Der Fall Rosa – und kein Ende?

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Die Zusammenfassung
Eine Reportage der WUFF-Redaktion

Der Fall Rosa wurde in der Ausgabe WUFF 10/2002 ausführlich dokumentiert. Wenn Sie den Artikel noch nicht kennen, so können Sie ihn über die Artikel-Suchfunktion unter dem Suchbegriff "Rosa" finden. Noch ein Hinweis: Es geht hier ausschließlich um die Darstellung und Aufklärung eines Einzelfalles, nämlich Rosas Tod, nicht darum, irgendwen an den Pranger zu stellen. Wir vermuten aber, dass der Tod Rosas leider kein Einzelfall ist, sondern dass die Stigmatisierung von Hunderassen als „Kampfhunde“ in Deutschland und Österreich die Euthanasiebereitschaft deutlich erhöht hat, vielerorts solche Vierbeiner mittlerweile sogar als Freiwild betrachtet werden. Wir haben in dem 5-seitigen Artikel in WUFF 10/2002 die Ergebnisse mehrmonatiger (!) Recherchen verarbeitet und dokumentiert, wobei uns natürlich die Informationen und Aussagen aller betroffenen Personen und Institutionen vorliegen.

Die Hündin Rosa:
Rosa, die aufgrund ihrer Rasse in Deutschland indiziert ist (sog. „Listenhund“), kam im Alter von 3 Jahren als Fundtier am 6.2.2002 in das Tierheim (TH) Lübeck. WUFF gegenüber gab das TH zu, dass Rosa anfangs ein unauffälliges Verhalten gehabt habe.

Das Problem:
Das TH spricht WUFF gegenüber von einem später „unerwartet extrem und ohne erkennbaren Grund und gegenüber verschiedenen Personen“ geänderten Verhalten Rosas im TH. Sie habe zwei Pfleger attackiert, denen zum Glück aber nichts passiert sei. Einer davon habe sich mit einer Schaufel gewehrt und Rosa eine Verletzung über einem Auge zugefügt.

Die Pittifreunde:
Eine Gruppe von Hundefreunden in Lübeck, die sich besonders um die in Deutschland inkriminierten Rassen bemüht, mit den Hunden spazierengeht und sich mit ihnen beschäftigt, um Deprivationsschäden zu verhindern. Sie kannten Rosa daher sehr gut. Als sie von dem Vorfall erfuhren, dass Rosa einen Tierpfleger angegriffen hätte, ahnten sie Böses und verlangten die Begutachtung Rosas durch eine Fachperson. Das TH Lübeck beauftragte damit Michael Grewe, der für das TH als „Berater“ tätig ist. Nach Grewes kurzer Beurteilung (s. nächster Absatz) verlangten sie ein echtes Fachgutachten, und legten darüber hinaus mindestens 2 Therapie-
und Übernahmeangebote für Rosa vor (siehe weiter unten).

Der „Verhaltensberater“ empfiehlt die Tötung:
Michael Grewe, „Hundetrainer und Verhaltensberater“, unter anderem im TH Lübeck tätig, wird vom TH-Vorstand beauftragt, Rosa zu beurteilen. Form und Inhalt dieser am 4.4.2002 erfolgten Beurteilung und die empfohlene Konsequenz der Tötung Rosas sind Gegenstand heftiger Kritik von Hundegutachtern und Hundefachleuten. Vorgeworfen wird Grewe, dass er die im Zwinger befindliche Hündin nur von außerhalb – nach eigenen Worten – „in Augenschein genommen hat“, sich dafür nach Zeugenaussagen lediglich 10 bis 15 Minuten Zeit genommen habe, und es sich darüber hinaus nicht um eine seriöse gutachterliche Beurteilung, wie sie im Falle einer derartigen Konsequenz nötig gewesen wäre, gehandelt habe. Die Verhaltensbeurteilung Grewes, die mit „rate ich zur Euthanasie des Hundes“ endete, ist auszugsweise in WUFF 10/2002, sowie im gesamten Wortlaut ungekürzt auf der WUFF-Website (http://www.wuff.at) nachzulesen. Darüber hinaus wurde Grewe vorgeworfen, kein beeideter Gutachter zu sein, und daher nicht über Leben und Tod dieser Hündin entscheiden zu dürfen.

