So geht’s! – Sicherer Umgang mit Kind & Hund

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Die Kolumne zum Thema „Alltagsprobleme mit dem Hund". ­WUFF-Autorin Yvonne Adler, Tierpsychologin, akademisch geprüfte Kynologin und Hundetrainerin, beantwortet Ihre Fragen. Schicken Sie uns Ihr Alltagsproblem mit Ihrem Hund , kurz formuliert und mit 1 bis 2 Bildern. In dieser Ausgabe geht es darum, wie man einen Hund auf familiären zweibeinigen Nachwuchs vorbereiten kann.

Liebe Frau Adler!
In unserem Haushalt lebt ein zwei­jähriger Großer Schweizer Sennenhund-Rüde namens Ares. Wir haben ihn als frisch verheiratetes Paar zu uns genommen, als wir aufs Land gezogen sind. Ares kam als Welpe zu uns und ist unser ständiger Begleiter, mit dem wir sehr viel Zeit verbringen. Nun erwarten wir Nachwuchs – ich bin im 6. Monat schwanger und wir wollen gleich zu Beginn alles richtig machen im Umgang mit Ares und dem Baby. Vielleicht haben Sie eine Empfehlung, wie wir mit der neuen Situation umgehen können und was wir jetzt schon tun sollten, um die Umstellung für uns und Ares so ­einfach wie möglich zu gestalten.
Liebe Grüße, Eva Loid

Liebe Frau Loid!
Herzlichen Glückwunsch zum ­kommenden Nachwuchs! Ich finde es sehr gut, dass Sie sich bereits jetzt Gedanken über Ihr Leben mit Kind und Hund machen. Ein wichtiger Bestandteil in der Vorbereitungsphase ist, dass Sie sich und Ihrem Partner offen und ehrlich bewusst machen, welche Einschränkungen auf Sie als Familie und natürlich auf Ares durch den neuen Familienzuwachs zukommen werden. Es wird eine Menge Veränderungen geben, die, angefangen von Schlaf­entzug, über Hormon- und Stimmungsschwankungen und erhöhten Lärmpegel durch Babyweinen, bis hin zu weniger Zeit und Aufmerksamkeit für Ares gehen werden. Es wird zu neuen Regeln und einem neuen Tagesablauf für Ihren Hund kommen.

Feste „Widmungs-Zeiten"
Dennoch gibt es keinen Grund zur Besorgnis, denn Kinder und Hunde können die besten Freunde werden, wenn man als Erwachsener vorher ein paar wichtige Grundregeln aufstellt, die stets eingehalten werden müssen.

Sie sollten sofort beginnen, Ares nicht mehr überall hin mitzunehmen und ihn generell weniger in den Mittelpunkt zu rücken. Dies bedeutet nicht, dass Ihr Hund in Zukunft ein schlechteres Leben haben wird – ganz im Gegenteil! Sie sollten sich stattdessen täglich gemeinsame Zeiten einteilen und diese dann bewusster als früher mit Ares verbringen. Hunde „laufen" oftmals bei uns im Alltag einfach mit und sind unsere ständigen Begleiter. Dies führt jedoch dazu, dass man diese Zeit nicht mehr nur dem Hund widmet, also sich ausschließlich mit ihm beschäftigt und mit ihm trainiert, spielt, ihn fordert, etc. Teilen Sie sich also schon jetzt fixe Zeiten ein, die für Ares reserviert sind. Diese sollen dann, auch wenn das Baby da ist, für ihn genützt werden. Als Erleichterung können Sie diese Zeiten auch zwischen sich und Ihrem Partner aufteilen. Vielleicht gibt es auch eine nette Gassi-Geherin, die Ares 1x die Woche auf einen tollen Spaziergang mit Hundekumpeln mitnimmt um ihm eine „Auszeit" vom späteren „Baby-Alltag" zu ermöglichen.

Außerdem sollten Sie schon beginnen das Kinderzimmer einzurichten. Dieses sollte für den Hund ein Tabu-Raum sein. Dazu bietet sich ein Kindergitter an, durch das Ares alles gut sehen und riechen kann, aber den Raum sollte er nicht betreten dürfen. Das hat neben hygienischen Gründen auch den großen Vorteil, dass Ares später schnell akzeptieren wird, dass es ganz normal ist, wenn im Kinderzimmer gespielt wird und er dort nicht hinein darf.

Ebenso sollte Ares einen ruhigen Platz im Haus erhalten, der wiederum für Kinder, Besucher etc. absolut tabu ist. Dies soll seinen Ruheplatz darstellen, auf den er sich immer zurückziehen kann, wenn es ihm zu laut, turbulent etc. wird. Sein Platz sollte immer mit Entspannung verbunden werden – er kann sich dort ausruhen und vielleicht auch öfter etwas kauen. Dadurch erreicht man ein positives Gefühl beim Hund, wenn man ihn doch einmal auf seine Ruhezone schicken muss. Eine weitere gute Übung wäre, Ares schon jetzt neben dem Kinderwagen laufen zu lassen, ohne dass ein Baby sich darin befindet. Damit erreicht man die Gewöhnung des Hundes an die neue Herausforderung in einer entspannten Situation.

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass für die meisten Eltern das „Leckerli-Suchspiel" im Garten mit dem Hund eine der besten und leichtesten Beschäftigungsmöglichkeiten ist, die auch gut in den Alltag mit dem Familienzuwachs integriert werden kann. Dabei legen Sie Ares zu Beginn einige gute Wurststücke im Garten aus und geben das Kommando „Such" oder „Riech" immer dann dazu, wenn er eines gefunden hat. Schnell wird Ares lernen, worum es in dem Spiel geht. Damit kann er mental ausgelastet werden und auch Stress abbauen, der durch die Lebensumstellung am Anfang entstehen kann. Sie können das Spiel, sobald Ares es verstanden hat, auch steigern, indem Sie bspw. eine ganze Hand Leckerli im Garten verstreuen, so dass er rund 20 – 30 Min. für die Suche benötigt. Diese Suchübung kann mit den Vorbereitungen für einen Spaziergang verbunden werden, denn diese werden anfangs mit dem Baby natürlich länger dauern als bisher. Wenn Sie Ares zuvor im Garten Leckerlis suchen lassen, haben Sie Zeit, sich vorzubereiten, und können den Hund dann ganz entspannt zum Spaziergang rufen.

Klar ist, dass Ihr Kind von Anfang an lernen sollte, dass Ares kein ­Spielzeug ist und man behutsam mit ihm um­gehen muss. Außerdem muss Ruhe, Entspannung und ein harmonisches Miteinander in Ihrer Familie von allen vorgelebt werden!

Ich hoffe, dass Ihnen meine Tipps weiterhelfen und wünsche Ihnen und Ihrer zwei- und vierbeinigen Familie, dass Sie gemeinsam zum besten Wohle Aller ausreichend Zeit für die Bedürfnisse von jedem Einzelnen finden.

Ihre Yvonne Adler

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