Bürohunde – Hundebüro

0
1005

Nach dem humoristischen Einblick in Meiers Büroalltag möchten vielleicht mehrere Leser ihren Hund auch mit an den Arbeitsplatz nehmen. Dies bedarf jedoch einiger gründlicher Vorüberlegungen.

Man muss wirklich jedem Arbeitgeber, der Hunde in seiner Firma zulässt, danken! Diese Möglichkeit, seine Hunde mit zur Arbeit zu nehmen, erleichtert erfahrungsgemäß dem Arbeitnehmer den Arbeits- und Alltagsablauf enorm. Davon profitiert sicherlich auch der Arbeitgeber, denn so ist eine ­größere Flexibilität gewährleistet und an­fallende Überstunden stellen kein Problem dar.

Was bringt der Hund im Büro?
Die positiven Auswirkungen von Hunden auf das Sozialklima sind seit langem bekannt und wissenschaftlich belegt. Sowohl in Schulklassen wie auch in Seniorenheimen steigen die Motivation und die Kommunikationsbereitschaft der Menschen, Aggressions­pegel sinken merklich, es wird konstruktiv ­gearbeitet, aber auch mehr gemeinsam unternommen. Obwohl eine Firma zugegebener­maßen weder das Eine noch das ­Andere ist, könnte man im Altersdurchschnitt zwischen beiden ­Situationen ja ganz gut liegen …

Untersuchungen von Menschen mit Hunden zeigen allgemein eine gesundheitsfördernde Wirkung. Inzwischen ist auch bekannt, woran das liegt: Menschen, also auch Arbeitnehmer, die von ihren Hunden öfter angeschaut oder gar angespielt werden, haben einen messbar höheren Spiegel des „Vertrauens- und Bindungshormons“ Oxytocin, das das Stresshormon ­Cortisol hemmt. Dadurch werden z.B. Blutdruck und Bluttfette gesenkt. Die Wirkung ist nicht nur allgemein stressdämpfend, beruhigend und deeskalierend („rosarote Brille“), ­sondern brachte in anderen Studien auch deutlich bessere Konzentrations- und Prüfungsleistungen. So entspannt man sich allein durch die Anwesenheit des „Kollegen Hund“. Das sorgt natürlich auch im Büro für ein positives Betriebsklima. Natürlich lenkt ein Tier zwischendurch auch mal ab, aber wenn der Mitarbeiter dafür in der restlichen Zeit effektiver arbeitet, kann man die kurzen „Schmusepausen“ kaum negativ bewerten.

Was sollte man beachten?
Einen rechtlichen Anspruch auf die Mitnahme des Tieres ins Büro gibt es nicht. Ausnahmen gelten nur für behinderte oder blinde Menschen, die im Alltag auf einen hundlichen Begleiter angewiesen sind. Der Chef kann ganz alleine entscheiden, ob er Tiere in seiner Firma akzeptiert oder nicht. Im Vorfeld sollte man übrigens unbedingt abklären, ob Allergien oder Phobien bei Arbeitskollegen bestehen.

Voraussetzung ist natürlich ein sozial­verträglicher, aggressionsfreier und wohl erzogener Hund, der kein Problem mit fremden Menschen und ungewohnten Geräuschen oder Situationen hat. Ein Dauerkläffer wird wohl auch eher ungern gesehen und gehört sein.

Wie macht man‘s am besten?
Besonders wichtig ist es, seinem Hund einen festen Platz im Büro zuzuweisen, auf den er sich jederzeit zurückziehen und entspannen kann, der anderereits aber auch unter der Kontrolle des Besitzers steht. Außerdem sollte ihm natürlich ständig Wasser zur Verfügung stehen.
Alle drei bis vier Stunden sollte man eine kleine gemeinsame Runde drehen – natürlich auf Kosten der eigenen Pause und nicht auf Kosten des Unternehmens! Außerdem versteht sich von selbst, dass der Hund vor einem langen Arbeitstag im Büro ausreichend ausgelastet werden sollte.

Die Arbeitszeiten gelten auch für den Hund, darum sollte man gar nicht erst anfangen, ihn im Büro zu bespaßen und ihn hochzudrehen. Das sollte man auch den Kolleg/inn/en beibringen. Evtl. kann man ihm zur Beschäftigung zwischendurch mal einen Kauknochen oder einen Kong anbieten oder ihn in den Pausen mit Nasenarbeit, wie z.B. versteckten Leckerchen auslasten. Aber ansonsten muss er lernen, dass es im Büro heißt, Ruhe zu geben.

Sollte doch einmal etwas zu Bruch gehen, greift hier die normale Hunde­haftpflichtversicherung, die jeder Hundebesitzer haben sollte. Wenn man sich diese Punkte zu Herzen nimmt, sollte ein Hund im Büro kein Problem darstellen.

Es wäre sehr wünschenswert, dass zukünftig mehr Arbeitgeber Hunde­besitzern und ihren Vierbeinern eine Chance auf einen gemeinsamen (Arbeits-) Alltag geben würden und dadurch von den positiven ­Effekten von Bürohunden profitieren würden!

TEILEN
Vorheriger ArtikelGraue Fellgesichter – Erschöpfte Menscheneltern
Nächster ArtikelUnd ewig lebt das Dönertier
Avatar
Strodtbeck, Tierärztin, vierfache Hundehalterin und WUFF-Lesern durch mehrere
Artikel bereits gut bekannt. Verhaltensmedizinische Beratungen gemeinsam mit
PD Dr. Udo Ganslosser. Website: www.einzelfelle.de, www.strodtbeck.de

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT