Bindung: Das unsichtbare Band

„Wenn Ihr Hund jagen geht, dann hat er aber eine schlechte ­Bindung!" Wie oft musste ich mir diesen Satz schon anhören, wenn einer meiner Beagles abtrünnig war.
Zeit, sich endlich mal sachlich mit Begriffen wie Bindung und ­Beziehung und den damit oft verknüpften Vorurteilen auseinanderzusetzen.

Bindung lässt sich als Qualität der Beziehung zwischen mindestens zwei Individuen beschreiben. Sie muss aber nicht in beiden Richtungen gleichermaßen ausgeprägt sein, sondern ist gekennzeichnet durch Exklusivität und ­bindungstypisches Verhalten mindestens eines der beiden Beteiligten. Dazu gehört z.B. die Suche nach Nähe zum Bindungspartner und eine Stressreaktion bei der Trennung von diesem.

Bindung braucht Vertrauen
Um eine qualitativ hochwertige, belastbare Bindung des Hundes an einen Menschen zu erreichen, bedarf es in allererster Linie eines Vertrauens des Hundes in seinen ­Bindungspartner Mensch. Damit kommt der Bindung des Hundes an den Menschen eine soziale Dimension zu, die nichts mit Grundgehorsam wie Sitz, Platz, Fuß zu tun hat. Bildlich gesprochen ist ­Bindung ein unsichtbares Band ­zwischen Mensch und Hund.

Als Mensch muss ich in der Lage sein, persönliche Präsenz zu zeigen und meinem Hund so die Sicherheit und das Selbstvertrauen zu geben, sich im Alltag auch mal eigenständig adäquat zu verhalten. Dazu ist es notwendig, dem Hund Grenzen und Regeln zu vermitteln, also das Wissen, was
– in unseren Augen – richtig und was falsch ist. Der ­Bindungspartner ist also die Basis für ein sicheres ­Verhalten des Hundes. Vertrauen und Sicherheit für den Hund bedeuten, er erfährt, dass der Mensch weiß, was er tut, einen Plan hat, ihn beschützt und für ihn all das regelt, wozu er selber nicht in der Lage ist. Denn ich kann ­meinem Hund beispielsweise die ­eigenständige Gefahrenabwehr nur dann ­untersagen, wenn ich als Hundehalter mich darum kümmere und er das auch weiß und mir zutraut.

So steht zum Beispiel meine alte Günes, das Dönertier, unter meinem persönlichen Schutz. Kein „Dertutnix" kommt an mir vorbei und belästigt die alte Dame – auch, wenn er nur spielen will. Günes muss sich das mit ihren 12 Jahren und völlig kaputten ­Knochen nicht gefallen lassen, und schon gar nicht muss sie sich selbst verteidigen. Das ist mein Job, das weiß sie und sie verlässt sich auf mich. ­Dieses Sich-auf-mich-verlassen-­können ist eine der Grundlagen ­unserer Bindung und stärkt diese. Genauso hat Zwerg Piccolo gelernt, dass auf mich Verlass ist, und er vertraut mir blind, wenn er von deutlich größeren Artgenossen belästigt wird.

Bindung entstresst
Ein schönes, auf Hunde übertragbares Beispiel gibt es aus einem Labortiermodell. Man brachte junge Meerschweinchen in Anwesenheit der Mutter oder männliche Tiere in Anwesenheit der persönlich gebundenen Partnerin in einen unbekannten Raum, also eine stressende Situation. Gleichwohl war eine Stressantwort in den beiden großen Stresshormonsystemen des Cortisols und der Katecholamine, also des Adrenalins und des Noradrena­lins, nicht nachweisbar. Brachte man die Tiere jedoch in Anwesenheit eines zwar persönlich bekannten Tieres, zu dem aber keine Bindung bestand, fiel die Antwort der Stresshormone genauso heftig aus, wie wenn man sie ganz alleine in diesen Raum steckte.

Spiel dich gesund!
Eine wesentliche Rolle spielt hier das sogenannte Bindungshormon ­Oxytocin, das ein wichtiger Gegenspieler der Stresshormone ist. Die ­Wirkung des Oxytocins bzw. einer stabilen Bindung geht sogar so weit, dass es über seine ­stressdämpfende Wirkung gesundheitsfördernd ist – denn wie wir alle aus eigener Erfahrung wissen, macht Stress krank. Das ist auch der wahre Grund, warum wir Hundehalter (mit einer guten Bindung zu unserem Vierbeiner!) in der Regel weniger oft krank werden als nicht Hunde-haltende Teile der Bevölkerung. Eine weitere Studie ergab nämlich, dass bereits wenige ­Minuten Spiel mit dem Hund, an den eine gute Bindung besteht, oder sogar nur ein Blickkontakt zu diesem, unseren Oxytocin­spiegel ansteigen lässt. Der Vergleich mit einer Gruppe notorischer Spaziergänger ohne Hund (so was gibt es!?), die ja genauso viel Bewegung und frische Luft hat, oder gar mit einer Gruppe von Katzenhaltern, die nicht bei Wind und Wetter draußen unterwegs ist, brachte eindeutig hervor, dass die Gruppe mit Haustier weniger oft krank ist, weniger Arztbesuche benötigt und damit den Krankenkassen weniger Kosten verursacht als die Vergleichsgruppe ohne Haustier. Vielleicht sollten die Kassen mal über Hunde­haltertarife nachdenken …?!

Warum binden wir uns nicht an ­Erdmännchen?
Die Frage nach dem Warum lässt sich auf zwei verschiedenen Ebenen beantworten: Zum einen gibt es eine ultimate, also evolutionäre Ursache, die erklärt, warum sich ursprünglich Bindung entwickelt hat. Menschen und Hunde sind hoch soziale Lebe­wesen. Das liegt unter anderem daran, dass dieses kooperative Miteinander Vorteile zum Beispiel bei der Jagd oder Territorialverteidigung bringt. Forscher vermuten einen Grund des Aussterbens des Neandertalers unter anderem darin, dass sie in kleineren Gruppen lebten als der Homo sapiens, der in der Lage war, komplexere ­soziale Netzwerke zu gründen. Das soziale Zusammenleben brachte also beiden, Caniden wie Menschen, Vorteile. Denn auch im Wolfsrudel hat man es einfacher, wenn man im sozialen Familien­verband lebt: man kann besser das Revier verteidigen, hat Hilfe bei der Aufzucht der Jungtiere, kann bei der Jagd auf große Beutetiere kooperieren und hat leichteren Zugang zu Sexualpartnern.

Trotzdem aber binden wir Menschen uns nicht so sehr an andere soziale Tierarten wie etwa Erdmännchen oder Ameisen. Woran liegt das? Hier sind wir bei der zweiten, der sogenannten proximaten Ursache für Bindung. Eine proximate Ursache ist unmittelbar und erklärt, welche direkten Folgen eine Verhaltensweise hat, wodurch das Verhalten bestärkt und der Akteur belohnt wird. Bei einer Bindung ist dies die Domestikationsgeschichte des Hundes, in der der Hund auf den ­Menschen und sein Beziehungs­geschehen selektiert wurde, sowie die Tatsache, dass der Hund beim Menschen ein Pseudoartgenossenbild bedient, und die bereits erwähnten Hormone. In verschiedenen Ver­suchen, wie dem „Strange Situation Test" des ungarischen Verhaltensbiologen Ádám Miklósi, hat sich immer wieder gezeigt, dass sich Hunde in für sie unbekannten Situationen bevorzugt an Menschen binden. Eine vergleichbare Bindung von Hunden untereinander existiert in der Regel nicht.

