Cache–Dogs – Vierbeinige Schatzsucher

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Nein, in diesem Artikel geht es nicht wieder um eine neu kreierte Hunderasse. Cache-Dogs oder „Cache-Hunde" sind Hunde, die mit ihren Besitzern Schätze suchen und dabei oft selber, wen wundert´s, sehr erfolgreich sind.
Bei diesen Schätzen handelt es sich natürlich nicht um wertvolle Münzschätze und dgl., sondern um wasserdichte Dosen in ver­schiedenen Größen, die mit Kleinigkeiten und Logbüchern bestückt gut getarnt in Feld, Wald, spannenden Gebäuden und auch Städten ­versteckt sind. Mancher Leser wird es vielleicht schon erkennen, um was es hier geht: Richtig – es geht ums Geocaching.

Geocaching – oft als ­weltweite „Schnitzeljagd per GPS" bezeichnet – ist eine Freizeitbeschäftigung, die vor gut 20 Jahren aus den USA zu uns schwappte. In den letzten Jahren hat Geocaching zunehmend begeisterte Anhänger unter Hundefreunden gefunden. Die reizvolle Mischung aus ein bisschen Abenteuer, Rätsellösen und Natur­erlebnis faszinierte auch die Autorin, nachdem sie vor über zwei Jahren mit dem Cachevirus „infiziert" wurde.

Schatzsuche mit Hund
Da sich „Geocacher", egal ob alleine oder mit Familie, zur Ausübung ihres Hobbys viel in der Natur aufhalten, sind natürlich auch ihre bellenden Familienmitglieder bei Wind und ­Wetter mit von der Partie. Inzwischen wird in einigen Hundeschulen sogar schon diese Schatzsuche als Beschäftigungskurs für Hunde angeboten. Ein Zusatzangebot zur bekannten Nasenarbeit wie ZOS (Zielobjektsuche), Fährte, Mantrailing usw. Allerdings – Cache-Dogs brauchen eigentlich keine besondere Ausbildung, um die Schätze (Caches) aufzuspüren. Aus eigener Erfahrung reicht meist schon das mehrfache Miterleben, wie sich Frauchen oder Herrchen über etwas tierisch freuen, das sie gerade an einem Baum oder in einer Felsspalte gefunden haben. Verbunden mit Begeisterungsgesäusel und „Schau mal eine Dose" hat Shari, der Cachesuchund der Autorin, schnell begriffen, um was es geht und schon viele Male den Schatz eher erschnuppert als Frauchen mit den Augen suchen konnte. So eine fleißige Helferin, deren es in der großen Geocacherfamilie viele gibt, ist also sehr praktisch. Und so manchen Hund freut es bestimmt auch, wenn Frauchen oder Herrchen seinem Anzeigeverhalten Beachtung schenken, anstatt schwatzend an dem Cache vorbeizuziehen.

Welche Duftstoffe die Vierbeiner bei dieser Art der Suche ­olfaktorisch tatsächlich erfassen, kann man nur vermuten, denn sie sind ja mit den versteckten Behältern nie in Berührung gewesen. Sind es die ungewohnten Menschenspuren, die abseits des Weges z.B. einen Abhang rauf oder runter führen oder doch eher der normalerweise nur selten im Wald zu findende Kunststoff des Cache­behälters? Wie unterscheiden sie Müllkunststoff von Cachematerial? Viele Fragen, die sehr interessant wären zu analysieren.

Wie kommt der Schatz (Cache) in sein Versteck?
Irgendein Cacher (wie Anhänger des Geochachings genannt werden) hat irgendwo irgendetwas versteckt. Das Versteck wird mit seinen ausgemesse­nen geografischen Koordinaten für den Längen- und den Breitengrad im Internet unter einer GC-Nummer veröffentlicht und mit einer Beschreibung sowie mit Angabe von Größe, Schwierigkeitsgrad und Inhalt der Dose versehen. Solche Caches sind auf der ganzen Welt versteckt. Auf solchen Internetseiten wie zum Beispiel http://www.geocaching.com sind dann diese Verstecke für Schatzsucher nach vorheriger Registrierung mit einem selbstgewählten Cachernamen durch Aufruf diverser Suchkriterien wie Postleitzahl, Stadt usw. zu erkennen. Hat man sich ein Ziel ausgesucht, geht es an die Schatzsuche, bei der man sich der Unterstützung technischer Geräte wie GPS oder z.B. auch iPhones (mit entsprechender App) bedienen darf. Nach dem Fund des Caches müssen sie sich handschriftlich im Logbuch, das sich im Behälter findet, und später dann zu Hause auf der oben genannten Internetseite „loggen". So weiß dann auch derjenige, der den Cache versteckt hat, von wem und wie oft sein Schatz gefunden wurde. Hat man den Cache nicht gefunden, trägt man auch dies auf der entsprechenden Internetseite ein. Dann weiß der Cacher, dass vielleicht etwas mit ­seiner Beschreibung nicht stimmt.

