Sag’ mir, wo die Hunde sind …

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Es kam uns vor wie ein Stich ins Wespennest. Dabei standen wir erst ganz am Anfang unserer Recherchen, die das Schicksal der sog. „Hamburger Hallenhunde“, allesamt American Staffs, Pitbulls & Co., nach der kürzlich erfolgten Auflösung dieser Halle nachzeichnen sollten. Die Ankündigung in der Vorschau im letzten WUFF und ein Internetaufruf unserer Deutschlandredaktion führten quasi postwendend zu einem Fax von Gerd Fischer, Geschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes (DTB), in dem er von Unterstellungen und Unwahrheiten sprach, denen er klagsmäßig begegnen würde. Auf welche Unwahrheiten er sich in seinem Fax beziehe, wollte WUFF-Herausgeber Mosser in einem Antwortfax an Gerd Fischer am 11. 7. 2002 wissen. Keine Antwort. Auch eine neuerliche Nachfrage per Fax am 26.7. blieb bis Redaktionsschluss ohne Reaktion …

850 Euro „Pfötchenprämie“ pro Hund
Das kann´s doch wohl nicht sein, dachten wir uns, dass ein Aufruf zur Sammlung von Informationen über die „Hamburger Hallenhunde“, die in einer Aktion des DTB mit der Stadt Hamburg und dem Hamburger Tierschutzverein auf Tierheime des DTB verteilt wurden, eine derartige Reaktion zur Folge hat. Vor allem auch da Befürchtungen kursieren, dass einige Tierheime die sog. „Pfötchenprämie“ (850 Euro für das Tierheim pro übernommenen Hund) kassieren und kurz danach den angelieferten Hund mangels Vermittelbarkeit einschläfern lassen könnten. Um die Aufklärung auch solcher Gerüchte – nicht zuletzt auf Drängen vieler WUFF-Leser in Deutschland und Österreich – ging es uns. Dass dies auch die Absicht des DTB sein müsste, schien uns ganz selbstverständlich – umso überraschter waren wir über die unglaubliche Reaktion einer Klagsandrohung.
Nun, die Recherchen haben sich derartig ausgeweitet und die Ergebnisse sind zu einem Umfang angewachsen, der die für den Artikel ursprünglich vorgesehene Länge gesprengt hätte, sodass das Thema auch im nächsten Heft fortgesetzt wird. In dieser Ausgabe finden Sie zunächst Informationen über die „Hundehalle“ und ihre Auflösung, sowie erste konkrete Schicksale einzelner „Hallenhunde“.

Klaus Meyer und die Hamburger Hundehalle
Für die einen war er „Meyer, der Hundemörder“ – aufs Übelste diffamiert und beschimpft, für die in der „Hundehalle“ Hamburg-Harburg zusammengepferchten Hunde jedoch war er Klaus Meyer, der Glücksfall in all’ ihrem Unglück. Durch Zufall geriet der erfahrene Hundetrainer, der in Schleswig-Holstein im kleinen Ort Armstedt zusammen mit seiner Frau Nicole eine angesehene Hundeschule (http://www.hundeschule-armstedt.de) mit angeschlossener Hunde-Pension betreibt, an einen „Job“, der ihm nicht nur Freude bereitete.
Als er sich im Jahr 2000 nach den eiligst erlassenen Hundeverordnungen beruflich in Hamburg aufhielt, wurde er gefragt, ob er sich nicht um die damals 4 oder 5 Hunde kümmern wollte, die der Hamburger Senat „einkassiert“ und zunächst in den Tierställen der Universitäts-Klinik Eppendorf (UKE) untergebracht hatte, weil man damals noch nicht wusste, wohin mit ihnen. Und so begann die wohl schwerste Zeit im Leben des Klaus Meyer und seiner Familie. Bis zur kürzlichen Schließung der Hamburger Halle kümmerte er sich als selbstständiger Unternehmer mit seiner Frau und zuletzt 9 Angestellten um die insgesamt ca. 500 eingezogenen oder aufgefundenen Hunde der in Hamburg „verbotenen“ Rassen Pitbull, American Staffordshire Terrier und Staffordshire Bullterrier mit all’ ihren Mischlingen.
Im UKE wurde es mit zuletzt ca. 50 Hunden schnell zu eng, so dass mit großem Aufwand die von der Stadt angemietete Halle in Harburg, im Volksmund „Hunde-KZ“ genannt, unter Mitwirkung von Herrn Poggendorf vom Hamburger Tierschutzverein so gut wie möglich für die gleichzeitige Aufnahme von etwas über 200 Hunden hergerichtet wurde. Von dort gab es dann allerdings für die Hunde nur noch einen einzigen „Ausgang“: Über das Tierheim in der Süderstraße. Und Gott sei Dank wurde doch so mancher unrechtmäßig eingezogene Hund an seinen Besitzer zurück gegeben oder konnte nach einem Wesenstest im Tierheim vermittelt werden, allerdings sehr selten innerhalb Hamburgs, da es auch heute dort noch fast unmöglich ist, ein „berechtigtes Interesse“ zum Halten eines Kategorie-1-Hundes nachzuweisen.

