Abschied von der Wüste

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Die Flugboxen müssen ins Auto, die Campingsachen, Koffer und Reisetaschen. Alles, was für mich wichtig erscheint,  denn ich komme nicht mehr nach Arizona zurück. Ich verabschiede mich von meinem Pferd, dann fahren wir los. Bereits um  neun Uhr morgens hat es 35°, aber im Auto ist es kühl und die Klimaanlage läuft auf Hochtouren. Ein letzter Blick auf die Ranch, mein zweites Zuhause, dann entspanne ich mich und geniesse die Fahrt, die uns in den Norden, in kühlere Gefilde bringen wird. Rodos liegt vorne am Boden, ich sitze mit Bonita in der ersten Reihe unseres Busses.

Glühender Sand
Die ersten drei Tage verbringen wir in Gegenden, die wir bereits im Oktober vorigen Jahres gesehen haben, Grand Canyon und Bryce Canyon. Hier ist grösstenteils Wüste und die Hitze lässt den Sand und die Steine glühen. Rodos und Bonita sind wahrlich nicht begeistert. Wann immer wir stehen bleiben, damit die Hunde Gassi gehen können, verkriechen sie sich in den nächst möglichen Schattenplatz oder springen nach einem schnellen Lackerl gleich wieder ins Auto.
Schliesslich kommen wir zu unserem ersten neuen Ziel, dem Lake Powell, der an der Grenze von Arizona und Utah liegt. Dieser riesengrosse Stausee hat eine Länge von ca. 300 km und eine Grösse von fast 5000 km2. Vor ca. 40 Jahren zur Energiegewinnung geplant, präsentiert sich dieser See heutzutage als nationales Erholungsgebiet.  Hier finden wir auch einen netten Campingplatz, nur ein paar Meter vom Ufer entfernt. Kaum haben wir das Zelt aufgebaut, schnappe ich die Hunde und marschiere mit ihnen zum Wasser. Wir entdecken einen wunderschönen Sandstrand, fast wie am Meer und ich lasse die Hunde, da der Strand menschenleer ist, von den Leinen los. Rodos, der inzwischen schon sechs Jahre alt geworden  und wahrlich kein Temperamentsbündel mehr ist und eigentlich auch kein Wasserfanatiker, stürmt auf den See zu, springt im flachen Wasser umher, rennt Zick-Zack-Linien, zwickt Bonita ins Bein, was die natürlich zu ebensolcher Springerei veranlasst und ich stehe nur daneben und kann mich kaum halten vor Lachen über diesen Ausbruch an Fröhlichkeit.

Nervös im 250 PS Boot
Am nächsten Tag wollen wir uns ein Schnellboot mieten, um den See zu erkunden. Wir fragen in der Marina an, ob es erlaubt sei, Hunde in einem Boot mitzunehmen. Das ist sogar gestattet, allerdings müssen wir die Namen unserer Hunde angeben und so steht auf dem Mietvertrag  Rodos und Bonita Nagl. Wir verstauen unsere Kühlbox, die Wuffis hüpfen brav ins Boot und wir  tuckern langsam aus dem Hafen. Ich mache es mir mit den Hunden im vorderen Teil bequem und eigentlich wirken sie noch recht entspannt.  Als mein Mann jedoch etwas an Geschwindigkeit zulegt, immerhin haben wir ein Schnellboot mit einem 250 PS starken Motor, werden sie etwas unruhiger. Obwohl ich zwischen ihnen sitze, links einen Hund umarmt und rechts einen Hund umarmt, merke ich, dass die Zwei immer nervöser werden. Als das Wasser unruhiger wird, klettert Rodos auf meinen Schoss, was besonders angenehm ist, da ich nur eine kurze Hose anhabe, krallt sich mit den Hinterbeinen an meinen Oberschenkeln und mit den Vorderbeinen an meiner Schulter fest und mir kommen vor Schmerz fast die Tränen. Ich bin wütend auf mich, dass ich meinen zwei armen Wuffis das überhaupt angetan habe. Rodos Verhalten grenzt schon fast an Hysterie, obwohl er keinen Ton von sich gibt, sich aber extrem an mir festklammert, was normalerweise überhaupt nicht seine Art ist. Nachdem wir die Geschwindigkeit etwas gedrosselt haben, werden die Wuffis wieder ruhiger. So beschliessen wir, den grössten Teil des Tages mit dem Schnellboot nur langsam zu fahren.

