Auf Hundepirsch in Afrika

0
659

Von der kargen Namibwüste ins fruchtbare Okawangadelta, ein unvergeßliches Erlebnis für jeden Naturfreund und Tierfotografen. Unsere Drei-Länder-Tour durch Namibia, Botswana und Zimbabwe startete in Windhoek. In einem herrlichen Kastell hoch über der Stadt genoß ich meinen ersten Sonnenuntergang auf afrikanischem Boden. Bis zur ersten Etappe durch die Wüsten und Felslandschaft der Namib blieb genug Zeit für eine Fotopirsch ganz anderer Art. Ich begab mich auf die Suche nach meinen bevorzugten Modellen, den Hunden.

Festungen
Bei meinen Streifzügen mußte ich feststellen, daß Hunde in Windhoek wie auch in anderen Städten Afrikas vor allem einem Zweck dienen. Als Alarmanlage und Waffe sollen sie die reichere Bevölkerung vor Übergriffen der verslumten schwarzen Unterschicht schützen. Sieht man von der herrlichen Blütenpracht ab, unterscheiden sich die Villen der Oberen Zehntausend auf den ersten Blick nicht von heimischen. Erst bei genauerem Hinsehen bemerkt man die elektrisch geladenen Zäune, Stacheldrähte, Metallzacken, Warnschilder und Alarmanlagen. Die Villen gleichen eher Festungen als Wohnhäusern. Vor manchen Einfamilienhäusern haben Securitydienste sogar bewaffnete Wächter postiert.

Hunde als Alarmanlage
Worin sich alle Häuser gleichen: In jedem Vorhof, jedem Garten wartet mindestens ein vierbeiniger Bodyguard gegen etwaige unerwünschte Besucher. In der überwiegenden Zahl sind es Rottis, Doggen, Deutsche Schäfer und großwüchsige Mischlinge, die da ihren Dienst versehen. Kleinere Hunde, weil weniger abschreckend, sind kaum anzutreffen und wenn, dann nur als bellende Verstärkung für ihre großen „Kollegen“. Auf den Straßen und in den ärmlicheren Stadtteilen traf ich hingegen kaum auf Hunde. Streunerhunde waren praktisch nirgends unterwegs. Eine Tatsache, die mich um so mehr überraschte, da ich auf meinen Reisen in südeuropäische Länder fast überall auf abgemagerte, verwahrloste, mißtrauische Straßenhunde gestoßen war, die das Bild der großen Städte prägen.

Hundehaltung ist Privileg
Im Landesinneren Namibiens und vor allem Botswanas suchte ich vergeblich nach Afrikas Hunden. Die schwarzen Viehhüter arbeiten ohne Hunde. Ihre erschreckende Armut ist wohl der Hauptgrund dafür, die Fütterung eines zusätzlichen vierbeinigen Essers schier undenkbar. Überhaupt scheint das Halten von Hunden eher ein Privileg der weißen Bevölkerung zu sein. Denn auf den Besitzungen weißer Namibier findet man sehr wohl Haushunde, meist große kurzhaarige kompakte ansprechende Mischlinge von hell bis dunkelbrauner Farbe oder kleine terrierartige wie Jack Russells und dergleichen.

Unikat der Wüste
Auf meinen langen Fahrten durch Namibiens karge Landschaft entdeckte ich plötzlich einen einzelnen Hund am Eingang eines afrikanischen Dorfes, einen mittelgroßen, freundlichen Mischlingshund, der brav vor meiner Kamera posierte und meiner Vorstellung eines afrikanischen Hundes sehr genau entsprach, gelb wie die Wüste, spitze Schnauze, grazil und kurzhaarig. Er muß ein Unikat gewesen sein, denn er blieb für viele Tage der einzige, den ich zu Gesicht bekam.

Löwen und Tiger statt Hunde
In den Naturparks und Reservaten ist das Mitnehmen von Hunden nicht gestattet. Traf ich jedoch in Namibiens Lodgen noch hie und da auf Haushunde der Betreiber, bekam ich in Botswanas Naturparadiesen praktisch keinen mehr vor die Kamera. Doch wegen der Hunde allein war ich ja nicht dort gewesen. So begnügte ich mich den Rest der Tour damit, halt „nur“ Löwen, Elefanten, Nilpferde, Seelöwen, Robben, Nashörner, Krokodile, Hyänen, Wildhunde, Strauße, Büffel, Zebras, Gazellen und Antilopen auf Zelluloid zu bannen. Wie heißt es doch so schön: In der Not frißt der Teufel Fliegen.


KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT