5. Österreichischer Hundetrainerkongress – Ein Rückblick

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Das Angebot an attraktiven Veranstaltungen rund um den Hund vergrößert sich von Jahr zu Jahr und das ist erfreulich. Auch die Veterinärmedizinische Universität Wien etabliert sich zunehmend als Veranstaltungsort. Ende Februar wurde der 5. Österreichische Hundetrainerkongress dort abgehalten. An zwei Tagen referierten teils sehr prominente Vortragende wie Wolfsexperte Dr. Kurt Kotrschal oder die norwegische Hundetrainerin Anne Lil Kvam.

Kotrschal, bekannt durch seine Arbeit im Wolfsforschungszentrum Ernstbrunn, kann als Referent nie die falsche Wahl sein, denn eines ist er nie, nämlich langweilig. Thematisch spannte er den Bogen von Abstammungs-Genetik bis hin zu Unterschieden zwischen Wolf und Hund bezüglich Lernverhalten und Beziehungsarbeit mit beiden Spezies. Anne Lil Kvam, vielen ein Begriff durch jahrzehntelange Erfahrungen in der Suchhunde-Ausbildung, Stichwort Minensuchhunde in Angola, muss man einfach schon aufgrund ihrer hundefreundlichen Einstellung gern haben. Von ihrem Vortrag hätte ich mir ein anspruchsvolleres Niveau erwartet, da die Adressaten allein durch den Titel der Veranstaltung als fortgeschritten definiert waren und die Vortragende weit mehr zu bieten gehabt hätte. Sicherlich zwei wunderbare Beiträge unter dem Motto „Nosework is Sensework“ für Hundehalter, die einfach Basics über Nasenarbeit wissen und ihren Hunden neue Anreize und mehr Abwechslung bieten wollen. Ebenso mit dem Thema Nasenarbeit beschäftigte sich die österreichische Hundetrainerin Sabine Pöllmann Karlik in ihren Vorträgen rund um das unerwünschte Jagdverhalten. Selbst eine ausgezeichnete Lehrerin für Jagdhunde und deren Halter, auf hohem Niveau und dennoch jenseits der leider noch immer gängigen Zwangs- und Drillmethoden in der Szene, ging sie sehr fokussiert auf die Möglichkeiten der Auslastung jagdlich motivierter Hunde ein. Fazit: viele gute Anregungen kompetent erklärt und verständlich vermittelt!

Mit Verhaltenstierärztin Viviane Theby sollte das Thema „unerwünschtes Verhalten“ unter den Gesichtspunkten von Bestrafung bzw. Belohnung erarbeitet werden. Die Referentin beeindruckte zwar durch Eloquenz und gewinnendes Auftreten, enttäuschte aber durch teils recht veraltete Inhalte bzw. Videos und das gänzliche Fehlen des wichtigen Themas Stress im Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten. Hingegen beeindruckte der flotte Vortrag von Tierarzt Dr. Michael Leschnik, der sich inhaltlich mit krankheitsbedingten Verhaltensänderungen auseinandersetzte. Ohne durch medizinisches Fachvokabular zu verwirren, räumte er mit Falschmeldungen zum Thema Gehirntumore auf, beleuchtete das Verhalten von an Demenz erkrankten Hunden und brachte gute Beispiele und Videomaterial für schmerzbedingte Verhaltensänderungen.

Zusammenfassend eine sehens- und hörenswerte Veranstaltung, gut organisiert und von Mag. Stefan Moser sehr sympathisch moderiert. Und – das muss unbedingt erwähnt werden – abgerundet durch ein wirklich ausgezeichnetes Buffet, auch für Vegetarier und Veganer! Unsere Bewertung: Da kann man nächstes Jahr wieder hin gehen:)

Pdf zu diesem Artikel: hundetrainerkongress_2018

 

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