70 Jahre und kein bisschen müde – Ein Leben für den Tierschutz

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Wer insgesamt 300 Tiere am Tag versorgen muss, davon 158  ­Hunde, der kann sich keine Pause erlauben. Was diese Frau mit ihrer Familie in der Toskana leistet, ist schlicht unglaublich. Seit 22 Jahren rettet sie Hunde, die im eigenen Land entweder sterben oder halbtot an Ketten hängen. Sie denkt noch lange nicht ans ­Aufhören und vieles schwirrt in ihrem Kopf herum. Warum sie das alles tut? Weil jedes Lebewesen wissen soll, dass das Leben mit einem Menschen auch schön sein kann.

Mit fünf eigenen Hunden und ihrem Lebenspartner zieht die Marketingfachfrau Helga von München in die Toskana. Der Traum eines Bauernhauses mit viel Land ohne Nachbarn war schnell erfüllt, aber gleichzeitig auch ihr größter Albtraum. Im Herbst 1992 fällt der Umzug mitten in die Treibjagd auf ­Wildschweine. „Für mich war das wie im Krieg – Geschrei, Gejohle, Schüsse, arme, verhungerte Hunde, verletzt, versprengt und ausgesetzt. Ich sah viele ­Bauern- und Jagdhunde, an ­kurzen Ketten gehalten, die auch so ihre ­Welpen gebären mussten, denn keines der Tiere war kastriert. Ich fuhr über das Land, erschlich mir überall Eintritt mit Fragen nach Öl und Wein und sah eben dann auch die Umstände, unter denen die Tiere leben mussten.“

Anstatt wieder abzureisen, beschließt die mutige Deutsche zu helfen. Sie beginnt Hundehütten aufzustellen, die Ketten zu verlängern, Futter zu verteilen, die Hunde von Parasiten zu befreien, zu entwurmen, von den Vorteilen der Kastration zu erzählen. Doch bei der Arbeit vor Ort, direkt bei den Bauern, bleibt es nicht. Schon nach einem Jahr hat sie 23 Hunde auf ihrem Grundstück. Spätestens da ist klar, dass ihr kleines Haus zu eng sein wird. Zwinger kommen ihr nicht in den Sinn und so wünscht sie sich zum 50. Geburtstag von ihrer Familie eine Überdachung der Terrasse und eine Quarantäne-Station. Eigentlich wollte sie den Stress aus Deutschland hinter sich lassen und in der idyllischen ­Toskana Erholung finden, stattdessen ist sie bis heute im unermüdlichen ­Einsatz für die Tiere.

11 Hektar Land für die Tiere
Fünf Jahre später kauft Helga mit ihrer Familie das angrenzende stromlose Bauernhaus dazu und mehrere Hektar Land um sich herum. Dort entsteht ein kleines Katzenheim und weitere Zufluchtsorte für ausgesetzte, ­kranke und heimatlose Hunde. Mit dem gesamten Ersparten der Altersvorsorge erwirbt sie noch zwei weitere Bauernhäuser, um noch mehr not­leidenden Tieren Unterschlupf zu ­bieten. „Überall werden alte, behinderte, seelisch malträtierte Hunde, aber auch Katzen beherbergt. Die Leitung der Häuser, nach dem Vorbild der SOS-Kinderdörfer, haben immer zwei Leute. So leben die Tiere in einem großen Familienverbund mit den Menschen im Haus, mit Sofa und eigenem Bett.“ Es gibt keine Zwinger oder eingezäunte Gelände, die Hunde sind frei und dürfen in großen sozialen Gruppen das neue Leben genießen und das Vergangene langsam vergessen.

