BARF – die wichtigsten Facts in Kürze

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BARF – also die Fütterung mit rohen Zutaten – ist derzeit ein ­großer Trend. Informationen findet man zahlreich im Internet und auch viele Bücher gibt es zu dem Thema, doch ist leider vieles dort irreführend oder falsch. Fehler in der Fütterung können jedoch schwere gesundheitliche Folgen haben, auch wenn man sie oft lange nicht bemerkt.  Hier einige wichtige Facts zum BARFen in Kürze.

Natürlich heißt nicht automatisch bedarfsdeckend
Eine „natürliche und abwechslungsreiche Fütterung“ würde ganz automatisch den Nährstoffbedarf decken, heißt es oft, Ergänzungen seien nicht nötig. Allerdings: Das stimmt nicht! Der Hund kann nur die Nährstoffe aufnehmen, die im Futter enthalten sind. Es ist fast unmöglich, mit den gängigen Zutaten tatsächlich das gesamte Nahrungsspektrum eines frei lebenden Wolfes nachzuahmen. Auch eine breite Auswahl an Obst, Gemüse, Kräutern, Nüssen etc. reicht in der Regel nicht aus! Um den Hund optimal zu versorgen, sind passende Ergänzungen unumgänglich. Welche das sind, wird im Folgenden dargestellt.

Häufige Fehler
In fast allen BARF-Rationen mangelt es an Spurenelementen und fettlöslichen Vitaminen. Jod und Vitamin D müssen immer ergänzt werden, da sie in den üblichen Futterzutaten kaum enthalten sind. Es ist nämlich falsch, dass Hunde kein Vitamin D in der Nahrung brauchen – Hunde können die dafür nötigen Vorstufen – so wie wir Menschen auch – nicht selbst ­bilden und müssen diese daher mit dem Futter aufnehmen. Auch die Zufuhr an Kalzium und Phosphor ist oft fehlerhaft. Bei erwachsenen Hunden wird der Bedarf oft überschätzt und zu viel Knochen gegeben, während gerade bei großwüchsigen Welpen der Bedarf meist unterschätzt wird. Das kann schwere Wachstumsstörungen und bleibende Schäden zur Folge haben!

Wie die Fütterung beurteilen
Dass ein Hund gut aussieht, ein glänzendes Fell, gesunden Appetit und eine regelmäßige Verdauung hat, deutet darauf hin, dass es ihm momentan gut geht – sagt aber nichts darüber aus, ob er tatsächlich optimal mit Nährstoffen versorgt ist. Gerade Mängel an Vitaminen und Spurenelementen können über Monate und Jahre unauffällig bleiben! Eine optimale Nährstoffversorgung kann nicht an einem Blutbefund ermittelt werden! Die Messwerte im Blut sind Momentaufnahmen, dauerhafte Veränderungen treten erst bei massivem Mangel bzw. Überversorgung auf. Um die Versorgung mit Nährstoffen zu prüfen, muss die Fütterung kontrolliert werden!

Welche Ergänzungen braucht es wirklich?
Es gibt mittlerweile eine Unzahl an Ergänzungsfuttermitteln, die speziell fürs BARFen beworben werden: Mineralstoffmischungen, Algen, Öle, Kräuter usw., doch nur wenige davon sind insofern sinnvoll, als sie tatsächlich die Ration mit Nährstoffen komplettieren. Prinzipiell kann entweder ein  komplettes Mineralfutter (mit allen nötigen Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen) eingesetzt werden oder es können verschiedene Produkte kombiniert werden. Präparate, bei denen die Zusammensetzung und der Nährstoffgehalt nicht angegeben sind, sind unbrauchbar.

Ein gutes Mineralfutter sollte genug Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Zink, Jod, Mangan) und Vitamine (A, D, E, B-Vitamine) enthalten. Extra Kalzium und Phosphor sind nötig, wenn keine Knochen gefüttert werden. Neben einem kompletten Mineralfutter können Knochenmehl, Dicalciumphosphat oder Futterkalk als gut verdauliche Mineralstoffquellen verwendet werden. Eierschalenpulver kann leicht selbst hergestellt werden, indem die Eierschalen im Backrohr erhitzt (Desinfektion!) und anschließend in einer Kaffeemühle vermahlen werden.

Algen sind als Jodergänzung gut geeignet, allerdings nur Meeresalgen (Knotentang, Ascophyllum nodosum), denn Süßwasseralgen (Spirulina und Chlorella) enthalten kein Jod. Vitamin D kann gut über Lebertran oder fetten Fisch (Lachs) ergänzt werden.

Risiko rohes Fleisch
Das Hygienerisiko durch rohes Fleisch wird oft heruntergespielt. Mag sein, dass unsere Lebensmittel so sicher sind, dass wir vergessen haben: Rohes Fleisch stammt von lebenden ­Tieren und kann daher nicht „keimfrei“ sein. Es ist auch falsch, dass Hunde prinzipiell unempfindlich gegen z.B. Salmonellen sind. Auch wenn es zu stimmen scheint, dass sie seltener an Magen-Darm-Erkrankungen leiden als Menschen, können ernsthafte Erkrankungen durchaus auftreten! Die größere Gefahr besteht jedoch für die menschliche Gesundheit. Nicht nur das Hantieren mit dem rohen Fleisch stellt ein Risiko dar. Hunde, die ­kontaminiertes Fleisch aufnehmen, können über Wochen zu symptomlosen Ausscheidern von gefährlichen Keimen, wie Salmonellen, werden. Diese Bakterien finden sich dann auch auf dem Fell des Tieres, seinem Schlafplatz und letztendlich im gesamten Haushalt. Parasiten, wie Bandwürmer, können auch den Menschen als Fehlwirt befallen. Je nach Herkunft kann Wild an Zoonosen erkrankt sein, wie Tuberkulose oder Tularämie. Wildtiere und Tiere, die Kontakt zu Wildtieren haben (Auslauf), können außerdem Träger von Toxoplasmen sein, was besonders für Schwangere gefährlich ist.

Die wichtigsten Empfehlungen
■  Wer sein Futter selbst zubereitet, egal ob BARF oder aus gekochten Zutaten, sollte eine Rationsüberprüfung durchführen lassen (Fachtierarzt für Ernährung). Rezepte aus dem Internet oder Bücher sind leider oft fehlerhaft.
■  Nicht alles ist für die Rohfütterung geeignet. Von rohen Eiern darf nur der Dotter gefüttert werden, an rohem Fisch Lachs, Barsch und Forelle. Zwiebeln, Knoblauch, Weintrauben, Avocados und Macadamia­nüsse sind für Hunde giftig.
■  Kopffleisch, Kehlfleisch oder Schlund sollten nicht verfüttert werden, da der Hund die dort befindliche Schilddrüse mit aufnimmt und dadurch eine Schilddrüsenüberfunktion bekommen kann.
■  Futterzutaten für den Hund sollten nach denselben hygienischen Grundsätzen behandelt werden wie Lebensmittel. Wer Fleisch im Versandhandel bestellt, möge bedenken, dass diese Produkte nicht denselben Richtlinien und Kontrollen in Lagerung und Transport wie Lebensmittel unterliegen.

BARFen ist geeignet für denjenigen, der sich intensiv mit der Materie befasst und einen gewissen ­täglichen Zeitaufwand einrichten kann. Wer viel unterwegs ist und den Hund eher ­zwischendurch schnell füttern ­möchte, ist mit (hochwertigem) Fertig­futter besser bedient.

WUFF-INFORMATION

BARFen
BARF steht im Deutschen für „Biologisches Artgerechtes Rohes Futter“. Es ist eine Methode zur Ernährung fleischfressender Haustiere, die primär für Haushunde entwickelt wurde. Die Entwickler von BARF orientierten sich dabei an den Fressgewohnheiten der Wölfe und anderer wildlebender Hunde. In diesem Sinne wird ausschließlich rohes Fleisch, Knochen und Gemüse verfüttert, wobei der Tierhalter für die ausgewogene Zusammensetzung selbst sorgen muss. (Wikipedia)

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Die auf Ernährung spezialisierte Tierärztin Dr. Stefanie Handl hat 10 Jahre als Assistentin am Institut für Tierernährung der Vet.-medizinischen Uni Wien gearbeitet und verfügt über die beste Qualifikation auf diesem Gebiet. Seit einem Jahr betreibt sie einen Service für Ernährungs- und Diätberatung.

Dr. Stefanie Handl
Fachtierärztin für Ernährung
und Diätetik, Diplomate ECVCN
Strohgasse 12/15
A-1030 Wien
Tel./Fax: +43 1 9554412
www.futterambulanz.at

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