Der Deutsche Jagdterrier – Sprenger, Packer und Würger

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Ein todesmutiger Saupacker, ein guter Sprenger und Würger – so werden wichtige Eigenschaften eines vierbeinigen Deutschen englischer Abstammung beschrieben, einer Rasse, die es noch keine 100 Jahre lang gibt: Der Deutsche Jagdterrier. Ein Jagdhund und  im doppelten Sinn des Wortes reinrassig und daher ein Hund, der auch ausschließlich „jagdlich“ gehalten werden soll. In Nichtjägerhand führt der oft wenig freundlich „Gebiss mit Schwanz“ genannte Hund häufig zur Überforderung des Halters und wird damit zum Problem. Einige Anmerkungen zum Deutschen Jagdterrier.

Wie aus englischen ­Foxterriern, Old English Bullterriern, Bracken und Schnauzern im Deutschland nach dem ersten Weltkrieg der Deutsche ­Jagdterrier (DJT) „erzüchtet“ wurde, ist eine interessante, wenngleich sehr ­spezielle Geschichte, die in großer Ausführlichkeit in den einschlägigen Rassebüchern Niederschlag findet. Fakt ist, dass eine Gruppe deutscher Jäger mit den Jagdeigenschaften und auch den weiß-scheckigen Abzeichen des Foxterriers, der in den 1920ern und 1930ern ein Modehund war, unzu­frieden war. „Salonfoxel“ nannte man diese auf ­Ausstellungen ­prämierten Foxterrier abfällig. Was man vor Augen hatte, war ein todesmutiger, harter ­Jagdgebrauchshund mit ­längerem Rücken als der ­Foxterrier und von schwarz-roter ­Farbe ohne weiße Abzeichen.

Und tatsächlich, der sehr ­intensiven Zuchttätigkeit der deutschen Jäger – und dem einen oder anderen Glücksfall – ist es zu verdanken, dass aus der englischen nun eine deutsche Rasse entstand, eben der DJT. 1926 ­wurde der „Deutsche Jagdterrier Klub“ gegründet und Anfang 1927 wollte man die ersten Hunde der neuen Rasse auf einer Hundeausstellung in ­Gießen zeigen. Doch die Foxterrierzüchter verwehrten den Hunden dieser neuen Rasse, die sich ja vom ­Foxterrierklub abgespaltet hatte, den Zutritt zu den Ausstellungshallen. So mieteten sich die Jäger einfach einen Raum in einem danebenstehenden Gasthaus und präsentierten am 3. April 1927 in ihrer „Ersten Sonderschau“ mit 22 DJT ihre Hunde erstmalig der Öffentlichkeit. Und schon bald verbreitete sich die neue Jagdhunderasse über ganz Europa, verblieb jedoch weitgehend in Jägerhand, wohin diese Hunde aber auch ausschließlich gehören sollten.

Die Jagdeigenschaften des DJT als guter „Sprenger, Packer und ­Würger“ mit starker Jagdpassion, großer ­Härte und großem Mut liegen in ­seinen Genen und werden auch heute gezielt so weitergezüchtet. Daher gilt damals wie heute, dass bei ­seinem Tempera­ment und seiner ­großen Jagd- und Grableidenschaft es schon „halbe Tierquälerei“ sei, ihn als ­reinen ­Stadtwohnungshund zu halten ­(Haltenorth, 1958).

Ausschließlich jagdliche Haltung
Die Anforderungen an die Haltung eines DJT sind demnach sehr hoch. Denn obwohl beim DJT die „Schärfe zweihundertprozentig vorhanden“ sein müsse (Lackner 1948), sollte er auch „angenehme ­Haushundeigenschaften“ haben. Einen DJT seinem Wesen gerecht zu halten heißt ihn jagdlich zu halten. Daher sollte diese Rasse ausschließlich Jägern vorbehalten sein. Allerdings – wenn aufgrund gesellschaftlicher Inakzeptanz zunehmend mittel- bis langfristig mit einem Rückgang der Hobbyjägerschaft zu rechnen ist, wird auch das Ausmaß der Zucht zurückgehen müssen, weil dem DJT dann seine Halter abhanden ­kommen werden.

In letzter Zeit findet man allerdings immer wieder auch DJT in Nichtjäger­hand, zumeist kommen diese Hunde aus dem Tierschutz, meist auch ohne entsprechende Aufklärung der gutgläubigen Halter. Probleme für Hund und Mensch sind damit vorprogrammiert. So hat eine Tierschutzorganisation, die ausländische Hunde nach Deutschland und Österreich bringt, einen reinrassigen DJT als „Terriermix“ aus Ungarn an eine WUFF-Leserin vermittelt. In einem Leserbrief in der vergangenen Ausgabe hat die frischge­backene DJT-Halterin ihre Erfahrungen mitgeteilt und ist ­letztlich auch Anlass für dieses kurze ­Rasseporträt. Glücklicherweise handelte es sich bei ihrem DJT um eine „Light-Variante“ dieser ­Rasse. Nicht selten sind aber ­„normale“ Hundehalter mit ­dieser ­Rasse völlig überfordert, auch wenn die ­Hunde ­liebenswürdige ­Eigenschaften ­gegenüber Menschen aufweisen können. Doch trotz dieser „ist und bleibt er ein Kampfhund“, wie der Autor eines Buches über den DJT schreibt und mit diesem Begriff seine ­„Schärfe“ meint (Bierwirth, 1986).

