Wenn es Zeit zu gehen ist …

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Vor rund 2 Jahren starb Spencer, der Deutsche Boxer von Familie Husz aus Voitsberg in der Steiermark. In 5 gemeinsamen Jahren hat Frauchen Gabriele viel mit ihm erlebt. Mit Freude für Hund und Mensch ging es von einer Ausbildung zur nächsten, sämtliche Stufen von Unterordnung und Agility wurden gemacht, stolz ist Frauchen auf den 1. Platz bei einer Landesmeis-terschaft in Schutzarbeit. Getrübt wurde die gemeinsame Freude nur durch Spencers Bauchspeicheldrüsenerkrankung, die ihn sein ganzes Leben lang begleitete und zu Tabletteneinnahme und Diät zwang. Frauchen Gabriele erinnert sich: „Da Spencer kein wehleidiger Hund war, sah man ihm Schmerzen wahrscheinlich nicht so schnell an. Nur, ich erkannte es immer an seinem Blick, und es tat mir jedesmal furchtbar weh."

Vor 2 Jahren bemerkte Frauchen, dass der Hund besonders große Schmerzen haben musste. Dabei war bei einer tierärztlichen Routinekontrolle anlässlich eines Impftermins noch alles in Ordnung gewesen. Spencer kam abends ans Bett, wirkte müde, wollte sich aber nicht hinlegen. Er saß nur neben seinem Frauchen und blickte es an. Gabriele wusste nicht, was los war. „Ich habe ihn gestreichelt und mit ihm geredet. Irgendwann ist er dann ins Bett gekommen, was er sonst nicht durfte. An der Art, wie er sich nur so halb hinlegte, schloss ich, dass ihm etwas weh tat." Doch nach einigen Tagen schien alles wieder vorbei und Spencer war ganz der Alte, hat gefressen, gespielt und ist wie immer lustig herumgesprungen.

So war es dann bis zum 31. Januar 2004. An den Tag erinnert sich Gabriele noch heute mit Trauer: „In der Früh hat Spencer erbrochen, überall hin. Zunächst habe ich mir noch nicht so viel dabei gedacht, weil er das oft wegen seiner kranken Bauchspeicheldrüse hatte. Als er aber begann, sich hinzulegen und in die Mauer zu schauen, wurde mir sehr mulmig. Ich bekam richtige Angst. Wir wollten eigentlich gerade spazieren gehen. Als ich mich umzog, saß er da und schaute mich an wie immer, wenn er mir was sagen wollte. Ich wusste aber nicht, was los ist, ich hoffte, es wäre nur sein normales Bauchweh."

Gabriele ging dann zur Türe hinaus, sagte zu Spencer die sonst von ihm so geliebten Worte „Gemma Gassi", und der Hund folgte. Doch vor der Haustüre legte er sich gleich wieder auf den Boden, und Frauchen wusste nun, da brennt´s …Mit Hilfe des Ehemanns wurde Spencer sofort zur Tierärztin gebracht. Eigentlich war die schon am Gehen, doch durch die telefonische Ankündigung wartete sie in der Praxis. Die Fahrt dorthin wird Frauchen nie mehr vergessen: „Ich habe Spencer während der Autofahrt gestreichelt und mit ihm die ganze Zeit geredet, was mir gerade einfiel. Mir gingen alle Gedanken durch den Kopf, es tut einem alles leid, was man jemals an dem Tier falsch gemacht hat, oder wenn man vielleicht nervös und ungeduldig mit ihm war. Es war einfach nur schrecklich."

Bei der Tierärztin streichelte Frauchen ihren Spencer, danach trug Herrchen den Hund hinein. Gabriele erzählt über diesen schrecklichsten Tag ihres Lebens: „Ich wartete, bin nur nervös auf und ab gegangen, fühlte mich völlig hilflos. Als mein Mann dann weinend herauskam, wusste ich, was los war, ich war völlig versteinert. Es war der schlimmste Tag in meinem Leben."

Spencers Asche kam in eine Urne, die nun in Frauchens Nähe steht. Doch angeschaut hat sie die bisher noch nicht, wie sie sagt: „Ich will gar nicht sehen, was von meinem über alles geliebten Boxer übriggeblieben ist. Aber eines weiß ich mit Sicherheit: In meiner Erinnerung und meinem Herzen und mit seinen Fotos und zahlreichen Pokalen steht er überall bei mir zu Hause. Spencer, du warst und bist im Herzen deiner ganzen Familie und vor allem in meinem, und das wird auch immer so bleiben. Wir lieben dich über alles!"


SINA


Wann kommt der Tag X?

Ich liebe meine fast 9-jährige Schäferhündin sehr. Immer häufiger aber ertappe ich mich bei dem Gedanken, wie es wohl sein wird, wenn der Tag X kommt. Noch erfreut sich Sina bester Gesundheit, ist agil, sieht für ihr Alter viel jünger aus und genießt (fast) jeden Spaziergang. Doch es gab sie schon, die Tage, an denen mir der Kloß tief im Hals saß, als der Tierarzt eine Geschwulst im Bauchraum (Gott sei Dank gutartig) operativ entfernen musste und beim Röntgen danach Spondylose feststellte, die die geliebten Spaziergänge auf nunmehr ca. 3,5 Stunden täglich reduziert. Das Hinken ist nun wieder verschwunden, aber ich spüre, dass sich der Hund nach mehr Ruhe sehnt, im Dunkeln nicht mehr so gerne laufen will und seit der OP anhänglicher geworden ist. Also tolerieren wir, dass er nachts im Schlafzimmer liegt, was vorher nicht so sehr erwünscht war.

Allerdings muss ich zugeben, dass mir die Tränen in die Augen schießen bei dem Gedanken, Sina eines Tages zur Regenbogenbrücke ziehen zu lassen. Wie damit umgehen, diese leuchtenden, sich stets mitteilenden Augen nicht mehr zu sehen, das samtweiche Fell nicht mehr berühren zu können. Egoistische Gedanken kommen mir in den Sinn, um der Trauer vorzubeugen, bzw. ihr zu entfliehen. – Wie wäre es mit einem jüngeren Zweithund, der würde uns doch ablenken, seine Rechte einfordern, wenn Sina von uns geht. Doch ich schäme mich ein wenig und denke, wo bleibt der Respekt dem alten Tier gegenüber, das doch immer im Mittelpunkt stand und keine Götter neben sich dulden mochte. Haben wir es nicht erst kürzlich in der eigenen Familie erlebt, dass die Trauer erlebt und verarbeitet werden will, ohne wenn und aber? Muss das nicht auch für Tiere gelten?

Fest steht für uns, dass Sina nicht leiden soll. Alle verfügbaren finanziellen Mittel sollen für sie vorhanden sein. Lieber kein Urlaub, wenn es eng wird. Sie soll hundegerecht alt werden dürfen, wenn nötig Linderung durch Medikamente erhalten, aber wir hoffen, dass wir genug Verstand haben, der uns sagt, nun ist es genug, es reicht, der Hund leidet, hat kaum noch Lebensqualität und muss erlöst werden. Und voll der Emotionen hoffen wir, dass es sie dann gibt, die Freunde und Bekannten, die uns rechtzeitig daran erinnern, dass es Zeit wird …
Familie Born-Weiershäuser
D-65510 Idstein (Hessen)


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