57. Viennale – „Space Dogs“: Hundeleben zwischen Gosse und Orbit

0
5764

Elsa Kremser und Levin Peter gehen Verbindung zwischen sowjetischen Weltraum- und heutigen Straßenhunden Moskaus nach – Am 25. und 27. Oktober beim Filmfestival (Von Nikolaus Täuber/APA)

Wien (APA) – Die Straßenhündin Laika war als erstes Lebewesen im All. Das österreichisch-deutsche Regieduo Elsa Kremser und Levin Peter legt gut 60 Jahre später mit „Space Dogs“ eine bildstarke Annäherung an die mythische Verbindung vom Hundeleben in Moskau und Orbitflügen vor, die den Bogen aber nicht ganz stimmig zu spannen vermag. Nach der Weltpremiere in Locarno ist das Werk nun bei der Viennale zu sehen.

Mit Laikas Reise – die dem Tier zwar Weltruhm, aber bekanntlich auch den Tod einbrachte -, inklusive einer poetisch bis pathetisch in den Raum gestellten Erzählung (Sprecher: Alexey Serebryakov) ihrer Mythos- und Geistwerdung, starten Kremsner und Peter ihr filmisches Unterfangen. Dessen Rückgrat bilden einerseits neue Aufnahmen, die entstanden, indem das Team einem Rudel Straßenhunde im heutigen Moskau folgte, sowie andererseits Archivaufnahmen aus der Frühzeit des sowjetischen Raumfahrtprogramms, als vor allem Hunde als Versuchskaninchen ins All geschickt wurden.

So bekommt der Zuseher Einblicke ins städtische Leben der russischen Metropole aus einer durchaus ungewöhnlichen Perspektive, die allerdings auch ihre Längen hat. Die streunenden Tiere – als hündischer Hauptdarsteller fungiert ein telegener junger Schäfermischling – werden in ihrem Aktionsradius vermeintlich als Stadtviertelmitbewohner akzeptiert. Vor allem der Kameraarbeit von Yunus Roy Imer hat das ein Stück weit künstlerisch angehauchte quasi Anti-„Universum“ in der aktuellen Erzählebene seinen Tiefgang zu verdanken. Weitgehend unkommentiert wird das Tun und Lassen der Hunde dokumentiert – vom gemütlichen Ausruhen bis zum sehr direkt gezeigten Todbeißen einer Katze.

Nicht nur für Menschen mit stark entwickelter Tierliebe dürfte aber auch so manche Archivaufnahme der Nachfolger Laikas aus den Anfängen der Raumfahrt aufwühlend sein. So wird schnell klar, dass es schlichtweg hochgezüchtete Tierversuche im All waren, die man einst den Mischlingshunden von den Moskauer Hinterhöfen und Boulevards zumutete. Die historischen Dokumente illustrieren die große mediale Aufmerksamkeit und auch Zuwendung, die den Tieren damals entgegengebracht wurde. Dem gegenüber steht die Erkenntnis, welch große Opfer die zwangsläufig duldsamen vormaligen Straßenhunde bringen mussten, denn die Tage und Wochen in der Erdumlaufbahn endeten für die meisten tödlich. Trotz der vielfach eindringlichen neuen und alten Bilder, die bestimmt nicht nur bei Hundefans auf emotional fruchtbaren Boden fallen, klappt es mit dem Versuch der metaphorischen Verbindung der beiden Erzählebenen nicht durchgehend. So bleibt bei „Space Dogs“ mehr der Eindruck zweier recht unterschiedlicher Dokumentationen in einem ambitionierten Film zurück.

(S E R V I C E – „Space Dogs“ ist am 25. Oktober um 20.30 Uhr im Stadtkino und am 27. Oktober um 16 Uhr in der Urania zu sehen. www.viennale.at/de/film/space-dogs)

 

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT