümer oder den rechtmäßigen Inhaber der tatsächlichen Gewalt vor Verlust oder Beschädigung einer Sache zu schützen;

3. …

Es kann insofern gar dahin stehen, welcher der beiden ­vorgenannten Tatbestände vorliegt; denn die ­Folge jeder Sicherstellung ist, dass die sichergestellte Sache – wenn sie denn nicht sofort an den Eigentümer zurück gegeben werden kann – in Ver­wahrung zu nehmen ist, § 44 Abs. 1 PolG NRW. Ist die Verwahrung bei der ­Polizei selbst nicht möglich, kann sie auch einem Dritten (bspw. einem Tierheim) übertragen werden, § 44 Abs. 1 S. 2 u. 3 PolG NRW. Die Kosten der Sicherstellung und Verwahrung fallen dem Verantwortlichen zur Last, § 46 Abs. 3 S. 1 PolG NRW, also in der Regel dem Halter. Ist der Hund nicht dem Halter, sondern einem Freund oder Bekannten entlaufen, haftet ggfls. auch dieser, und zwar gesamtschuldnerisch mit dem Halter, § 46 Abs. 3 S. 2 PolG NRW.

Je mehr Aufwand der Einsatz erfordert und je länger die Unterbringung im Tierheim dauert , desto höher sind die Kosten. Mehrere hundert EUR sind insofern schnell beisammen. Will der Halter seinen Hund dann aus dem Tierheim abholen, kann die Herausgabe des Hundes von der vorherigen Zahlung der Kosten abhängig gemacht werden, § 46 Abs. 3 S. 4 PolG NRW.

Wenn die Feuerwehr ausrücken muss …
In manchen Fällen kommt allerdings auch die Polizei nicht weiter. So kommt es gar nicht so selten vor, dass entwischte Hunde in Erdhöhlen kriechen und nicht wieder herauskommen etc. Dann wird in aller Regel die Feuerwehr hinzugezogen, da diese auch für solche Unglücksfälle nicht nur zuständig, sondern auch entsprechend ausgerüstet ist. Die insofern anfallenden Kosten werden – jedenfalls in Nordrhein-Westfalen – im übrigen nur ausnahmsweise beim Halter erhoben, da das nordrhein-westfälische Gesetz über den Feuerschutz und die Hilfeleistung (FSHG) die Kosten nur dann dem Verursacher auferlegt, wenn er den Schaden oder die Gefahr vorsätzlich herbeigeführt hat (§ 41 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 FSHG).

Nun könnte ein spitzfindiger Leser auf die Idee kommen, dass man sich kosten­mäßig besser stellt, auch in wenig dramatischen Fällen gleich die Feuerwehr und nicht die ­Polizei zu verständigen; allerdings gilt gem. § 41 Abs. 2 S. 1 Nr. 8 FSHG, dass die ­Kosten auch von demjenigen ersetzt verlangt werden können, der vorsätzlich grundlos die Feuerwehr alarmiert. Humor war beim nordrhein-west­fälischen Gesetzgeber in diesem Punkt also ein endliches Gut …

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