American Bully – Kraftprotz mit weichem Herz

Der American Bully – nicht zu verwechseln mit dem American Bulldog! – ist eine recht junge Rasse und hat vor einigen Jahren aus den USA den Sprung über den großen See nach Europa geschafft. Kein Rapper-Video ohne American Bully mit dicken Eisenketten um den Hals – und dabei ist der Bully alles andere als ein harter Kerl. In ihm wohnt ein weiches Herz mit viel Menschenfreundlichkeit.

Der American Bully findet seinen Ursprung im Amerika der 1990er Jahre. Seit 2004 ist die Rasse im A.B.K.C, dem »American Bully Kennel Club« beheimatet und wird gemäß den Ausführungen auf deren Website seitdem selektiv gezüchtet. Als europäisches Gegenstück wurde 2008 der E.B.K.C gegründet (European Bully Kennel Club). Beide Zuchtverbände verstehen sich als solche für alle bullartigen Rassen. Die genannten Verbände veranstalten sowohl in Amerika als auch in Europa (häufig in den Niederlanden) Shows, auf denen der American Bully ausgestellt, am Rassestandard gemessen, bewertet und bepreist wird.

Das Zuchtziel bzw. der Rassestandard ist durch den A.B.K.C ebenfalls theoretisch klar definiert. Der American Bully wird in die vier Varietäten Standard, Pocket, XL und Classic gegliedert. Die einzelnen Varietäten unterscheiden sich in der Körpergröße bzw. teilweise in der Ausprägung des geforderten bulligen Körperbaus. Sie eint das Streben nach einem massiven, muskulösen Erscheinungsbild, welches den Eindruck von großer Stärke vermitteln soll. Außerdem wird bei dem American Bully, neben einem großen und massiven Kopf, großer Wert auf einen schweren Knochenbau und einen bulligen Gesamteindruck gelegt.

Das Wesen des American Bully soll freundlich und sanft sein, mit der überschwänglichen Bereitschaft zu gefallen, sowohl gegenüber Kindern, als auch Fremden. Die Rasse ist als Begleit- und Familienhund vorgesehen. Jegliche Art der Aggression in Bezug auf Tiere oder Menschen ist untypisch, äußerst unerwünscht und würde zum Zuchtausschluss führen. Der genaue und ausführliche Rassestandard ist auf http://www.abkc.org nachlesbar. Mittlerweile wird der American Bully außerhalb des A.B.K.C / E.B.K.C auch durch den UKC (United Kennel Club) als eigenständige Rasse geführt.

Rassenentstehung
Sowohl der UKC als auch der A.B.K.C ­beschreiben die Abstammung des American Bully im Ursprung vom American Staffordshire Terrier bzw. dem American Pit Bull Terrier. Diese ist bei neutraler Betrachtung der Rassevertreter bzw. allein der optischen Anforderungen im Sinne des Rassestandards auch kaum zu verleugnen. Des Weiteren seien u. a. andere molossoide Rassen mit eingekreuzt worden. Welche im Einzelnen dies waren, ist zumindest von Seiten des UKC, A.B.K.C oder E.B.K.C nicht genauer definiert.

Auf Nachfrage bei einigen Züchtern werden für die American Bullys XL z.B. der American Bulldog und weitere bullartige Rassen oder für die Pocket American Bullys die Französische Bulldogge genannt.

Anerkennung als eigenständige Rasse
In Deutschland ist, zumindest im rechtlichen Sinne, der VDH bzw. die FCI ausschlaggebend für die Anerkennung einer eigenständigen Rasse als solche. Da diese jedoch bis dato ausbleibt, ist und bleibt der American Bully aus rein rechtlicher Sicht immer ein Mischlings-/Hybridhund. Somit sind Stammbäume der bereits aufgeführten und eventuell weiteren Verbände aus rechtlicher Sicht nicht aussagekräftig. Auch wenn es in diesem Bezug jeglicher Logik entbehrt, dass z. B. in der Bayerischen Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit zahlreiche Hunderassen als solche aufgeführt sind, welche ebenfalls nicht durch die FCI und somit den VDH anerkannt sind (z.B. der vom UKC anerkannte American Pit Bull Terrier).

Der American Bully und die »Listen-Gesetze«
Aufgrund der Mischlingseigenschaft mit seinem charakteristischen Aussehen wird die Haltung eines American Bullys in manchen deutschen Bundesländern immer problembehaftet und riskant sein. Wird bei einem solchen Hund seitens der zuständigen Behörden ein Rassegutachten verlangt, so muss die Rassezugehörigkeit durch einen von der Regierung bestellten und beeidigten Hundesachverständigen oder einer anerkannten Person (welche die fachlichen Voraussetzungen erfüllt) definiert werden. Beispiel Bayern: Sofern der Hund deutliche phänotypische Merkmale eines Kategorie 1-Hundes aufweist, kann dieser in die Kategorie 1, z.B. als Pit Bull Terrier- oder Staffordshire Terrier Mix eingestuft werden. Für deren Haltung bedarf es, gemäß der Bayerischen Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit, der Begründung eines berechtigten Interesses. Dieses berechtigte Interesse wird allerdings so gut wie nie durch die zuständigen Ordnungsämter bejaht.
Generell sollten sich potenzielle Käufer von Am. Bullys aus dem Ausland auch darüber im Klaren sein, dass die Einfuhr eines American Pit Bull Terriers, American Staffordshire Terriers oder auch eines Mischlings dieser Rassen nach Deutschland eine Straftat darstellt. Wie deutsche Züchter an ihre Zuchttiere aus beispielsweise den Vereinigten Staaten gekommen sind, sei mal dahingestellt.

Zucht im deutschsprachigen Raum
An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass es sich hierbei um rein subjektive Wahrnehmungen der Verfasser dieses Artikels handelt. Außerdem treffen die nachfolgend aufgeführten, teils negativen, Erfahrungen definitiv bei weitem nicht auf alle Züchter des American Bullys zu. Die Suche nach einem verantwortungsvollen Züchter, bei dem die Gesundheit und das Wohl der Tiere im Vordergrund stehen, gestaltet sich auf Grund der immensen Zahl der Angebote, wie bei jeder anderen beliebten Hunderasse, nicht immer einfach. Des Weiteren gibt es leider auch sehr viele unseriöse Züchter.

Die Farbe macht den Preis
In sozialen Netzwerken und auf diversen Tierbörsen im Internet werden gefühlt tägliche neue American Bully-Würfe inseriert oder angekündigt. Die Zucht bzw. teilweise schlichtweg die Vermehrung dieser Hunde erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit. Dies wird wahrscheinlich nicht unerheblich durch die Preise beeinflusst, welche für die Tiere aufgerufen werden können. Die Preisspanne bewegt sich je nach Verpaarung/Ahnentafel und Farbe des Welpen im Normalfall zwischen 2.000 € und 15.000 €. ­Besonders international betrachtet ist dieser preisliche Rahmen allerdings lediglich grob abgesteckt und nach oben hin völlig offen.

Beim Besuch eines europaweit sehr beliebten Züchters in den Niederlanden z.B. waren aus ein und demselben Wurf noch zwei Rüden verfügbar. Ein schwarzer mit weißen Abzeichen, der 1.500 € kosten sollte, und ein komplett blauer Rüde, welcher auf Grund seiner Fellfarbe mit 10.000 € deklariert wurde. Etwas irrwitzig erscheint in dem Zusammenhang die neueste Modefarbe Merle bei einigen American Bullys, zumal diese Färbung gemäß den Richtlinien des A.B.K.C eindeutig als Fehlfarbe deklariert ist.
Besonders viel Wert wird oft ebenfalls auf das Vorhandensein bekannter Rassevertreter in der Ahnentafel eines Welpen gelegt. Namen wie z. B. BGK‘s (Big Gemini Kennel) Cujo oder DDK9‘s (Dark Dynasty K9‘s) Hulk etc. im Stammbaum werten einen Welpen scheinbar nicht unerheblich auf. Nicht selten wird bereits im Inserat auch damit geworben, dass der American Bully in keinem Bundesland auf der Rasseliste steht und somit kein »Kampfhund« sei. Dies wird andernfalls teilweise auf explizite Nachfrage am Telefon oder in schriftlicher Form ebenfalls bestätigt.

Ob man hiermit bewusst Liebhaber in einigen Bundesländern indizierter Rassen ansprechen und täuschen möchte, soll ­natürlich keinem unterstellt werden. Ebenfalls auffällig ist, dass zahlreiche Züchter keinen großen Wert auf gesundheitliche Auswertungen (z.B. HD-, ED-Auswertung) ihrer Zuchttiere zu legen scheinen. Bei einer Rasse, die bewusst auf ein bulliges und schweres Erscheinungsbild hin gezüchtet wird, erscheint dies problematisch. Besonders, wenn mit Elterntieren jenseits der 60 kg Körpergewicht geworben wird.

Interview mit Nicole Dubiel von Alphadogs

Beim Verfassen dieses Artikels sind einige Fragen aufgetreten, die wir einem erfahrenen American Bully-Züchter stellen wollten. Frau Nicole Dubiel von Alphadogs.eu war so freundlich, uns diese zu beantworten.

Reichinger: Frau Dubiel, beim A.B.K.C und E.B.K.C werden namentlich nur der American Staffordshire Terrier bzw. der American Pit Bull Terrier als an der Entstehung des American Bully beteiligte Rassen genannt. Welche Rassen waren Ihres Wissens nach noch involviert?

Dubiel: Der American Bully entstand zwischen den 80er und 90er Jahren in den USA, wie viele andere Hunderassen durch ­Kreuzungen. An seinem Entstehen waren u. a. bulldogartige und andere molossoide Hunderassen beteiligt. Das Ziel war und ist ein ruhiges, ausgeglichenes Wesen verpackt in einem gesunden und imposanten Erscheinungsbild. (Anm.: Frau Dubiel erklärt, dass das nur ein Anriss ist, da dieses Thema sehr komplex sei.)

Reichinger: Häufig wird damit geworben, dass der American Bully von keiner Rasseliste erfasst und somit durch die dahingehenden Regelungen nicht betroffen ist. Welche Probleme sehen Sie bei der Haltung eines American Bully in Bundesländern, wo die Haltung der oben genannten Rassen und deren Mischlinge genehmigungspflichtig oder sogar untersagt ist?

Dubiel: Ein Problem sehe ich dahingehend, dass sich viele American Bully-Halter in betroffenen Bundesländern im Konflikt mit der aktuellen Gesetzeslage befinden und drohende Konsequenzen billigend in Kauf nehmen, zum Leidwesen der Tiere. Denn schon oft war zu lesen, dass American Bullys nach phänotypischer Einschätzung von der entsprechenden Behörde eingezogen wurden und dann ihr Dasein im Tierheim fristen mussten.

Ob diese, oft durch Amtsveterinäre durchgeführte Phänotypisierung sinnvoll ist oder ob diese nicht besser durch einen z.B. staatlich anerkannten Rassesachverständigen durchgeführt werden sollte, gilt es meiner Meinung nach der Fairness halber zu überdenken. Denn soweit mir bekannt ist, beschäftigen sich Tierärzte mit Physiologie und Erkrankungen von Tieren. Rassefragen würde ich eher Mitgliedern in Rassehundezuchtvereinen und anerkannten Zucht- und Leistungsrichtern zuordnen.

Dass der American Bully von keiner Rasseliste erfasst ist und somit nicht durch die dahingehenden Regelungen betroffen ist, ist eine Aussage, an der sich die Seriosität eines Züchters leicht erkennen lässt, wenn ein solcher damit wirbt. Denn keiner Welpenstube, egal welcher Rasse, sollte die Zukunft ihrer Schützlinge egal sein.

Reichinger: Das Angebot an American Bullys bzw. vermeintlichen American Bully-Welpen nimmt extrem zu. Welche Gefahren ergeben sich daraus aus Ihrer Sicht?

Dubiel: Der American Bully genießt im Moment einen enormen Hype, und das nicht nur im positiven Sinne. Das große Angebot erschwert auch für Interessenten die Suche nach einer seriösen Zuchtstätte. Wir finden es wichtig, dass potenzielle Welpenkäufer sich einen persönlichen Eindruck von den Elterntieren, gegebenenfalls weiteren Hunden und deren Verhalten bzw. Temperament, der Hundehaltung und Ernährung vor Ort verschaffen.

Durch eine ausgiebige Auseinandersetzung mit dem Thema Hund sollte der zukünftige Hundehalter in der Lage sein, dem Züchter konkrete Fragen zu stellen, die wiederum Aufschluss über die Kompetenzen des Züchters geben. Das Rad kann ich nicht neu erfinden, in diesem Sinne liegt die Kunst als guter Züchter darin, mit selektiver Züchtung, nach den Mendel‘schen Regeln, die Qualität der Rasse aufrechtzuerhalten und gewünschte Eigenschaften zu verstärken.

Eine der Gefahren, die sich aus dem übermäßigen Angebot an Bullys ergibt, ist, dass diese Rasse in Verruf kommt, durch:

• unkontrollierte Vermehrung (Krankheit, Wesen/Aggression etc.)
• unsachgemäße Aufklärung potenzieller Interessenten (Wesen, Haltung etc.)
• Fehlende Einschätzung des Interessenten hinsichtlich seiner Sachkunde, der Haltung eines solchen Hundes, da bei einigen Züchtern die Gewinnerzielung oberste Priorität hat.
• Unterschätzung der Rasse.

Wir danken Frau Dubiel und Alphadogs.eu für ihr ausführliches Statement in Bezug auf unsere Fragen.

Pdf zu diesem Artikel: american_bully

 

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