Britische Rassen – Inselcharme und Tea Time-Hunde

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Wie in den Porträts schon mehrmals erwähnt, darf man auf der Suche nach Herkunft und Historie der Hunderassen die Geschichte des Landes nicht außer Acht lassen, in dem sie entstanden sind bzw. heute noch leben. Mit den größten Einfluss auf die Entstehung der Britischen Hütehunde hatten wohl die Wikinger und die Franzosen. Es gibt natürlich weit mehr britische Rassen, als wir in diesem Porträt vorstellen können, daher haben wir ein paar einzelne Rassen ausgewählt, die näher vorgestellt werden.

Aus Lapphunden, den kleinen nordischen Spitztypen, und französischen Hütehunden entwickelten sich ab etwa dem 8. Jahrhundert die heute bekannten britischen Hütehunderassen. Bei den Wind- und Laufhunden auf der Insel sind sich so ziemlich alle Chronisten einig, dass diese Rassen von den alten keltischen Bracken und der Greyhound mit größter Wahrscheinlichkeit vom „Vertragus“ abstammen.

Bearded Collie – Lebensfreude pur
Die wohl ältesten Hinweise auf lang-zotthaarige Hütehunde finden sich in Asien. Die Tibeter waren und sind seit Urzeiten Hirten, die ihre Herden den Nutzhunden anvertrauten. Verblüffend ähnliche Hundearten findet man in den Anden in Südamerika, die genau wie ihre asiatischen Verwandten zum Hüten und Beschützen der Viehherden eingesetzt wurden. Eine entwicklungsgeschichtliche Verbindung kann unter diesen Hunden allerdings nicht hergestellt werden, eine Verwandtschaft ist also ausgeschlossen. Was man daraus aber schließen kann, ist, dass sich unter gleichen Umweltbedingungen und gleicher Aufgabenstellung sehr ähnliche Nutzhundformen entwickelt haben. Diese Tatsache bezieht sich nicht nur auf Hütehunde. Und so haben sich auch in Mittel- und Nordeuropa, oft völlig unabhängig voneinander, sehr ähnliche Hunde­typen entwickelt.

Erste aussagekräftige Hinweise auf Hütehunde in Britannien finden wir in der um 1300 verfassten Holkham Bible. Die dort dargestellten Hunde sind, bis auf die buschige Rute, aber alle noch sehr kurzhaarig. Auch der britische Hofarzt John Caius verrät uns 1570 in seinem „De Canibus Britannicis“ nicht wirklich, wie die Hunde damals optisch genau ausgesehen haben. Er beschreibt britische Hütehunde nur von der allgemeinen Statur her als klein und zierlich. In Buffons „Natural History“ (1749 – 1788) finden wir dann einen langhaarigeren Hund, und auf das heute bekannte Zotthaar deutet erst Vero Shaws ­Shepherds Dog aus seinem Buch „General Zoological or Systematic Natural History“ von 1811 hin.

Am interessantesten aber ist die Beschreibung eines Hundes von ­Ludwig Beckmann in seinem Buch aus dem Jahr 1895, Zitat: „Bei ruhigem Stehen sollte die Schulterhöhe 51 cm betragen … bedeutende Höhe ist nicht zu bevorzugen, denn sie benimmt die leichte Erscheinung des Hundes … Behaarung dicht, ge­nügend hart und stark mit Unterhaar … allgemeine Erscheinung die eines kompakt gebauten Hundes überall dicht behaart“. Diese Beschreibung könnte auch auf den heutigen Bearded Collie passen, doch hat Ludwig Beckmann vor über 100 Jahren mit diesem ­Standard einen Bobtail (Old English Sheepdog) gemeint. Interessant ist vor allem die Größenangabe von 51 cm Schulterhöhe.

Eine Verwandtschaft mit dem Polnischen Niederungshütehund (PoN), was immer wieder diskutiert wird, kann ziemlich sicher ausgeschlossen werden. Polen hatte in alten Zeiten niemals etwas mit Britannien zu tun. Trotz einer großen optischen Ähnlichkeit kann eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen PoN und Bearded Collie nicht bewiesen werden. „Ländergeschichtlich“ haben logischerweise die alten französischen Schäferhunde die Hütehunderassen der Insel mehr beeinflusst.

