Charly benötigt ­dringend ein Bad …

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Oft sind es nur winzige Kleinigkeiten, die einem den Tag verschönern – oder auch vermiesen. Erfreuen Sie sich (mit ein wenig Schadenfreude) an einer neuen ­Alltagsgeschichte unserer Kolumnistin Sonja Rachbauer.

So ein Mistwetter. Seit heute Morgen schüttet es wie aus Kübeln. Keine guten Voraus­setzungen für einen entspannten ­Spaziergang. Aber da müssen wir durch. Warm in meine dicke Jacke eingewickelt machen sich Charly und ich auf den Weg. Ich mit dem Ziel vor Augen, so schnell wie möglich wieder im Trockenen zu sitzen, und Charly genau das Gegenteil. Mit Schwung springt er in jede noch so kleine ­Pfütze und heimst sich von mir jedes Mal einen mörderischen Blick ein. Das lässt ihn aber völlig kalt. Nach der dritten Pfütze färbt sich sein Fell ­dunkelbraun und in seinen Haaren klebt schmutziges Laub und noch so allerlei anderes unappetitliches Zeugs.

Bei der nächsten Pfütze angekommen, dreht sich Charly auf den Rücken und wälzt sich genüsslich darin. Wähhhh! Hunde machen das nur aus einem ganz bestimmten Grund. Irgendwo, in den Tiefen dieser trüben Pfütze, befindet sich ein totes Tier. Ich hoffe stark, dass es eine Ameise ist. Meine Stimmung kippt schlagartig. Und als ob das für heute nicht genug wäre, nimmt er noch einmal Anlauf und lässt sich mit Karacho in die ­Pfütze ­plumpsen, dass es nur so spritzt. Mit einer wütenden Bewegung wische ich mir den Schlamm aus dem Gesicht, zitiere ihn mit einem lauten „Hier“ an meine Seite und muss mir bei seinem Anblick ein Grinsen verkneifen. Charly ­könnte glatt als zu heiß gewaschener Bär durchgehen. Sein Fell starrt vor Dreck. Sieht das niedlich aus. Denn normaler­weise sind seine Pfoten, der Bauch und der Schwanz strahlend weiß. Da hilft nur mehr ein warmes Bad. Zügig treten wir den Heimweg an.

Heilfroh, endlich ins Trockene zu kommen, greife ich hinter die Haustür nach dem für solche Notfälle immer bereitliegenden Handtuch und halte erschrocken inne. Oh nein. Das habe ich vorhin in die Waschmaschine gesteckt. Diesen Schreckmoment nützt mein kleiner Köter und flitzt mit wehenden Schlappohren in Richtung Wohnzimmer davon. Und ich schreiend hinterher. Nein, … Aus … Hier!!!
Mit vollem Schwung brettert er einmal über die gesamte nagelneue Couch und hinterlässt darauf unzählige schmutzige Pfotenabdrücke. Mir bleibt das Herz stehen. Damit nicht genug, wälzt er sich  genüsslich auf dem Wohnzimmerteppich und läuft dann Richtung Küche. Nein! Stopp!
Als ich bei ihm ankomme, setzt er gerade zum ausgiebigen Schütteln an. Das ist der Supergau. Ich muss sofort handeln. Sonst wird die frisch ­geputzte Küchenfront in einem neuen Design erstrahlen. Schlammgrau …
Endlich bekomme ich ihn am Hinterteil zu fassen und halte ihn verzweifelt fest. Was gar nicht so einfach ist, denn Charly windet sich wie ein Wurm im Todeskampf. „Halt endlich still!“ brülle ich zornig. Verblüfft blickt er zu mir hoch und ich nutze den Überraschungseffekt und hebe ihn hoch. Auf schnellstem Wege trage ich ihn ins Bad. Nicht nur Charly braucht eine gründliche Reinigung, stelle ich nach einem Blick auf meine Kleidung ­frustriert fest. So eine Schweinerei. Danke, Charly.

Beim Anblick der Badewanne fängt er heftig zu zittern an. Er hasst nichts so sehr wie ein warmes Bad. Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass er vorhin beim Spaziergang keine noch so kleine Pfütze ausgelassen hat. Vorsichtig lasse ich ihn in das warme Wasser gleiten und gebe einen großzügigen Klecks Hundeshampoo auf meine Hände. Dann knete ich ihn kräftig durch. Strafe muss sein. Kurz überlege ich, ob ich ihn kalt abbrausen sollte. Aber nur kurz, ehrlich. Nur, wenn ich an das nasse Schlachtfeld im Haus denke und daran, dass ich sämtliche Räume nun sauberwischen und die Couch mit einem teuren Spezialreiniger behandeln muss. Da erschiene mir die kalte Dusche doch äußerst angebracht. Nach zehn Minuten trippelt Charly frisch geföhnt zu seinem Körbchen und genehmigt sich, nach dem ganzen Stress, erst einmal ein kleines Nickerchen. Na toll. Und auf mich wartet der Großputz.

Aber eins ist gewiss. Beim nächsten Mal leihe ich mir die Kittelschürze von meiner Oma und spritze ihn mit dem Gartenschlauch ab. Eiskalt.

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