Aggression ist Kommunikation

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Lieb, nett, freundlich, sozialverträglich mit der Familie, fremden Menschen und natürlich mit Artgenossen, so wünschen sich die meisten Menschen ihren Hund. Aggressives Verhalten ist tabu. Die meisten Hundehalter sind in hohem Maße verunsichert, wenn ihr Hund zum ersten Mal oder wiederholt aggressives Verhalten zeigt. Das ist auch verständlich nachvollziehbar.

Wir Menschen tun uns schwer, die oft körperbetonte Art und Weise, wie Hunde miteinander umgehen, richtig zu deuten und angemessen damit umzugehen. Die Gründe für diese Unsicherheit finden sich oft in der falschen Beurteilung aggressiven Verhaltens und in der Unkenntnis über verhaltensbiologische Zusammenhänge und einem fehlenden tiefergehenden Verständnis des komplexen Kommunikations­repertoires der Hunde.

Biologisches Normalverhalten
Um es gleich vorweg klar und eindeutig zu schreiben: Aggressive ­Kommunikation ist beim Hund ge­netisch disponiert und verhaltensbiologisch äußerst sinnvoll. Wenn dem nicht so wäre, dann hätte diese Verhaltens­weise die Evolution sicher nicht überlebt. Aggression (von lat. Aggressio, das Heranschreiten, ­Heranführen, Angreifen) ist also biologisches ­Normalverhalten. Jeder Hund, unabhängig von Rasse, Rasse­mix, Größe, Geschlecht, Art der Sozialisation, egal, ob Schlittenhund in Grönland, Jagdhund in Kärnten, ­Herdenschutzhund in der Taiga oder der Familien-Labbi in Wuppertal, besitzt die Fähigkeit zur aggressiven Kommunikation. Sie gehört manifest zum hunde­spezifischen Verhaltens­repertoire.

Aggression gibt es schon beim Welpen
Aggressive Verhaltensweisen ­treten bei Hunden das erste Mal im Welpen­alter von 4 bis 5 Wochen auf. Erst einmal wahllos und meist ungehemmt beißt der Welpe in alles hinein, was ihm in die Quere kommt. Dazu ge­hören vor allem Gegenstände. Aber auch im Sozialspiel mit den Wurf­geschwistern werden Fell und Haut recht unsanft „bearbeitet". Beiß­hemmung? Fehlanzeige, denn die muss erst erlernt werden. Der Welpe lernt, und zwar im Sozialspiel mit den Wurfgeschwistern, seine 28 ­„Waffen" zu gebrauchen (das vollständige Gebiss mit 42 Zähnen bekommt der Hund erst nach dem Zahnwechsel).

Deshalb ist es auch so wichtig, die Welpen untereinander auch einmal gewähren zu lassen und ihr – zugegeben – oft wild anmutendes Sozialspiel nicht immer sofort zu unterbrechen. Erfahrene gute Züchter wissen das. Denn die Beißhemmung kann sich individuell nur entwickeln, wenn ein Welpe auch am eigenen Körper erfährt, wie schmerzhaft es ist, die spitzen Zähnchen seines Bruders oder seiner Schwester in der eigenen Haut zu spüren, oder aber, dass keiner mehr mit ihm spielt, wenn er es gar zu bunt treibt. Übrigens, nur in seltenen Fällen, wenn das Spiel zu wild wird, schreitet die Hundemama, genervt von der Schreierei und Quiekerei, körpersprachlich sehr eindeutig ein. Die bekannte Hundetrainerin Angelika Lanzerath, Züchterin der Herdenschutzhundrasse Kuvasz, berichtet gar nach der Beobachtung von 22 Würfen, die sie bisher auf den Weg in die Hundewelt begleitet hat, dass die jeweilige Hundemutter niemals eingeschritten ist, sondern auch die wildesten Welpen gewähren ließ.

Komm mir nicht zu nahe
Aggression und das damit verbundene Verhalten ist erst einmal also keine Verhaltensstörung, sondern gehört zum normalen Verhaltensrepertoire eines Hundes. Eine unter Wissenschaftlern anerkannte Definition des Begriffes stammt von dem britischen Verhaltensbiologen John Archer: „Aggression ist ein Regulationsverhalten, das von einem Tier eingesetzt wird, um störende Reize aus seiner unmittelbaren Umgebung zu entfernen". Wenn einem ein Artgenosse zu nahe kommt, wird so lange mimisch aber auch akustisch Droh- oder Aggressionsverhalten gezeigt, bis dieser die gewünschte Individualdistanz wieder eingenommen hat. Aggressive Kommunikation und aggressives Verhalten dienen also der Wiederherstellung des individuellen „Wohlfühlabstandes" eines Hundes zum Gegenüber und haben eben nicht die Absicht, den Störungsreiz zu beschädigen. Ganz im Gegenteil. Solches Verhalten wird in der Regel gezeigt, um eine eventuelle Beißerei, bei der es in der Tat zu Beschädigungen kommen kann, zu vermeiden. Diese individuelle „Wohlfühl-Individualdistanz" ist auch den Menschen eigen. In engen Auf­zügen beispielsweise, wo sie notgedrungen oft unterschritten wird, ­fühlen sich die Meisten von uns unwohl, weil einem der Mitmensch buchstäblich „auf die Pelle" rückt.

Fighten oder flirten?
Was aber passiert, wenn die ­aggressive Kommunikation, diese „Lass-mich-in-Ruhe"-Signale nicht akzeptiert werden? Oder aber seinerseits vom Gegenüber mit aggressiven körpersprachlichen Signalen beantwortet werden? Jetzt kommen die „4 F" ins Spiel: Fight, Flight, Freeze und Flirt nennt die Verhaltensbiologie diese sogenannten agonistischen (wettbewerbs- oder rivaltitätsbezogenen) Verhaltensweisen.

In der Regel findet blitzschnell, manchmal in Bruchteilen einer Sekunde, eine Interessenabwägung und Chancenbewertung statt. Lohnt es sich, um die umstrittene Ressource, z.B. die oben erwähnte Individual­distanz, zu kämpfen? Dabei wird auch blitzschnell bewertet, wie hoch die eigenen Siegeschancen sein können, und dies auch unter Berücksichtigung der eigenen Erfahrungen („trainierter Gewinner"), der Körpergröße und der Tiefe des Knurrens des Gegenübers. Dabei gehen Hunde, die sich gut und länger kennen, in der Regel „sanfter" miteinander um als Hunde, die sich nicht oder kaum kennen. Der Grund hierfür ist sicher das intensivere Beziehungsgefüge einander bekannter und somit auch vertrauter Hunde, die eben nicht die bestehende Beziehung durch die Wahl beschädigender Bisse aufs Spiel setzen möchten.

Jagende Hunde reden nicht mit ihrer Beute
Ein immer noch weit verbreiteter Irrtum unter Hundehaltern ist die Annahme, dass das jagdlich motivierte Verhalten eines Hundes mit Aggressivität zu erklären und gleichzusetzen ist. Es wird aber von ganz anderen Bereichen des Gehirns gesteuert und es sind völlig andere Hormone und Botenstoffe an der Auslösung und der Aufrechterhaltung des ­Jagdverhaltens beteiligt als bei der Aggression. Jagen dient der möglichst schnellen Distanz­verringerung zum Beute­objekt und umfasst als Endhandlung der Jagdsequenz das Packen und Töten des erjagten Tieres. Eine Kommunikation mit der Beute findet nicht statt.

Beißattacken sind keine ­Aggression. Meistens …
Missinterpretiert und als besonders aggressiv eingestuft wird ein Verhalten des Hundes, bei dem ein ­größerer Hund einen kleineren attackiert und durch Bisse beschädigt und im schlimmsten Fall sogar tötet. Auch wenn es letztlich für das betroffene Tier und den Halter egal ist, so entspringt diese Art der Beißattacke nicht einem aggressiven Kontext, sondern ist vielmehr übersteigertes Beutefangverhalten und somit fehlgeleitetes Jagdverhalten. Deshalb ist es so wichtig, dass größere Hunde möglichst früh in der Welpen- und Junghundezeit unter kompetenter Anleitung eines wirklich erfahrenen (!) Hundetrainers auch auf kleinere ­Hunde sozialisiert werden, um diese oft quirligen Hunde nicht als Beute­objekte anzusehen.

Ein anderer Mythos, der sich nach wie vor hartnäckig in der Hundeszene hält ist die Behauptung, Dominanz habe etwas mit Aggression zu tun. Um es klar und deutlich zu ­schreiben: Es gibt den dominanten Hund nicht! Dominanz beschreibt keine Eigenschaft, sondern eine situative Beziehung ­zwischen zwei oder mehreren Individuen, hier also Hunden. Dominanz beginnt unten und wird von unten nach oben stabilisiert. Denn das Bestreben, sich erfolgreich dominierend zu verhalten, ist immer abhängig davon, ob sich das Gegenüber dominieren lässt. Und das bedeutet, dass dieses submissive Verhalten freiwillig gezeigt wird, also die unterwürfige Rolle freiwillig akzeptiert wird, weil sie letztendlich Vorteile bringt.

Aggression hat viele Gesichter
Das aggressive Verhalten des ­Hundes ist ein Werkzeug, das in vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt wird und das durch viele ­verschiedene Hormone, Botenstoffe und auch Gehirnregionen gesteuert wird, ­quasi ein Vielzweckverhalten. Dadurch erklärt es sich auch, dass es keine pauschalen Trainingsansätze oder Verhaltens­therapien bei ­aggressivem Fehlverhalten gibt. Der Therapie einer aggressiven ­Verhaltensstörung muss also zwingend immer eine ­ausführliche Anamnese mit genauer Analyse der auslösenden Situation und des ­aggressiven Verhaltens ­vorangehen. Das schließt zwingend auch die je­weiligen Verhaltensmuster des ­Hundehalters mit ein.

Eine Form der Aggression ist die sogenannte Selbstschutzaggression. Wir unterscheiden dabei die offensive von der defensiven Selbstschutzaggression. Die Selbstschutzaggression ist eine Form der Aggression, bei der dem Hund nichts anderes übrig bleibt, als sofort und ohne vorangehendes Drohverhalten und langsame Eskalation mit voller Schlagkraft anzusetzen, um dann die Schrecksekunde des Gegners auszunutzen, um zu entkommen. Ob die Bedrohung wirklich so groß ist, spielt keine Rolle. Es kommt alleine auf das subjektive Empfinden des Tieres an. Dies ist ein völlig normales Verhalten und sichert in der Natur oftmals das Überleben. Gesteuert wird dieses Verhalten von den Stresshormonen Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin. Das Tückische ist, dass jedes Mal, wenn ein Hund eine als gefährlich eingeschätzte Situation erfolgreich überstanden hat, er dieses Verhalten als hilfreich und für die Zukunft als wirksame Alternative abspeichert und es bei nächster Gelegenheit wieder anwendet. Das fällt dann unter die Kategorie „Lernen am Erfolg".

Deshalb ist die Führkompetenz des Hundehalters so bedeutsam, damit Hunde nicht in für sie bedrohlichen Situationen allein gelassen werden („das machen die schon unter sich aus") und sich dann selber verteidigen müssen und so den Angriff als beste Verteidigung abspeichern.

Der Hundehalter ist in der Pflicht
Wie die Selbstschutzaggression ­werden leider auch viele andere Formen der Aggression schnell und unreflektiert als Verhaltensdefekt gesehen, der schleunigst wegtherapiert gehört. Und auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die aus einer pseudobiologischen Überlegung heraus Aggression als völlig normal betrachten und die These vertreten, dass Hunde, analog zu freilebenden Kaniden, alles unter sich ausmachen sollten. Wir möchten betonen, dass viele der Aggressionsformen, die bei Hunden vorkommen können, zwar dem natürlichen Verhaltensrepertoire eines Hundes entsprechen, aber dennoch keineswegs einfach so hingenommen werden dürfen. Es ist die Aufgabe des Halters, diese Verhaltensweisen in eine gesellschaftsfähige Form zu bringen und ggf. auch strikt zu unterbinden.

Angstaggression: Starke Schulter gesucht
Einen besonders großen Raum bei der Behandlung des Themas nimmt die Angstaggression ein. Gerade auch ­junge, noch nicht erwachsene und emotional instabile Hunde neigen dazu, aus Unsicherheit, Angst oder Furcht aggressives Verhalten zu ­zeigen. ­Deshalb kommt beim Umgang mit jungen unsicheren Hunden der souveränen Führungskompetenz des Halters eine besonders herausge­hobene Bedeutung zu. Der Halter eines emotional instabilen Hundes muss diesem gegenüber klar und glaubwürdig kommunizieren, dass er die angst­auslösende Situation im Griff hat und für seinen Hund einsteht und so der Hund das Problem nicht selber lösen muss. Zeigt sich der Halter ebenfalls unsicher, wird sich diese Stimmungs­lage auf den Hund übertragen und seine eigene unsichere Stimmungslage noch weiter verstärken. Auch einige der unerwünschten Verhaltensweisen, die viele Hunde an der Leine zeigen, sind Ausdruck einer Selbstschutzaggression. Hunde an der Leine, vor allem an der kurzen, straffen Leine, sind eines Teils ihrer Kommunikations-, aber auch ihrer Ausweich- und Fluchtmöglichkeiten beraubt. Auch hier spielt die Stimmungsübertragung vom Halter auf den Hund – und umgekehrt – eine große Rolle, wenn dem „Leinen­pöbler" keine Sicherheit vermittelt wird. Wenn ein Hundehalter, verunsichert durch das erlebte Verhalten seines Vierbeiners, beim Anblick eines anderen Mensch-Hunde-Teams in einiger Entfernung reflexartig die Leine kürzt und sie strafft, so wird dem eigenen Hund signalisiert: „Vorsicht, da vorne ist etwas, das kann ich nicht ein­schätzen, das verunsichert mich".

Diese ­unsichere Gestimmtheit überträgt sich unmittelbar auf den Hund. Dieser wird nun seinerseits hoch aufmerksam, angespannt, und sein gesamter Fokus ist nach vorn gerichtet. Kein Wunder also, dass das im Grunde so „liebe und brave Lämmchen" auf einmal zu Rambo mutiert und, sich heftig in die Leine werfend, versucht, sich auf den näherkommenden vermeintlichen Störenfried zu stürzen. Gesteuert wird diese Rea­k­tion vom Botenstoff Noradrenalin.

Wettbewerbsaggression
Einen großen Bereich der Aggressionen macht die Wettbewerbsaggression aus. Sie wird in vielen Situationen gezeigt. Zur ­Wettbewerbsaggression gehören die Futteraggression (gesteuert durch das Stresshormon Cortisol), die Eifersucht, die dem Hund oft fälschlicherweise abgesprochen wird, aber nichts anderes ist ja die Verteidigung des Bindungspartners (gesteuert wird sie durch das „Eifersuchtshormon" Vasopressin), die Status- und Rangordnungsaggression (gesteuert durch Sexualhormone und Serotonin) und die ­Revierverteidigung. Zur Analyse der Ursachen für die Wettbewerbsaggression und zur Erstellung eines Trainingsplans ist also wieder eine umfassende Anamnese nötig.

In der Regel entspringt die Wettbewerbsaggression einem Interessenskonflikt und es geht ihr eine Abwägungsentscheidung voraus. Der individuelle Wert des zu verteidigenden Gegenstands ist auch ein Grund dafür, dass Hündinnen solche Auseinandersetzungen meist deutlich heftiger führen als ihre männlichen Kollegen. Denn Hündinnen sind noch stärker auf Nahrungsressourcen für sich und ihre Nachkommen angewiesen, und der Nachwuchs ist für die Hündin wesentlich „teurer" als für einen Rüden, weil die Trächtigkeit und die Säugezeit wesentlich aufwändiger und kostenintensiver für sie sind als der kurze Paarungsakt für den Rüden.

Versöhnen statt Nachtragen
Ein ganz wichtiger Aspekt darf nicht übersehen werden und ist für den Umgang mit Hunden von entscheidender Bedeutung. Bei Wölfen, freilebenden Hunderudeln und anderen sozial lebenden Kaniden ist eindeutig nachgewiesen, dass nach Auseinandersetzungen oft Versöhnungsverhalten von Seiten des Gewinners gezeigt wird, um die Situation im Nachhinein wieder zu entschärfen. Daran ­sollte sich der Hundehalter orientieren und den Unsinn, seinen Hund für ein Fehlverhalten stunden- oder tagelang zu ignorieren, endlich endgültig über Bord werfen!

Wenn Beißen Spaß macht
Eine Sonderform ist der ­sogenannte „Lustbeißer". Hier hat ein junger Hund fälschlicherweise gelernt, ein Dopamin-gesteuertes Lustgefühl zu empfinden, wenn er zubeißt. Und in Folge dessen zeigt er dieses Ver­halten immer wieder. Wer einen solchen Hund besitzt, benötigt in jedem Fall die kompetente Hilfe eines erfahrenen Hundetrainers.

Zwischenartliche Aggression
Weiterhin ist noch die zwischenartliche Aggression zu nennen: das Konkurrenzverhalten der Beutegreifer gegenüber kleineren Konkurrenzarten. In Ökosystemen sind dies für die frei lebenden Wölfe die Kojoten, für die Kojoten wiederum die Füchse. Leider findet man gelegentlich Reste dieses Verhaltens auch bei in der Jugend mangelhaft sozialisierten Hunden, wenn z.B. ein großer Hund dann einen kleinen Artgenossen nicht als solchen sieht, sondern als ökologische Konkurrenz, die es zu beseitigen gilt. Darum ist es so wichtig, dass große Hunde in der Sozialisation lernen, dass es auch kleinere, anders aussehende und sogar manchmal anders kommunizierende Artgenossen gibt, mit denen man sich trotzdem zivilisiert „unterhalten" muss, anstatt sie einfach anzugreifen und gegebenenfalls zu beschädigen.

Nutzen Sie kompetente Trainer
Im Rahmen dieses Artikels können wir natürlich nicht alle Aspekte, die sich mit dem umfassenden Thema Aggression beschäftigen, beleuchten. Aber nun ist Ihnen hoffentlich klar, dass es „die Aggression" und „den aggressiven oder womöglich sogar bösen jungen Hund" nicht gibt. Es ist die Aufgabe des Besitzers, ggf. mit Unterstützung eines erfahrenen und kompetenten Trainers, die Ursachen zu ergründen und durch sinnvolle Trainingsansätze das Verhalten des Hundes wieder in eine verträgliche Form zu bringen oder, wenn dies nicht möglich ist, potenziell gefährliche Situationen ­vorausschauend zu managen.

Zu guter Letzt
Einen ganz wichtigen Punkt möchten wir zum Abschluss dieses Kapitel noch ansprechen und Ihnen ans Herz legen. Wenn sich Ihr junger Hund urplötzlich wie aus heiterem Himmel aggressiv verhält und beispiels­weise bei einer Berührung oder einem Streicheln durch Sie Meideverhalten zeigt, ja vielleicht sogar zuschnappt, sollte immer zuerst von einem ­Tierarzt abgeklärt werden, ob Ihr Hund nicht vielleicht Schmerzen hat. Diese schmerzasso­ziierte Aggression ist meist nicht sofort auf den ersten Blick als solche erkennbar und bedarf daher immer einer diagnostischen Abklärung durch den Tierarzt Ihres Vertrauens.

HINTERGRUND

Aggressionsformen

Formen verschiedener Aggression.

■ Elterliche Schutzaggression

■ Aggression in der Trächtigkeit und Mutterschaft der Hündin zur Verteidigung des Nachwuchses. Wird aber auch vom Vater gezeigt.

■ Territoriale Aggression: Ver­teidigung des beanspruchten Reviers.

■ Umadressierte Aggression: Frustration gegen einen anderen wird an einem Dritten ausgelassen.

■ Ressourcen- oder Wettbewerbs­aggression: Verteidigung von Ressourcen, wie z.B. Futter, Halter, Spielzeug, Couch etc.

■ Angstaggression: Bei der Entscheidung, in einer angstauslösenden Situation zu kämpfen oder zu flüchten (Fight or Flight), wird die Kampfvariante gewählt.

■ Schmerzassoziierte Aggression:Durch körperliche Schmerzen ausgelöste Aggression. Besonders bei plötzlich auftretender Aggression sollte IMMER eine diagnostische Abklärung durch den Tierarzt erfolgen.

Agonistisches Verhalten: Die „4 F"

Fight: Kampf, letztes Mittel nach Versagen der eigenen Drohgebärden

Flight: Flucht, blitzartiges Verlassen der bedrohlichen Situation.

Freeze: Erstarren, ein Unterwerfungssignal, dient der Deeskalation.

Flirt: Übersprungshandlung. Entspannung der bedrohlichen Situation durch das Zeigen einer Handlung aus einem völlig anderen Funktionskreis, z.B. Spielverhalten, mit der Absicht, die Situation zu entschärfen.

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