Sucht man nach sehr häufig auftretenden rassespezifischen Erbkrankheiten, wird man beim Bearded Collie nicht wirklich fündig. Obwohl fast alle Britischen Hütehunde vom so genannten MDR1-Defekt mehr oder weniger betroffen sind, scheint der Bearded weitestgehend davon verschont geblieben zu sein. (Ich habe inzwischen Daten von fast 400 Britischen Hütehunden gesammelt, von den Bearded war nur ein einziger dabei, der den Defekt aufwies. Die von mir erfassten Defekt-Träger können den Defekt vererben, sind selbst aber nicht betroffen.) Bearded Collie-Mischlinge waren alle zur Hälfte Langhaar Collies. Der Bearded Collie ist also eine alles in allem noch sehr gesunde Rasse. Das wird wohl auch daran liegen, dass diese Rasse niemals so einen Modeboom erlebt hat wie die anderen Collie-Schläge.

Der Beardie ist ein Clown, ein wirk­licher echter Kasperl. Selten trifft man auf solch eine, ihre Lebenslust wirklich auslebende Rasse. Nichts für den eher Sofa-orientierten Halter, denn der Beardie will etwas tun. Und wenn er was tut, kann es sein, dass er es sehr, sehr laut tut. Alle, wirklich alle Hunde dieser Rasse, die ich bisher kennen gelernt habe, machten den Britischen Hütehunden mit ihrer „Sprachgewandtheit“ alle Ehre. Großer Wert sollte auf die Fellpflege gelegt werden. Durch das heute bevorzugt seidigere Haar verfilzen Bearded Collies bei nachlässiger Kämmarbeit schnell.

Greyhound – verehrt und verstoßen
Wie eingangs schon erwähnt, wurden bereits im von Arrianus über­arbeiteten „Kynegetikos“ Hunde wie folgt beschrieben: „Die flüchtigen, keltischen Hunde werden auf keltisch Vertragus, Schnellfuß, genannt wegen ihrer Schnelligkeit“. Arrianus hinterlässt uns eine exakte Beschreibung der Hunde, die damals zur Hetzjagd eingesetzt wurden: „Fürs erste nun seien sie lang gestreckt vom Kopfe nach der Rute … schlecht sind aber die dickköpfigen und alle mit breiter, nicht spitzig sondern platt ­auslaufender Schnauze … die Augen seien groß, vorstehend, rein glänzend den Anschauenden erschreckend, und am besten sind die feurigen wie bei Leoparden, Löwen oder Luchsen … die Farbe mag sein wie sie will, das macht keinen Unterschied, durchaus schwarz, weiß und rot und auch die Einfarbigkeit braucht man nicht als etwas wildartiges zu verdächtigen.“

Theorien über die Herkunft des Namens gibt es hier wie bei fast allen Rassen, die nachweislich uralt sind, jede Menge. Raphael Holinshed schreibt 1577 in “The Chronicles of England, Scotland, and Ireland” von “Greihounde” aus Zeiten des Königs Cranthylinth (3. Jahrhundert nach Chr.). Edward Ash leitet den Namen vom Greekhound ab, einem Hund, der ursprünglich aus Griechenland stammt. Rüdiger Daub bringt das lateinische Wort „gracilis“ in Spiel, andere wiederum nehmen das „grey“ wörtlich und beziehen sich auf die Farbe. Da schon Arrianus keine bestimmte Farbe besonders ­herausstellt, grau nicht einmal ­explizit erwähnt, kann auch diese Theorie nicht standhalten.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts antwortet Dr. John Caius seinem Freund Conrad Gesner auf einen Brief, in dem Gesner Caius um Informationen zu britischen Hunden bittet, und bezeichnet die Windhunde darin als „Grehond“. „Gre“ war damals die Bezeichnung für vornehm und von Rang. Das erscheint als die plausibelste Erklärung, da die Haltung von Hetz- und Windhunden damals ausschließlich dem Adel vorbehalten war. Könige bannten diese Hunde gerne auf ihre Siegel. So auch König Edward III. und König Charles II., deren Siegel fast schon identisch, nur seitenverkehrt aussehen. Und es gäbe noch sehr, sehr viel über diese Hunde zu erzählen, so unendlich ausführliche Informationen gibt es von der frühesten Antike bis heute. Es waren die Hunde der Edelleute, und so blieb diesen wunderbaren Rassen auch das Kupieren erspart.