Die Gutachterin:
Auf Drängen der „Pittifreunde“ zog das TH Lübeck die renommierte Verhaltenstierärztin Dr. Barbara Schöning hinzu. In einer mehrstündigen Beurteilung, wovon die wesentlichen Passagen der Begutachtung mit Video dokumentiert wurden, kam die Tierärztin zu dem Schluss, dass Rosa (die zum Zeitpunkt der Untersuchung auch an Zwingerhusten litt und unter Medikamenteneinfluss stand) derzeit nicht vermittelbar sei. Eine Euthanasie wurde aber NICHT empfohlen!

Das Video:
WUFF liegt ein 30-minütiges Video vor, das die relevanten Passagen der standardisierten stundenlangen Verhaltensüberprüfung Rosas durch Dr. Schöning (s. oberen Absatz) enthält. Derartige Videos werden bei seriösen Gutachten häufig angefertigt, um auch später eine Nachbeurteilung des Falles, u.U. auch durch Zweit- oder Drittgutachter zu ermöglichen, wie das beispielsweise im Falle einer Gerichtsverhandlung erforderlich ist.

Therapieangebote:
Die „Pittifreunde“ bemühten sich nun, mit Einverständnis des TH, um mögliche Übernahme- und Therapiestellen für Rosa und fanden tatsächlich zwei kompetente Stellen: Den Verein „Ein Herz für Hunde“ (website: http://www.einherzfuerhunde.de), der nachweislich bei Problemhunden beste Erfolge vorweisen kann, und das Tierheim Roggendorf. Beide Angebote wurden vom Vorstand des TH Lübeck ohne jegliche Reaktion missachtet. Dies stellt einen klaren Verstoß gegen die Tierheimordnung des DTB dar, der vor einer Euthanasie mindestens einen Therapieversuch fordert.

Die Amtstierärztin:
Dr. Oloffs gibt der Empfehlung von Michael Grewe nach, Rosa zu töten. Das TH Lübeck hat der Amtstierärztin die vorliegenden Therapieangebote verschwiegen. WUFF gegenüber räumt Dr. Oloffs ein, dass sie ev. vorliegende Therapieangebote selbstverständlich überprüft und ggf. berücksichtigt hätte! Warum hat der TH-Vorstand diese Information der Amtstierärztin, die für Rosa lebensrettend gewesen wäre, vorenthalten?

Das Ergebnis:
Rosa wurde getötet.

Das Ziel:
So etwas darf nicht wieder vorkommen! Dafür müssen wir alle eintreten und vor allem die dafür Zuständigen sensibilisieren, genauso wie die Öffentlichkeit!

Die Leserdiskussion:

>>> Stella Joubert aus Buchholz

Fall Rosa nur einer von vielen?

Leider ist der Fall Rosa nur einer von vielen. Zum ersten Mal jedoch für alle zugänglich zu lesen! Uns würde brennend die Befugnis des Herrn „Ex-Polizisten“ interessieren, die ihn zu einer „Verhaltensbeurteilung“ berechtigt. Nach seinem „Rat“ zur Tötung von Rosa hätte sich die Tierheimleitung verpflichtet fühlen müssen, die vorliegenden Therapie- und Übernahmeangebote anzunehmen, vor allem auch als ein weiteres Gutachten vorlag, diesmal allerdings durch eine eigens dafür ausgebildete Tierärztin, welche eine Tötung von Rosa NICHT empfohlen hat! Meine Frage an die Amtstierärztin: Haben Sie die Hündin vor Ihrer Anordnung zur Euthanasie persönlich begutachtet? Oder kann mittlerweile jeder Hundetrainer seinen Senf zu Leben und Tod dazugeben, welchem Sie dann nur noch zustimmen brauchen?

