Winterfreuden: Coole Tipps für Mensch & Hund

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Für manchen Hundehalter bedeutet die dunkle Jahreszeit ein nicht vermeidbares Übel mit feuchtkaltem Wetter und der Vorstellung, frierend mit dem Hund neben sich um die Häuser zu laufen. Doch hält gerade der Winter wunderbare Überraschungen bereit und kann für Mensch und Hund alles andere als trostlos werden. Welcher Voraussetzungen es dafür bedarf, erklärt Karin Joachim.

Solange Mensch und Hund sich bewegen und über die gemeinsame Zeit freuen, birgt der Winter manchen Vorteil: So sind bspw. weniger Ausflügler unterwegs und die Natur strahlt einen ganz besonderen Reiz aus. Doch wenden wir uns zunächst einmal den Voraussetzungen für einen gesunden Winterspaß zu:

Die leidige Dunkelheit
Gerade an trüben Tagen, in der ­Dämmerung und Dunkelheit, müssen Mensch und Hund für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbar sein. Der Handel hält hier eine Reihe von Accessoires wie leuchtende Halsbänder, Reflektoren etc. bereit. Doch nicht alles, was blinkt und reflektiert, ist auch gut für den Hund. Auf einen guten Sitz sowie Hautverträglichkeit ist zu achten. Ganz wichtig: Batterie­betriebene Blinklichter müssen technisch geprüft sein und alles, was am Hund angebracht wird, sollte keine Teile aufweisen, die verschluckt werden könnten. ­Hundehalter, die gerne Spazier­gänge in der Dunkelheit mit Suchspielen verbinden, sollten einmal eine Stirnlampe für sich ausprobieren.

Manche Hunde verhalten sich in der Dunkelheit mitunter anders, ängstlicher als am Tag. Darauf sollte sich der Hundehalter einstellen und seinen Hund besonders gut beobachten und gegebenen­falls lieber an der Leine führen. Oft überträgt sich allerdings auch die menschliche Unsicherheit auf den Hund.

Immunsystem und Kondition ­trainieren
Für das menschliche und tierische Immunsystem stellt der Winter, gerade der Wechsel von nass-kalten und trockenen Wetterperioden, eine besondere Herausforderung dar. Doch Wetterkapriolen lassen sich besser verkraften, wenn man generell viel an der frischen Luft unterwegs ist. Auch wenn das Hinausgehen uns Menschen nun manchmal Überwindung kostet, so tut die frische Luft im Freien gut und ist eine Erleichterung gegenüber der oftmals viel zu trockenen Luft in unseren geheizten Räumen. Viele Hunde finden die recht hohen Innentemperaturen ohnehin nicht angenehm und suchen instinktiv sogar ein kühleres Plätzchen im Haus auf. Moderate Bewegung im Freien trainiert die Gelenke und Bänder und das Sonnenlicht hilft, das wichtige Vitamin D zu bilden. Dies alles gilt für Mensch und Hund.

Gesund und fit
Manche Hunde sind beim ersten Anblick frisch gefallenen Schnees schier aus dem Häuschen und ­fressen munter größere Mengen davon – übrigens auch bei Apportier­spielen. Der kalte und oft verunreinigte Schnee kann nicht nur in größeren Mengen und bei empfindlichen Hunden Bauchschmerzen und Durchfall oder Atemwegserkrankungen hervorrufen. Auch im Winter gehört daher eine Portion Trinkwasser ins Gepäck, damit der Hund nicht gezwungen ist, seinen Durst mittels kalten oder schmutzigen Wassers aus Bächen, Flüssen oder Pfützen zu stillen. Auf längeren Spaziergängen transportiert man das zimmerwarme Wasser idealer­weise in einer Isolierkanne. Trinken sollte dem Hund regelmäßig angeboten werden, gerade wenn er tobt oder längere Zeit unterwegs ist.

Die Untergründe, auf denen sich unsere Hunde nun fortbewegen, bergen zusätzliche Risiken für die Gesundheit: In hohem Schnee werden Gelenke und Bänder des Hundes deutlich belastet. Auf gefrorenen Böden kann er leicht ausrutschen, in Eisflächen einbrechen. Gefrorene Böden sind außerdem hart, kein idealer Ort für wilde Toberunden unter Hunden und allzu engagierte Wurfspiele. Aufwärmübungen vor allen sportlichen Betätigungen sind bei kalten Außentemperaturen besonders sinnvoll. Lange Sitz- und Platz­übungen sollten unterbleiben, da der Boden einfach zu kalt ist. Viele Hunde­halter haben nun auch ein Handtuch griffbereit und trocknen ihren Hund sorgfältig ab, sollte er sich nicht dauernd bewegen, z.B. auf der Rückfahrt im ausgekühlten Auto.

