Rosarote Damengruppe … Der Blog des Herausgebers

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Die Welthundeausstellung 1996 in Wien war für das junge WUFF-Magazin die ­Gelegenheit, sich einem großen Publikum zu präsentieren. Mit einem übergroßen WUFF-Turm auf unserem Messestand beeindruckten wir alle, aber auch wir wurden sehr beeindruckt, vor allem durch eine rosarote Damengruppe …

Wir waren stolz, in den ersten beiden Ausgaben von WUFF mit einem zweiteiligen Artikel von Erik Zimen über die ­Domestikation des Wolfes nicht nur die damalige Fachwelt in der Hundeszene überrascht zu haben. Noch überraschter waren ­allerdings alle über die Offenheit, mit der wir 1996 Themen an- und aussprachen, die damals als Tabus in der Hundezucht, Hundehaltung und Hundeausbildung galten. Die Fehlentwicklungen und Missbräuche aufzuzeigen war damals ein ungeheurer Tabubruch, der uns viele Feinde, aber noch mehr Freunde brachte. Ich habe darüber schon mehrmals in meinen Editorials geschrieben und kann dies daher hier überspringen.

Wir hatten also einen Verlag, d.h. eine Infrastruktur, mit der wir WUFF produzierten. Doch außer der Redaktion ließen wir alles außer Haus machen. Texte und Fotos lieferten wir an eine kleine Layout-Firma, dann ging es weiter in eine Druckerei und von dort zur Vertriebsfirma, die sich auch um die Abonnementverwaltung kümmerte. Ich weiß noch gut, wie etwa 10-12 Jahre später der für die WUFF-Abos zuständige Mann dieser Firma zu uns sagte, er kenne kein anderes Magazin mit einer so starken „Leserbindung“ wie WUFF. Warum das so ist, wissen Sie wohl am besten. Aber vielleicht hat es neben der Qualität auch damit zu tun, dass sich viele WUFF-Leserinnen und -Leser als eine Art Gemeinschaft von Hundefreunden verstehen.

Spitalsgehalt in WUFF investiert
Doch ein Magazin zu machen, war das Eine, sein Weiterbestehen das Andere. Ohne Leserinnen und Leser ist das beste Medium ohne Zukunft. Und so war es uns auch wichtig, bekannt zu werden. Neben den Kosten für die Produktion von WUFF mussten wir also auch in Werbung und Marketing investieren. Als Spitalsarzt habe ich Mitte der 1990er Jahre umgerechnet etwas unter 3.000 Euro netto verdient; sehr viel, besonders für die damalige Zeit. Das bedeutete aber auch viele Nachtdienste, und die Spitalsarbeit war in Einklang zu bringen mit meiner Arbeit für WUFF. Das Eine durfte nicht unter dem Anderen leiden. Tatsächlich aber war es so, dass die eine Arbeit immer zugleich auch eine Erholung von der jeweilig anderen war. Freizeit hieß damals für mich einfach WUFF. Jede Minute, jeder freie Tag war WUFF gewidmet. Kein Wunder, alles war neu, alles war aufzubauen, zu entwickeln.

So steckte ich auch alles, was mir vom Spitalsgehalt blieb, in WUFF. Doch das war natürlich zu wenig, sodass auch immer wieder Gänge in die Bank erforderlich waren, um den Kreditrahmen aufzustocken. So auch im April 1996, denn wir standen mitten in den Vorbereitungen zu einem besonderen Ereignis gleich zu Beginn der WUFF-Geschichte. Es ging um die Welthundeausstellung, die Anfang Juni 1996 über vier Tage hinweg in Wien stattfinden sollte. Die Chance dieses großen Medienspektakels wollten wir benutzen, um WUFF bekannter zu machen.

Welthundeausstellung in Wien
Einen Messestand hatten wir ja schon gekauft (s. Blog in WUFF 12/2016), der wurde nun noch weiter ausgebaut und zudem durch einen 4 Meter hohen knallroten Turm ergänzt. Auf dem stand ein Drehteller, mit dem sich ständig das WUFF-Logo drehte und von jedem Ort der riesigen Wiener Messehalle aus zu sehen war. So wie wir es bei unserem Magazin hielten, so auch bei diesem Auftritt: es musste alles perfekt sein. Die mühselig zu erhaltenden Bewilligungen der Wiener Behörden für die Errichtung dieses so hohen Turms will ich hier beiseite lassen und auch die hohen Kosten, die damit verbunden waren. Wichtig war uns, auf der Welthundeausstellung absolut präsent zu sein. Dazu gehörte auch eine WUFF-Ausgabe für jeden einzelnen Besucher der Show und verschiedene andere Aktivitäten vor Ort.

So gab es beispielsweise einen sog. ­Messemarathon, wobei jeder Besucher einen Marathonpass erhielt, mit dem eine bestimmte Anzahl von Ständen zu besuchen war, was jeweils mit einem Stempel in dem Pass quittiert wurde. Zudem erhielt der „Marathon-Besucher“ bei jedem Stand auch eine Aufmerksamkeit, seien es Futterproben oder, wie bei uns, eine weitere Gratisausgabe. Allerdings hatten wir uns noch etwas Besonderes dazu ausgedacht. Wir wussten, dass wohl jeder Messestand den Besucher auch mit einer Plastiktasche versorgen würde, so wie ja auf Ausstellungen die Leute meist mit mehreren solcher Taschen und Täschchen in der Hand herumlaufen. Das war auch auf der Welthundeausstellung so; und als die Besucher mit ihren vielen Plastik­taschen zu unserem Stand kamen, erhielten sie eine besonders große WUFF-Tasche – aus Umweltschutz­gründen schon damals – aus Papier. Und genau so, wie wir es geplant hatten, steckten alle ihre Plastiktaschen in die große WUFF-Tasche, und in kürzester Zeit liefen zahlreiche Messebesucher mit der prall gefüllten WUFF-Tasche herum. Das WUFF-Logo war überall unglaublich präsent. Dass diese kräftigen Papiertaschen natürlich unser Budget ebenso kräftig belasteten, war klar, aber wir freuten uns wirklich herzlich über unseren „Coup“ – und die Idee wurde von den anderen Firmenausstellern auch sehr bewundert.

Gipfelpunkt der WUFF-Präsenz
Der Gipfelpunkt unserer Präsenz auf der Welthundeausstellung aber sollte ein WUFF-Event sein. Etwas ganz Persönliches, zu dem wir einige unserer prominenten Autoren einluden ebenso wie Repräsentanten von Firmen, die ebenfalls mit ihren Messeständen auf der Ausstellung vertreten waren. Natürlich konnten wir aus Platz- und Kosten­gründen von den vielen Firmenaus­stellern nicht das gesamte Standpersonal einladen, sondern nur jeweils die zwei bis drei maßgeblichen Personen.

Dazu mieteten wir für den Freitag-­Abend die erhöhte Terrasse des Messe­restaurants, von der man einen weiten Blick über die Halle und das gesamte Treiben hatte. Eine bekannte ­Catering-Firma sollte für gutes Essen sorgen, und im Vorfeld hatten wir uns selbst auch schon um einen besonderen Wein gekümmert und einiges verkostet. Beim Weingut Jamek in der berühmten Wachau waren wir fündig geworden und hatten dort zahlreiche Flaschen eingekauft. Und schließlich konnten wir auch noch eine kleine Musikgruppe mit einer Sängerin engagieren, die den Abend musikalisch begleiten sollte.

Aufgrund der Zahl der Antworten auf die Einladungen zum WUFF-Event konnten wir auch den erforderlichen Platz, die Zahl der Tische und Stühle gut vorplanen – dachten wir. Neben Entspannung sollte das WUFF-Event allen Teilnehmern auch Gelegenheit zum networking geben, auch wenn man das damals noch nicht so nannte. Und so ging der zweite Ausstellungstag zu Ende, es wurde 18 Uhr, und nach und nach konnten wir unsere Gäste be­grüßen. Es kamen tatsächlich alle Eingeladenen, und schließlich waren nur mehr zwei oder drei Stühle frei. Das machte uns aber nicht nervös, weil wir aufgrund unserer Liste wussten, dass nur noch der Chef von Eukanuba und seine Marketingleiterin fehlten, die ebenfalls zugesagt hatten zu kommen. Platztechnisch also schien alles perfekt.

Rosarote Damengruppe
Von der erhöhten Position der ­Terrasse aus konnte ich die beiden bald im Menschengewühl der Halle ausmachen. Allerdings folgte ihnen ein Grüppchen von 12-15 Damen, die alle mit einem rosaroten Rock und gleichfarbiger Jacke bekleidet waren. Es war das gesamte Standpersonal der Firma Eukanuba, die geschlossen, einem rosaroten Schwarm gleich, im Gefolge ihres Chefs gingen. Diese rosarote Truppe – die Farbe des Markenlogos der Firma – stach in dem sonst farbig durchmischten Kleidungsszenario der Halle markant hervor. ­Zunächst dachte ich mir noch nicht a­­llzu viel dabei, sondern freute mich schon auf den damaligen österreichischen Eukanuba-Boss, mit dem wir übrigens auch heute noch in freundschaftlicher Verbindung stehen.

