Camping – Urlaub mit dem Hund

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In vielen Hotels ist man mit Hund nicht gern gesehen und wenn doch, dann bekommt man oft die schlechtesten Zimmer. Alle Hundebesitzer kennen diese Problematik, wenn man beispielsweise mit dem Hund baden war und dann mit dem noch feuchten und sandigen Hund ins Zimmer geht. Außerdem: Der Hund darf nicht ins Restaurant, nicht in den Frühstücksraum, darf nicht dies und nicht das …

Naturidylle und Vogelfreiheit
Ich hatte es satt, im Urlaub ständig mit Einschränkungen leben zu müssen und als Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden. Durch gute Freunde kam ich auf die Idee, einmal Campingurlaub mit dem Hund auszuprobieren. Naturidylle und Vogelfreiheit schwebten mir andauernd im Kopf herum. So beschloß ich, mir einen Wohnwagen anzuschaffen. Jedoch ein bestimmter Wohnwagen sollte es sein. Keine dieser unansehnlichen „Kisten“, die ich jahrelang auf der Autobahn beschimpft und verflucht hatte. Ein runder, etwas altmodisch wirkender „Eriba Touring“ sollte es sein.

Die Wohnwagensuche
Da gut erhaltene Wohnwägen dieses Typs teilweise als Liebhaberstücke gehandelt werden, war es in Österreich unmöglich, einen solchen aerodynamischen Flitzer zu bekommen. Im Internetzeitalter ist das aber kein Problem und so fand ich schließlich in München ein geeignet erscheinendes Modell. Ich hab dieses runde Ding abgeholt, von beige-braun auf silber-blau umlackiert, typisiert, angemeldet und schon war er einsatzbereit, mein „Eriba Touring Troll“. So, nun war ich auch einer von denen, die auf der Autobahn dahin schleichen, einer von denen, die ich früher immer „Wohn-Schnecken“ genannt habe. Jetzt, wo ich selber einer von denen bin, ist alles anders. Meine Vorurteile gegen diese „Wohn-Schnecken-Menschen“ sind verflogen und ich spüre erstmals dieses Gefühl von Vogelfreiheit in mir. Nun verstehe ich alles, ein Gefühl, das mich in die Ferne zieht und mich nicht mehr heimkehren lassen will.

Erster Stopp – Tschechei
Den ganzen Juni gab es keinen Regen und kaum Wolken. Am 23. Juni war es dann soweit. Der Urlaubsbeginn war da – und auch der Regen. Es war 14 Uhr, als ich den Wohnwagen an mein Auto ankuppelte und punktgenau um 14 Uhr begann auch der Regen. Dennoch konnte mich jetzt nichts mehr von meinem Vorhaben abbringen. Mein erstes Ziel war der Lipno-Stausee bei Horny Plana in der Tschechei, wo ich mich mit Freunden, alles erfahrene „Hunde-Camper, verabredet hatte. Nach fünfstündiger Fahrtzeit angekommen, waren meine Freunde aus München bereits vor Ort und halfen mir beim Aufstellen meines Wohnwagens und der Sat-Anlage – denn informiert muß man schließlich ja bleiben.

Frühstück im Regen
Wir waren fünf Leute mit drei Wohnwägen und drei Hunden. Ein Bullterrierrüde, eine Bullterrierhündin und mein Am. Stafford Toni. Gleich am nächsten Morgen versuchten wir das Glück zu bezwingen und deckten unseren Frühstückstisch trotz Nieselregens im Freien unter Bäumen auf. Der Wettergott hat es jedoch nicht gut mit uns gemeint und bescherte uns sogleich einen Dauerregen und 9 Grad Celsius. Resignierend packten wir unsere sieben Sachen und verdrückten uns in unsere Wohnwägen. Nach dem Motto positiven Denkens suchte ich auch in dieser Situation nach Positivem. Nun, ich erfreute mich schließlich am romantisch prasselnden Geräusch der Regentropfen am Wohnwagendach und daß ich meine Umluft-Zentralheizung endlich ausprobieren konnte. In den kurzen regenlosen Perioden packten wir unsere Hunde aus, legten sie an eine drei Meter lange Kette und setzten uns vor unsere Wohnwägen. Die Schlauchboote, Luftmatratzen und Badehosen blieben ungebraucht.

Auf in den Süden
Nachdem einer meiner Münchner Freunde auch noch eine Grippe bekam, beschlossen sie, heimzukehren. Ehrlich gesagt, hatte ich auch keine Lust mehr, bei 9 Grad und Regen meinen Sommerurlaub in der Tschechei zu verbringen. Meine Münchner Freunde empfahlen mir einen hundefreundlichen Campingplatz in Bardolino am Gardasee. Schnell zusammengepackt, den Europaatlas aufgeschlagen und los ging’s Richtung Italien. 9 Stunden später kam ich am Ziel in Bardolino an und fiel nur mehr ins Bett. Am nächsten Morgen weckte mich die Sonne und eine blauer Himmel mit 30 Grad Celsius …

Hunde erlaubt!
Der Campingplatz „La Rocca“ liegt direkt am Gardasee, ist sehr gepflegt und besitzt einen eigenen Strand. Vor allem aber ist er einer der wenigen Campingplätze, die Hunde erlauben, dementsprechend viele Hunde waren auch dort. Die Camper waren sehr gesittet und die meisten Hunde angehängt. Ich baute schließlich mein Vorzelt auf, packte meinen Campingtisch und Sessel aus und setzte mich mit Toni unter mein Vorzeltdach. Es dauerte keine Stunde und schon hörte man Lautsprecher-Durchsagen, wie „Hunde müssen an die Leine, dürfen nicht an den Strand und nicht ins Wasser“. Und seltsamerweise war nur 15 Minuten später auch schon ein Aufpasser da und forderte mich auf, meinen neben mir schlafenden Hund Toni anzuhängen. Um eine Diskussion auf Italienisch zu vermeiden, folge ich seiner Aufforderung, was sich später als richtige Entscheidung herausstellte. Ich wurde schließlich halbstündlich besucht und kontrolliert. Langsam hatte ich das Gefühl, diese Lautsprecher-Durchsagen galten nur mir und meinem Hund, obwohl ein gutes Drittel der Camper dort vierbeinige Begleitung hatte.