An den „Verhaltensberater und Hundetrainer“: Die Beurteilung mit einem sich im Zwinger befindlichen Hund durchzuführen – na wenn das nicht vor Sach- und Fachkenntnis strotzt. Ganz abgesehen von der Kleinigkeit, den Hund kurz zuvor dann auch noch mit seinem „liebsten Pfleger“ zu konfrontieren, der Rosa zuvor mal eben mit der Schaufel „gestreichelt“ hat. Na klar, und der Rückzug des Hundes in seine Hütte, um aus sicherer Entfernung Unmut zu äußern – na wenn das nicht ganz eindeutig ein Zeichen für gesteigerte Aggression ist …! Leute, ist mir schlecht!

Stella Joubert
(2. Vors. von „Bulli und Co. e.V.“, Verein zum
Schutz notleidender Hunde) D-21244 Buchholz

>>> Michael Fischer aus Ratekau

Ist das Tierschutz?

Was soll man von einem Tierschutzverein halten, der Tiere einschläfern lässt trotz der Möglichkeit verschiedenster Hilfsangebote. Auch ich wurde von Mitgliedern der „Pittifreunde“ gefragt, ob ein Training bzw. eine Verhaltenstherapie möglich wäre. Nachdem bereits ein Termin vereinbart wurde, wurde dies – ohne Angabe von Gründen (!) – vom Tierheim untersagt. Und noch schlimmer empfinde ich diese eklatante Beurteilung, die über Tod und Leben eines Hundes entscheidet. Eine Beurteilung allein auf dem Tierheimgelände ist schon sehr fragwürdig. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass trotz mehrfacher qualifizierter Hilfsangebote Rosa zum Tode verurteilt wurde. Man muss sich die Frage gefallen lassen, ob dies wirklich Tierschutz war. Hätte man einen Schäferhund oder Boxer mit diesem Verhalten auch eingeschläfert?

Michael Fischer
Tierpsycholog. Praxis und Hundeschule Aegidius
D 23626 Ratekau

>>> Karl Egger aus Salzburg

Auf die Tränendrüsen drücken?

Warum wurden aus der Verhaltensbeurteilung von Herrn Grewe die Vorfälle mit den Tierpflegern weggelassen? Mich als Leser würden die Vorfälle mit den Tierpflegern schon interessieren oder wurde das gezielt nicht geschrieben, um bei den Lesern mehr auf die Tränendrüsen zu drücken? Sie, Frau Strassmann, und die Herrn Janßen und Abelski haben die Hündin Rosa nicht gekannt. Fragen Sie die Tierpfleger und Herrn Grewe, wie freundlich die Hündin war, oder brauchen Tierpfleger Zeugen, wenn sie angegriffen werden und sich mit einer Schaufel gegen die Attacken der Hündin wehren müssen? Ich bin selbst seit 22 Jahren Hundeführer und als Ausbildner in einer Rettungsorganisation tätig, darum bin ich der Meinung, dass die Verhaltensbeurteilung von Herrn Grewe die Einzige und Richtige ist, und er schreibt es auch – Gefahr für Leib und Leben von Menschen.

Karl Egger
Lawinenhundereferent Stv.
A- 5020 Salzburg

Antwort der WUFF-Redaktion:
Sie haben möglicherweise den Artikel gar nicht gelesen, wenn Sie sagen, dass die Vorfälle mit den Tierpflegern weggelassen wurden, was jedoch nicht korrekt ist. Und die Anmerkung, dass dies gezielt nicht getan worden sein könnte, ist eine Unterstellung. Selbstverständlich haben wir zu dem Fall sämtliche relevanten Fakten recherchiert und dokumentiert, darunter auch die beiden Vorfälle. Sollten Sie den Artikel noch nicht gelesen haben und Ihren Leserbrief nur aufgrund eines Hinweises anderer Personen verfasst haben, bitten wir Sie, den Artikel vorurteilsfrei zu lesen und zu überprüfen. Zum Thema Video siehe Absatz „Video“ auf Seite 36. Das ist eben der Unterschied zwischen einem beeideten Gutachter, der entsprechend ausgebildet sein muss, und der bloßen Meinung einer Person, wenngleich diese Meinung auf Erfahrung beruhen kann. Aber bei einem Gutachten über Leben und Tod eines Hundes geht es um andere Dinge, als nur um eine Meinung … Ihre (sicherlich wohlfundierte) Meinung, die Ihrem Kollegen Grewe zustimmt, der die Euthanasie der Hündin empfohlen hat, während Sie offensichtlich das echte Gutachten einer wirklichen Expertin so salopp vom Tisch wegwischen, spricht für sich und zeigt nur umso deutlicher, dass das Feld der Verhaltensbeurteilungen nicht einfach Hundetrainern überlassen werden darf, die für eine Gutachtertätigkeit nicht ausgebildet sind!