Wie sehen Caches aus und welche gibt es?
In der Regel sind Caches wasserdicht verschließbare Behälter, von fingerhutkleinen Döschen über Filmdosen, Tupperbehälter bis hin zu ausrangierten alten Munitionskisten oder Eimern, die mit Raffinesse getarnt und versteckt sind. Sie bieten in der Regel Platz für kleine Tauschgegenstände und beinhalten eventuell sogar „Travelbugs" oder „Coins". Das sind einmalige Gegenstände, die mit bestimmten Zielen von Cache zu Cache wandern und im Internet extra gelogged werden müssen.

Es gibt viele interessante Cachetypen, deren ausführliche Beschreibung hier den Rahmen sprengen würde, daher sei nur auf die gängigsten eingegangen:

• Als „Traditional" werden Caches bezeichnet, die direkt an den angegebenen Koordinaten nach mehr oder weniger verzweifelter Suche zu finden sind.

• Bei manchen Caches, den sogenannten „Multi-Caches", führen die Lösungen mehrerer Aufgaben von Station zu Station bis man am Ende die Koordinaten für den Finalplatz mit dem Cache errechnet hat.

• „Mystery-Caches" sind ebenso sehr beliebte Rätselcaches mit Schwierigkeitsgraden von 1-5, die oft schon vor dem „Outdoorteil" zuhause am PC gelöst werden müssen, damit man die Versteckkoordinaten des Caches bekommt.

Bei der Auswahl der Verstecke verschlägt es einem schon manchmal die Sprache, welch raffinierte Ideen sich die Cacheeigentümer ausdenken. Daher sind Caches nicht immer einfach zu finden. Hohe Schwierigkeitsgrade und/oder grandiose Tarnung bei allen drei erwähnten Cache-Typen haben schon so manchen Cacher schier verzweifeln lassen. Und ­gerade hier kommen unsere Cachehunde ins Spiel mit ihrem fantastischen Geruchssinn. Sollten aber ihre Nasen mit wichtigeren Dingen befasst sein, muss man unter Umständen auch mal frustriert unverrichteter Dinge ­weiterziehen, weil der Cache sich definitiv nicht finden lassen wollte. Aber so ist das Leben, und es gibt Schlimmeres.

Es gibt auch ganz besondere Caches, sogenannte „Earth-Caches". Für diese ist die Beschreibung ­ausreichend und keine Technik notwendig, aber sie dürfen erst nach Erfüllen von bestimmten Voraussetzungen gelogged, also im Internet als gefunden eingetragen werden. Sehr beliebt sind auch Event-Caches, vor allem zum Austausch von Cachernews auf Geocacher-Stammtischen oder -Treffen. Wer mag und kein Zuhause hätte, könnte fast jeden Tag an einem anderen Event teilnehmen. Die Termine für solche Treffen werden wie „suchbare" Caches im Internet veröffentlicht und die Teilnahme darf auch gelogged werden.

Wer nun glaubt, dass es sich bei den Events nur um trockenes Zusammensitzen handelt, der irrt gewaltig. Vom – tatsächlich auch – gemütlichen Beisammensitzen bis zu spektakulären Kletteraktionen, Waldputztagen oder Flashmob-Aufrufen ist für jeden Geocacher das Passende dabei, um sich mehr oder weniger sportlich zu betätigen. Wobei allerdings manche dieser Aktionen nur bedingt für die Mitnahme eines Hundes geeignet sind.

Was ist Loggen?
Nach dem Fund eines Caches verewigt man sich mit seinem Cachernamen und Datum im beiliegenden Logbuch. Man hat auch die Möglichkeit, aus dem Cache etwas mitzunehmen, sollte aber immer etwas Gleichwertiges als Tausch hinterlassen, bevor man den Cachebehälter wieder gut getarnt verlässt. Zuhause angekommen wird sich der Cachehund erfahrungsgemäß gerne zum Ruhen zurückziehen, während seine Menschen am Computer die gefundenen Caches auch noch auf der entsprechenden Internetseite, meist ist dies http://www.geocaching.com, eingeben, also „loggen", mit Angaben zu Datum, Uhrzeit und – wer mag – auch mit kurzen Sucherfahrungen. Die Eigentümer der Caches legen sehr viel Herzblut, Begeisterung und Engagement in ihre Caches und freuen sich natürlich über nette Logs (Einträge) mit Erfahrungsberichten, ähnlich wie Künstler über ihren wohlverdienten Applaus.