Andere Windhundrassen
Windhunde sind, was auf Bildern eindeutig nachzuweisen ist, so erhalten geblieben, wie sie schon vor Tausenden von Jahren aussahen. Windhunde aus der Zeit der alten Ägypter und der Antike stellen sich uns genau so dar, wie sie heute noch vorhanden sind. Vor allem der Sloughi scheint hier alle Rekorde zu brechen. Sein Entstehungszeitraum wird mit dem Jahr 6000 v. Chr. an­gegeben. Und diese Rassen werden in ihren Ursprungs­ländern großteils auch heute noch im gleichen Arbeitsbereich eingesetzt. Als reiner Familien- und Begleithund werden diese Rassen eher selten gehalten. Einen leichten „Modetrend“ erlebte der Afghanische Windhund. Es gab Zeiten, da sah man die langhaarigsten aller Windhunde häufiger. Heute sind sie wieder selten geworden, typische Moderassen gab es aber unter den Windhund­schlägen nicht wirklich. Bis auf Longhaired Whippet und Silken Windhound, die häufiger vom MDR1-Defekt betroffen sind, finden sich bei Windhunden nicht wirklich gravierende Erbkrankheiten.

Verheizt auf der Rennbahn
Es gibt wirklich nicht viele Rassen auf der Welt, mit denen solcher „Raubbau“ betrieben wird. Hunde, die bei Untauglichkeit so kaltblütig getötet werden wie Windhunde. In Massen produziert, fristen vor allem Rennhunde in Großbritannien ein in allen Bereichen meist mehr als tierschutzwidriges Leben. Sie müssen hungern, sie müssen frieren, werden in Massen in Zwingern gehalten, und wenn der Hund ausgebeutet wurde oder nichts einbringt – Ende. Weit über 10.000 Hunde, die nicht für Hunderennen taugen, werden oft schon als Junghunde, da sie nicht den nötigen Hetztrieb zeigen, getötet. Mit kritischen Augen schauen wir meistens nur zu unseren Nachbarn in den Süden, zu den spanischen Galgos und den portugiesischen Podencos. So sind es Spanien, Portugal und die ­Türkei, die meist im Fokus der Tierschützer sind. Dabei werden die ­britischen Windhunde genau so gequält, aber leider oft vergessen.

King Charles Spaniel und Cavalier King Charles – Schätze, die vom Himmel fallen

Über die Herkunft des Spaniels scheiden sich die Geister. Juliane Berners, die Priorin eines Nonnenklosters und Autorin des Buches „Book of Field Sports“, beschreibt 1486 einen „Spanyel“ und behauptet, die Hunde wären aus Spanien nach Britannien gekommen. Richard Strebel dagegen ist überzeugt, dass die altdeutschen Wachtelhunde die Ahnen der Spaniels sind, wogegen J. Castaing die Spaniels als Abkömmlinge der französischen Epagneul-Schläge einordnet. Sicher ist, Stöberhunde sind überall dort entstanden, wo Vogeljagd vor allem mit Falken betrieben wurde. Die Aufgabe der Hunde war es das Wild aufzustöbern, aufzuschrecken, so dass es vom Falken oder Jäger erlegt werden konnte. Und wieder findet man unter den oft isoliert entstandenen Rassen eine große optische Ähnlichkeit.