>>> Christine Ehlers aus Krummesse

WUFF-Recherche soll anderen Hunden ähnliches Schicksal ersparen!

Auch ich habe Rosa als freundlichen Hund kennengelernt, der dankbar für jede Zuwendung war. Sie hat im Umgang mit uns niemals Auffälligkeiten gegenüber anderen Personen oder Hunden gezeigt. Insofern ist es auch heute noch für mich absolut unverständlich, dass Tierheimleitung und Vorstand des TH Lübeck sie als so hochgradig gefährlich eingestuft haben, dass eine Einschläferung unumgänglich gewesen wäre, ohne auch nur in irgendeiner Form auf die vorhandenen Übernahmeangebote einzugehen. Aufgrund der tragischen Vorkommnisse der Vergangenheit und der teilweise sehr unsachlichen Berichterstattung durch die Medien ist heutzutage sicher auch mancher Hundefreund und Tierschützer nicht (mehr) frei von Vorurteilen gegenüber den gelisteten Rassen, so dass man wohl leider davon ausgehen muss, dass Rosa kein Einzelfall in den deutschen Tierheimen ist, dass aber kaum etwas davon an die Öffentlichkeit dringt. So bleibt zu hoffen, dass diese Hintergrundrecherche von WUFF dazu beiträgt, möglichst vielen Hunden ein ähnliches Schicksal zu ersparen und dass zumindest alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, bevor die schwerwiegende Entscheidung zur Euthanasierung getroffen wird.

Christiane Ehlers
D-23628 Krummesse (Lübeck)

>>> Rosa Pophal aus Wanderup

Warum wird auf einen „Berater“ und nicht auf einen Gutachter gehört?

Wieso wird auf das Urteil eines „Beraters“ gehört, obwohl wir in Schleswig-Holstein wirkliche Sachverständige und Gutachter haben? Soll auf diese Weise die Ausrottung der Listenhunde möglichst schnell vorangetrieben werden? Was für eine Tierheimleitung ist das, die ihre Schutzbefohlenen auf Anraten eines „Beraters“ bzw. „Hundetrainers“ (jeder Hans und Franz kann sich hierzulande so nennen) zur Tötung freigibt, obwohl für Rosa zwei Therapieplätze zur Verfügung standen. Darf man solch einer Institution überhaupt Tiere anvertrauen, ohne befürchten zu müssen, dass diesen Schlimmes passiert? Es sind dort aus Lübeck doch auch schon mehrfach Listenhunde gestohlen worden. Was ist aus denen geworden? Und wie kann so etwas gleich mehrmals passieren? Ebenso fragwürdig empfinde ich das Handeln der Amtsveterinärin: Wieso durfte sie ohne die Aussage eines wirklichen Gutachters überhaupt die Tötung von Rosa anordnen? Übrigens, wo bleibt das energische Einschreiten des Tierschutzbundes in dieser und ähnlichen Angelegenheiten? Denn Lübeck ist doch sicher kein Einzelfall. Tierschutz im Grundgesetz??? Leider nur auf dem Papier. Unsere Landesregierung sollte sich vielleicht einmal überlegen, ob sie über so viel Leid, so viel Unrecht und Tod noch immer hinwegsehen kann und will, indem sie an den vom OVG für nichtig erklärten Rasselisten immer noch festhält. Mit traurigen Grüßen!

Rosa Pophal
D-24997 Wanderup

>>> Perdita Lübbe aus Darmstadt

Wurde Hundetrainer an den Pranger gestellt?