„Weg mit den Bestien“
Schließlich bewahrheitete sich meine Vermutung, als ich bei einem Camper aus Deutschland in einer Entfernung von gut zwanzig Metern die Schlagzeilen der deutschen „Bild“-Zeitung lesen konnte: „Weg mit den Bestien“ hieß es am Titelblatt. Ich schaltete meinen Fernseher ein und erfuhr vom Unfall mit dem von zwei sog. Kampfhunden getöteten Kind in Hamburg. Nun war mir alles klar. Ich befand mich zur falschen Zeit am falschen Ort. Umzingelt von deutschen und holländischen Familien mit Kindern. Ich kam mir vor, wie in der Höhle des Löwen. Durchdringende Blicke mit Tötungsabsicht und Bemerkungen, wie „So einer wär’ in Deutschland schon eingeschläfert“, oder „Das ist so einer“ bleckten mir entgegen. Als ich dann noch mein T-Shirt auszog und mein Tattoo am Oberarm zum Vorschein kam, waren alle Vorurteile bestätigt.

Der Gegenschlag
Schließlich besuchte ich die Rezeption des Campingplatzes und stellte mich vor. Ich zeigte der netten deutschsprechenden Dame meinen Presseausweis und klärte sie über das freundliche Wesen und die gute Erziehung meines Hundes auf, sodaß sie Leute, die sich (ohne Grund) beschwerten, beruhigen konnte. Man konnte es den unwissenden Leuten aufgrund der hetzerischen Medien-Berichterstattung ja gar nicht verübeln. Seit diesem offenen Gespräch mit der Platzleitung folgten keine Durchsagen und auch keine Kontrollen mehr. Ich hatte nun eine ganze Woche damit zu tun, den Leuten zu zeigen, welche Hunde tatsächlich unerzogene Bestien sind. So spazierte ich mit meinem Hund Toni mit seinem Balli im Maul seelenruhig an lockerer Leine durch den Campingplatz. Nach und nach schossen die „Nicht-Kampfhunde“ kläffend unter den Wohnwägen hervor und versuchten, Toni anzufallen (oder wollten sie nur sein Balli?). Sessel und Tische flogen, woran die vermeintlich harmlosen Hundchen proforma angehängt waren. Ich ging nur höchst befriedigt, lächelnd und völlig stumm mit locker durchhängender Leine meines Weges …

Hunde dürfen doch ins Wasser!
Nachdem sich die Wogen geglättet haben, ging ich dann doch mit Toni zum Strand und ins Wasser, so wie auch die anderen Campinghunde. Die Temperaturen erreichten 35 Grad und sanken auch nachts nicht wesentlich. Es war bei diesen Temperaturen fast unmöglich zu schlafen. Selbst Toni, der ja sonst ausschließlich im Bett schläft, hat es vorgezogen, sich am Boden vor den Umluftdüsen niederzulassen.

In Verona
Ein Erlebnis der freundlichen Art hatten Toni und ich in einem In-Cafe im Zentrum Veronas. Wir saßen auf der Terrasse, als plötzlich eine dicke, ältere Mamma, die sich dann als Besitzerin des Lokals herausstellte, zu Toni kam, ihn streichelte und kurz auf dem nahegelegenen Markt verschwand. Als sie zurückkam, hatte sie einen großen Büffelhautknochen in der Hand, von dem sie gerade noch das aufgeklebte Preisschildchen mühsam entfernte. Der Knochen war doch tatsächlich für Toni bestimmt. Italienische Freundlichkeit pur – nach dem Mißtrauen der verhetzten deutschen Touristen eine Wohltat für meine Seele – und guter Geschmack für Toni …

WUFF-Empfehlung
Trotz der anfangs ärgerlichen Umstände kann ich den Campingplatz „La Rocca“ sehr empfehlen, da er wirklich äußerst angenehm ruhig und gut ausgestattet ist. Auch die Umgebung von Bardolino und Garda hat viele Reize und das nahegelegene Verona ist allemal einen Besuch wert (40 Minuten Fahrtzeit). Gute Restaurants und ein Olivenöl-Museum gibt es in Cisano (5 Min.). Für Spaziergänger (und Läufer oder Radler) auch ideal die lange Promenade entlang des Gardasees, die mehrere Dörfer verbindet.

>>> WUFF – INFORMATION
La Rocca Camp
Loc. San Pietro
I-37011 Bardolino (VR)
Tel.: 0039-045/ 721 11 11
Fax: 0039-045/ 721 13 00
Geöffnet von Mai bis Sept.

Olivenöl Museum
Via Peschiera 54
I-37011 Cisano-Bardolino (VR)
Tel.: 0039-045/ 622 90 47
Fax: 0039-045/ 622 90 24
Geöffnet: Wektags 9:00-12:30, 15:00-19:00, Sonn- u. Feiertags: 9:00-12:30, Mittwoch Nachmittags geschlossen.

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