Auf den Hund gekommen … Ein bayerischer Kletterhund

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Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde Lieserl schließlich zu einem „bayerischen Kletterhund“ …

Das Abschiednehmen von ­unserer innig geliebten Sissi, einem Pudel-Schnauzer-Mix, war eine so schmerzhafte Erfahrung, dass ich beschloss, es kommt mir kein Hund mehr ins Haus. Aber wie das Sprichwort „Der Mensch denkt und Gott lenkt“ sagt, traf ich beim Einkaufen eine Dame, die einen schwarzen „Wuschelhund“, der unserer Sissi sehr ähnlich sah, dabei hatte. Ich sprach sie an, und sie erzählte mir, dass der Hund von einer Tierschutzorganisation (Pro Animale) kommt und nach anfäng­lichen Schwierigkeiten heute der ­beste Kamerad sei, den man sich vorstellen kann. Zuhause angekommen rief ich sofort bei dieser Tierschutzorganisation an, und schon am übernächsten Tag hielt ich zwei Fotos von meinem „Wuschelhund“ in der Hand, einem Bearded Collie-Schnauzer-Mix.

Lebusha, wie die Hündin damals hieß, befand sich zu dieser Zeit in einer ­Station der Tierschutzorganisation nahe Berlin. Sie sei aus einer russischen Tötungsstation gerettet worden, hieß es. Nach dem Kontrollbesuch einer Beauftragten der Organisation konnte ich den Hund dann in der ­Station Bad Staffelstein abholen, wo man ihn hingebracht hatte. Ich bat meine Freundin mitzufahren, denn für meinen Mann sollte es eine Über­raschung werden, da er sich schon lange wieder einen Hund wünschte.

Lebusha musste ins Auto gehoben werden, weil sie nicht mitwollte. Für sie war es eine Horrorfahrt, sie hechelte ununterbrochen und war durch nichts zu beruhigen. Als wir dann endlich zuhause waren, hat sie alles inspiziert  und sich dann endlich entspannt auf ihr bereit gestelltes Hundebett gelegt. Hund und Herrchen waren sofort ein Herz und eine Seele und aus der russischen Lebusha wurde das bayerische Lieserl.

Da wir am Waldrand wohnen, waren wir sehr erfreut, dass Lieserl ein aufmerksamer Wachhund war. Nur das Gassigehen wurde jedesmal zur Tortur: Jogger wurden angesprungen, Radfahrer ebenso. Bei vorbeifahrenden Bikern und Autos konnten wir sie nur mit Mühe zurückhalten. Da ich für sie Teil ihrer „Herde“ war, durfte auch kein fremdes Wesen in meine Nähe kommen, ohne dass es lauthals ­verbellt und manchmal gezwickt ­wurde.

Da wir von dieser Rasse keine Ahnung hatten, musste schließlich ein Profi her. Mittlerweile sind wir, was ­diese Rasse betrifft, selbst Profis. Aus einem anfänglichen Problemhund ist Lieserl nach erfolgreichem Training unser entspannter und glücklicher Traumhund geworden. Glücklich ist sie deshalb, weil sie ein großes Grundstück zu bewachen hat und wir zusätzlich für geistige und körperliche Auslastung sorgen. Auch ihre Veran­lagung, selbständige Entscheidungen zu treffen, kann sie bei uns ausleben.

Was Lieserl so besonders macht, ist die Tatsache, dass ihre Leidenschaft Klettern ist. Das erste Mal stellte ich das fest, als in unserem Garten eine Katze auf einen Baum flüchtete und Lieserl zu meinem Entsetzen hinterher kletterte.

Bei unseren Wanderungen in den ­Bergen geht sie anfangs immer gelangweilt hinterher, bleibt oft ­stehen und blickt zurück, so, als wolle sie lieber umkehren. Wird der Weg aber steiler und felsiger, ist sie in ihrem Element. Dann läuft sie vorne weg und ihre Begeisterung kennt ­keine Grenzen. In ­schwierigen ­Passagen – zur Sicherheit ist sie dann angeleint – krallt sie sich am Fels fest und klettert hinauf. Am Ziel angekommen, setzt sie sich unter das Gipfelkreuz, schaut stolz in die Runde und genießt sichtlich die bewundernden Blicke und lobenden Worte der anwesenden ­Bergsteiger. Zur Belohnung gibt es dann eine ­hundegerechte „Brotzeit“. Natürlich war Lieserl, neben vielen anderen Gipfeln, auch schon auf der Zugspitze.

Ein zusätzliches Highlight gibt es für Lieserl  wenn wir an einer ­Almwiese vorbeikommen, auf der Schafe ­weiden. Diese treibt sie dann auf einen Haufen zusammen. Die Schafe haben scheinbar nichts dagegen, denn sie folgen ihr brav. Nach getaner Arbeit kommt Lieserl „freudestrahlend“ zu uns zurück.

Aus einem anfänglichen Problemhund ist  Lieserl zu unserem Traumhund geworden. Wir sind sehr glücklich mit ihr, denn es ist nie langweilig.

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