In der Wuff 10/02 haben wir einen 5 Seiten langen Artikel über die Inkompetenz des Herrn Grewe gelesen. Früher hat man Leute auf dem Marktplatz angebunden und beschimpfen lassen. Da hatten die Leute aber auch noch eine Chance, sich zu rechtfertigen. In Ihrem Fall ist es noch viel schlimmer. Sie entscheiden anhand eines 30 minütigen Videos, dass Herr Grewe inkompetent gehandelt hat. Haben Sie im Vorfeld mit ihm über den Sachverhalt gesprochen? Im übrigen entscheidet das Tierheim und der Tierarzt zuletzt über den Verbleib des Hundes, kein hinzugezogener Hundetrainer, der jetzt hier von Ihnen 5 Seiten lang an den Pranger gestellt wird. Das nenne ich Bild-Zeitungs-Journalismus. Bislang habe ich Ihre Artikel – zumindest die meisten – für seriös gehalten. Dies schlägt allerdings dem Fass den Boden aus. Fazit für uns: Ihre Zeitung – nie wieder! Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und hoffe, dass Ihre Auflage mit dieser Form des Journalismus drastisch steigt – das ist doch Ihr Ziel, oder?

Perdita Lübbe
„Hundeakademie Darmstadt“
sowie Petra Führmann und Iris Franzke
Hundeschule Aschaffenburg

Antwort der Redaktion:
Eine Diskussion mit Ihnen ist schwierig, da es den Anschein hat, dass Sie den Artikel gar nicht gelesen haben. Zum 30-minütigen Video siehe Absatz „Video“ auf Seite 36. Den Ausdruck „Inkompetenz“ in Bezug auf Herrn Grewe haben SIE verwendet. Im Artikel wird lediglich der Fall Rosa in allen seinen Einzelheiten ausführlich dargestellt, welcher mehrere Monate lang recherchiert (s.o.) wurde! Es ist gerade das Hundemagazin WUFF, das für seine ausführlich recherchierten und seriösen Artikel bekannt ist. Und wir haben es uns niemals leicht gemacht! Dass wir uns durch Aufzeigen von Missständen keine Freunde machen, ist schon klar, aber wir stellen niemals jemanden an den Pranger. Nur: Namen von Personen, die in der Öffentlichkeit agieren, müssen genannt werden dürfen. Sie werden ja nicht für eine Zensur in Deutschland eintreten, nur weil Sie mit Ihrer „Hundeakademie“ (ist dies – wie der Begriff annehmen lässt – eine wissenschaftliche Lehrstätte mit akademischen Lehrern?) und Hundeschule Vorstandsmitglieder in der „Interessensgemeinschaft unabhängiger Hundeschulen“ sind, der – zumindest bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe – Herr Grewe vorsteht.

>>> Kersti Wolnow aus Eversen-Heide

Anerkannte Institution bot Therapieplatz an: TH Lübeck reagierte nicht mal!

Nach der Lektüre über Rosas Tod im WUFF-Oktoberheft trauerten viele ihrer Freunde ein zweites Mal. Das erste Mal war es im Juli 2002, als unser Verein schockiert erfahren musste, dass die Hündin im Lübecker Tierheim euthanasiert worden war, während wir uns auf ihre Ankunft vorbereitet und gefreut hatten. Wir hatten uns nämlich bereit erklärt, Rosa auf einem neutralen Gelände zu testen und bei uns aufzunehmen. Gerade bei Rosas geplantem „Resozialisierungsversuch“ sahen wir keine Schwierigkeiten, weil es sich hier nach den Worten der Tierschützer, die sie gut kannten, um eine liebenswerte Hündin in „Isolationshaft“ handelte, die das Vertrauen zu 2 Pflegern ihres Tierheims verloren hatte. Außerdem haben wir viele positive Erfahrungen mit wirklich gestörten und missbrauchten sichergestellten Hunden gemacht. Auf Wunsch der Tierschützer stellten wir uns in einem offiziellen Schreiben der Tierheimleitung Lübeck vor, beschrieben unsere positiven Erfahrungen mit schwierigen Hunden und baten darum, es mit Rosa bei uns versuchen zu dürfen, ihr damit eine Chance zu geben. Statt einer Antwort erreichte uns eine Woche später von unseren fassungslosen Lübecker Freunden die Nachricht, dass Rosa getötet worden war.

