Auch der Hund ist, was er i(s)st

„Was gibst Du Deinem Hund?" oder „Wie fütterst Du?" sind ­Fragen, die Hundehalter oft gegenseitig stellen. Und tatsächlich gibt es kaum ein Hundethema, über das so viele Halb- oder ­Unwahrheiten kursieren, wie bei der Ernährung unserer Vierbeiner. Wie unterscheidet sich ein Allein- von einem Einzelfutter? Was sind die Vor- und Nachteile von Fertigfutter und die von einer Rohfütterung (Barfen)? Wie ist das mit den tierischen Neben­produkten im Hundefutter? Bedeutet mehr Fleisch im Futter auch mehr Qualität? Diese und andere Fragen behandeln die beiden Autorinnen in folgender Kurzübersicht.

Die Auswahl an verschiedenen Futtermitteln für Hunde ist riesig, manch ein ­Hundehalter hat inzwischen den Überblick ­ver­loren. Während noch vor ca. 30 Jahren der Hund das gefressen hat, was man übrig hatte, sind heute die Regale der Supermärkte und Tierfachhandlungen voll mit unzähligen verschiedenen Produkten an Fertigfutter. Er­schwerend für den Hundehalter kommt hinzu, dass über fast kein anderes Thema so viele Mythen, ­Irrtümer und Halbwahrheiten kursieren, wie über die Ernährung des Hundes, und dass bei Diskussionen über die richtige ­Fütterung immer eine Menge Emotionen mitdiskutieren.

Unterschiedliche Anforderungen
Auf der einen Seite muss das Alter des Hundes beachtet werden: ist das Futter für einen Welpen, einen Junghund, einen Adulthund oder einen Senior bestimmt? Auf der anderen Seite sind die Aktivität und der Bedarf des Hundes zu beachten: ein jüngerer, quirliger Hund benötigt mehr Energie als ein alter „Couchpotato". Eine säugende Hündin hat einen ganz anderen Bedarf als eine kastrierte Hündin, und ein nierenkranker Hund benötigt eine andere Diät als einer mit Herzproblemen.

Man unterscheidet bei kommerziellen Futtermitteln Alleinfuttermittel, Einzelfutter- und Ergänzungsfuttermittel.

Alleinfutter deckt – wie der Name schon sagt – allein den Erhaltungsbedarf und die Versorgung mit Nährstoffen ab. Es brauchen also keine Zusätze mehr gefüttert werden. Alleinfutter gibt es sowohl in feuchter Form (Dosen) oder trockener Form (Trockenfutter).

Einzelfutter hingegen deckt den Erhaltungsbedarf und die Versorgung mit Nährstoffen nicht vollständig ab. Fleisch wäre hier ein Beispiel. Es muss mit Mineralien und Vitaminen ergänzt werden, damit die Ration den Bedarf des Hundes abdecken kann.

Mit einem Ergänzungsfutter wird das Einzelfutter bedarfsdeckend ergänzt. Das sind also z.B. Mineral-Vitamin-Pulver oder auch mineralisierte Flocken.

Vorteile von Fertigfutter
Die Vorteile des Fertigfutters liegen auf der Hand: Die Verfütterung von Nass- oder Trockenfutter in ­fertiger Form bereitet wenig Arbeit und ist einfach. Die Dose oder der Sack ­Trockenfutter wird einfach aufgemacht und in den Napf geleert – ­fertig ist das „Mahl". Außerdem ist bei einem Alleinfuttermittel der Nährstoffbedarf abgedeckt und muss nicht mit Pülverchen oder Tabletten ergänzt werden. Da in der Regel jeden Tag das Gleiche gefüttert wird, variiert auch der Energie- und Nährstoffgehalt der Ration nicht.

Nachteile von Fertigfutter
Da in der Regel mehrere verschiedene Komponenten in der Fertignahrung enthalten sind und/oder bestimmte chemische Reaktionen beim Herstellungsprozess entstehen können, kann es sein, dass Hunde verstärkt Allergien entwickeln. Manche Hundebesitzer lehnen Fertigfutter ab, da sie durch die oft unzureichende Deklaration nicht wissen, was die Dose bzw. das Trockenfutter genau enthält, bzw. der Meinung sind, dass „nur Schrott" im Fertigfutter enthalten ist, wie man immer wieder hört. Von tot gefahrenen Wildtieren über getötete Versuchstiere bis hin zu Hunden und Katzen, die angeblich in Fertigfutter gefunden wurden, liest man regelmäßig in den verschiedenen Barf-Foren.

