Crufts – Die Hundeshow der Superlative

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Über 145.000 Besucher und rund 28.000 Hunde stürmen vier Tage lang die NEC-Arena in Birmingham. Crufts, die größte Hundeausstellung der Welt, lockt Menschen aus 41 Ländern an. Egal ob aus Indonesien, Europa oder Hong Kong, in Großbritannien ­treten sie mit ihren Hunden gegen­einander an. Ob langhaarig, wuschelig, weiß oder rot – den Titel „Best in Show" kann sich nur ein Hund holen.

Keine Veranstaltung kann bei diesem Spektakel mithalten, das vom 7. bis 11. März ­dieses Jahres in England über die Bühne gegangen ist. Von Charles Cruft 1891 ins Leben gerufen, genießt diese Hunde­ausstellung den Status, die größte der Welt zu sein. Hier ­treffen sich Züchter, Sportfanatiker und Hunde­liebhaber, um sich auszutauschen, ihre Hunde zu präsentieren und um einen Titel nach Hause zu holen. Zum dritten Mal in Folge holt der 5-jährige Golden Retriever ­Callie in der Kategorie „Best of Breed" den Sieg nach Hause. „2001 habe ich hier schon mit Callies Großvater gewonnen und nun zum dritten Mal mit Callie selbst, es ist unglaublich", so die Besitzerin Anne Falconer. Ihre Sieger­hunde werden für die Ausstellung nicht besonders vorbereitet, sondern sind „einfach Haustiere, die draußen spazieren gehen und herumtollen."

Aussehen ist nicht alles
Nicht nur die Schönsten der ­Schönen werden von den zahlreichen Be­suchern bewundert. Wettbewerbe wie Flyball, Agility und Dogdancing sorgen für genügend Adrenalin bei Hund und Mensch. Die Performance der Dogdance-Könige Mary Ray mit Hund Levi und Richard Curtis mit Whizzy lässt die Zuschauerreihen laut aufschreien – vor lauter Begeisterung, versteht sich. Wie geschickt und lernfähig die Vierbeiner sind, zeigt sich bei den zahlreichen Obedience Präsentationen. Tausende Menschen tummeln sich um die Stände, die, angefangen von Ernährung bis hin zu Hundezubehör alles bieten. Bei keiner der bisherigen Ausstellungen wurde so viel Kleidung für Vierbeiner angeboten wie dieses Mal. Ob wirklich jeder ange­zogene Hund auch ein glücklicher ist, sei dahingestellt. Neben Kaufmöglichkeiten bietet der britische Kennel Club, der diese große Show jährlich organisiert, auch genügend Information über Hundeausbildung, sowie Service- und Partnerhunde.

Freunde fürs Leben
Crufts zeichnet nicht nur das Aus­sehen der Hund aus. In der Kategorie „Friends for Life" werden ­Vierbeiner und ihre Menschen vorgestellt, die durch ein besonderes Schicksal zusammengefunden haben. ­Hunde, die Menschen retten, aber auch Menschen, die Hunde retten. Dieses Jahr gewinnt der Mischlingshund Haatchi. Er wurde von ­Tierquälern an Bahn­gleise gebunden und ­verlor durch einen vorbeifahrenden Zug ein Bein. Der dreibeinige Hund lebt jetzt bei seinem neuen besten Freund Owen. Zusammen gehen die ­beiden durch dick und dünn. Owen, ein kleiner Junge, der selbst an einer schweren Krankheit leidet, möchte Haatchi nicht missen. Beide unterstützen sich gegenseitig und genau das wurde auch ausgezeichnet mit dem Titel „Friends for Life". Stolz mit der ­Trophäe in der Hand sagt Owen: „Danke, an alle, die Haatchi und mich gewählt haben, danke."

Vom Siegertreppchen in den ­Ruhestand
Den ultimativen Titel, den aber alle bei der größten Hundeausstellung der Welt wollen, ist der „Best in Show". Zum Sieger der gesamten Show wird diesmal am letzten Tag der vier­tägigen Ausstellung die ­Basset Griffon Vendeen Hündin Jilly aus dem englischen Oxfordshire gewählt. Mit ihren vier Jahren hat sie diesen Pokal vor Tausenden anderer Hunde ­abgeräumt. Der Züchter und Besitzer von Jilly, Gavin Robertson, strahlt über das ganze Gesicht: „Normalerweise hat Jilly Ameisen im Hinterteil, zappelt immer hin und her. Nur heute stand sie ganz lang still. Ihr Auftritt war einfach fantastisch." Doch ob sie auch im nächsten Jahr einen Titel holen kann? „Ganz unmöglich, ich habe schon vor Monaten beschlossen, dass diese Crufts die letzte Show sein wird, bei der Jilly ins Rennen geht. Sie geht nun in den Ruhestand und das mit einem so schönen Ende." Die hübsche Hündin kann die nächste Crufts dann gemütlich vom Sofa aus im Fernsehen anschauen. „Reserve Best in Show" und damit Zweitbester wurde der dreijährige Labrador Retriever Romeo von Franco Barberi aus Italien.

HINTERGRUND

Die Geschichte der Crufts
Die jährlich im März in ­Großbritannien stattfindende Hundeausstellung Crufts ist nach ihrem Gründer Charles Cruft benannt. Cruft hätte eigentlich ­Juwelier werden sollen, doch zog es ihn zum Hundekuchenhersteller James Spatt. Es gelang ihm die Firma zu einem Handels­riesen aufzubauen. Um den Umsatz zu steigern und Werbung für das Futter zu machen, begann er Ausstellungen zu organisieren. 1891 startete die erste „Crufts Greatest Dog Show", wo alle Rassehunde eingeladen waren. Die Ausstellung gewann schnell an Beliebtheit: Von 2.000 Gästen bei der ersten Show steigerte man sich bis 1936 zu 10.000 Besuchern. Nach dem Tod von Charles Cruft übernahm der Britische Kennel Club die Organisation. 2012 wurden unabhängige tierärztliche Kontrollen für die „Best of Breed" von 15 Rassen eingeführt, die sicherstellen sollten, dass keine Tiere mit übertriebenen Merkmalen (Qualzucht) ausgezeichnet würden. Sechs von den Richtern als Rassebeste ausgewählte Hunde bestanden den Test nicht, und für die entsprechenden Rassen (Basset Hound, Clumber Spaniel, Mastiff, Mastino Napoletano, Englische Bulldogge und Pekingese) gab es keinen Titel.

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