Viele Gerüchte
Viele dieser Hunde mussten viele Monate in der Massenunterkunft verbringen, und es kursierten die übelsten Gerüchte über nächtliche Tötungsaktionen, z.T. sogar von „Tierschützern“ immer wieder in Umlauf gebracht. So manche Aktion machte das Leben der Hunde und der sie betreuenden Menschen in der Halle auch nicht gerade leichter. Es gab gewaltigen Wirbel, Mahnwachen, Aufrufe zu Patenschaften, Spendenaufrufe für die „Hallenhunde“ und dergleichen. Aber: In der Halle bei den Hunden kam so gut wie nichts an. Erst, als Herr Meyer in einem Internet-Aufruf nach dem Verbleib der Spenden für die Hunde fragte, wurden ihm im Rahmen einer Weihnachtsfeier in Anwesenheit von Presse von einem Verein einige Körbe mit Schweineohren und dergleichen für die vielen Hunde überreicht! Viel zu wenig für die zahlreichen Tiere. Wenn sich nicht der Hamburger Tierschutzverein auch ein wenig mit Spenden um die Hunde gekümmert hätte, so wäre die Lage der Tiere noch schlimmer gewesen bei den leeren Kassen der Hansestadt Hamburg, die wohl die finanzielle Belastung zu Beginn der Aktion dramatisch unterschätzt hatte und sich nun gezwungen sah, hauptsächlich aus finanziellen Gründen die Halle zu schließen.

Soziale Kontakte in der Halle
Wenn auch die materiellen Möglichkeiten beschränkt waren, haben sich die Menschen um Klaus Meyer in der Halle und Herr Poggendorf mit seiner Tierheim-Mannschaft um die Hunde gekümmert, sodass sie dort nicht in „Isolationshaft“ saßen, sondern doch ein wenig Ansprache und soziale Kontakte hatten, wenn auch leider keine Bewegung unter freiem Himmel und an frischer Luft bei Tageslicht. Wirklich bemerkenswert ist die Tatsache, dass sehr viele dieser Hunde auch nach langer Zeit des „Einsitzens“ noch in der Lage waren, den ausgiebigen Wesenstest im Tierheim zu bestehen, was ihnen eine echte Vermittlungschance bot. Insgesamt wurden jedoch auch ca. 70 Hunde aufgrund gesteigerter Aggressivität oder schwerer Erkrankung eingeschläfert. Aber so mancher Hund, der bei seinem Eintreffen noch auswich oder sich in die Gitterstäbe verbiss, konnte durch Arbeiten und soziale Kontakte beruhigt und positiv beeinflusst werden.

Vom Regen in die Traufe?
Die Frage ist nun, ob die Hamburger Hunde nach der Schließung der Halle und ihrer bundesweiten Verteilung auf diverse Tierheime wirklich das große Los gezogen haben – oder ob sie vom Regen in die Traufe gekommen sind. Haben sich Hamburgs Politiker mit Hilfe des DTB das Problem der dort unvermittelbaren und unerwünschten Listenhunde auf Kosten der übrigen Bundesländer „vom Hals geschafft“, um Hamburg möglichst schnell „Kampfhunde-frei“ zu bekommen? Wollte man die Hunde auf viele kleinere Tierheime in alle Winde „verstreuen“, um sie den Augen der Öffentlichkeit, auch der internationalen, aus dem Brennpunkt Hamburg zu entziehen?
Gut getroffen haben es sicherlich die 30 Hunde, die wegen eines anhängigen Verfahrens als „gesperrt“ gelten und nicht vermittelt werden dürfen. Sie durften mit Klaus Meyer nach Armstedt in dessen Hunde-Pension reisen, wo extra für sie schöne neue Unterkünfte mit viel Licht und frischer Luft gebaut wurden, wo sie auf Hundewiesen spielen und auch etwas lernen dürfen. Wenn ihr Verfahren abgeschlossen ist, dürfen sie entweder zu ihrem Besitzer zurück oder werden im Hamburger Tierheim einem Wesenstest unterzogen, der ihnen dann bei Bestehen eine Vermittlung ermöglicht.