Tierische Nebenprodukte?
Allerdings hat der Gesetzgeber hier einen strikten Riegel vorgeschoben. Die Verordnung (EG) 1774/2002 gibt europaweit vor, welche Ausgangsmaterialien tierischer Herkunft ins Hundefutter dürfen und welche nicht. Nach dieser Verordnung dürfen nur tierische Nebenprodukte der Kategorie 3 ins Hundefutter, keine der ­Kategorie 1 und 2.

Kategorie 1 beinhaltet getötete ­Heim-, Zoo-, Zirkus-, Versuchstiere, Tiere mit übertragbaren Krankheiten und TSE-/BSE- Risikomaterial. Dieses Material muss vernichtet werden, das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Zur Kategorie 2 zählen Tiere mit Krankheitsmerkmalen, Erzeugnisse tierischen Ursprungs mit Tierarzneimittelrückständen sowie Magen-Darminhalt. Auch Material der Kategorie 2 wird verbrannt oder zu Dünger verarbeitet und darf nicht ins Tierfutter.

Im Tierfutter erlaubt ist ­ausschließlich Material der Kategorie 3. Dieses muss hygienisch einwandfrei sein. Zur ­Kategorie 3 zählen Schlachtnebenprodukte von tauglichen Tieren, von ihnen darf keine Gesundheitsgefährdung für Mensch und Tier ausgehen. Die von diversen Schwarzbüchern beschriebenen toten Haus- und Wildtiere und Magen- und Darminhalte dürfen nicht ins Fertigfutter. Selbstverständlich sollte aber sein, dass die als Kauartikel liebend gern gefressenen Schweineohren, Pansen, Ochsenziemer etc. im Fertigfutter enthalten sind. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurden Innereien auch von Menschen in größeren Mengen verzehrt, in­zwischen sind sie „out".

Nass oder trocken?
Wenn sich der Hundebesitzer entschieden hat, Fertigfutter zu verfüttern, stellt sich ihm die nächste Frage: ist es besser Nassfutter oder ­Trockenfutter zu verwenden? Als ­erstes muss man feststellen, dass es ernährungsphysiologisch vollkommen egal ist, welche Variante bevorzugt wird. Nassfutter hat den Vorteil, dass es oft lieber gefressen wird, einen vergleichsweise höheren Fleischanteil hat und in der Regel gut verdaulich ist. Der Tierbesitzer empfindet es als „artgerechter". Der Nachteil beim Nassfutter ist die große Müllmenge (Dosen) und die schnellere Verderblichkeit, wenn die Dose schon mal geöffnet ist. Trockenfutter hat Vorteile in Bezug auf eine geringere Zahnsteinbildung, was sich allerdings auch bei Dosenfütterung durch die Zufütterung von Kauartikeln wett­machen lässt.

Fleischanteil
Für viele Hundehalter ist ein hoher „Fleischgehalt" eines Futters gleichbedeutend mit hoher Qualität. Das stimmt so aber nicht unbedingt.

