Auf den Hund gekommen … – Wenn Menschen zu ihren Hunden halten …

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Wie schnell sich das Leben von einem Tag auf den anderen doch ändern kann! Und wie schnell seriöse Bürger zu einer Art „Outlaws" werden, nur weil ihr Hund einer „falschen" Hunderasse angehört.
Und schließlich, wie hundefeindliche Beamte das Leben von Hundehaltern und Hunden erschweren …

Schon in meiner Kindheit ­spielten Hunde für mich eine große ­Rolle, und so war es immer auch mein Wunsch, später einen Hund zu haben. Mit meiner eigenen Familie lebte ich zunächst in einer Wohnung, da waren Haustiere verboten. Erst einige Jahre später, als wir eine Eigentumswohnung hatten, war der Weg zu einem Hund frei. Doch welcher sollte es nun werden? Ich konnte mich nicht so richtig entscheiden. Ein Mischlings- oder ein Rassehund? Groß oder klein? Kurzes oder langes Haar?

Mitten in diese Überlegungen ­hinein erzählte mir 1992 ein Nachbar die traurige Lebensgeschichte einer American Stafford-Hündin. Sie ­sollte nach ihrem Wurf in ein Tierheim abgeschoben werden. Nur wenige Stunden später sah ich Lady das erste Mal – und sie ließ mich nicht mehr los. Ihr Schicksal berührte mich und ich wollte ihr um jeden Preis das Tierheim ersparen.

Ich wollte mich gut darauf vorbereiten, beschäftigte mich mit den Rassemerkmalen, mit Erziehung und Haltung. Schließlich wollte ich nichts falsch machen, wenn ich die Verantwortung für diesen Hund übernehme. Und bald gehörte Lady zu unserer Familie. Doch leider konnte sie ihr Hundeleben nur eine kurze Zeit mit uns genießen, da sie bald an den ­Folgekrankheiten einer Misshandlung aus ihrem früheren Leben starb.

Schnell wurde uns klar, wir wollen wieder einen Staff bei uns haben, denn unser Herz hatte für diese Rasse zu schlagen begonnen. Nur wollten wir diesen Schmerz, eine geliebte Fellnase zu verlieren, nicht wieder so schnell erleben. Aus diesem Grund adoptierten wir ein 9 Wochen altes Mädel, die wir zu Ehren der ­ersten Hündin ebenfalls Lady nannten. Vier Jahre später kam dann Sparky, die zweite Stafford-Hündin, und danach noch ein Rüde namens Digger in ­unsere Familie. Wir hatten eine wunder­bare Zeit mit unseren Tieren und arbeiteten mittlerweile als Ausbilder in einem Rassezuchtverein. Mit unserem Staff-Trio nahmen wir auch an Vorführungen und Prüfungen teil und präsentierten der Öffentlichkeit wunderbare, freundliche, lebens­lustige Familienhunde.

Von einem Tag auf den anderen ändert sich das Leben

Dann geschah Mitte 2000 das uns sicherlich allen bekannte, schreck­liche Unglück in Hamburg. Von diesem Tag an änderte sich unser und auch das Leben unserer Tiere. Wir hatten schreckliche Angst, dass man uns unsere drei geliebten Staffs nehmen würde. Von einem auf den anderen Tag hatten unsere Hunde Leinen- und Maulkorbzwang. Und das, obwohl es in unserer ganzen Stadt weder ­Haltis noch Maulkörbe gab. Passanten beschimpften uns plötzlich, traten und schlugen nach unseren Hunden. Digger wurde in voller Absicht von einem Radfahrer so brutal angefahren, dass er eine schwere Prellung an der Schulter davontrug, die ihm 6 Wochen lang Schmerzen bereitete. Eine neu zugezogene Nachbarin beschimpfte mich auf der Straße und meinte, ich solle „diese Viecher abschaffen". Die Medien zerrissen uns „Kampfhundebesitzer" in der Luft.

Um mit unseren Hunden in Ruhe ­Gassi gehen zu können, liehen wir uns ausgediente Maulkörbe der Polizei­hundestaffel, die unseren Hunden natürlich viel zu groß waren. Auch unsere Staffs waren merklich betrübt über diese Veränderung. Es blutete uns das Herz.