Für die toskanische Landbevölkerung sind Hunde keine Familienmitglieder sondern Arbeitstiere. Hunde müssen Sinn machen, das Haus und Schafe hüten oder eben bei der Jagd helfen. Sie dürfen auf jeden Fall kein Geld kosten, und Tierärzte werden fast nie aufgesucht. Die Tiere vegetieren meist ihr ganzes Leben an kurzen ­Ketten und haben nicht mal Unterschlupf. Halb verhungert werden sie dann bei der Wildschweinjagd eingesetzt. Jeder Jäger hat bis zu 14 Hunde und verfüttert, wenn es hochkommt, trockenes Brot. „Ehrlich, viele Bauern und Jäger sind noch nicht mal böse, jedenfalls bei uns in der Umgebung, sie sind dumm und nicht informiert. Gegen Würmer wird Ziegenmilch gegeben und immer noch wird vieler­orts der Hund gegen Parasiten mit Benzin oder Diesel eingesprüht.“

SOS Animali International
Mit drei italienischen Tierschützern gründet Helga schließlich den Verein SOS Animali International, um noch mehr für die Hunde und Katzen tun zu können. Mittlerweile haben die Menschen Vertrauen in Helgas Arbeit und kommen von selbst, wenn sie Futter oder Medikamente für ihre ­Tiere brauchen. Der Verein versucht vor allem vor Ort aufzuklären, die Hunde medizinisch zu versorgen und aufzunehmen, die keiner haben ­möchte. Doch das Elend nimmt so schnell kein Ende. „Nie vergessen werde ich den November 1993: wir hatten für 13 Kettenhunde eines Bauern einen riesengroßen Auslauf gebaut, mit ­großen selbst gebauten Holzhütten – wir konnten alle 13 von den Ketten los machen und in ihr neues, freies Zu­hause führen. Ich habe so viel Dank, so viel Freude in den Augen dieser Hunde lesen können, das war wirklich – fast – mein schönstes Erlebnis.“ Doch nicht immer kommt die Hilfe rechtzeitig, Helga ist tagtäglich mit dem Tod konfrontiert. „Wir haben Welpen bekommen, die Parvovirose hatten, weil sie eben nicht rechtzeitig oder gar nicht geimpft sind. So saß der kleine Wurm bei mir, sah mich an und sagte mir „ich muss gehen“ – es hat mir das Herz zusammengeschnürt!“

Auf Spenden und Hilfe angewiesen
Seit vielen Jahren kämpft Helga mit ihrem Mann und Sohn gegen das Tierleid, trotz der begrenzten finanziellen Mittel. 158 Hunde sind zu versorgen, ganz individuell. Der eine hat keine Zähne, der andere ein schlechtes Herz und der dritte eine kranke Leber. Aber nicht nur das Geld ist willkommen, auch Sachspenden wie Betttücher, Futter, Zäune oder auch alte Sofas. Tierärzte sind ebenfalls willkommen, um in der nahegelegenen Tierklink Hunde zu behandeln und zu kastrieren. Investitionen, Verbesserungen an den Bauten, an den Unterkünften für die Tiere müssen ständig vollzogen werden. Die geänderten Wetterverhältnisse in „Bella Italia“ fordern ihre Maßnahmen. Es gibt fast keinen Frühling mehr, dafür viel Regen, Gewitter und auch einen Winter mit Schnee. Helgas größter Wunsch ist es, ausbauen zu können – dafür braucht es aber mehr Mittel. Jetzt wird Helga 70 Jahre und denkt noch lange nicht ans Aufhören. „Eine grauenhafte Zahl, nicht weil ich mich so fühle, sondern weil die Zeit, in der man noch viel tun kann, kürzer wird. Ich arbeite nun 22 Jahre körperlich und seelisch nur für die ­Tiere, wir leben hier in der Einsamkeit, das gibt mir Kraft und Stärke. Außerdem bekommt man viel von den ­Tieren zurück und nicht zuletzt – ich bin ein gläubiger Mensch. Ich denke, jeder hat seine Aufgabe im Leben dankbar anzunehmen und zu erfüllen. Und das tue ich!“

INFORMATION

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Infos unter: http://www.sos-animali-international.com

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