Border Collie – Superhund mit Problempotenzial

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Der intelligenteste oder der problematischste Hund? Mit kaum einer anderen Rasse werden diese zwei unterschied­lichen Bezeichnungen so oft verbunden. In den richtigen Händen ist der Border Collie ein Meister seiner ­Klasse, in den falschen jedoch ein Fall für den Hundetrainer. Bei näherer Betrachtung seiner Geschichte und seines speziellen Hüteverhaltens wird schnell klar, was in einem Border Collie wirklich steckt: ein anspruchsvoller Hund, der sich nicht zum Spontankauf aufgrund von ­Modetrends eignet.

Das Ursprungsland der Border Collies ist das Grenzgebiet ­zwischen Schottland und ­England. Von genau diesem Umstand (Grenze, engl.: border) hat diese Rasse auch ihren Namen erhalten. Um 1560 wurde dieser Hütehund das erste Mal in der Literatur erwähnt. John Caius, der Leibarzt der Königin Elisabeth I., beschrieb exakt die Arbeitsweise ­dieser Rasse. Der bekannteste Vorfahr des Border Collies war Old Hemp, der von dem Schäfer Adam Telfer gezüchtet wurde.

Die ursprüngliche Arbeit der Border Collies ist das Schafe Holen von den Hügeln und das nach Hause Treiben. Dabei müssen sie auf weite ­Distanzen, teils außer Sicht- und Hörweite des Schäfers, selbständig arbeiten. Andererseits sollen sie kooperativ sein, um die Pfiffe des Schäfers wahrzunehmen, wenn Schafe außerhalb der Gruppe wieder zusammengebracht werden sollen. Sie laufen in einem großen Bogen um die Herde, diese genetische Veranlagung nennt man „Cast“. Der Vorderkörper ist abgeneigt, der Blick starr und fixierend auf die „Beute“. All das löst beim Schaf eine instinktive Fluchtreaktion aus. Streng verboten ist aber die Endhandlung der Jagd wie das Reißen der Schafe oder auch das ­Beißen von Menschen. Das Hüte­verhalten des Border Collies ist kein Spiel-, ­sondern ein Jagdverhalten.

Folgende Maßstäbe waren in der Zucht dieser spezialisierten Rasse wichtig: natürliche Begabung, ­Kooperationsbereitschaft (will to please) und ­Trainierbarkeit. Vor 500 Jahren wurden diese Anlagen entwickelt, die bis ­heute vorhanden sind: Der Border Collie ist leicht auszubilden, motiviert und aufmerksam, dennoch mutig, selbständig und wild entschlossen, etwas zu Ende zu bringen.

1873 wurde erstmals ein Sheepdogtrial in Wales abgehalten, in dem die Hunde wettbewerbsmäßig miteinander verglichen wurden. Die Trials fanden regen Zulauf und wurden schließlich immer öfter abgehalten und erfreuen sich bis heute in Großbritannien großer Beliebtheit. Der Border blieb vorerst den Schäfern vorbehalten, doch es erwachte bei Hundefreunden auch der Wunsch, die Hunde auf Schauen zu zeigen. Erst 1976 gelang es der Rasse als Standard vom London Kennel Club eingetragen und 1980 dann auch von der FCI anerkannt zu werden. Nun ging es nicht mehr nur um die Arbeitsfähigkeit, sondern auch um ein Schönheitsideal, was einigen Borderzüchtern noch heute missfällt.

Mittelgroßer, geschmeidig ­wirkender Hund
Als jüngstes Mitglied in der ­Familie der Britischen Hütehunde lässt er sich als gut proportioniert und robust beschreiben. Harmonischer Körperbau, mehr lang als hoch. Die Lebenserwartung liegt bei 12 bis 15 Jahren. Die Größe der Rüden beträgt um die 53cm, die Hündinnen sind ein wenig kleiner. Das Fell kann lang- oder kurzhaarig sein. Eine besonders intensive Fellpflege benötigt er nicht. Bei beiden Varianten ist das Deckhaar dicht und die Unterwolle weich, was dem Border Collie einen wetterfesten Schutz verleiht. Bei der mäßig langen Fellvarietät bildet das Haarkleid sog. Mähne, Hosen und Fahne. An Gesicht, Ohren und Vorderläufen (ausgenommen Federn) und Hinterläufen vom Sprunggelenk bis zum Boden soll das Haar kurz und glatt sein.