Kersti Wolnow
„Ein Herz für Hunde e.V.“
(http://www.einherzfuerhunde.de)
D-21279 Eversen-Heide

>>> Ralf u. Angela Hellmann aus Stolberg/Harz

Warum musste Rosa sterben, wenn Therapieplätze da waren?

Was soll das? Warum musste Rosa sterben, wenn Therapieplätze vorhanden waren? Hat nicht jedes kleinste Lebewesen ein Recht auf Leben und eine Chance verdient? Wir haben noch keinen gesunden Hund im Tierheim erlebt, welcher nicht bellt im Zwinger, wenn Menschen kommen. Unserer Meinung nach kann man einen Hund, egal welcher Rasse, erst richtig kennen lernen außerhalb des Zwingers. Bei Rosa sind für uns noch viele Fragen unbeantwortet, z.B. was haben die Pfleger mit ihr im Zwinger gemacht, denn sie war ja erst unauffällig. Und von heute auf morgen kann kein Hund bösartig werden. Können die Menschen, die über Rosas Tod entschieden haben, noch ruhig schlafen? Wir könnten es nach so einer Schandtat nicht. Wir sind über Rosas Schicksal sehr erschüttert.

Ralf und Angela Hellmann
D-06547 Stolberg/Harz

>>> WUFF – INFORMATION

Über Wesensbeurteilungen von Hunden
von Klaus Meyer

(Hinweis der Redaktion zum Autor: Klaus Meyer ist Sachverständiger gem. §7 Abs. 2 Gefahrenhundeverordnung für Hamburg und Schlesweig-Holstein und führt eine Hundeschule und Hundepension in Armstedt. Website: http://www.hundeschule-armstedt.de)

Für eine umfassende, fachgerechte und objektive Beurteilung von Hunden sind nach meiner Einschätzung alle möglichen Faktoren und Randbedingungen, die Einfluss auf das Verhalten der Hunde haben bzw. gehabt haben können, einzubeziehen. Soweit möglich, sollten alle Informationen über die Vorgeschichte des Hundes, die Haltungsbedingungen sowie das Umfeld zum Zeitpunkt der Vorstellung zur Begutachtung Eingang in die Beurteilung finden.

Da die Vorgeschichte eines Hundes unter Umständen prägend für sein auffälliges Verhalten in bestimmten Situationen gewesen sein kann, sollte diese eingehend studiert und in die Gesamtbeurteilung einbezogen werden. Gleichermaßen empfehle ich, bereits bekannte Konfliktsituationen hinsichtlich ihrer Entstehungsgeschichte eingehend zu beleuchten.

Haltung und Gesundheitszustand des Hundes haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf sein Verhalten. Vor bzw. bei einer Überprüfung des Hundes durch den Sachverständigen sollten Haltung und Gesundheitszustand des Tieres kontrolliert werden. Ggfs. ist aufgrund der gesundheitlichen Verfassung des Hundes von einer Überprüfung zum vereinbarten Zeitpunkt abzusehen.

Um ein solides Gutachten über einen Hund abgeben zu können, bedarf es der verschiedensten Testsituationen. Sicherlich werden die Hunde von mir nach einem gewissen Grundschema getestet, das jedoch individuell auf jeden Hund mit anderen ergänzenden Überprüfungskriterien gekoppelt ist.

Daher empfehle ich, insbesondere bei Hunden, die euthanasiert werden sollen, Gesundheitszustand, Umfeld und die Vorgeschichte in die Gesamtbeurteilung einfließen zu lassen. Ebenso möchte ich betonen, dass ich eine so gravierende Entscheidung, wie einen Hund zu euthanasieren, niemals allein treffen würde. Ich habe immer sehr viel Wert auf die fachliche Beratung, sowie den Austausch von Eindrücken mit sachkundigen Kollegen gelegt.

Klaus Meyer

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