Beziehung vs. Bindung
Etwas ganz anderes ist eine Beziehung, die mit Bindung nichts zu tun hat. Wenn ich einen wildfremden Menschen nach der Uhrzeit frage, ist dies zunächst eine Interaktion. Frage ich ihn aber mehrmals, weil ich ihn immer treffe, wenn ich meinen Zug noch erwischen will, ist das bereits eine Beziehung. Auch der Hund, der beim Spaziergang regelmäßig denselben Menschen nach Leckerchen anbettelt, hat eine Beziehung zu diesem, aber dadurch noch lange keine sichere Basis, d.h. Bindung. Er wird sich also in Gefahrensituationen kaum an diesem Futterspender orientieren, auch wenn er sich noch so sehr freut, diesen Menschen zu treffen. Eine Beziehung hat also nichts Exklusives, die Protagonisten einer Beziehung sind wahllos austauschbar. Eine Beziehung ver­mittelt nicht unbedingt Sicherheit und lässt auch den Oxytocinspiegel nicht in die Höhe steigen.

Bindung und Jagen
Doch nun spannen wir den Bogen zurück zu den eingangs ­erwähnten jagenden Hunden. Wie bereits erwähnt, bekommt man als Halter von jagdlich motivierten Hunden nur zu oft gesagt, dass die Bindung nicht stimme, weil der Hund sonst schließlich nicht jagen gehen würde. Doch als Trost sei den hinter ihrem Hund her pfeifenden und rufenden Hundehaltern gesagt, dass das eine mit dem anderen so viel zu tun hat wie das Füttern von rohem Fleisch mit Aggression – nämlich rein gar nichts. Wenn Sie also den Eindruck haben, dass Ihr Hund Sie in diesem Moment nicht hört, entspricht dies wahrscheinlich den Tatsachen, ist hormonell und verhaltensbiologisch erklärbar und hat deshalb nichts mit mangelnder Bindung zu tun. Vielleicht ist sogar – provokant gefragt – das Gegenteil der Fall? Denn wie auch weiter oben beschrieben, gibt eine sichere Bindung meinem Hund die Sicherheit und das Selbstvertrauen, sich im Alltag auch mal eigenständig adäquat zu verhalten. Das tut der jagende Hund – und dass er freiwillig wieder zurück kommt, ist ein Zeichen für eine Bindung.

Hundesport fördert Bindung?
Ein anderes, immer wieder gehörtes Vorurteil zur Bindung ist, dass Hunde­sport per se die Bindung verbessere. Im Einzelfall mag das der Fall sein, eine bereits bestehende Bindung wird durch diese Art der Auslastung eventuell intensiviert, aber andersrum wird kein Schuh draus. Wenn die Basis nicht stimmt, wird man allein durch Hundesport keine bessere Bindung zu seinem Hund bekommen, weil das nicht der Alltag ist. Ohne das anfangs erwähnte Vertrauen und die Kompetenz zur Führung des Hundes wird kein Hundesport der Welt in der Lage sein, Hund und Halter aneinander zu binden, denn dazu gehört weit mehr als beispielsweise das gemeinsame Bewältigen eines Agilityparcours.

Sitz, Platz, Fuß – Bindung?
Sehr oft wird auch ein guter Grundgehorsam mit einer guten Bindung gleichgesetzt. Auch hier reden wir aber von ganz verschiedenen Dingen. Ein Hund kann perfekt „funktionieren", und dennoch muss er dazu keine Bindung an seinen Halter haben. Leider sieht man im Alltag sogar sehr oft das Gegenteil: Hunde, die durch Starkzwang in der Ausbildung zwar sogenannten Kadavergehorsam zeigen, für die aber der Ausbilder alles andere als die eingangs beschriebene sichere Basis darstellt, die kein Vertrauensverhältnis zu ihrem Hundeführer haben. Solche Hunde können, wenn sie abgegeben werden, in einer Prüfung fast dieselbe Leistung mit einem völlig fremden Hundeführer bringen. Auf der anderen Seite gibt es aber viele Familienhunde, die keine besondere Ausbildung genossen haben, die erst aufs dritte „Hier" ihren Hintern in Bewegung setzen, vielleicht sogar jagen gehen, dafür aber eine sehr gute Bindung an ihre Menschen haben.