Vielmehr ist es so, dass ein hoher Gehalt an Fleisch, also an ­tierischen Proteinen, nicht unbedingt erstrebenswert ist, auch wenn man das immer wieder liest. Der Hund ist entgegen anderslautender ­Gerüchte kein Carnivore, also kein reiner Fleisch­fresser, sondern vielmehr ein Carni-Omnivore, also ein Allesfresser! Erst kürzlich wurde in einer aktuellen ­Studie nachgewiesen, dass der Hund im Gegensatz zum Wolf sehr wohl in der Lage ist, Kohlenhydrate zu verdauen, ja sogar eine andere Zusammensetzung der Verdauungsenzyme wurde gefunden. Drei Enzyme, die für die Spaltung und Umwandlung von Stärke benötigt werden, kommen beim Hund in deutlich größeren Mengen vor als beim Wolf und weisen beim Hund eine deutlich höhere Aktivität auf. Dies deutet darauf hin, dass die Anpassung der ­Fleischfresser an eine stärkehaltige Nahrung ein entscheidender Schritt in der frühen Domestikation der Hunde gewesen sein könnte (siehe auch Hans Mosser, „Parallel-Evolution von Mensch & Hund: Die Domestikation ging durch den Magen", in WUFF 6/2013). Die Evolution ist nicht spurlos am Hund, der seit seiner Existenz als „Müllkippenräumer" der Menschen lebt, vorbeigegangen, sondern hat sehr wohl Spuren hinterlassen. Es gehört also in die Schublade der Irrtümer und Mythen, dass Hunde keine Kohlen­hydrate verwerten oder bekommen sollen (und allen Unkenrufen zum Trotz war das eine unabhängige Unter­suchung, die nicht von der Futter­mittelindustrie gesponsert ­wurde!).

Nebenbei bemerkt gibt es eine Vielzahl von Studien, die einen positiven Einfluss eines geringen Protein­gehaltes auf verschiedene Verhaltens­probleme gezeigt haben. Unsere ­Hunde sind überwiegend keine Arbeits­tiere mehr, die bei arktischen ­Temperaturen ­kilometerweit Schlitten ziehen ­müssen oder bei 30°C im Schatten den ­ganzen Tag an der ­Herde arbeiten. Sie haben also einen ganz anderen Bedarf als echte Arbeitstiere.

Alternativen?
Da manche Tierbesitzer genau sehen wollen, was sie verfüttern, haben sie sich dafür entschieden, selber für ihren Hund zu kochen oder zu „barfen", also roh zu füttern. Der Vorteil dieser Art Fütterung liegt tatsächlich darin, dass der Tierbesitzer genau weiß, was sein Hund zu fressen bekommt. Außerdem kann er die Mahlzeit individuell gestalten. Der Nachteil daran ist, dass die meisten Rationen nicht eine ausreichende Versorgung mit sämtlichen Nährstoffen aufweisen, wie verschiedene Überprüfungen gezeigt haben. Oft hört man dann die Aussage „Aber mein Hund hat so schönes Fell!". Aber weder Haut und Fell noch eine Blutuntersuchung, die oft von Tierärzten zur Überprüfung von Nährstoffmängeln durchgeführt wird, sind dazu geeignet, Nährstoffmängel oder -überversorgungen zu erkennen. Denn der Blutspiegel der meisten lebensnotwendigen Substanzen wird durch komplizierte hormonelle Regelmechanismen so lange wie möglich aufrecht erhalten, weil Abweichungen nach oben oder nach unten lebens­bedrohlich sind.

Als Vorteil der individuellen Rations­gestaltung ist zu nennen, dass der Hundehalter genau bestimmen kann, was er verfüttern möchte. Man kann die Zutaten selber auswählen und frisch zubereiten. Besonders bei ­Allergikern oder Hunden, die aufgrund von Verhaltensproblemen bestimmte Komponenten nicht erhalten sollen, ein gravierender Vorteil.

Ein Nachteil, den die Rohfütterung oft mit sich bringt, sind Reste von Schilddrüsengewebe, die sich in vielen Fleischmixen befinden, denn sehr oft wird Schlundfleisch oder Kehlkopf verarbeitet. Ungekocht behalten die darin enthaltenen Schilddrüsenhormone der Schlachttiere ihre Aktivität und haben eine ähnliche Wirkung wie Schilddrüsenhormonpräparate. Darum sollten Sie auch, wenn Sie die Schilddrüsenwerte Ihres Hundes bestimmen lassen wollen, vorher keinesfalls rohes Fleisch unbekannter ­Zusammensetzung füttern. Denn dann können Sie sich das Geld für das Schilddrüsenprofil gleich sparen. Wenn der Hund durch die Fütterung von Kehlkopf und Co. kurzfristig in eine Schilddrüsenüberfunktion rutscht, ist das nicht schlimm – ein Dauerzustand sollte das allerdings nicht werden. Achten Sie also wenn möglich darauf, dass die genannten Teile nicht in der Ration enthalten sind.

