Unverhofft kommt oft …

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Alltagsgeschichten – Serie

Geschichten, die das Leben schreibt, sind doch am interessantesten. ­Davon kann WUFF-Leserin Patricia Kaniski ein Lied singen. Es begann mit dem unbedachten Füttern ­einer Streunerhündin in Kroatien und ­endete mit der Adoption eben dieser. Ab dann galt es, den neuen Alltag mit zwei Hunden zu meistern.

Die Liebe zu Hunden begann schon in meiner Kindheit, doch leider ­musste ich mich damals mit den Vierbeinern der Nachbarschaft begnügen. Mit 19 übernahm ich dann von der Verwandtschaft eine ehemalige Kettenhündin aus Kroatien. Zwar besuchten wir eine erst neu gegründete Hundeschule, aber über den Wissensstand damals können wir heute nur lächeln. Trotzdem war unsere Lady recht folgsam. Nach ihr zog eine Bernhardiner-Mix-Hündin bei uns ein, die wir Biene tauften. Da inzwischen zwei Kinder den Haushalt bereicherten, lief die Erziehung von Biene eher so nebenbei. Man nahm das noch nicht so wichtig. Gleichwohl beherrschte unsere Biene das kleine Einmaleins: Sitz, Platz, Fuß und Komm. Sie war eine wunderbar unkomplizierte, liebenswerte Vertreterin ihrer Art. Als wir sie im Alter von 12 Jahren gehen lassen mussten, war eigentlich erst mal kein weiterer Hund geplant. Aber wie das so ist, man schaut halt mal …

Statt der „Brigitte“ zog die „WUFF“ bei mir ein …
Vier Monate später zog Buddy im Alter von acht Wochen bei uns ein. Schnell wurde klar, dass es diesmal nicht so einfach werden würde. Buddy war von Anfang an misstrauisch bis ängstlich. Begegnungen mit Nordic Walkern und vor allem mit Kindern wurden zum Spießrutenlauf. Nun musste ich mich mit dem Thema Hundeverhalten näher auseinandersetzen. Ich wälzte viele Bücher, las nächtelang im Internet und trainierte täglich mit Buddy. Das Thema wurde so für mich immer interessanter, statt der „Brigitte“ zog die „WUFF“ bei mir ein …

Das Ergebnis konnte sich sehen ­lassen
Buddy wurde fast ein „Vorzeigehund“, der sogar am größten „Feind“ brav ohne Leine bei Fuß vorbeigeht. Dazu lernte er allerlei Tricks, die er für ein ent­sprechendes Entgelt in Form von ­Naturalien gerne zum Besten gibt. ­Damit könnte nun das Happy End erreicht sein, aber es kam alles anders …

Im Juli 2015 waren wir zu Besuch in Apatin in Serbien. Dort gibt es ­viele Hunde und auch viele ­Streuner. Noch am ersten Tag fiel uns eine ­kleine ­Hündin auf, die zwischen alten Bahngleisen scharrte und Ameisen fraß. Da ich immer Leckerlis dabei hatte, fütterte ich die Kleine. Die darauf folgenden Tage schaffte sie es immer wieder, sich in den Garten unserer Bekannten zu schmuggeln, obwohl dieser eingezäunt ist. Egal, wie oft wir sie raussetzten, sie kam wieder. Die Hausherrin gab ihr auch Wasser und Essen, konnte sie aber nicht behalten, da schon zwei Hunde dort lebten. Wenn ich mit Buddy spazieren ging, folgte sie uns fröhlich. Sie war immer freundlich und sehr ruhig. Ein Nachbar sagte uns, wir sollten sie mitnehmen, sie lungere schon einige Wochen in der Gegend rum und er hätte sie auch schon einige Tage versorgt. Außerdem gäbe es einen anderen Nachbarn, der schon Streuner erschossen hätte, wenn sie auf sein Grundstück kamen. Verliebt war ich zu dem Zeitpunkt ohnehin schon in sie und selbst der Göttergatte war dem Charme der schwarzen Prinzessin verfallen.

Also suchten wir einen Veterinär auf, der sie für gesund erklärte und ihr Impfungen, Chip, Wurmkur etc. verpasste. Außerdem teilte er uns mit, dass sie ca. ein halbes Jahr alt und ein Mudi, bzw. Puli-Mix (dasselbe in der serbischen ­Variante) sei. Das sagte uns aber ohnehin nichts.

Als sie einige Zeit später bei uns in Deutschland einzog, dauerte es nicht lange und wir erlebten unser blaues Wunder. Wobei es kein Wunder war, ein Hund von der Straße in einer ­Wohnung, der dazu vormittags mit Buddy ­allein verbringen musste. Die Wohnung erkannte ich in den ersten Wochen oft nicht wieder, wenn ich heimkam, wobei ich nie sauer auf unsere Steunerin war. Es tat mir nur unendlich leid, und ich fragte mich, ob ich richtig gehandelt hatte.

Seit ich nun beide Hunde in unterschiedlichen Räumen unterbringe, wenn sie alleine sein müssen, klappt es nun gut. Zudem las ich viel über Mudis und erkannte unsere, nun Emmi getaufte, kleine Teufelin wieder. Sie geht immer laut bellend nach vorne, wobei sie sich mit allen Hunden versteht. Bei Konflikten versucht sie lautstark ihre Position klarzustellen. Sie hat Power ohne Ende, lernt sehr schnell, hat aber keine Lust an Wiederholungen einer Übung. Sie beherrscht eine besondere „Gangart“, und zwar hüpft sie ganze Strecken wie ein Flummi über die Wiesen.

Buddy musste erst lernen, sich gegen sie durchzusetzen, denn das liebe Hündchen stellte sich schnell als richtig dominant und angriffslustig ihm gegenüber heraus. Und ich musste lernen, wann ich einzugreifen habe und wann nicht. Mein Lernen hat noch lange kein Ende, aber wir sind auf einem guten Weg.

Ich sage oft spaßeshalber, dass sie in 10 Jahren sicher super sein wird. Bis dahin steht mir eine gute Freundin, die Hundetrainerin ist, mit Rat und Tat zur Seite. Und sie sagt oft, dass Hunde­anfänger bei unserer Emmi verloren hätten, die dürften schon lange nicht mehr auf ihre eigene Couch … Aber ich weiß eines ganz sicher, sie ist ein toller Hund mit viel Potenzial, und auch wenn ich wahrscheinlich keinen Hund mehr direkt von der Straße nehmen würde: Emmi, unsere verrückte Lutalica ­(serbisch für Streunerin) aufzunehmen, war goldrichtig.

Wo ist Ihre Alltagsgeschichte?
Werden Sie Teil dieser unterhalt­samen Serie und schreiben Sie uns Ihre Alltagsgeschichte mit Ihrem Hund. Ganz wichtig: Mindestens fünf Fotos in Originalgröße (also nicht verkleinert) schicken.

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