Der Bärenwald Arbesbach – Refugium für Bären in Not und hundefreundliches Ausflugsziel

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Nachdem vor rund zehn Jahren das Halten von Wildtieren in ­Zirkussen verboten wurde, stellte man sich die Frage, was mit den teil­weise zahmen, aber dennoch grundsätzlich wilden ­Tieren  geschehen sollte. Eine private Haltung war natürlich ausge­schlossen, eine Auswilderung jedoch ebenfalls, da diese Tiere zum Großteil von klein auf auf den Menschen geprägt wurden und für die Wildnis „zu wenig wild“ waren. WUFF stellt Ihnen das ­Tierschutz-Konzept der VIER PFOTEN-Bärenwälder vor.

Es ist nun gut 15 Jahre her, als die international tätige Tierschutzstiftung VIER PFOTEN mit dem Bärenwald Arbesbach im österreichischen Waldviertel ein Exempel statuierte. Zunächst sollte „nur“ eine Auffangstation für Bären, „die niemand mehr haben will“, gebaut werden. Wie sehr diese Idee, die im versteckten Waldviertel realisiert wurde, auch in anderen Ländern gebraucht wurde, zeigte sich erst später. Ein Anlassfall für den Bärenwald Arbesbach war das 2005 verabschiedete Verbot für die Haltung von Wildtieren in Zirkussen in Österreich. Nur, wohin mit ­diesen ­Tieren? Ihre Vergangenheit wird diesen Bären – wenn es ums Auswildern geht – zum Verhängnis. Nicht Wildtier und nicht Haustier! Denn für Bären, die so nahe bei Menschen gelebt haben, gilt: zu wenig scheu, zu wenig bärentypisches Know-how! Und trotzdem sind sie als Haustiere natürlich denkbar ungeeignet, dafür schlummern wiederum zu viele Wildtierinstinkte in ihnen. Eine knifflige Situation, für die es galt, neue Lösungen zu finden.

Mit dem Bärenwald Arbesbach bewies VIER PFOTEN, dass bedarfsgerechte Haltungsbedingungen und Besucherinteresse Hand in Hand gehen können. Für die durchwegs tier-affinen Gäste wurden Infostationen, Spielbereiche, Filmraum, interaktive Ausstellungselemente, Besuchersteg u.ä. errichtet, für die Bären gab es einen Wald mit Rückzugsmöglichkeiten, Teichen, ­Winterhöhlen usw., ein Bärenmini­habitat eben.

Ein Konzept wird exportiert
VIER PFOTEN arbeitet seit der Errichtung des Bärenwaldes Arbesbach beständig daran, neue, tierfreundliche Refugien zu schaffen, die diesen ­ungewollten Tieren ein sicheres Zuhause bieten. Kurz nach der Errichtung des Bärenwaldes Arbesbach ­folgte eine viel größer dimensionierte Auffangstation in Bulgarien für alle dort lebenden Tanzbären. Danach eine große Anlage in Mecklenburg-Vorpommern, ein Kooperationsprojekt für Bärenwaisenkinder, die wieder ausgewildert werden, in Rumänien, Auffangstationen in Polen und der ­Ukraine. Auch im Kosovo wurden bereits 14 Bären gerettet und die Fertigstellung der Anlage läuft auf Hochtouren. In anderen Ländern wird recherchiert, vorgefühlt, die politische Lage sondiert und Werbung für diese Art von Auffangstationen gemacht. Jede von VIER PFOTEN geführte Anlage hat zuvorderst den einfachen Zweck, Tiere zu retten. Ist die Anlage aber in Betrieb, sind die Tiere eingewöhnt und ist die Situation stabil, dann erfolgt die „Öffnung nach außen“. Dann bilden Umweltbildung und das Wecken von Interesse für tierische Bedürfnisse die Herzstücke in den Besucherprogrammen der einzelnen Bärenwälder.

Was bietet der Bärenwald ­Arbesbach den Besuchern?
Der Bärenwald Arbesbach liegt im nordwestlichen Waldviertel und ­bietet sechs Bären eine neue Heimat. Besucher können die imposanten Tiere dabei in natürlicher Umgebung beobachten. Eine moderne Ausstellung, der Rundweg, Beobachtungssteg, Multimediaraum und viele Wissensstationen ermöglichen es, hier „mehr vom Bär“ zu erfahren. Für junge Gäste bieten Spielzirkus und Niederseilgarten ­Gelegenheit, sich auszupowern.

Hundegäste willkommen
„Die Frage, ob die Bären durch Besucherhunde nicht zu sehr beunruhigt werden, hören wir oft“, erklärt Sigrid Zederbauer, Betriebsleiterin im Bärenwald Arbesbach. Aber „unsere Bären sind Hunde gewohnt, da einige der Mitarbeiter ihre Hunde am Arbeitsplatz mithaben“, so Zederbauer weiter. Und: selbst wenn ein Hund in Anbetracht eines pelzigen, sehr großen, schwer einschätzbaren, weil nicht schwanzwedelnden Gegenübers nervös wird und zu fiepen, winseln oder bellen beginnt, die Bären lässt dies alles kalt. Als Einzelgänger sind die Bären sehr schlechte „Kommunizierer“. Wenn man daneben den Hund beobachtet, der sein gesamtes Verhaltensrepertoire auspackt, um damit etwa den Bären jenseits des Zaunes zum Spielen aufzufordern und damit nicht einmal eines Bärenblickes gewürdigt wird, versteht man leicht die grund­legende Verschiedenheit dieser beiden Tierarten.

Da Hunde also niemanden im Bärenwald beunruhigen, sind sie hier nicht nur geduldet, sondern sogar sehr willkommen. Vor kurzem wurde daher eine „Orakel-Hundetränke“ montiert. Da gibt es Näpfe für Eigensinnige, Schmalschnäuzige, Gelehrige usw.  „Eigentlich erstaunlich, dass bei so vielen wohlerzogenen Hunden, die wir täglich begrüßen dürfen, die ­Schüssel „für Brave“ nicht ständig leer ist.“, schmunzelt Zederbauer.

Tipps für Hundespaziergänge: im Bärenwald-Shop liegen Wanderkarten der Region auf. Die Bärenwald-Mitarbeiter zeigen Ihnen gerne geeignete Routen, z.B. mit Badegelegenheiten am Fluss Kamp, Agilitymöglichkeiten am Höllfall u.v.m. Alles in Allem bietet die Gegend rund um den Bärenwald alles, was das Hundeherz höher ­schlagen lässt

WUFF-INFORMATION

Bärenwald Arbesbach

Schönfeld 18
A-3925 Arbesbach
http://www.baerenwald.at
Tel.: +43 2813 7604
office@baerenwald.at

Geöffnet von Ostern bis Allerheiligen, täglich 10-18 Uhr

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