Rainbow Bridge
Schliesslich erreichen wir die Rainbow-Bridge. Dieses National Monument ist mit seinen 90 Metern die zweithöchste Natursteinbrücke der Welt und nur über den See oder nach einem langen Fussmarsch zu erreichen, eine Strasse führt nicht hin. Natürlich hängt wieder einmal ein grosses Schild gleich am Landungssteg „No pets“ (keine Haustiere), zwei Worte, die ich schon langsam  zu hassen lerne. Also bleiben wir abwechselnd bei den Wuffis, machen ein paar schnelle Fotos und verlassen wieder diesen Ort. Ein neues Problem beschäftigt uns, es ist Mittagszeit und die Hunde müssten Gassi gehen, der See ist allerdings von meterhohen Felsen umgeben und einen Anker besitzt unser Boot auch nicht. Trotzdem probieren wir es bei der erstbesten Möglichkeit aus, einer nur halbsteilen Felswand mit ein paar mickrigen Büschen. Wir befestigen das Schiff an einem schweren Stein, heben die Hunde heraus und ich klettere mit ihnen hinauf. Durch die starke Sonne ist der Felsen natürlich sehr heiss und kaum passe ich nicht auf, drehen die Zwei um und während ich wieder mühsam hinuntergehe, plantschen Rodos und Bonita bereits fröhlich im Wasser.

Gassi-Probleme
Also müssen wir eine andere Möglichkeit finden, um das Gassi-Problem zu lösen.  Der nächste Platz sieht auf den ersten Blick etwas einladender aus, flacher, mit Sand und Büschen. Ich gehe einen Weg entlang, der ihnen halbwegs zu gefallen scheint, doch plötzlich entdecke ich diese heimtückischen Bodenkakteen, die relativ klein und flach wachsen und da steht auch schon Rodos wie erstarrt und hält eine Pfote in die Luft. Ich entferne ihm die Stacheln, er läuft recht lustlos weiter, nur um ihm nächsten Moment wieder quietschend stehenzubleiben. Ich ziehe abermals vorsichtig die Dornen aus den Pfoten, nehme ihn dann auf den Arm und trage ihn zum Boot zurück. Inzwischen habe ich genug und erkläre meinem Mann und unseren Freunden, dass ich gerne mit den Hunden zur Marina zurückfahren möchte, da diese Umgebung zwar wirklich wunderschön, aber für Hunde einfach ungeeignet sei. Ich  kuschle  mich mit den Wuffis auf die vordere Bank, drücke Rodos fest an mich, der zwar während der Fahrt schon ruhiger ist, aber noch immer leicht zittert und so bringen wir den langen Rückweg hinter uns.
Nachdem ich wirklich Angst gehabt habe, dass Rodos von diesem Erlebnis einen Schaden bekommen hat, bin ich sehr beruhigt, als wir aussteigen und er gleich wieder, als ob nichts gewesen wäre, eifrig alles markiert, was ihm in den Weg kommt.            
Leider lieben unsere Hunde Bootsausflüge nicht, also brechen wir unsere Zelte am nächsten Tag ab und fahren weiter in nordöstliche Richtung. Rodos hat inzwischen schon richtige Schmerzen beim gehen, der heisse Sand, Steine und eingetretene Dornen machen ihm schwer zu schaffen. Auch ich sehne mich wieder nach grünem Gras und Bäumen.

Hunde an die Leine
Endlich überqueren wir die Grenze zu Colorado und hier sieht die Welt gleich anders aus. Sanfte Hügel mit Wäldern und saftige Weiden mit Hunderten von Kühen prägen das Bild dieser Landschaft hier. Wir erreichen den Black Canyon, ein nicht so bekanntes National Monument. Da es bereits später Nachmittag ist, suchen wir gleich einen Campingplatz. Inmitten von schattigen Bäumen finden wir ein nettes Plätzchen und die Wuffis sind begeistert über das Gras und die grünen Büsche. Während wir das Zelt aufbauen, kommt ein Park-Ranger vorbei, erklärt uns, dass wir sämtliche Lebensmittel verstauen sollen, da es hier im Park Bären gibt und  die Hunde unbedingt an die Leine genommen und während der Nacht ins Zelt gebracht werden müssen. Doch noch ist es hell, wir sind beschäftigt, die armen Wuffis sind den ganzen Tag im Auto gesessen und jetzt soll ich sie anhängen? Naja, Vorschrift ist Vorschrift, also montiere ich die Leinen an die Halsbänder und die zwei Hunde spazieren nach einiger Verwunderung munter mit ihren Leinen herum. Der Ranger sagte, sie müssen an die Leine. Wer genau am anderen Ende hängen soll, davon war keine Rede … kommt immer darauf an, wie man etwas interpretiert!

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