Ob Hunde im Winter ein energie­reicheres Futter gereicht bekommen sollten, klärt man am besten mit dem Tierarzt ab. Da nur die wenigsten Hunde echten Wintersport betreiben und sich in der Regel im Winter eher zu wenig bewegen, sollte jetzt besonders achtsam mit den Futtermengen und den zugefütterten Leckerchen umgegangen werden.

Haut und Haar
Ausreichende Bewegung im Freien zu jeder Jahreszeit fördert beim Hund ein optimales Haarkleid, das auch im ­Winter gut isoliert. Fellpflege ist immer wichtig, gerade im Winter, denn ein ungepflegtes Fell verliert seine natürliche Schutzfunktion. Eine regelmäßige Bürstenmassage entspannt und sorgt zudem für eine Anregung der Talgproduktion, der natürliche Hautschutz wird so gefördert. Verfilztes Fell bewahrt Feuchtigkeit besonders gut und lässt den Hund auskühlen. Gebadet werden sollte der Hund wegen der hauteigenen Schutzbarriere und der Erkältungsgefahr in der kalten ­Jahreszeit möglichst gar nicht. Wenn er sich dennoch einmal in etwas Unappetitlichem gewälzt haben sollte, wäre es ratsam, nur die betroffene Stelle abzuwaschen.

Keinesfalls vernachlässigen darf man nun die Vorbeugung gegen Parasiten im Fell, denn Flöhe und andere Lästlinge lieben den Aufenthalt in kuschelig warmen Wohnungen und finden dann im Hundekörbchen und am Hund selbst ideale Überwinterungsquartiere. An wärmeren Tagen sind sogar Zecken aktiv, der Winter ist leider kein Garant mehr für eine zeckenfreie Zeit.

Pfotenpflege
Splitt und Streusalz, gefrorene oder matschige Untergründe strapazieren die Hunde­pfoten im Winter arg. Während und nach einem Spaziergang sollten diese nun auf eingetretene Steinchen kontrolliert und anhaftende Eisklumpen vorsichtig gelöst werden. Beim Heimkommen badet man die Pfoten am besten in lauwarmem Wasser ohne Zusatz und ­trocknet sie anschließend gut ab. Die Haare zwischen den Ballen trägt Hund nun kurz, damit Schnee und Streugut sich nicht darin verfangen. Das Ein­reiben der Pfoten steht nun ebenfalls auf dem Programm, sollte aber auch nicht übertrieben werden. Gut eignen sich talg- oder wachshaltige Cremes, die am besten nach dem Spaziergang anzuwenden sind. Manche Mittel können die Haut sogar zusätzlich weich machen. Augenmerk gilt weiterhin den Krallen, denn bei häufigen Spaziergängen im Schnee nutzen sich diese weniger ab.

Winterbekleidung
Das Tragen von Pfotenschuhen hängt von der Freizeitgestaltung ab, gerade auf längeren Wanderungen oder bei starkem Einsatz von Taumittel auf Straßen können sie zum Schutz der Pfoten Sinn machen. In jedem Fall ist auf einen guten Sitz und hautfreundliche Materialien zu achten. Die meisten Hunde müssen auch erst einmal daran gewöhnt werden, da die Schuhe ein Fremdkörper sind und auch einen anderen Grip haben.

Ganz kontrovers wird diskutiert, ob Hund Mäntelchen tragen sollte. Die Antwort ist eindeutig: Jein. Denn: Kurzhaarige Rassen, Hunde aus dem Süden oder kranke Hunde können durchaus von Mänteln profitieren, diese sollten dann aber atmungsaktiv und wirklich gut dem Körper angepasst sein und die Bewegungsfreiheit nicht einschränken. Die meisten Hunde benötigen jedoch keine Winterbekleidung, schon gar nicht die nordischen Rassen. Solange unsere Hunde in Bewegung sind, frieren sie auch nicht. Und Spaß und Action sind an Wintertagen durchaus angesagt:

Spaß und Action an Wintertagen
Unsere Hunde helfen uns durch ihr Bewegungsbedürfnis und ihre Erkundungsfreude geradezu, trübe Gedanken zu vertreiben. Spaziergänge mit Spaßfaktor machen gute Laune: Wie wäre es zum Beispiel mit einer ausgiebigen Leckerchenversteck-Rallye oder einem Such-und-Finde-Spiel. Wo ist das Lieblingsspielzeug? Im Schnee verborgen, unter Laubhaufen versteckt? Ein Wald- oder Wiesenspaziergang birgt so manche Überraschung. Eine gemeinsame Spurensuche führt uns schnell zu den Lebensspuren der Wildtiere: Ein abgenagter Fichtenzapfen hier, ­aufgeworfene Maulwurfshügel dort sowie unbekannte Pfotenabdrücke. Diese Spaziergänge sind übrigens auch etwas für Kinder, die die Natur auf diese Weise ganz anders erleben. Zum Schutz der Wildtiere, die nun für jede unnötige Fluchtreaktion einen hohen Energieaufwand investieren müssen, sollten Hunde jedoch die Fährten nicht eigenständig verfolgen oder gar in Wald und Feld frei herumstromern dürfen.