Gendefekte
Wie bei anderen Collies kann beim Border Collie der MDR1-Defekt auftreten. Dieser äußert sich durch eine Überempfindlichkeit gegenüber mehreren Arzneistoffen. Außerdem ist die Rasse von einer vererbbaren Augenerkrankung, der Collie Eye Anomaly, betroffen. Die Krankheit führt zu einer angeborenen Beeinträchtigung des Sehvermögens und kann im schlimmsten Fall zur ­Erblindung führen. Bekannt sind auch noch eine tödliche Stoffwechsel- (CL) und eine Knochenmarkserkrankung (TNS). Seriöse Züchter lassen ihre Tiere auf diese Gendefekte regelmäßig testen, um mit entsprechenden Zuchtstrategien diese Krankheiten zu verhindern.

Kein Anfängerhund
Der Border Collie ist eine faszinierende Rasse, die mit Charme, Anmut, großer Aufmerksamkeit, Klugheit und Sportlichkeit besticht. Sein Wesen ist ausgesprochen liebenswert und er mag es auch ausgedehnt zu kuscheln. Er hat einen guten anhänglichen Charakter und ist sehr anpassungs­fähig. Mit seiner Familie unterwegs zu sein, zu reisen oder auch in größeren Hunderudeln zu leben, machen ihm nichts aus. Sensibilität und Neugier vereinen sich in ihm zu einem vorsichtigen Verhalten allem Unbekannten gegenüber. Das ist nicht zu verwechseln mit Ängstlichkeit, denn Mut und Tapferkeit beweist er beim Schaf. Der unbedingte Gehorsam und die Bereitwilligkeit, seinem Menschen alles recht zu machen, führen ihn oftmals bis an die Grenzen seiner Kräfte. ­Kindern gegenüber, aber auch mit anderen Hunden ist er sehr sozial und sehr umgänglich.

Die große Kooperationsbereitschaft, die der Border mitbringt, seine Aufmerksamkeit und verblüffende Lernschnelligkeit machen ihn bei Hunde­sportlern sehr beliebt. Dog Dancing, Agility, Fährte, Rettungsarbeit oder auch Obedience sind nur einige Sportarten, die er gerne ausführt. Wird ein Border Collie jedoch nicht gefordert oder wird er eben auch überfordert, sucht er sich andere Beschäftigungen, die dann für den Halter sehr schnell zu großen Problemen führen können. Das Fixieren der Beute zum Beispiel sollte auch dort bleiben, wo es hingehört, und zwar beim Schaf. Das Anstarren von Menschen, Rädern, Joggern oder anderen Hunden sollte unterbunden werden. Denn im schlimmsten Fall kann sich daraus eine Stereotypie entwickeln, die nur schwer wieder rückgängig gemacht werden kann.

Ein Border Collie sollte zwar ein gutes Temperament haben, doch der heute oft als typisch angesehene, hyperaktive Vertreter seiner Rasse ist nicht unbedingt typisch für den klassischen Arbeits-Border Collie! Der ideale Arbeitshund vereinigt körperliche Ausdauer und blitzschnelle Reaktionen mit mentaler Stärke. Er muss Ruhe und Autorität auf die Schafe ausstrahlen können.

Das übersteigerte Unterhaltungsprogramm für diese Hunde wie Ballspiele usw. ist mehr schädlich als dienlich, hört man aus Expertenkreisen. Ruhephasen sind wichtig und auch streng einzuhalten, sonst wird der Vierbeiner bald zum Actionjunkie und braucht stundenlanges Entertainment. Hat er dann plötzlich einen ruhigen Tag, ist er ganz nervös und versucht seine Power woanders anzubringen. Die Erziehung eines Border Collies sollte konsequent ausfallen.

Sieht man diesen Hund bei der Arbeit mit den Schafen, versteht man sofort, warum er so beliebt ist. Unermüdlich hält er die Schafe zusammen und beschützt die Herde. Durch seinen Arbeitseifer und seine Lernfähigkeit wurde er in Großbritannien schnell „The wisest dog in the world“. Dieser Hund ist kein fauler Sofabewacher, der mit der Runde um den Häuserblock zufrieden ist. Er will gefordert und gefördert werden, dies aber auch mit Maß und Ziel. Nicht jeder hat eine Schafherde im Garten stehen, nur um den Hund auszulasten. Aber es gibt inzwischen viele Vereine, die ein ­großes Angebot haben, auch eigene Herden oder andere Sportmöglichkeiten anbieten. Sollte Zeit Mangelware sein und ein unproblematischer Hund in Frage kommen, der einfach mitläuft, dann ist bei der Wahl eines Border Collies die Enttäuschung ­vorprogrammiert. Wenn man sich im Klaren ist, was für ein hoch­intelligenter Arbeitsspezialist dieser Hund ist, und wenn man auch die Zeit hat, viel mit diesem Tier zu arbeiten, dann jedoch wird man reichlich belohnt.

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