Weintrauben – „Süßes Gift“ für Hunde!

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Was für die meisten Menschen ein Genuss ist, ist für unsere ­Haustiere in vielen Fällen pures Gift. Aus aktuellem traurigen Anlass möchten wir Sie über die Gefahren informieren, die von ein paar winzigen, leckeren Weintrauben oder süßen Rosinen für Hunde ausgehen können. Leider viel zu oft gibt es für den besten Freund des Menschen dann keine Hilfe mehr.

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei.“ (Paracelcus, 1538).

Welcher Wirkstoff daran schuld ist, dass Weintrauben so giftig für unsere Vierbeiner sind, ist leider noch nicht bekannt. Umso besser dokumentiert sind dafür die jeweiligen Mengen an Trauben oder Rosinen, die für einen tödlichen Ausgang verzehrt werden müssen:

■  10-30 Trauben
    für einen 5 kg schweren Hund
■  40-120 Trauben
    für einen 20 kg schweren Hund
■  50 Rosinen
    für einen 5 kg schweren Hund
■  Toxische Dosis: 10-30g Weintrauben pro kg ­Körpergewicht
    für einen 20 kg-Hund entspricht das in etwa 500g Weintrauben.

Paradoxerweise reagieren nicht alle Hunde gleich auf den Verzehr von Weintrauben oder Rosinen, bei einigen liegt die toxische Dosis doch deutlich über den gängigen Angaben aus der Literatur.

Weintrauben bei Hunden: Akutes Nierenversagen
Die ersten Anzeichen einer Weintrauben­vergiftung sind ­Erbrechen, Lethargie und starke Bauchschmerzen – da es sich ­hierbei jedoch um sehr unspezifische Symptome handelt, wird in vielen ­Fällen nicht sofort an eine Vergiftung gedacht. Die Hauptkomplikation einer Traubenintoxikation liegt in der Entwicklung eines akuten Nierenversagens, welches ohne rechtzeitige Therapie unweigerlich zum Tod des Hundes führt.

Vergiftungssymptome
Eine amerikanische ­Literaturstudie anhand von Patientendaten der AmTox® Datenbank, einer Einrichtung des Animal Poison Control Centers (Tiervergiftungszentrum), untersuchte die Fälle von 43 Hunden, die nach der Einnahme von Trauben, Rosinen oder beidem Anzeichen eines ­akuten Nierenversagens zeigten. Die ­klinischen Symptome waren:

■ Erbrechen (100%)
■ Lethargie (77%)
■ Appetitlosigkeit (72%)
■ Durchfall (51%)
■ herabgesetzte Urinproduktion (49%)
■ Abdominale Schmerzen (28%),
■ Ataxie (Störung der Be­wegungskoordination) (23%)
■ Schwäche (19%).

Erbrechen war das erste auftretende (bei 81% der Hunde innerhalb von 24 Stunden, beim Rest der Hunde innerhalb von 48 Stunden) und verlässlichste klinische Zeichen. In vielen Fällen waren in den erbrochenen ­Flüssigkeiten noch un- oder anverdaute Rosinen oder Trauben ­enthalten. Ataxie, reduzierte Urinproduktion und Schwäche waren signifikant häufig mit einer schlechten Prognose (Krankheitsausgang) verbunden.

Laborveränderungen
Im Labor zeigt sich vor allem eine sog. Azotämie (abnorme Vermehrung von stickstoffhaltigen Endprodukten des Proteinstoffwechsels im Blut). Hauptsächlich handelt es sich dabei um einen Anstieg von Harnstoff und Kreatinin, des Weiteren kommt es zu erhöhten Calcium- und Phosphat­werten (Elektrolytverschiebungen).

Therapie
Die Therapie umfasst eine intravenöse Flüssigkeitstherapie, den Ausgleich von Imbalancen der Blutsalze ­(Elektrolytverschiebungen), die Verabreichung von Magenschutz und Phosphatbindern, weiterhin Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen und in vielen Fällen auch die Gabe von Diuretika (Entwässerunsmedikamente), um die Harnproduktion zu fördern.