Angst und Steuerabzocke

Die Politiker unserer Stadt ­nahmen diese Gelegenheit dann auch direkt wahr, und wir bekamen einen Steuer­bescheid von 1.656 DM pro Hund. Hinzu kamen Kosten für die geforderten Haltergenehmigungen, Führungszeugnisse, Sachkundenachweise und den Verhaltenstest. Unsere Angst um unsere Hunde war unbeschreiblich. Obwohl unsere Drei nie auffällig, aggressiv oder in ­Beißereien ver­wickelt waren, wurden wir in unserer Stadt wie Schwerverbrecher be­handelt.

Überfüllte Tierheime

Aber auch das Essener Tierheim war mit weit mehr als hundert „Listenhunden" absolut überfüllt und völlig überfordert. So beschlossen wir, ehrenamtlich den Tierheim-Hunden zu helfen, und gründeten nur für diese sog. „Anlage-Hunde" unsere eigene Tierheim-Hundeschule. An Sonn- und Feiertagen gingen wir mit ehrenamtlichen Helfern in die Essener Innenstadt, um den Leuten zu zeigen, dass es keine Bestien waren, die in diesem Tierheim hinter Gittern sitzen. In den nächsten 6 Jahren arbeiteten wir unermüdlich an der Vermittlung dieser Hunde, und so war der Bestand des Essener Tierheims an Listenhunden auf unter fünf Hunde gesunken. Wobei ich anmerken möchte, dass die meisten Tiere nicht nach Essen vermittelt wurden.

Als dann – vor 4 Jahren – unsere ­letzte Staff-Hündin im Alter von 10 Jahren verstarb, standen wir vor einer absoluten Leere, mit der Gewissheit, in dieser Stadt keinem unserer geliebten Hunde mehr ein Zuhause geben zu können. So kam dann Cooper, ein Bullmastiff zu uns. Aber er sollte kein gesundes Leben führen dürfen. Copper litt unter schlimmen Allergien. Kurz vor seinem dritten Geburtstag stellte unser Tierarzt eine schwere Autoimmunerkrankung fest, und trotz aller Bemühungen verstarb er an inneren Blutungen.

Kurz darauf hörten wir von einer 11-jährigen American Stafford-Hündin, die dringend ein Zuhause suchte. Wir konnten sie nicht ihrem Schicksal überlassen und haben sie adoptiert.

Nun zahlen wir eine „Steuer für gefährliche Hunde" von 852 Euro! In Essen gibt es eine Steuervergünstigung für „Alt-Fälle". Wäre der „Listen-Hund" vor September 2000 in unserem Besitz gewesen oder vor September 2000 geboren und aus dem Essener Tierheim, würden wir nur 312 Euro zahlen müssen. Unsere Pepper ist zwar vor September 2000 geboren, kommt aber aus einem Tierschutzverein einer anderen Stadt.

Die Stadt Essen freut sich nun, dass durch unsere ehrenamtliche Arbeit die meisten Tiere außerhalb von Essen vermittelt werden konnten. Das Tierheim ist entlastet und somit auch die Stadtkasse. In einer Stellungnahme der Stadt Essen heißt es: „Grundsätzlich besteht das Lenkungsziel der erhöhten Steuer darin, ganz generell und langfristig im Gebiet der Stadt Essen die Haltung solcher Hunde zurückzudrängen." Ein Lob an die Politiker und Behörden aller anderen Städte, die insgesamt nicht weniger als 100 Hunde aus Essen aufgenommen haben.

Enttäuschung: Essen den Rücken kehren

Wir werden unsere Konsequenzen ziehen, weil wir eigentlich nicht möchten, dass die Stadt Essen uns vorgibt, welche Hunderasse wir zu halten haben, und uns weiterhin abzockt. Wir werden unserer Geburtsstadt daher enttäuscht den Rücken kehren und in eine andere, hundefreundlichere Stadt ziehen. Offenbar ist es der Stadt Essen wichtiger, seriöse (Gewerbe-) Steuerzahler mit einer Kampfhundesteuer für Hunde aus dem Tierschutz zu strafen, anstatt wirklich etwas gegen eine Gruppe von Menschen zu unternehmen, die ihre Tiere aggressiv abrichtet und sie erst gar nicht anmelden. Sicherlich müssen wir auch in einer anderen Stadt zukünftig mit einer solchen Steuer rechnen, aber jedes Jahr ohne Steuerabzocke für „gefährliche Hunde" ist ein Geschenk für uns und unsere Rasse, den American Stafford. Denn wir möchten diese wunderbaren Tiere niemals missen.

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