Der rosarote Schwarm wird sich ja nun spätestens dann auflösen, dachte ich mir, wenn der Chef die Treppe zur Terrasse erreicht, auf der wir schon auf ihn warteten. Die Damen werden dann ja wohl weiter zum Hallenausgang gehen. Doch von Schwarmauflösung ­keine Spur, vielmehr verblieb die geballte rosarote Damengruppe auch dann hinter ihrem Chef, als er nun die Treppe hochstieg. Mir stockte kurz der Atem und verzweifelt zählte ich rasch zuerst die Damen und dann die freien Stühle. Oje, das konnte bei Weitem nicht passen! Während die Musikband gerade nach einem alten Jazztitel improvisierte, war nun auch von uns rasche Improvisation gefragt. Also gute Miene zum (rosa­roten) Spiel.

Ich begrüßte den Chef und seine Truppe recht herzlich und entschuldigte mich sogleich kurz, um noch ein paar Tische und Stühle zu organisieren. Dazu muss man wissen, dass mein Verhältnis zur Leitung des Messerestaurants nicht das Beste war, weil wir nur die Terrasse sowie Geschirr und Gläser mieteten, während wir für das Catering und die Weine selbst sorgten. Wir wollten ­unseren Gästen das bei vielen Messerestaurants übliche relativ geringe Niveau der Speisen nicht zumuten. Und auch die Weinauswahl des Restaurants war uns mit lediglich „Weiß“ und „Rot“ ohne nähere Bezeichnung zu spärlich, sodass wir uns da selbst gekümmert – und gekostet – haben.

Ich fühlte mich also nicht sehr gut, als ich die Restaurantchefin bat, noch zwei Tische mit je sechs Stühlen zu organisieren. Mit einem „Das kostet extra“ kam sie aber meiner Bitte nach, und innerhalb weniger Minuten war alles organisiert. Es war ein schöner Abend für alle, an den wir uns noch heute erinnern – und vor allem an die rosarote Improvisation …

Die WUFF-Freiheit
Improvisationen sind bei WUFF ­allerdings fast an der Tagesordnung, was aber gerade durch unsere kleine Verlagsstruktur ideal möglich ist. Wenn Entscheidungen auf kurzen Wegen rasch getroffen werden können, ist das ein Vorteil gegenüber dort, wo alles und jedes immer erst von irgendjemandem bewilligt werden muss. Wenn ein Magazin in einem großen Verlagshaus eines von vielen ist, dann ist zwar seine Produktion sicher billiger. Was dabei aber vielleicht draufgeht, ist das große Maß an Freiheit, wie wir sie haben, weil WUFF nämlich nur auf ein Einziges Rücksicht nehmen muss, und dieses Einzige ist WUFF – d.h. Sie.

Ich hoffe, meine offenen Gedanken und meine Erzählungen finden Ihr ­Interesse. Wenn Sie irgendetwas wissen oder fragen wollen – nur zu, schreiben Sie mir (mosser@wuff.eu). Im nächsten Blog geht`s jedenfalls munter weiter, und langweilig wird es dabei sicher nicht!

Hintergrund
Worum geht’s?
Ich möchte Sie durch meinen Blog, den Sie auch online lesen können, an den vielen, oft spannenden, freud-, aber manchmal auch leidvollen, stets aber authentischen Erfahrungen teilhaben lassen. Der Blog hat ein Open End, weil auch WUFF mit Ihnen als Leserin und Leser, vielleicht auch als (hoffentlich aktiver) Online-Rezipient, vulgo „User“, weitergehen wird (http://www.wuff.eu).
Schreiben Sie mir, fragen Sie mich! Ihre Reaktionen auf meinen Blog – so wie auch auf alle Artikel in WUFF – sind jederzeit willkommen und werden ggf. auch publiziert (jedoch nicht ohne Ihr Einverständnis). Und wenn Sie irgendetwas wissen wollen, das mit WUFF zu tun hat, fragen Sie mich einfach! (mosser@wuff.eu)
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und einen tieferen Einblick in das, was WUFF ausmacht.
Ihr Hans Mosser

Pdf zu diesem Artikel: hundeblog_0217

 

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