Ausgedehntere Winterwanderungen mit Hund an einem sonnigen Winter­tag gehören zu den Highlights im Jahr. Allerdings sollte man es mit der Länge und der Schwierigkeit der ­Routen nicht übertreiben. Strecken, die man im Sommer problemlos begehen kann, sind im Winter möglicherweise gesperrt oder gefährlich. Auch fordern Winterwanderungen den Organismus mehr als Wanderungen bei gemäßigten Temperaturen.

Wintersport mit Hund?
Menschliche Wintersportarten, die auch für den Hund geeignet sind, gibt es kaum: Als Begleithund bei Schlitten­fahrten, Schlittschuhtouren, auf Ski- oder Snowboardpisten stören Hunde meist andere Wintersportler und sind selbst durchaus gefährdet. Während Schneeschuh­wanderungen für Menschen eine spannende Erfahrung darstellen, ist das Laufen im Tiefschnee für Hunde über längere Strecken eine Zumutung. Allenfalls Langlauf auf kürzeren Loipen wäre eine Alternative. Allerdings gibt es zu beachten, dass Hunde auf manchen Loipen gar nicht erwünscht sind. Dort, wo sie gern gesehen sind, ist eine gute Portion Disziplin erforderlich: In jedem Fall sollte der Hund immer beim Menschen bleiben und nicht wild über die Loipe toben. Hinterlassenschaften sind unbedingt sofort zu entfernen. Letzteres gilt nicht nur auf Loipen sondern für alle Wege, da die hund­lichen Hinterlassenschaften nicht nur ein optisches sondern auch ein ­hygienisches Problem darstellen. Schlittenhundesport mit Hunden, die über das Jahr hinweg dafür trainiert haben, ist ein in unseren Breiten immer noch ­seltener Sport, der jedoch immer mehr Anhänger findet.

Alternativprogramm im Haus
Sollten die Tagespaziergänge kürzer als gewohnt ausfallen oder geht man wegen eines Glatteisregens einmal doch nicht vor die Tür, so kann der Hund mit Gedächtnistraining im Haus gut beschäftigt werden. Leckerchenverstecken im Haus, das Einüben von Tricks wie „Winke", „Gib Pfötchen", „Hole …" oder Slalomlaufen durch die Beine des Menschen und andere Elemente aus dem Dog Dancing sind echte Alternativen. Geistig fordernd sind verschiedene im Handel erhältliche „Spiele", bei denen der Hund durch verschiedene eigene Aktionen an Leckerchen gelangen kann. Mit ein wenig Phantasie kann man ­diese Denkaufgaben selbst gestalten. Wichtig ist, dass man zunächst mit einer einfacheren Problemstellung beginnt und den Schwierigkeitsgrad erst allmählich steigert. Sonst verliert der Hund zu schnell den Spaß ­daran. Manche Aufgaben lösen Hunde anders als wir Menschen es erwarten: so benutzen sie bevorzugt das Maul und nicht die Pfote, um an einen Gegenstand oder ein Leckerchen zu kommen. Es ist interessant zu beobachten, wie Hunde ihnen gestellte Aufgaben lösen. (siehe hierzu auch die Artikel der Autorin „Wie lösen Hunde Probleme?" in WUFF 4/2011 und „Hunde lernen auch durch Nachahmung", in WUFF 6/2011) Und am allerschönsten ist das gemeinsame ausgiebige Ruhen oder Kuscheln.
Wir wünschen Ihnen und Ihrem Hund einen schönen, abwechslungsreichen Winter!

Buchtipp

• Preben Bang, Preben Dahlström, Tierspuren, BLV Buchverlag, München 2005 (5. Aufl.)

• Dr. med.vet. Axel Bogitzky, Grundkurs Erste Hilfe für den Hund, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2000.

• Celina DelAmo, Spaßschule für Hunde, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2010 (2. Aufl.)

• Christina Falke,Schnüffelspaß für Hunde, Gräfe und Unzer Verlag, München 2010.

• Frank Lausberg, Erste Hilfe für den Hund, Franck-Kosmos Verlag, Stuttgart 2009.

• Markus Luft, Modernes Schlittenhunde­training, BOD Nov. 2009.

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Karin Joachim studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Bonn und leitete lange Jahre ein archäologisches Museum in Rheinland-Pfalz. Heute veranstaltet sie Kultur- und Naturführungen, Familienwanderungen und thematische Stadtbesichtigungen für Mensch und Hund in und um Bad Neuenahr-Ahrweiler unweit von Bonn. Zur Zeit begleitet sie Airedale Terrier Hündin Lina. www.forum-mensch-hund.de 

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