Mit Schärfe wiederum meint der Jäger die gezielt gegen das Wild sehr rasch auslösbare Aggression des Hundes, die sich in schnellem Angriff und Zubeißen des Hundes äußert. Doch ist es heute sowohl in Österreich wie auch in Deutschland durch die jeweiligen Tierschutzgesetze verboten, ein Tier an einem anderen lebenden Tier auf Schärfe abzurichten oder zu prüfen. Dennoch hält z.B. der Deutsche Jagdverband (DJV) „qualifizierte Jagdhundeausbildung auch am lebenden Wild, zum Beispiel hinter der Ente, im Schwarzwildgatter und zur Baujagd“, oder auch an lebenden Füchsen für „tierschutzgerecht“, weil es zu lebenden Tieren „derzeit keine ­Alternative“ gebe (http://www.jagdnetz.de/news/?meta_id=3574).

FCI-Rassestandard
Eine Darstellung des offiziellen Rasse­standards der FCI erübrigt sich an dieser Stelle, er ist direkt von der Website dieser Organisation downloadbar (http://fci.be/nomenclature/Standards/103g03-de.pdf). Dass auf der ersten Seite dieses Rassestandards allerdings das Foto eines DJT abgebildet ist mit dem Hinweis, diese „Illustration stellt nicht unbedingt das Idealbild der Rasse dar“, verwundert sehr. Wenn nicht an dieser Stelle, wo dann sollte man das „Idealbild“ der Rasse sehen können? Wie auch immer, den meisten Züchtern von DJT wird es ohnehin weniger um das äußere ­Idealbild gehen als vielmehr um die jagdlichen Fähigkeiten und eben vor allem um deren Härte und Schärfe.

Daher müssen DJT, die in seriösen Rassevereinen für die Zucht zugelassen werden, ein strenges Ausleseverfahren durchlaufen. Ganz im Gegensatz zur Schönheits- und Massenzucht anderer Rassen werden bspw. nach den Zuchtbestimmungen des DJTÖ auch die Nachkommen eines Zuchthundes für seine weitere Verwendung in der Zucht beurteilt. Davon, dass man sich für die vererbten Eigenschaften eines Zuchthundes interesssiert, ist bei vielen anderen Rassen leider überhaupt nicht die Rede! Um die jagdliche Leistungsfähigkeit des DJT zu erhalten und weiterzuentwickeln, haben 1993 im burgenländischen Rust die Vereine aus Österreich, Deutschland und der Schweiz den Internationalen Verband für Deutsche Jagdterrier IV-DJT gegründet (www.iv-djt.com). Mittlerweile sind 15 europäische Vereine aus 12 Ländern dem Verband angeschlossen, darunter aus Russland und der Ukraine. Zwei weitere Länder, Kroatien und Italien, werden auch bald dem Verband beitreten.

Gesundheit
Weil die Zucht des DJT eine Leistungszucht ist und es dem Jäger natürlich auf einen ­gebrauchstüch­tigen, also gesunden Hund ankommt, ist der DJT grundsätzlich ein gesunder Hund. So findet sich auf einer Website über den DJT dieser Satz: „Aufgrund seiner Robustheit sind keine rassespezifischen Krankheiten beim deutschen Jagdterrier bekannt.“ Tatsächlich entspricht diese Aussage aber nicht der Wahrheit, denn eine Erbkrankheit des DJT ist die PLL (primäre Linsenluxation). Sie ist durch eine Genmutation verursacht und führt zur Erblindung des Hundes. Rund 2% aller DJT ­sollen lt. einer Züchteraussage davon betroffen sein. Seriöse Rasseklubs wollen diese Erbkrankheit weiter zurückdrängen und fordern daher für die Zuchtzulassung einen Gentest. In der Zucht eingesetzt werden daher nur noch Hunde, die keine Mutation am entsprechenden Gen-Paar tragen oder bei denen nur eines der beiden Gene von der Mutation betroffen ist. Ab 2018 will man dann ausschließlich mit Hunden ohne ­Genmutation ­züchten, was dann zur völligen ­Elimination dieser Erbkrankheit führen soll.

Fazit
Der DJT ist ein Jagdhund mit Eigenschaften, die ihn für das, was sich die meisten Menschen von ihrem vierbeinigen Gefährten erwarten, ungeeignet machen. Wenn – wie erwähnt, „zweihundertprozentige“ – Schärfe und absolute Härte die Zuchtziele dieser Rasse sind, wenn ihre Aufgabe das Sprengen, Packen und Würgen ist, dann hat der Hund in anderer als Jägerhand absolut nichts verloren. Die Menschen, die einen DJT oder einen Mix davon aus dem Tierschutz aufnehmen, haben jedenfalls eine Auf­gabe übernommen, der sie sich nur mit professioneller Hilfe stellen sollten. Nur wenige werden das Glück haben, eine „Light-Variante“ zu erhalten, der man mit viel Engagement und großer Auslastung des Hundes entsprechen kann.

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