Wo sind die Hunde?
Leider scheinen es aber nicht alle Hunde so gut getroffen zu haben. Äußerst bedauerlich ist für Klaus Meyer die Tatsache, dass er keinerlei „Rückmeldung“ über das Schicksal der ihm anvertraut gewesenen Hunde bekommen hat. Und die Klagsandrohungen an WUFF schon zu Beginn der Recherche beweisen nur umso mehr die Berechtigung der Frage: „Sag’ mir, wo die Hunde sind! Wo sind sie geblieben?“ Wir werden sie stellen und die Antworten suchen, auch wenn dies manchen unangenehm ist. Wir gehen aber davon aus, allein durch diese laute Frage und das damit verbundene Interesse der Öffentlichkeit, manchen Hamburger „Hallenhunden“ das Leben vor allzu rascher Tötung zu retten. Mehr darüber im nächsten WUFF.

>>> TIERHEIM LÜBECK

Robin und Khan im Tierheim Lübeck:
Besseres Leben als in der Halle?

Der Tierschutz Lübeck hat zwei Listenhunde aus der Harburger Halle übernommen. „Khan” und „Robin” kamen am 8. Februar 2002 ins hiesige Tierheim. Obwohl seinerzeit Horrormeldungen über die Unterbringung der Hunde in der Harburger Halle verbreitet wurden, waren die beiden doch in erstaunlich guter Verfassung. Eine Gruppe aus fünf Mitgliedern des Tierschutz Lübeck mit entsprechender Hundeerfahrung wollte sich als „Pitti-Freunde“ um die damals insgesamt fünf Hunde der gelisteten Rassen kümmern, um sie mit Auslauf, Grundgehorsamsübungen, Busfahren und Citygängen zu beschäftigen und so ihre Vermittlung zu vereinfachen. Mit dem Hinweis, dass die Pfleger sich schon genügend mit diesen Hunden beschäftigten, wurden diese Tierfreunde zunächst über einige Zeit hingehalten. Endlich erhielten sie dann „Arbeitsanweisungen”, wo neben einem Zerrspiel-Verbot, welches in gewissem Maße noch nachvollziehbar war, auch ein Ballspiel-Verbot ausgesprochen wurde.

Während der Beschäftigungsnachmittage der „Pitti-Freunde“ zweimal pro Woche hatten sie genügend Gelegenheit, „Robin” und „Khan”, wie auch die anderen drei Listenhunde, näher kennen zu lernen. Diese Hunde waren alle ausschließlich in den beiden letzen Zwingerreihen in einer hinteren Ecke des Geländes einzeln untergebracht. Von dort aus hatten „Khan” und „Robin” – trotz des Wesenstests, der sie als verträglich ausweist – wie auch die anderen Hunde keine Möglichkeit, mit ihren Artgenossen in Kontakt zu treten, so dass man hier nach Ansicht der „Pitti-Freunde” von Isolationshaltung reden kann, auch wenn sie regelmäßig einzeln ins Auslaufgelände gelassen wurden. Hatte man ursprünglich gedacht, dass es doch den Harburger „Knastis” nur noch besser gehen könnte, wenn sie endlich aus der Halle entlassen werden, so fragen sich die ”Pitti-Freunde” nun, ob sich die Situation so mancher dieser Hunde nicht eher verschlechtert als verbessert hat.

„Khan” und „Robin”, die beiden Hamburger Listenhunde, wie auch „Ziege” und „Mandy” (ebenfalls Kategorie 1-Hunde) sitzen immer noch in Lübeck und warten auf ein neues Leben bei einer liebevollen Familie. Die positiven Verhaltensbeurteilungen (Wesenstest) von Khan und Robin liegen WUFF vor.
Wenn Sie einem dieser Hunde ein neues Zuhause bieten wollen, setzen Sie sich bitte mit WUFF in Verbindung:
WUFF-Deutschlandredaktion, Iris Strassmann,
Tel./Fax: +49 (0)461/ 51386, Email: [email protected]

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