Achtung Muggels
Nein, Sie haben sich nicht verlesen, Sie sind nicht bei Harry Potter. Muggels heißen beim Cachen die noch nicht „Geocaching-Infizierten". Diese sollten auf keinen Fall beobachten können, dass ein Cache gehoben oder zurückgelegt wird. Diebstähle oder Zerstörungen der Behälter sind sonst möglicherweise die Folge. Muggelhunde, Automuggels, Fahrradmuggels usw. sind nur einige der beliebten Ausdrücke in der Geocachersprache und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt für eine liebevolle Bemerkung zu Nichtcachern.

Achtung, eine ganz wichtige Warnung muss auf jeden Fall ausgesprochen werden: Geocachen kann süchtig machen, dagegen hilft auch kein Arzt oder Apotheker!

Auch wenn diese Beschäftigungsart aus den USA zu uns nach Europa gekommen ist, so befinden sich nach Insiderauskünften eines ehrenamtlichen Mitarbeiters bei Geocaching.com die meisten Cachefreunde in Deutschland, genauer in Nordrhein-Westfalen. Wie viele Cachedogs es gibt, ist bislang leider noch nicht belegt.

Wichtig!
Bei aller Begeisterung sollte es selbstverständlich sein, dass man seinen Vierbeiner während der Cachesuche unbedingt im Auge behält, da viele Caches in wildreichen Regionen oder Naturschutzgebieten liegen. Bei vorschriftsmäßig verlegten Caches müssen Sie die Wege nicht weit verlassen, evtl. mal ein paar Meter abseits. Manche technische Helfer zeigen die Distanz bis zum Cache in Luftlinien-Entfernung an, was nicht bedeutet, dass Cacher (ob mit oder ohne Hund) dann auch tatsächlich querbeet durch Unterholz, Wälder oder Felder gehen dürfen. Privatgrundstücke zu respektieren und Rücksichtnahme auf Wildtiere sorgen nicht nur beim Cachen für eine freundliche Akzeptanz.

INFO

Was ist Geocaching?
Von Griechisch geo (für Erde) und Englisch cache, dieses wiederum ein Lehnwort aus dem Französischen cache (für Versteck) abgeleitet, ist Geocaching eine spannende Freizeitbeschäftigung, die zunehmend auch Hundehalter interessiert.

Ein „Owner" versteckt in einem Gelände einen „Cache", einen wasserdichten Behälter, in dem sich neben einem Logbuch kleine Tauschgegenstände befinden. Im Internet veröffentlicht er geografische Angaben bzw. GPS-Daten dazu. „Geocacher" suchen dann nach diesen Verstecken, tragen sich im Logbuch ein, tauschen ev. einen kleinen Gegenstand im Behälter gegen einen anderen und verstecken den Cache dann wieder an derselben Stelle. Im Internet dokumentieren sie dann ihren Fund.

http://www.geocaching.comDie Registrierung auf dieser Website ist unkompliziert und seriös (ohne Dauerabo für eine monatliche ­Zeitungslieferung …). Gewöhnlich genügt die Basismitgliedschaft für die Freizeitbeschäftigung völlig aus und ist kostenfrei.

Ausstattung / Geräte:
– iPhone bzw. GPS-fähige Handys mit App Geocaching

– GPS-Geräte, als günstigste ­Variante ab ca. 100 Euro. Je nach Erwartung und Sucht-Niveau kann man natürlich auch in dieses Hobby ordentlich investieren und viele hundert Euros für GPS-Geräte und Ausrüstung anlegen anstatt für Hundeleckerchen.

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Brita Günther und ihre Shari, eine dreijährige Golden Retriever-Weißer Schäferhund-Mischlingshündin, wurden vor über zwei Jahren mit dem Geocachervirus infiziert und haben dadurch auf Wanderungen schon viele ­schöne Gegenden kennengelernt, in die sie laut eigenen Angaben sonst nie gekommen wären.

Shari ist ein begeisterter Cachesuchhund und hat schon so manche Dosen erschnüffelt, die Frauchen nicht oder zumindest nicht so schnell gefunden hätte. Beide leben mit ihrem 12-jährigen Kater Lucky, der allerdings keine Cachecat ist, in Remscheid.

www.tiertime.de

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