Auf den Hund gekommen …

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„In meinem bisherigen Leben habe ich viele falsche Entscheidungen getroffen – die für ­meine Hunde aber waren eindeutig die ­richtigen!“ Das sagt die 37-jährige Bianca Mrak, einst eingefleischter Katzen-Fan, aus Eisenerz in der Steiermark.
In dieser WUFF-Serie stellen sich Leserinnen und Leser selbst vor und erzählen, wie sie auf den Hund gekommen sind. Wenn auch Sie das möchten, schreiben Sie uns.

Als ich 24 Jahre alt war, geriet mein jüngerer Bruder, damals 19, in eine Notlage. Er konnte für seinen Hund Bronco nicht mehr sorgen und suchte einen vorüber­gehenden Pflegeplatz für ihn. Ich bot ihm an, ­maximal drei Wochen auf Bronco aufzupassen. Dass aus diesen drei Wochen neun Jahre wurden, wusste ich anfangs noch nicht.

Hund gegen Lederjacke
Bronco war ein wunderschöner und herzensguter American Staffordshire Terrier, der es in seinem bisherigen Leben nicht leicht hatte. Mein Bruder hatte ihn im Tausch gegen eine Lederjacke auf der Wiener Kärntner Straße bekommen. Und ich habe Bronco dann ein paar Monate später übernommen. Zuvor noch nie mit Hunden zu tun gehabt, lernte ich diese Tiere sehr bald schätzen! Ich wohnte damals in Wien und nahm ihn mit zur Arbeit, er war bei all meinen Arbeits­kollegen und Kunden beliebt. Sein freundliches Wesen (und seine ­Verfressenheit) kamen überall gut an.

Männer: „Der Hund oder ich“
Nicht so bei meinen männlichen „Kurzzeit-Wegbegleitern“. Manche verlangten eine Entscheidung zwischen Mann und Hund, andere wollten mit mir nichts mehr zu tun haben, nachdem sie meinen Hund gesehen hatten. Doch einen Zweibeiner gab es auch für uns. Wir übersiedelten in die Steiermark und dort verbrachte mein Großstadthund Bronco die letzten Jahre. Wiesen, so weit das Auge reicht, mal ohne Leine laufen, kein lästiger Maulkorb mehr – einfach herrlich! Bald war ich bei meinem Freund die zweite Geige, nun stand „unser“ Bronco im Mittelpunkt – bis zum Herbst 2006, als Bronco völlig überraschend nach einem Schlaganfall eingeschläfert werden musste.

Es folgten sechs dunkle und düstere Monate. Mein Freund und ich verfielen in eine Depression, so etwas hatten wir noch nicht erlebt. Als Hundebesitzer, obendrein mit all der aufkeimenden Kampfhundedebatte, sagt man sich immer wieder mal, nie wieder einen Hund. Und schon gar nicht mehr „so einen“! Aber wir hielten es nicht aus, es musste wieder ein Hund ins Haus!

Zwei aus einem „Unfallwurf“
Nach sechs Monaten Trauerzeit begann mein Freund im Internet nach genau „so einem“ zu suchen. Fündig wurde er in Niederösterreich, wo ein „Unfallwurf“ an den Mann gebracht werden musste. Eine sehr gelungene Mischung aus American Staffordshire Terrier und American Bulldog. Durch verschiedene Umstände nahmen wir uns dann aber zwei der Welpen, einen Rüden für mich und eine Hündin für ihn, die miteinander aufwuchsen, obwohl mein Freund und ich zwei Wohnungen hatten.

Mein Freund wurde eineinhalb Jahre später aber krank, konnte nicht mehr so oft spazieren gehen, die Beziehung ging in die Brüche, er dachte daran seine Hündin herzugeben. Da legte ich mich quer, das konnte ich nicht zulassen! Sie war ja schließlich auch mein Mädi. Inzwischen war mein Bursche schon ausgewachsen und brachte 50 Kilo auf die Waage, sie hingegen war ein wenig leichter und hatte nur 36 Kilo. Nun stand ich also ohne Mann, dafür aber mit zwei Riesen-Kampfschmusern mit gesamt knapp 90 Kilo Kampfgewicht da!

Ich habe meine Entscheidung zum zweiten Hund, zum Hundemädi, nie bereut. Meine Bären, so nenne ich sie, sind für mich mein Ein und Alles! Dafür ist es in meinem Privatleben ziemlich still geworden. Es gibt sehr wenige Menschen, die meine grenzenlose Liebe zu den Hunden verstehen oder akzeptieren können. „Deinen Hunden geht’s besser als so manchem Kind“, höre ich oft ziemlich verständnislos. Mir geht es gut, solange es meinen Bären gut geht! Menschen kommen und gehen im Laufe eines Lebens, die Treue eines Hundes aber ist unvergänglich!

Meine Bären bringen mich jeden Tag zum Lachen, halten mich gesund, seit 15 Jahren hatte ich nicht mal mehr eine ­Erkältung. Ich freue mich, wenn ich in der Früh in die Augen meiner Hunde sehen kann, sie mir ihren Bauch zeigen und wir miteinander schmusen – ja, sie schlafen bei mir im Bett, auf dem Sofa und aauf dem Matratzenlager mit Schlafsack, sie sind immer bei mir und so soll es bleiben!

In meinem bisherigen Leben habe ich viele falsche Entscheidungen getroffen, die zu Hunden aber war eindeutig die ­richtige und beste! Mit einem wunderschönen Zitat von ­Konrad Lorenz ende ich an dieser Stelle: „Die Treue eines ­Hundes ist ein kostbares Geschenk, das nicht ­minder ­bindende moralische Verpflichtungen auferlegt als die Freundschaft eines Menschen. Der Bund mit einem treuen Hund ist so ewig, wie Bindungen zwischen Lebewesen dieser Erde überhaupt sein können.“

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