Genau so ungeklärt wie die wirkliche Herkunft der Spaniels ist, so unklar ist die Entstehung des King Charles Spaniels. Irgendwie war er dann auf einmal da, wie vom Himmel gefallen. Einen der ersten aussagekräftigen Anhaltspunkte liefert uns der Maler Anthonis van Dyck 1630 mit dem Bild „Die Kinder King Charles“. Rechts auf dem Bild sieht man einen ziemlich kleinen, braun-weiß gefleckten Hund mit relativ kurzer Nase. Diese Darstellung kommt dem heutigen King Charles schon sehr nahe. Es ist angesichts der Zeit, in der dieses Bild entstand, sehr unwahrscheinlich, dass der Japan Chin in den ­Spaniel eingekreuzt wurde, wie ja gerne angenommen. Naheliegender wären, wenn überhaupt, die kontinentalen Zwergspaniels, also der Papillon und der Phalène. Diese Hunde sieht man ebenfalls bereits auf Gemälden aus dem 15. Jahrhundert. Auch sie waren, wie der King Charles Spaniel, beliebte Spiel- und Schoßhündchen der Könige und ihrer Damen als Gesellschafter bei der Tea Time. Letztendlich kann man aber wohl davon ausgehen, dass es auch bei dieser Rasse so war wie bei vielen anderen. Durch Selektion der schon vorhandenen Hunde auf gewünschte Optik entwickelte sich die Rasse sozusagen als „Selbstläufer“. Zur Weiterzucht verwendete man schlicht und einfach immer die Hunde, die die kürzesten Nasen aufwiesen und so dem angestrebten optischen Zuchtziel am nächsten kamen. Allen Recherchen zufolge konnte ich beim besten Willen keinen Beweis dafür finden, dass im King Charles und im Cavalier Fremdrassen stecken. Es gibt definitiv keine wirklich aussage­kräftigen Nachweise, nur Theorien und Annahmen.

Im Laufe der Zeit wurden die Nasen immer kürzer, die Atemprobleme der Hunde nahmen zu. 1926 setzte der Amerikaner Roswell Eldridge ein Preisgeld in Höhe von 25 Pfund auf jeden Zwergspaniel MIT Nase aus, der so aussah wie die Hunde auf dem Bild von van Dyck. Wären die Züchter nur mal dabei geblieben und hätten ihre Rasse nach dem alten Vorbild weiter gezüchtet. Schlimme Erbkrankheiten wie z.B. Endokardiose (Degeneration der Herzklappen) und Syringobulbie (Missbildung des Gehirns) wären den Hunden erspart geblieben. Leider unterlagen auch diese wirklich ent­zückenden Hunde dem fatalen Modetrend zum Kindchenschema. Immer größere Augen und noch kürzere Nasen ließen Hunde dieser Rasse nicht wirklich gesund wirken. Solange aber Richter auf Hundeausstellungen immer wieder Hunde mit übertriebenen Rassemerkmalen aufs Podium heben, wird sich wenig bis nichts ändern. Es wäre dringend an der Zeit, bei Hunde­ausstellungen nicht nur die Optik, sondern auch die Gesundheit der dort vorgestellten Hunde zu bewerten. Ausstellungsrichter müssten endlich in Genetik und einem „kleinen medizinischen Wissen“ geschult werden und nicht nur nach äußerer Erscheinung bewerten. Vor allem beim Cavalier scheint sich das Blatt nun aber doch in die richtige Richtung zu wenden. Züchter achten immer mehr auf die Gesundheit ihrer Tiere.

Heute findet man wesentlich mehr Informationen über den Cavalier King Charles. Der „ältere“ King Charles Spaniel scheint aus der Mode zu sein. Der King Charles ist gering­fügig kleiner als der Cavalier, mit fast dem gleichen Gewicht aber etwas kompakter. Nein, es sind nicht nur Schoßhunde. Vor allem der „jüngere Bruder“ des King Charles, der Cavalier King Charles, ist alles andere als ein Langweiler. Mit mittlerem bis gutem Temperament ausgestattet sind sie wunderbare Begleit- und Sporthunde.

Manchester Terrier und Patterdale Terrier – Wiege der Terrier
Gestaltet es sich beim King Charles recht schwer, genaue ­Informationen zu finden, fällt es bei den ­Terriern wiederum sehr leicht. Es liegt wohl daran, dass früher Hunde, die als „Nutzhund“ gearbeitet haben, ­genauer beschrieben und schon sehr früh auf Arbeitsleistung rein gezüchtet ­wurden. Diese Selektion begünstigte eine lokal entstehende optische Ähnlichkeit der dort verwendeten Hunde fast von alleine. Und gerade die Terrier sind im Mutterland der Hundezucht akribisch beschrieben worden, ihre Stammbäume weitestgehend fast vollständig erhalten. Terrier sind nachweislich eine uralte Nutzhundegruppe.