Ein weiterer, gravierender Nachteil besteht darin, dass die Rationen sehr oft nicht ausgewogen sind. Hier muss dann immer der Wolf herhalten, der „sich ja auch nicht jeden Tag ausgewogen ernährt!". Nein, das tut ein Wolf sicher nicht. Aber die Ansprüche, die die Natur an einen Wolf stellt, sind ganz andere als die, die wir an unsere Vierbeiner haben. Ein Wolf hat einen guten Job gemacht, wenn er 5-7 Jahre alt wird und seine Gene ein paar mal weitergegeben hat. Wenn er dann in die ewigen Jagdgründe geht, weint ihm die Natur nicht nach. Unsere Haushunde hingegen werden immer älter und sollen dabei möglichst gesund bleiben. Und da spielt die Ernährung eine wichtige Rolle! Wenn man sich also für das Barfen ent­scheidet, sollte man auf eine ausgewogene und bedarfsdeckende Ration achten und sich diese gegebenenfalls berechnen lassen. Dann steht der selbst gestalteten Fütterung nichts mehr im Wege.

Fazit
Egal, für welche Variante Sie sich entscheiden, wichtig ist, dass die Ration bedarfsdeckend ist, ggf. auch auf spezielle diätetische Ansprüche Ihres Hundes zugeschnitten ist, Sie gut damit zurecht kommen (es ist nicht jedermanns Sache, Pansen in der heimischen Küche zu zerlegen …) und natürlich, dass es Ihrem Vierbeiner schmeckt!

Möglichkeiten, über die Inhaltsstoffe der Ernährung das Verhalten Ihres Vierbeiners zu beeinflussen, ­finden Sie im Artikel „Er­nährung und Verhalten" von Dr. Hans ­Mosser (WUFF 5/2011). Wir wünschen guten Appetit!

HINTERGRUND

Die Kennzeichnung
Die Kennzeichnung von Futtermitteln ist im §11 der Futtermittel Verordnung (FMVO) geregelt:

Auf der Verpackung oder dem Etikett sollten folgende Punkte stehen:

1. Bezeichnung: handelt es sich um ein Alleinfutter oder Ergänzungsfutter, für welche Tierart oder Tierkategorie ist es bestimmt?

2. Inhaltstoffe in Prozent­angaben:

– Rohprotein: Eiweiße, Aminosäuren

– Rohfett: Fett, Fettsäuren, fett­-lösliche Vitamine

– Rohasche: Mineralien, Spuren­elemente, Silikate

– Rohfaser: beinhaltet die pflanzlichen Stoffe, sozusagen Ballaststoffe

Bei Futtermitteln mit mehr als 14 % Feuchtigkeit, muss der Wasseranteil, also Feuchtigkeit angegeben werden. Die Kohlenhydrate können nur rech­nerisch ermittelt werden durch die sogenannte Weender Analyse.

3. Zusammensetzung:

Wie ist das Futter zusammengesetzt? Die Zusammensetzung wird entweder in Prozent­angaben oder in absteigender Reihenfolge der Gewichtsanteile angegeben. Hier können Einzelfuttermittel z.B. Huhn oder Futtermittelgruppen aufgeführt sein, z.B. Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse. Zu beachten ist, dass „mit Huhn" nicht heißt, dass ausschließlich Huhn enthalten ist, und auch nicht angibt, wie viel Huhn enthalten ist. Es können durchaus neben einem geringen Anteil Huhn auch ­andere Fleischsorten enthalten sein, was für Allergiker schnell zum Problem werden kann.

Zusätzlich müssen auf der Verpackung die Nettomasse, das Mindesthaltbarkeitsdatum, der Verwendungszweck z.B. bei Diätfuttermitteln, Name und Anschrift des Inverkehrbringers und die Zulassungs- oder Registrierungs­kennnummer des Betriebes angegeben sein.

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  • Sophie Strodtbeck ist Tierärztin und lang­jährige WUFF-Autorin, vierfache Hundehalterin und WUFF-Lesern durch ­mehrere Artikel bereits gut bekannt. Sie bietet auch verhaltens­medizinische Beratungen.

    www.einzelfelle.de
  • Dr. Doris Wirth ist Tierärztin und selbständige Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen.

    www.dorishundeernaehrungsberatung.de

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