Tagesstätte für Hunde: Top oder Flop? – Der WUFF-Test!

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Berufstätige Menschen, die tagsüber kaum Zeit haben für ihren Hund oder ihn nicht mit ins Büro ­nehmen können oder dürfen, suchen nach Alternativen. Sich ganz von dem Tier zu ­trennen, kommt für die Meisten nicht in Frage, deshalb wird alles ­ausprobiert, was der Markt so bietet. Vom Dogsitter bis zur Leih-Oma oder der Installation einer Gartenklappe. Jetzt bietet eine ­Tagesstätte in Wien ganz­tägige Betreuung für Vierbeiner an, wie einen Kindergarten, aber eben für Hunde. Ob das wirklich zu ­empfehlen ist, hier mein Testbericht.

Von Außen erscheint das ebenerdige Ecklokal im ­dritten Wiener Gemeindebezirk in der Nähe des Donaukanals und des Pratergebiets sehr ­unauffällig. Viele große Milchglasfenster weisen aber jetzt schon ­darauf hin, dass die Räume lichtdurchflutet und sehr hell sein ­müssen. Nachdem ich die Tür öffne, muss ich noch ein paar Stufen hinab steigen. Unten erwarten mich schon einige Hunde, die anscheinend jeden Besucher schwanz­wedelnd empfangen. Durch ein Hundegitter abgehalten können sie mir nicht entgegenlaufen und somit auch nicht auf die ­Straße. Beim Gitter begrüßen mich vier rot-braune ­Mischlinge, während weitere Hunde sich nicht stören ­lassen und entspannt weiterschlafen. Ruhig und unaufgeregt begrüßt mich die Geschäftsführerin und Gründerin der Tagesstätte, Romana Stieglecker.

Was ich jetzt zu sehen bekomme, erstaunt mich gewaltig. Durch meine Amerika-Aufenthalte und die dort üblichen Tagesstätten für Hunde bin ich vieles gewohnt und habe mit allem gerechnet, aber nicht mit dem, was ich hier sehe. ­Große, helle Räume, durch Gitter trennbare Säle, unzählige saubere Körbchen, Couchen und acht glücklich ­erscheinende Hunde. Acht klingt vielleicht auf den ­ersten Blick viel, aber angesichts der Raumgröße hat diese ­Gruppengröße mehr als gut Platz. Wie gesagt, ich habe mir in den USA viele dieser Modelle schon angesehen, aber die Größe der Tagesstätte und die im Verhältnis dazu doch kleine Hundegruppe verblüfft mich. Keine unangenehmen Gerüche, kein Gebell, keine „Chaos-Truppe" und keine ­kleinen Zimmer – nichts von all dem.

Ein geregelter Ablauf ist ein Muss
In der Hundetagesstätte gibt es einen strengen Tages­ablauf, den ich bald zu spüren bekomme. Zwischen sieben und acht Uhr werden die Hunde gebracht und mit dabei haben sie ihre eigene Lunchbox. Als ich die einzeln mit Namen beschrifteten Tupperdosen sah, musste ich ­schmunzeln. Meiner Tochter richte ich Ähnliches für den täglichen ­Kindergartenbesuch her. Das heißt, die Tagesstättenhunde müssen ihr Essen selbst mitbringen. Der Vormittag wird dann ruhig verbracht. Die meisten Hunde legen sich auf ihre Plätzchen und dösen vor sich hin. Aktivere Hunde oder Welpen werden in den Nebenraum, alias Spielsaal, gebracht, um dort in Maßen zu toben. Aber immer nur unter Aufsicht und nur in Kleingruppen. Ältere Semester können aber weiterschlafen und werden nicht gestört. Um zwölf Uhr füllt sich dann das Haus. Vier bis sechs Betreuer kommen, um die Hunde zum täglichen zweistündigen Spaziergang abzuholen. Die Betreuer kennen die Hunde und umgekehrt. Der ­Hundebesitzer gibt bei der Anmeldung bekannt, ob sein Hund in der Hundezone Freilauf genießen darf oder an der Leine bleiben soll. Das Gebiet hier ist natürlich genial, in knapp fünf Minuten ist das Team in der größten Freilauf­zone der Stadt, weit weg von Auto- und Menschenmassen. Danach trottet die Gruppe wieder in die Tagesstätte, um dann wieder zu schlafen, zu essen und dann endlich wieder von den begehrten Frauchen und Herrchen abgeholt zu werden.

Na dann los!
Praktisch, denke ich mir, da kann ich meine Dalmatinerhündin bei einem vollen Terminkalender auch mal schnell vorbeibringen. Nein, da bekomme ich eine klare Absage von Romana: „Wir sind keine spontane Hundebetreuung, ­sondern eine Tagesstätte, wo sich die Hundegruppe ver­tragen muss und alles sozial ablaufen soll. Daher gibt es zuerst ein ­Vorgespräch mit Mensch und Hund, dann eine Probe­betreuung am Freitag für ein paar Stunden oder eben auch nur ein paar Minuten. So lernen wir den Hund kennen und auch einschätzen, wenn seine Bezugsperson nicht dabei ist."

Wenn alles klappt und noch ein Platz in der Gruppe, die nicht über zehn sein sollte, frei ist, darf der Hund kommen. Doch derzeit gibt es sogar eine Warteliste! Natürlich gibt es auch eine Ablehnung, etwa wenn der Hund nicht sozial oder trotz Ablenkung gestresst ist und sehr leidet.

Die Hundegruppe, die sich mir heute darstellt, ist eine ­lustige. Sophie, ein einjähriges Bassetmädel, spielt das ­Kindermädchen und versucht den wilden Rabauken Sascha und Leyla ein wenig Benehmen beizubringen. Die 13-­jährige Bella zuckt mit keinem Ohr und träumt vom nächsten ­Spaziergang. Spielzeug ist nur im Spielsaal erlaubt, und dies nur unter Aufsicht. Gefüttert wird getrennt, und es gibt auch einen Quarantäneraum für kranke Hunde. Romana organisiert den Laden extrem ruhig, aber bestimmt. Wird jemand ­lauter oder alles zu wild, kommt sie dazwischen und versucht Ruhe reinzubringen. Tagsüber ist sie alleine mit den Hunden und es klappt gut. „Viele Menschen, die bei mir ihre Hunde abgeben, erkennen ihre Vierbeiner nicht wieder. Bei ihnen zuhause sind sie die Wilden und bei mir die Einserschüler. Aber das liegt daran, dass ich nicht ihr Besitzer bin, sondern ‚nur‘ die Aufsichtsperson, die eben von Anfang an sagt, was Sache ist."

Egal, in welche dunkle Ecke, die bei den hellen Räumen ohnehin kaum zu finden ist, ich schaue, ich finde keinen Schmutz, keinen Gestank und keinen Müll. Hier ist alles sehr sauber. „Die Kontrollen sind sehr streng, wir müssen 15 qm für einen Hund haben, bestimmte Hygienemaßnahmen erfüllen. Auch die Nachbarn sind uns wohlgesinnt, und die Kothäufchen in der Umgebung werden alle eingesammelt, aber das sollte mittlerweile ja Gang und Gäbe sein."

Qualität hat ihren Preis
Sophie, das Bassetmädchen, kommt von Montag bis ­Freitag. Ihre Besitzer können den Hund nicht mit in die ­Firma ­nehmen, und ein Hundesitter, der nur eine Stunde Gassi geht, wäre ihnen zu wenig. Die Hunde sind nach so einem Tag in der Tagesstätte auch völlig zufrieden und eben ausgeglichen, haben dann auch keine Angst mehr vorm Alleinsein, weil sich die Stundenanzahl erheblich verringert.

Andere vierbeinige Besucher kommen nur an bestimmten Tagen oder werden auch schon nach Mittag geholt. Die Angebote sind individuell und zusammenstellbar. Die Preise verstehen sich pro Halb-/Ganztag (15 / 25 Euro) und sind ebenfalls als moderat zu bezeichnen. Bis jetzt haben die acht anwesenden Hunde geschnarcht, geträumt und lautlos Couch-Surfing betrieben. Völlige Zufriedenheit macht sich auch in meinem Gesicht breit. Die Gruppe ist sehr homogen ausgesucht: Kommen darf jede Rasse, jedes Geschlecht, jedes Alter und kastrierte sowie unkastrierte Hunde. Die Qualität zeigt sich für mich unter anderem auch im Be­stehen einer doch längeren Vorbereitungsphase, einem Vorgespräch und einem Probetag. Das ist sicher nicht ganz einfach, aber es lohnt sich.

Plötzlich springen die Vierbeiner aus ihren Betten: Es ist zwölf Uhr und die anderen Betreuer kommen. Juhuh, Gassi-geh-zeit. Zu zweit werden die Hunde an eine Koppelleine geschnallt und los geht’s zu den grünen Wiesen. Die Hunde springen fröhlich herum und freuen sich , aber auch die als Gassigeher eingesetzten Studenten sind gut aufgelegt und verdienen sich so ein Taschengeld dazu. Tierliebe Studenten werden übrigens für die zweistündigen Spaziergänge immer gesucht und können sich jederzeit bei Romana melden.

In dem freudigen Gewusel verabschiede ich mich und gehe frohen Mutes zu meiner Tochter in den Kindergarten, der mich jetzt stark an das eben Gesehene erinnert. Ein großer Unterschied ist da nicht mehr! Ich wünschte, es gäbe mehr solche Vorzeigemodelle und Menschen, die für ihre ­Hunde so eine Tagesstätte aufsuchen, anstatt ihre Tiere zehn Stunden an fünf Tagen in „Einzelhaft" zu stecken, indem sie sie alleine lassen. Natürlich fühlt sich nicht jeder Hund dort wohl, aber für die meisten scheint es eine willkommene Abwechslung zu sein.

WUFF-INFORMATION

Mo – Fr 7 bis 19 Uhr

Hundezentrum-Wien OG.
Kundmanngasse 5/2-3
1030 Wien

Behördlich geprüft und genehmigt!

Tel: 0699 11863842
office@hundezentrum-wien.com

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