Bindung füttern?
Vielfach wird Bindung auch mit der Gabe von Leckerchen oder einer Abhängigkeit des Hundes von der nährenden Hand des Menschen gleichgesetzt. So hört man oft den Tipp der reinen Handfütterung zum Bindungsaufbau. Diese Praxis ist aber absolut unbiologisch, vor allem bei Junghunden, die normalerweise ohne die Forderung von Gegenleistungen von den Alttieren mit ­durchgefüttert und versorgt werden. Unseres Er­achtens nach sollten dem Hund immer 40% seines Futterbedarfs zur freien Verfügung stehen, ohne Gegenleistung. Durch die ausschließliche Fütterung des Hundes für die Gegenleistung Kooperation mit dem Menschen erreicht man zwar eine Abhängigkeit, jedoch keine Bindung, die ja auf Freiwilligkeit basieren sollte. Außerdem ist die futterspendende Hand austauschbar und somit alles andere als bindungsfördend.

Das Prädikat „gute Bindung" verdient ebenfalls nicht der oftmals als gut gebundener Hund missverstandene „Kontrolletti", der seinem Halter bei jeder Bewegung auf Schritt und Tritt folgt. Hier geht es um Kontrollverlust, mit Bindung hat dieses Verhalten also nichts zu tun.

Bindende Leitplanken statt Unverbindlichkeit
Immer wieder kommt einem auch zu Ohren, dass klare Grenzen und Regeln zu einem Vertrauensverlust und negativen Konsequenzen für die Mensch-Hund-Bindung führen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Der Begriff „Leitplanken" passt hier ganz gut: sie stellen einen festen Rahmen dar, innerhalb derer der Hund so viele Freiheiten wie möglich bekommt. Voraussetzung dafür ist, dass der Hund gelernt hat, was erwünscht ist und was nicht. Und dass er weiß, was ein Unterbrechungssignal ist, bzw dass er in diesen Situationen ein zuverlässiges Alternativverhalten wie z.B. ein Down oder ähnliches kennt. Der Hundehalter muss für den Hund immer berechenbar und verlässlich sein. Denn Unverbindlichkeit hat, wie das Wort bereits sagt, wenig mit Bindung zu tun.

Grenzen bedeuten Freiheit in fest definierten Räumen, und wenn Hund sich auf die Sozialkompetenz seines Menschen, zB in brenzligen Situationen, verlassen kann, dann stärkt das sein Vertrauen in diesen und damit auch die Bindung. Einen Verlust der Bindung und des Vertrauens des Hundes riskiert Mensch nur dann, wenn er unberechenbar, ungerecht und grob ist. Die leider immer noch weit verbreitete Praxis, den Hund nach einem „Fehlverhalten" tagelang zu ignorieren hat nichts mit zielgenauer „Strafe" oder eingesetzten Abbruchsignalen zu tun, wird aber sicherlich die Bindung und das Vertrauen zerstören, denn der Hund kann in der Regel nicht mehr verknüpfen, warum sich sein Mensch gerade so abweisend verhält. Für ein sozial lebendes Tier wie einen Hund der pure Stress!

Unterbrechungssignale sind unter Caniden Alltag, sie dienen dem ­harmonischen und vertrauensvollen Zusammenleben und führen nicht zum Gegenteil. Wichtig ist aber, dass wir uns eines von unseren hündischen Gefährten abschauen: sie sind nicht nachtragend. Wer eine Auseinandersetzung unter Einsatz von Abbruch­signalen bei Hunden beobachtet, kann auch sehen, dass in der Regel bereits nach wenigen Minuten ein Versöhnungs­angebot, meist von dem Hund, der die Abbruchsignale gezeigt hat, an den ergeht, der der ­Empfänger dieser Signale war. Natürlich sind Menschen keine Caniden, aber in Bezug auf den Umgang mit ­Konflikten können wir uns jede Menge von ­unseren Hunden abschauen. Daraus lässt sich für uns Menschen ableiten, dass wir zwar unserem Hund für ihn verständlich klarmachen müssen, dass dieses oder jenes Verhalten ­momentan nicht erwünscht ist, wir aber in der Pflicht stehen, uns danach auch gleich wieder mit ihm zu versöhnen oder auf sein Versöhnungsangebot einzugehen. Auch ein Alternativverhalten vom Hund nach einer Unterbrechung stellt ein Angebot zur Versöhnung dar. Ein Versöhnungsangebot von uns ­könnte bspw. ein ­kurzes Handhinhalten, Kraulen oder auch ein aufmunterndes Wort sein. Oder einfach ein Lächeln!

