Bekämpfung von Erbkrankheiten bei Militärhunden am Beispiel der Hüftgelenksdysplasie (HD)

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Die Militärhundestaffel Kaisersteinbruch des Österreichischen Bundesheeres züchtet seit Beginn der 60er Jahre Diensthunde der Rasse Rottweiler. Inzwischen wurden über 1.800 Hunde in das Österreichische Hundezuchtbuch eingetragen. Diese Hunde werden vor allem zur Bewachung von militärischen Objekten eingesetzt. Der Dienst erfolgt im Schichtbetrieb und je nach örtlicher Gegebenheit müssen durch Militärhunde und Hundeführer Wegstrecken bis zu 20 km pro Tag zurückgelegt werden.

Hoher Zuchtstandard
Das wesentliche Zuchtkriterium ist daher – neben Exterieur- und Leistungsmerkmalen – die Gesundheit der Hunde, damit diese möglichst lange eingesetzt werden können. Dies ist nicht nur aus Gründen der Veterinärmedizin und des Tierschutzes, sondern auch in Hinblick auf eine möglichst sparsame Verwaltung und den ökonomischen Umgang mit Steuergeldern von größter Bedeutung. Es war daher eine Selbstverständlichkeit, grundsätzlich gegen Erbkrankheiten und gegen die Hüftdysplasie im besonderen zu selektieren.

Bedingt durch den komplizierten Erbgang der Hüftgelenksdysplasie – es handelt sich um eine polygen vererbte Krankheit, wobei das klinische Krankheitsbild erst ab einem bestimmten „Schwellenwert“ von Defektgenen röntgenologisch bzw. am Auftreten von Lahmheit zu diagnostizieren ist – ist eine konsequent züchterische Bekämpfung unabdingbar (siehe Kasten).

Fast alle Hunde diensttauglich
Das Auftreten der Hüftgelenksdysplasie bei Hunden der Militärhundestaffel läßt sich aufgrund des oben beschriebenen Erbganges nie völlig ausschließen. Durch die rigorosen Selektionsmaßnahmen konnte jedoch der Prozentsatz röntgenologisch oder klinisch auffälliger Hunde derartig gesenkt werden, daß in den letzten Jahren fast alle erzüchteten Hunde in Dienst gestellt werden konnten und viele Würfe insgesamt HD-frei beurteilt wurden. Selbstverständlich wird das Österreichische Bundesheer auch neuen tierzüchterischen Methoden, wie etwa BLUP-Zuchtwertschätzung bzw. biotechnologischen Diagnoseverfahren gegenüber aufgeschlossen sein, um den hohen Zuchtstandard in der Erbfehlerbekämpfung zumindestens zu halten.



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Tierärztliche Kompetenz

Bei der Militärhundestaffel haben wir mit nachstehender Vorgangsweise gute Erfahrungen gemacht:

– Alle Militärhunde werden vor Beginn ihrer Ausbildung veterinärmedizinisch auf ihre Diensttauglichkeit untersucht, wobei das HD-Röntgen sowie die Befundung ausschließlich durch die Universitätsklinik für Röntgenologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien im Alter von 14 – 16 Monaten erfolgen. Dadurch ist ein möglichst hoher Grad an Objektivität und entsprechender Qualitätssicherung des Befundes gegeben. 

– Zur Zucht werden nur Hunde eingesetzt, die röntgenologisch HD-frei beurteilt wurden. Naturgemäß können die Diensthunde des Österreichischen Bundesheeres nicht als eigene Population bestehen, sondern ist auch die ständige Verwendung von zivilen Zuchthunden (meist als Deckrüden) unbedingt notwendig. Diese Hunde müssen selbstverständlich ebenfalls entsprechend befundet worden sein.

– Bedingt durch die Tatsache, daß ALLE in Kaisersteinbruch gezüchteten Militärhunde der Untersuchung auf HD zugeführt werden und auch später laufend auf eventuelle Lahmheiten hin untersucht werden, können Zuchthunde, die im Genotyp einen entsprechenden Anteil von Defektgenen aufweisen und daher klinisch auftretende HD vererben, identifiziert und von der weiteren Zuchtverwendung ausgeschlossen werden.

 

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