Eine Hämodialyse (Blutreinigungs­verfahren) stellt in der Humanmedizin eine der besten Behandlungsmöglichkeiten bei akutem Nierenversagen dar. Das Haupteinsatzgebiet der Dialyse bei Hunden ist das akute Nieren­versagen, bei dem die Chance auf eine Besserung und Wiederherstellung der Nierenfunktion gegeben ist, sodass die betroffenen Tiere nach erfolg­reicher Therapie wieder ohne Dialyse eine gute Lebensqualität haben. Für Tiere mit chronischem Nierenver­sagen wird die Hämodialyse, obwohl sie technisch möglich ist, nicht empfohlen. Diese Tiere müssten für den Rest ihres Lebens alle 2-3 Tage wie in der Humanmedizin mit der Dialyse behandelt werden.

Für die erfolgreiche Durchführung einer Dialyse sind neben einer komplexen Hämodialyse-Maschine ­teures Equipment, hoch qualifiziertes Personal und umfangreiche Labor-, Überwachungs-, und intensivmedizinische Ausstattung vonnöten. Daher wird dieses sehr kosten- und überwachungsintensive Verfahren europaweit nur in sehr wenigen Kliniken angeboten (zum Beispiel in der Medizinischen Kleintierklinik der Universität ­München). Wird ein akutes Nierenversagen rasch diagnostiziert, ist in vielen Fällen eine einzige Dialyse-Sitzung erfolgversprechend. Die Kosten hierfür liegen bei circa 600 Euro. Liegt jedoch eine schwere Urämie (Harnvergiftung) vor, ist für 2 bis 4 Tage eine tägliche Behandlung notwendig, die je nach Therapieerfolg in den Folgewochen auf 2 bis 3 Sitzungen pro Woche reduziert werden kann. Hierbei muss man mit Kosten von bis zu 5.000 Euro rechnen. Die Überlebensrate bei akutem Nieren­versagen liegt mit Dialyse bei circa 60%. Für Tiere mit chronischem Nierenversagen wird die Hämodialyse, wie erwähnt, obwohl sie technisch möglich ist, nicht empfohlen.

Vorsicht vor Trauben und Trester
Besondere Vorsicht ist während der Lesezeit geboten –Sie sollten darauf achten, dass Ihr Hund bei Spaziergängen in der Nähe von Weinbergen keine Trauben frisst. Auch Trester (Traubenreste nach dem Auspressen), der in Weinbergen zum Düngen ausgebracht wird, stellt eine Gefahr dar und wird leider sehr gerne von Hunden gefressen.

Weitere Gifte für Hunde
Als verantwortungsvoller Tierbesitzer ist es sehr wichtig, seine Tiere vor „selbstgemachten“ Vergiftungen zu schützen: So sind neben Weintrauben und Rosinen auch Macadamianüsse, Koffein, Süßstoff und Schokolade für Hunde giftig und sollten nie – auch nicht in kleinen Mengen – angeboten werden. Auch vermeintlich harmlose Medikamente wie Aspirin, ­Paracetamol oder Teebaumöle wirken beim Tier toxisch. Grundsätzlich sollte man sich mit einem Hund im Haushalt verhalten wie mit einem kleinen Kind: Also Medikamente, Putz- und Reinigungsmittel oder Gartenchemie aus der Reichweite des Vierbeiners verbannen!

Bei Vergiftungssymptomen oder dem starken Verdacht auf eine Vergiftung gilt stets: So schnell wie möglich zum Tierarzt!

LITERATUR

■  Dr. René Dörfelt, Abteilung für Intensivmedizin LMU München
■  CliniPharm CliniTox, Institut für Veterinärpharmakologie und –toxikologie, Vetsuisse Fakultät Zürich

Dialyse Hund und Katze:
■  Medizinische Kleintierklinik, ­Universität München
■  Tierklinik Norderstedt, Hamburg
■  Vetsuisse Fakultät Universität Bern, Innere Medizin, Dr. Hellmuth Wachtel, Das Buch vom Hund. Die ­Symbiose zwischen Hund und Mensch. Cadmos Verlag Lüneburg, 2002.

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