Die dunkle Seite der Bindung
Eine (vor allem zu enge) Bindung birgt auch Risiken. Hunde, deren Bindung an einen bestimmten Menschen sich durch eine übermäßige Spezifität auszeichnet, zeigen oft eine massive Stressreaktion bei der Trennung von ihrem Bindungspartner. Ein allzu enger Bindungsaufbau zum Halter sollte also vermieden werden, weil das spätestens dann zu Problemen führt, wenn der Mensch beispielsweise seinen Arbeitsplatz wechselt und den Hund nicht mehr mitnehmen kann, oder weil er ins Krankenhaus muss. In diesem Fall ist man froh, wenn die Bindung nicht allzu eng ist und sich das Leben in Ausnahmesituationen dadurch leichter gestaltet.

Zum guten Schluss
Eine zu enge Bindung des Hundes ist also nicht erstrebenwert und ­vieles, was mit Bindung gleichgesetzt wird, hat mit dieser nichts zu tun. Wir sollten darauf achten, dass unser Hund uns vertraut, er sich in unserer Gegenwart wohl und vor allem sicher fühlt (dies gilt natürlich auch um­gekehrt!), und dass wir ihn auch mal einfach Hund sein lassen und versuchen, seine Biologie als sozial lebendes Säugetier zu verstehen. Ob das Ganze dann unter echter Bindung oder aber unter einer persönlichen Beziehung läuft, ist unter dem Strich nicht so wichtig.

HINTERGRUND

Verhaltensursachen

In der Verhaltenskunde gibt es zwei Ansätze, die grundsätzlichen Ursachen für ein bestimmtes Verhalten zu erklären, nämlich ultimate und proximate Ursachen.

Proximate Ursachen für Verhalten
Dies kennzeichnet die unmittelbaren oder auch die gegenwärtigen Ursachen für ein beliebiges Verhalten. Der Aus­löser des Verhaltens kommt unmittelbar vor dem gezeigten Verhalten. Zu diesen – auch Wirkursachen genannten – Auslösern gehören bspw. alle inneren Ursachen, wie

• physiologische

• chemische

• psychische

Vorgänge, die ein Verhalten beeinflussen können.

Weiterhin gehören alle äußeren Reize, die verhaltensbeeinflussend sind, zu den proximaten Ursachen. Beispiel: Ein Hund fürchtet sich vor einem ­unbekannten Gegenstand. Er weicht aus oder flüchtet, um die Entfernung zu dem unbekannten Gegenstand zu vergrößern.

Die proximaten Ursachen ergeben sich aber auch aus Lernerfahrungen eines Hundes, wie bspw. die Beißhemmung. Diese ist nicht angeboren, sondern sie entsteht aus einem Lernprozess. Der Welpe lernt durch eigene Erfahrung mit anderen Welpen den situativ angepassten Gebrauch seiner „Waffen" (Zähne).

Ultimative Ursachen für Verhalten
Dies sind die mittelbaren Ursachen von Verhalten, die sich aus der Evolution des Hundes ergeben. Man bezeichnet sie als grundlegende Ursachen für ­Verhalten. Sie beziehen sich auf die Bedeutung, die ein bestimmtes Verhalten für die Weiterentwicklung eines Individuums hat, beantworten also die Frage, welches Verhalten für den Hund einen Selektionsvorteil in der Weiterentwicklung darstellt.

So gehört zu den ultimaten Ursachen der „Anpassungswert" eines Verhaltens, also die Frage nach dem Nutzen für das Individuum. Eine ultimate Ur­sache für die Bindung zwischen Menschen und Hunden ist also der Gewinn von Vorteilen, die sich für beide Spezies – Mensch und Hund – dadurch ergibt.

Quelle: N. Tinbergen: Watching and wondering. In: Donald A. Dewsbury: Studying animal behavior. Auto­biographies of the Founders. Chicago University Press, 1985

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