Whisky – Liebe über den Tod hinaus …

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Ich möchte Euch von einem Hund erzählen, dem Hund ­meiner Jugend. Whisky wäre letzten Oktober 11 Jahre alt geworden, seine Mutter war genauso wie sein Vater ein ­Pinschertyp.

Er war ein ängstlicher Welpe, als ich ihn bekam, doch bald verschwanden seine Ängste, nur die Angst vor fremden Menschen ist ihm bis zu seinem Tod geblieben. Auf jeden Fall war mit ihm mein größter Wunsch in Erfüllung gegangen und ich hatte in meiner Freizeit nichts anderes zu tun, als mit ihm durch die Wälder zu streifen, zu spielen und zu üben. Als Whisky die Grundkommandos kannte, ließ ich mir immer wieder Neues einfallen, das ich ihm beibrachte, bis er ungefähr zwei Jahre später 48 Wörter kannte. Und die saßen!

Mal ehrlich, die meisten Hunde ­kennen gerade einmal eine Handvoll Befehle, vielleicht etwa 10, doch mehr? Nur ein Wort, und ­Whisky ­hatte es schon ausgeführt. Er ­brachte, sprang, robbte, rollte, ­kletterte, ­suchte, schnitt auf Wunsch ­Grimassen; lief links, rechts, vorwärts, rückwärts, unten durch, oben drüber, wechselte auf Wunsch die Straßenseite und vieles mehr.

Nannte ich Whisky einen bestimmten, ihm bekannten Ort, dann lief er selbständig dorthin, ohne dass ich ihm eine Hilfe geben musste. Ich ging einfach hinter ihm her, und er führte mich zu dem genannten Ziel. Whisky kannte auch die engeren Verwandten und Bekannten beim Namen, brachte auf meinen Wunsch diesen auch zielstrebig bestimmte Sachen. Auch wenn mehrere Personen anwesend waren, brachte er die Dinge immer zur genannten Person. Whisky war mit mir wandern, schwimmen, radfahren, war mit beim Canyoning und saß beim Sesselliftfahren ruhig neben mir. Keine Felswand war uns zu hoch, er ist mit mir auf Bäume geklettert, von über zwei Metern Höhe ins Wasser gesprungen und hat mich im Winter mit dem Schlitten gezogen. Dabei half ihm sein bester Freund, mein dama­liger Pflegehund, ein Mittelschnauzer. Wir gingen durch Dick und Dünn und vertrauten einander blind. Whisky hat meine Sachen getragen, auf Aufforderung bestimmte Dinge gebracht und verlorene wiedergefunden. Eigentlich musste ich zu guter Letzt nicht einmal mehr mit ihm sprechen. Er musste nur einen kurzen Blick auf mich werfen und wusste, was ich wollte.

Prüfungsmäßig kamen wir voran, BGHA, BGH1, BGH2, beim Flyball war er der Schnellste des Vereins, bis zur GH1 und fast GH2 (GH = Obedience = Gehorsam). Diese wäre für ihn ein Kinderspiel gewesen, doch da wollte er auf einmal nicht mehr. Ich dachte, er mag einfach nicht mehr, akzeptierte das und schickte ihn sozusagen in die „Hundesport-Frühpension“. Zuhause aber spielte, sprang, schwamm und rannte er weiter wie eh und je; doch ein halbes Jahr später wusste ich es besser. Whisky hatte einen Herzfehler, und beim Spielen am Wasser ist er einfach umgekippt. Mit nur 3 ½ Jahren ist er über den Regenbogen ins andere Reich gegangen; er ist in meinen Armen gestorben. Nie werde ich vergessen, wie er mich immer erwartungsvoll mit seinen leuchtenden braunen Augen angesehen hat, die Ohren vorstellte, den Kopf seitlich neigte und mir mit einem Auge zublinzelte – das war Whisky.

Sieben Jahre nach seinem Tod schlummert noch immer eine unendlich tiefe Liebe zu ihm in mir. Nie wieder habe ich einen Hund getroffen, wie er es war; er war einfach der Beste – mein Whisky. Wenn mich heute mein kleiner Sohn nach Whisky fragt (er weiß ja, warum ich so viele Pokale habe), will er immer wissen, was Whisky noch alles konnte, und immer noch fallen mir neue Geschichten von ihm ein.

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