Um das Jahr 200 n. Chr. hinterlässt uns Oppian von Apamea in seinem Werk „De Venatione“ (Von der Jagd) die genaue Beschreibung eines Hundes, den er „Agassin“ nennt. Der optischen Erscheinung und der beschriebenen Verwendung nach könnte es sich dabei um einen Vorläufer der heutigen Terrierschläge handeln. Züchter und Autoren sind sich darüber einig, dass der Manchester Terrier eine der ältesten aller Terrierrassen ist. Ein Hinweis darauf könnte die Farbe black-and-tan sein. Behaupten alte Kynologen doch, dass dieser Farbschlag eines der ältesten Domestikationsmerkmale des Hundes ist. Emil Hauck datiert eines der ersten Bilder, auf dem ein kleiner, schwarz-roter Terrier zu sehen ist, in das Jahr 1500.

Betrachtet man den Black-and-Tan-Terrier, den Vero Shaw 1889 in seinem „The illustrated Book of the Dog“ zeichnet, genauer, erscheint die Ähnlichkeit zum alten Schlag der britischen Bull and Terrier sehr augenfällig zu sein: „Die alten Black-and-Tan-Terrier hatten runde Schädel, stark markierten Stopp und kurze Schnauzen … die Ohren sind kurz kupiert … die Farben meist verwaschen … das Schwarz stark mit Braun durchsetzt … die Abzeichen mehr gelb als tanfarbig“. Auch das Fell muss in der damaligen Zeit, als Terrier noch „Gebrauchstiere“ waren, anders gewesen sein. ­Hätten die Terrier von damals ein derart leichtes, kurzes Fell getragen, wären sie für die Jagd auf Dachs, Otter und Fuchs nicht zu gebrauchen gewesen. Viel Ähnlichkeit mit dem heute sehr „spitznasigen“ und extrem kurzhaarigen Manchester Terriern findet man in den damaligen Hunden nicht.

Zitat: „Es ist die Wahrheit, wenn wir heute davon ausgehen, dass der Old English Terrier der Stammvater all der vielen verschiedenen Terrierrassen ist“, schreibt Tom Horner in „Terrier dieser Welt“. Auch der Old English Terrier muss aber Vorfahren gehabt haben, sonst gäbe es ihn ja nicht. Mit Sicherheit ist aber der Old English einer der Stammväter des Manchester Terriers. Die Darstellung eines Old English White Terriers von Richard Strebel  im Buch „Die deutschen Hunde“ aus dem Jahr 1905 unterscheidet sich von dem Bild eines Manchester Terriers im gleichen Buch ausschließlich nur in der Farbe. Ansonsten sind hier zwei völlig identische Hundetypen zu sehen. Der Manchester Terrier des 20. Jahrhunderts sieht also völlig anders aus als die von Shaw beschriebenen Hunde.

Nicht nur optisch ein naher Verwandter ist der Patterdale Terrier, auch „Black-Fell-Terrier“ genannt. Er verdankt seinen Namen dem Ort Patterdale in Cumberland und trägt heute noch das etwas längere Fell, das wohl in frühen Jahren auch den Manchester Terrier schmückte. ­Welcher dieser Schläge älter ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Richtet man sich nach den Beschreibungen der Kynologen aus der Antike und den Bildern von Zeichnern der ersten Stunde, wage ich zu behaupten, der Patterdale Terrier, also der Cumberland-Schlag ist älter. Vor allem der black-and-tan Farbschlag des Patterdales ähnelt den Vero Shaw-Zeichnungen verblüffend.

Jagdtrieb haben beide Rassen, und das nicht wenig. Der ­Patterdale noch mehr als der ­Manchester, da der Patterdale ­Terrier heute noch auf Arbeits­leistung hin selektiert wird. John Hulme, ein ­Züchter aus Manchester, kreuzte angeblich das Whippet ein. Glaubt man Tom Horner, wurden in den alten Black-and-Tan-Terrier ­Staffordshire Bull Terrier und kleine Greys ­bei­gemischt. Dem Manchester kann man das Whippet abnehmen. ­Körperbau und der oft gezeigte sogenannte „Karpfenrücken“ deuten darauf hin. Der Patterdale ist meinen Recherchen zufolge aber noch so erhalten, wie er im 15. Jahrhundert schon ­aussah. Die Ohren und die Rute werden im deutschsprachigen Raum heute selbstverständlich nicht mehr kupiert.

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