Australian Cattle Dog – Die blauen und roten Powerpakete von „Down Under“

0
1364

Immer mehr Leute erliegen dem derben Charme dieser mittelgroßen Treibhunde aus Australien. Als typische Vertreter der Hütehunde sind die agilen, athletischen Australian Cattle Dogs (ACD) sehr ­vielseitig, intelligent und zu ihrem Menschen extrem loyal. Verfressen und ballmotiviert, sind die ACD gut zu erziehen und als richtige Allrounder bieten sie sich auch für die meisten Hundesportarten an. Dennoch sollte der ACD nur in die Hände bereits erfahrener Hundehalter kommen.

Im Rassestandard wird das „natürliche Misstrauen gegenüber Fremden" erwähnt. Das Training des Sozialverhaltens fremden Menschen und anderen Hunden gegenüber ist daher beim ACD aufwändiger als bei anderen Hunderassen! Bei ­richtiger Führung sind diese Powerhunde jedoch ganz fantastische Begleiter, mit einem garantierten „Spaßfaktor".

Geschichte
Blue Heeler, Red Heeler, Queensland Heeler, … das waren die ersten klangvollen Namen der Australian Cattle Dogs (ACD), um deren Entstehung sich viele spannende Geschichten und Mythen ranken. Dokumentiert ist, dass der Rinderbaron Thomas Hall blau getüpfelte Drover Dogs (eine Art Collie) aus Nordengland importierte und diese Anfang 1830 mit dem einheimischen Dingo kreuzte. Ca. 10 Jahre später war die Rasse etabliert und bekannt unter dem Namen „Hall‘s Heeler". Diese harten, genügsamen Arbeitshunde konnten halbwilde Rinderherden unter extremsten klimatischen Bedingungen Hunderte von Kilometern durch schwierigstes Gelände treiben.Die „Hall‘s Heeler" waren auch treue, unbestechliche Wächter und so wertvoll, dass die Familie Hall bis nach dem Tode von Thomas Hall, im Jahre 1870, keine Hunde an andere Rindertreiber verkaufte. Später gab es weitere, aber wenig dokumentierte Einkreuzungen. 1903 verfasste Robert Kaleski den ersten Standard, worin er das Erscheinungsbild des ACD als das eines kleinen, untersetzten Dingos beschrieb.

Charakter
Aussagen wie, der Blue Heeler sei der beste Freund des Mannes im Busch, oder ein Cattle Dog ersetze ­mehrere berittene Männer, zeigen auf, welch hohen Stellenwert diese agilen und ausdauernden Arbeits­hunde für die damaligen Siedler hatten. Die Rinderbarone selektierten früher nur die besten Treibhunde und die unbestechlichsten Wächter. Da diese Merkmale beim ACD auch heute noch zu finden sind, ist diese Rasse für unerfahrene Hundehalter eher nicht zu empfehlen.Es ist nicht ganz einfach den ACD zu beschreiben, weil es in den ­Charakterisierungen der Rasse von dem pflege­leichten „Schmusehund" bis zum anspruchsvollen „Dominanz-Streber" die ganze Bandbreite gibt. Eine Eigenschaft haben jedoch alle Cattle Dogs: Sie leben ihre Emotionen stärker aus als andere Hunde! Diese Arbeitsrasse braucht angemessene Bewegung und möchte gerne beschäftigt werden. Mit ihrem funktionellen Körperbau und der wachen Intelligenz können Cattle Dogs problemlos für die meisten Hundesport­arten begeistert werden.Der ACD wird auch liebevoll Velcro- oder Schattenhund (Anm.: Velcro = Klettband) genannt, weil er am glücklichsten ist, wenn er bei seinem Menschen sein darf. Der Cattle Dog ist extrem loyal und liebt seine Familie über alles. Umso größer ist der Kontrast, wenn er territorial und Fremden gegenüber meistens eher reserviert und abwartend reagiert. Im Umgang mit anderen Hunden kann der ACD anstrengend sein. Vor allem Rüden gehen gerne mal auf die Platzhirsch-Frage und eine Kampfaufforderung ein. Das Training des Sozialverhaltens gegenüber anderen Hunden und teilweise auch Menschen ist daher unerlässlich! Der Cattle Dog will seinem Mensch gefallen, daher erreicht man die besten Resultate mit liebevoller Konsequenz. Früh gesetzte Regeln müssen strikt eingehalten werden. Der clevere Hund wird sonst immer wieder testen, wie weit er gehen kann.Gut sozialisierte und umsichtig in der Familie aufgezogene Welpen aus freundlichen Eltern sind generell ­souverän und umgänglich. Fehl am Platz ist der Cattle Dog bei unsicheren und inkonsequenten Menschen ohne Durchsetzungsvermögen.

Erscheinungsbild – vom Cattle Dog zum Fattle-Dog?
Der ACD ist ein Ausdauertraber, der jederzeit im schnellen Sprint ein freiheitsliebendes Rind auf den richtigen Pfad zurück treiben können muss. Dazu kommt seine Spezialität, das Heelen (engl. Heel = Ferse, Fersenbeißer). Er muss in der Lage sein, sich in vollem Galopp zu ducken, um das Vieh in das hintere Standbein zu zwicken, ohne dabei durch einen Tritt verletzt zu werden. Heelen kann nur ein sportlich gebauter Hund mit dem korrekten Körperbau des Trabers. Das heißt: Brustkorbtiefe bis zum ­Ellbogen, Beine und Körper je 50%. Der ­Standard verlangt straff anliegende Lefzen und beschreibt damit ganz klar ­moderate Köpfe. Schwere Köpfe mit der ­Tendenz zu Hängelefzen sind bei Molossern erwünscht, nicht aber beim agilen Rindertreiber.Leider werden in Europa im Show-Ring viel zu oft die zu massigen, kurzbeinigen Hunde mit den schweren Köpfen prämiert. Der ACD ist aber keine Bulldogge! Einige Richter scheinen Substanz nicht von Fett unterscheiden zu können und schaden durch ihre Richterbewertung der Rasse. Es wäre sehr traurig, wenn der einst derbe und robuste ACD zu einem schwabbelnden, fetten Show-Hund mutieren würde!

Erbkrankheiten
Der ACD ist glücklicherweise ein robuster, pflegeleichter und im Allgemeinen gesunder Hund. Dadurch, dass die Welpen weiß zur Welt kommen, können sie, wie alle Schecken, von der sensorineuralen Taubheit betroffen sein. In der Schweiz und in Deutschland wird das Hörvermögen der FCI-Welpen vor der Abgabe daher getestet. Einseitig hörende Hunde haben praktisch keine Einschränkungen im Leben. Auch taube Hunde können mit der richtigen Betreuung ein schönes Leben führen. Seriöse (FCI) Züchter verpaaren nur beidseitig hörende Zuchthunde mit geröntgten und ausgewerteten Hüften, Ellbogen und Wirbelsäulen. Bestehen Sie darauf und lassen Sie sich als Welpen-Käufer alle Röntgen-Auswertungen und die Zertifikate der Gen-Tests (zwei ­Formen der PRA und PLL) der Elterntiere zeigen.

Beschäftigung
Der ACD ist ein Multi-Talent und gut zu erziehen, weil er seinem Halter gefallen will und meistens sehr verfressen ist. Sie werden erstaunt sein, wie schnell diese Hunde lernen! Allerdings hat der ACD auch seine Eigenarten: Er zeichnet sich durch eine hohe Problemlösungsintelligenz aus und zeigt dadurch oft eine gewisse Repetitionsintoleranz, das heißt bei mehrfacher, langweiliger Wieder­holung schaltet er ganz einfach ab. Der ACD dreht sehr schnell hoch und viele Hunde sind regelrechte Ball-Junkies. Diese hyperaktiven Rassevertreter bringt man zur Ruhe, wenn man sie mit Nasenarbeit beschäftigt, wofür die meisten sehr talentiert sind.Der Cattle Dog eignet sich für viele Hundesportarten, angefangen bei Agility über Wasserrettung bis zur Zielobjektsuche. Wenn Sie aber ehrgeizig sind und in der höchsten Klasse auf Landesmeisterschafts-Niveau viel erreichen möchten, dann werden Sie bestimmt glücklicher mit einem Border Collie, Deutschen Schäferhund oder einem Malinois. ACD sind oft Individualisten und haben manchmal eine sehr eigene, kreative Auffassung der Befehlsausführung.Dafür werden Sie ganz viel Spaß haben mit Ihrem Cattle Dog. Lach­falten und graue Haare sind garantiert! ACD sind beliebte Reitbegleithunde, da sie meistens einen wenig ausgeprägten Jagdinstinkt haben. Es gibt auch Cattle Dogs, die sich für die tiergestützte Therapie, sei es mit Behinderten oder Schülern, eignen, gerade weil sie sich nicht so stürmisch für neue Menschen interessieren.

Augen auf beim ACD-Kauf!
Kaufen Sie keine Rassewelpen ohne FCI-Papiere oder ACD-Designer-Welpen aus ungetesteten Eltern. Im heutigen Informationszeitalter können sich alle weiterbilden, und wenn ein Züchter zu geizig ist, seine Zucht­hunde z.B. auf PRA zu testen, dann nimmt er wissentlich in Kauf, dass seine Welpen zu einem späteren Zeitpunkt erblinden können. Der ACD ist ein mental starker Hund. Die gute Aufzucht ist von ­größter Wichtigkeit, weil schon ab der 3. Woche die Basis für sein ­späteres Verhalten angelegt wird. Die Welpen sollten bei der Familie mit viel menschlichem Kontakt und in einem spannenden Welpen-Garten aufwachsen, denn je mehr die Kleinen spielerisch lernen können, desto sicherer werden sie in späteren Stress-Situationen reagieren. Kaufen Sie niemals einen Welpen aus Zwingerhaltung oder übers Internet, ohne den Züchter zu kennen und ohne die Welpen beim Züchter besucht zu haben. Schlecht sozialisierte Welpen werden später oft verhaltensauffällig. Der ACD hat ein gewisses Aggressions­potenzial, und ängstliche Rassevertreter tendieren in der Regel zu „Angriff ist die beste Verteidigung". Wird dieses Verhalten nicht richtig gedeutet und der unsichere Hund bestraft, kann dies für alle Beteiligten große Probleme mit sich bringen. Generell ist der Cattle Dog jedoch extrem gut zu lesen und voraus­schauende, intelligente Hundeführer werden begeistert sein von dieser ursprünglichen Rasse. Aktive, souveräne Menschen, die genügend Zeit haben, um ihren ACD angemessen zu fördern, werden ihr Herz sehr schnell an diese loyalen, originellen blauen und roten Clowns verlieren und dieser Rasse für immer treu bleiben.

TEILEN
Vorheriger ArtikelDer Basenji – – ein anspruchsvoller Hund
Nächster ArtikelZwergpinscher – König unter den Kleinen
Avatar
Die Autorin und ihr Buch
Die Autorin, Eva Holderegger Walser hat das erste deutschsprachige Buch über den Australian Cattle Dog ­verfasst. Australian Cattle Dogs – von Eva Holderegger Walser
160 Seiten
300 Fotos und Illustrationen
ISBN 978-3-033-00889-2
EUR 20,– + Porto
(siehe Website: www.cattledog.ch)

Eva Holderegger Walser ist seit 20 Jahren mit dem ACD-Virus ­infiziert und züchtet in kleinem ­Rahmen sportliche „Silverbarn-Welpen“. Zusammen mit Doris Walder synchronisierte sie die beliebte DVD „Puppy-Puzzle“ auf Deutsch (von Pat Hastings). Ihr Tagesseminar über den gesunden, harmonischen Körperbau „Hunde-Analyse“ ist in der Schweiz von der SKG für Züchter akkreditiert und auch in Deutschland sehr gefragt. Kontakt zur Autorin:
Tel.: 0041 44 858 09 94
Mail: [email protected]

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT