Der Floh – ein Weltrekordler

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Serie: Im Reich der Parasiten, Teil 2

Wissenschaftlich bilden sie eine eigene Ordnung, die „flügellose Röhren“ ­genannt wird, genauer: Siphonaptera, von griechisch siphon für Röhre und apteros für flügellos. Dennoch sind sie nicht immobil, sondern die Sportler unter den Parasiten: Die Flöhe. Diese ultimativen Hoch- und Weitspringer sind die schnellsten Lebewesen der Welt, die im Mittelalter als ­Gesandte des Teufels galten, im 18. und 19. Jahrhundert hingegen ein recht gutes Image ­genossen, indem sie für Witz, Schnelligkeit und Humor standen. ­Dennoch sollte das Thema nicht ohne Ernst angegangen werden, ist der Floh als ­tierischer und menschlicher Ektoparasit doch nicht nur lästig, sondern auch Ursache  von Erkrankungen wie der Flohdermatitis oder als Überträger ­verschiedener Krankheitserreger.

In Fossilien aus der Kreidezeit (vor – nicht vorstellbaren – 120 Millionen Jahren) findet man bereits flohähn­liche Lebewesen auf prähistorischen Säugetieren, womit Flöhe die wohl ältesten Blutsauger der Säugetiere sind. Als sich in der griechischen Antike die Philosophie entwickelte, waren auch Flöhe, Wanzen und Läuse Themen der Denker. So war etwa Aristoteles der Meinung, dass Flöhe ebenso wie Stechmücken von selbst in Schlamm oder in Fäulnis entstehen (Martin F. Meyer, Aristoteles oder die Geburt der biologischen Wissenschaft, Springer, Wiesbaden 2015).

Gesandte des Teufels
Im Mittelalter galten Flöhe als Gesandte des Teufels (Bergdolt 2000). Zwar wies schon im 13. Jahrhundert der Bischof von Regensburg und Kirchenlehrer Albertus Magnus (1200-1280), der sich neben Theologie auch mit Biologie beschäftigte, darauf hin, dass Flöhe sich so wie Mücken vom Blut des Menschen ernähren. Dennoch erkannte man während der Pestepidemien im ­14. ­Jahrhundert nicht die große Bedeutung des Rattenflohs in der Ausbreitung der Pest. Während der großen ­Epidemie starb in der Zeit von 1347 bis 1353 ein Drittel der gesamten europäischen Bevölkerung (Vasold 2003)! Haus­rezepte wie das „Flöhkraut“ genannte grüne Bilsenkraut sowie Flohfallen und Beschwörungen galten damals als Mittel gegen die in ihrer Gefährlichkeit noch nicht erkannten Parasiten.

Erst 1894 wurde das Bakterium Yersinia pestis als Erreger der Pest identifiziert. Es wird durch den Rattenfloh auf den Menschen übertragen. An Pest erkrankte Menschen sind dann ihrerseits infektiös, indem sie in die Lunge gelangte Bakterien aushusten und sich die Pest so durch Tröpfcheninfektion weiter ausbreitet.

Gutes Image
Im 18. Jahrhundert und danach hatte der Floh ein recht gutes Image, als in Europa, v.a. in Frankreich, die Zeit der Flohzirkusse begann. Man führte extrem dünne Drahtfäden um den nur wenige Millimeter großen Körper des Flohs und verband sie mit kleinen Kutschen oder Karussells und anderen Gegenständen (Schmäschke, 2000). Auch finden im 19. Jahrhundert Flohzirkusse im zoologischen Nachschlagewerk Brehms Tierleben Erwähnung (s. Kasten auf Seite 58). Diese Attraktionen fanden auf Jahrmärkten großen Zuspruch, sodass 1923 in Frankreich ein Gesetzesentwurf den Tierschutz auf Flöhe ausweiten und sie vor Misshandlungen schützen sollte.

Floh: Von Goethe bis Beethoven
Kaum bekannt ist es, dass es eine eigene literarische Gattung gibt, die sich Flöhen widmet, dies vor allem in satirischer Form oder in Fabeln. Ob Goethe oder Wilhelm Busch, ob Clemens Brentano oder H.C. Andersen, sie alle haben Flöhen in ihren Werken einen signifikanten Platz eingeräumt. So singt etwa in Goethes Faust Mephisto in Auerbachs Keller in Leipzig das Flohlied, in dem es um einen Floh geht, den der König so liebt, dass er ihn zum Minister macht. Dass dann allerdings auch die Geschwister des Flohs bei Hofe „hohe Herren“ werden, plagt dann in weiterer Folge die ­ganze zweibeinige Hofgesellschaft. Kein ­geringerer als Ludwig van Beethoven hat dieses Gedicht dann auch als Flohlied vertont (op. 75, Nr. 3).

Tisch- und Bettgemeinschaft
Offensichtlich war es damals nicht anstößig, dass Menschen ihr Leben mit Flöhen teilten. Man hat sich offenbar mit diesem lästigen Tisch- und Bettgenossen arangiert. In der Perückenmode des ­Barock und Rokoko war es selbstverständlich, dass kunstvoll verzierte ­Stäbchen mitgeliefert wurden. So konnten sich die hohen Damen und Herren unter der Perücke kratzen, ohne sie abnehmen zu müssen, wenn die Stiche der Flöhe juckten. Zudem war der Floh auch ein Zeichen allgemeiner Gerechtigkeit, da er sich bei Arm und Reich gleichermaßen gerne aufhielt.

Flöhe auf Hunden und anderen Haustieren waren damals hingegen von keinem besonderen Interesse, hatte man doch genug mit dem Menschenfloh (Pulex irritans) zu tun. Durch die sich verändernden Lebensbedingungen, vor allem mit der Einführung der staatlich verordneten Hygiene im 19. Jahrhundert, insbesondere in Deutschland und Frankreich, nahm das Problem des Menschenflohs zunehmend ab. Das gilt jedoch weniger für den auf Hunden parasitierenden Katzen- und Hundefloh.

Der Katzenfloh (Ctenocephalus felis (C. felis) ist trotz seines Namens mit über 90% der häufigste Floh des Hundes, wie Studien in Deutschland und Österreich zeigen (Biebel 2007, Supperer 1986), während der Hundefloh (C. canis) vor allem bei Wildtieren wie Fuchs und Wolf vorkommt. Gelegentlich findet man auf dem Hund auch weitere Floharten wie den Igelfloh oder den Hühnerfloh.

Der Floh als Weltrekordler
Wie eingangs bereits erwähnt, ermangelt es dem Floh an Flügeln. Stattdessen verfügt er über ein drittes Paar Beine, die besonders stark entwickelt sind. Damit kann er ca. einen halben Meter weit und 25 cm hoch springen, was bei seiner Winzigkeit ein Vielfaches seiner Körpergröße ausmacht. Überträgt man das Verhältnis Größe zu Sprunghöhe vom Floh auf den Menschen, dann würde das bedeuten, dass ein Mensch etwa auf ein Hochhaus springen könnte. Der Flohsprung ist darüber hinaus die schnellste Bewegung, die es im gesamten Tierreich gibt. Bei einem Absprung kommt es zu einer Beschleunigung, die das 245-fache der Erdbeschleunigung beträgt (Wendler 2003). Zum Vergleich: Die maximale Beschleunigung des Menschen beträgt etwa das 1,5-fache der Erdbeschleunigung, beim Start eines Weltraum-Shuttles das 3-4-fache und bei einer doch ebenfalls sehr sprungstarken Heuschrecke das 15-fache.

Zu einer derart enormen Beschleunigung wären normale Muskeln nicht in der Lage, sodass sich der Floh eines biochemischen Tricks bedient. In seinen Sprungbeinen befindet sich ein hoch­elastisches Protein (Resilin), das er vor dem Sprung wie einen Bogen anspannt. Damit speichert er „Verformungsenergie“, wie dies von Biomechanikern genannt wird. Damit katapultiert sich der Floh mit extremer Schnelligkeit auf den Wirt, also auf unseren Vierbeiner.

Der Floh beißt nicht, er sticht
In der langen Zeit seiner Entwicklung als Parasit hat sich der Floh perfekt angepasst. So ist sein Körper seitlich abgeplattet, wodurch er sich leichter auf behaarten Oberflächen fortbewegen kann. Auf dem Kopf befinden sich nach unten gerichtete stechend-saugende Mundwerkzeuge, mit denen er den Wirt sticht, um dessen Blut zu saugen. Daher sprechen wir auch von Flohstichen und nicht von Flohbissen, wie man oft fälschlicherweise hört. Meist sticht ein Floh mehrmals hintereinander, um eine für ihn optimale Blutquelle zu erreichen. Daher sind Flohstiche oft in einer Reihe oder gruppiert angeordnet.

Im Gegensatz zur Zecke, die sich vom Wirt fallen lässt, sobald sie sich mit Blut vollgesogen hat, ist der Floh kein Freund von Abwechslung, sondern verbringt gerne sein ganzes Leben auf dem Wirt, meist 3-4 Wochen, unter günstigen ­Bedingungen aber bis zu drei Monaten.

Verteilungsmuster der Floh­population
Rund zwei Drittel der Flöhe befinden sich auf dem Rücken des Hundes, etwa ein Drittel auf der Kruppe und nur ­wenige am Ohr, wie eine polnische Studie nachgewiesen hat (Rudzinska 1996). Zu beachten ist dabei jedoch, dass die auf dem Hund lebenden und Blut ­saugenden erwachsenen Flöhe gerade mal 5% der gesamten Floh­population ausmachen, zu der auch die Floheier (50%), Larven (35%) und Puppen (10%) gehören (Sousa 2003). Alle diese befinden sich im häuslichen Umfeld des ­Hundes, v.a. bei seinen Ruhe­plätzen. Somit zeigt der Nachweis eines Flohs im Hundefell lediglich die Spitze eines Eisbergs, wie sie auch in der sog. Flohpyramide dargestellt ist (s. Grafik auf Seite 61). Dieses Wissen ist nicht nur interessant, sondern auch für die umfassende Flohbekämpfung wichtig, wie sich später zeigen wird. Die Flohpyramide ist damit zugleich auch Ausdruck des Lebenszyklus des Flohs, der eine Metamorphose darstellt.

Etwa 8-24 Stunden nach der ersten Blutmahlzeit des Flohweibchens legt sie im Fell des Hundes die rund einen halben Millimeter kleinen weißen Eier ab. Diese fallen dann recht schnell aus dem Fell auf den Boden, d.h. bspw. ins Hundekörbchen, auf den Boden oder ggf. auch auf das Sofa oder Bett. Im Laufe ihres Lebens produziert jedes Flohweibchen rund 2000 solcher Eier. Je nach Luftfeuchtigkeit und Temperatur schlüpfen nach 4-6 Tagen aus den Eiern die Larven, die sich hauptsächlich vom bluthaltigen Kot erwachsener Flöhe ernähren.

Nach zweimaliger Häutung spinnt sich die Larve ein und verpuppt in einem Kokon, in dem sich dann innerhalb von 8-13 Tagen der Floh entwickelt. Damit der Floh nun seinen Kokon verlässt, muss er motiviert werden, d.h. er braucht einen Anreiz. Solche Reize sind bspw. Kohlendioxidausstoß in der Umgebung (bspw. durch die Atemluft von Tieren oder Menschen) oder Bewegungen in der Umgebung. Fehlen solche Reize, könnte der Floh bis zu 12 Monate in seinem Kokon überleben (Silverma 1984). Kommt aber nun ein Hund, so ist das für den Floh eine gute Motivation, seinen Kokon zu verlassen. Sofort entschlüpft er seiner Hülle und ein kräftiger Sprung bringt ihn auf den Hund und damit zu seiner ersten Blutmahlzeit.

Auch wenn Flöhe grundsätzlich unabhängig von der Jahreszeit vorkommen, ist im Sommer eine deutliche Zunahme des Flohbefalls festzustellen. So zeigen Studien über Flohbefallsraten in West- und Mitteleuropa eine über das Jahr gerechnete durchschnittliche Rate von 5-10% der Hunde, die jedoch in den Monaten Juli bis Oktober auf über 20% ansteigt (Beck 2006, Biebel 2007, Bond 2007).

Allergische Flohdermatitis
Die häufigste Krankheitsfolge des Flohbefalls des Hundes ist die allergische Flohdermatitis (AFD). Hierbei handelt es sich nicht um die Übertragung eines Krankheitserregers durch den Floh, ­sondern um eine (allergische) Reaktion des Hundeorganismus auf den Floh­speichel (s. Kasten unten). D.h. der Floh ist nur der Auslöser der AFD, wofür übrigens bereits ein einziger Stich eines einzigen Flohs genügt. Einer AFD vorzubeugen heißt daher nichts anderes als diesen ersten Flohstich zu verhindern. Denn wenn eine Studie aufzeigt, dass bei einem Flohbefall bereits innerhalb der ersten Minuten 21% der Flöhe den Stich durchgeführt und ihre erste Blutmahlzeit begonnen haben und nach einer Stunde schon 72% (Cadiergues 2001), dann sollte der Floh also sofort beim ersten Kontakt mit dem Fell bzw. der Haut des Hundes absterben oder zumindest keinen Blutappetit mehr haben. Am besten wäre es natürlich, wenn der Floh den Hund überhaupt meiden würde. Wie auch immer, dieser erste Stich muss jedenfalls verhindert werden.

Krankheitsüberträger Floh
Doch abgesehen von der eben beschriebenen AFD fungiert der Floh auch als Vektor für Krankheitserreger. Grundlagen dieser sog. vector borne diseases (VBDs) sind schon in der vorherigen Ausgabe von WUFF beschrieben (WUFF 4/2016: S. 52). Obwohl der Floh grundsätzlich drei Gruppen von Erregern übertragen kann, nämlich Bakterien, Viren und Helminthen (Würmer), hat bei unseren Hunden in Mitteleuropa vor allem Letzteres Bedeutung. Denn der Floh gilt als der wichtigste Überträger des sog. Gurkenkernbandwurms ­(Dipylidium caninum). Das ist die häufigste Bandwurmart beim Hund und erhält aufgrund seiner Bedeutung noch ein eigenes Kapitel in der WUFF-Parasitenserie. Im infizierten Floh befinden sich die Bandwurmeier. Zerknackt nun ein Hund mit seinen Zähnen einen solchen Floh und schluckt die Eier, entwickeln sich daraus in seinem Darm innerhalb von knapp drei Wochen 10 bis 70 cm lange Bandwürmer. Eigentlich handelt es sich hier um ein hochinteressantes Phänomen. Da benutzt ein Endoparasit (der Wurm) einen Ektoparasiten (den Floh), um in einen neuen Wirtsdarm zu gelangen.

Jedenfalls ist der Zusammenhang zwischen Flohbefall und der Bandwurmproblematik nicht zu unterschätzen. Denn in einer Studie wurden fast zwei Drittel der auf Hunden parasitierenden Flöhe als infiziert gefunden (Hinaidy 1991). Der Bandwurm kann sich übrigens auch beim, genauer im Menschen ansiedeln, zumeist bei Kindern, die infizierte Flöhe über den Mund aufnehmen (Marx 1991).

Kriegsschauplatz: Integrierte ­Flohbekämpfung
Wie schon erwähnt, ist der adulte Floh am Hund nur die Spitze des Problems, das auch die Lagerstätten des Hundes betrifft, wo sich die anderen Entwicklungsstadien befinden, also Ei, Larve sowie der verpuppte, dennoch allzeit bereite Floh im Kokon. Damit wird klar, dass das Flohproblem einem Kriegsschauplatz ähnelt, wo es einerseits die direkte militärische Auseinandersetzung gibt (= der Floh am Hund) und andererseits die Truppen des Nachschubes (= Eier, Larven und Kokons in der Um­gebung des Hundes).

Wir unterscheiden die „Flohmittel“ je nach ihrem Ansatzpunkt im Lebens­zyklus des Flohs. Neben den sog. Adulticiden, die als Kontaktgift den Floh töten, gibt es die sog. „Wachstumsregulatoren“. Sie hemmen die für die Entwicklung des Flohs nötige Chitinproduktion im Ei- und im Larvenstadium. So können sich aus den Eiern keine Larven mehr entwickeln, und schon vorhandene Larven können sich nicht mehr häuten. Eine weitere Stoffklasse sind die sog. „Entwicklungshemmer“, die Floh und Flohlarven töten. Um also alle Entwicklungsstadien des Flohs erfolgreich bekämpfen zu können, reicht es nicht aus, lediglich den Flöhen auf dem Hund den Garaus zu machen, sondern v.a. auch den Flohnachschub in allen Aufenthaltsbereichen des Hundes durch eine sog. Umgebungsbehandlung zu unterbrechen.

Rolle des Tierarztes
Um in der Vorbeugung und Behandlung des Flohbefalls Ihres Hundes auf der sicheren Seite zu sein und auch um Resistenzen hintanzuhalten, kann die zentrale Rolle des Tierarztes nicht genug betont werden. Niemand hat einen besseren Überblick über Ausmaß und Komplikationen des Parasitenbefalls der Hundepopulation in Ihrer Gegend als gerade der Tierarzt, weshalb Sie ihn in dieser Frage aufsuchen sollten. Und dies vor allem dann, wenn Ihr Hund bereits an einer AFD leidet.

Fazit
Die interessante Kulturgeschichte des Flohs ist wohl Folge des Arrangements der Menschen mit diesem Parasiten, weil es damals keine Mittel der Be­kämpfung gab. Die veränderte Wohn- und Lebenssituation des Menschen ­heute hat zu einem starken Rückgang des Menschenflohs geführt. Dies gilt jedoch deutlich weniger für die auf dem Hund parasitierenden Flöhe. Mit diesen sollten wir uns nicht arrangieren, sondern sie aus Gründen, wie sie hier auch beschrieben wurden, umfassend bekämpfen. Das sind wir unseren vierbeinigen ­Gefährten schuldig.

HINTERGRUND

Allergische Flohdermatitis
Die häufigste Hauterkrankung beim Hund ist die Allergische Flohdermatitis (AFD).

Symptome der AFD sind die Folgen des Juckreizes durch den Floh­befall: Der Hund kratzt sich, er kaut, leckt oder beißt sich im Bereich der erkrankten Haut. 61% der gegen Flohspeichel ­allergischen Hunde ent­wickeln klinische Zeichen im Alter von 1-3 Jahren. Die AFD findet man selten bei Hunden, die jünger als 6 Monate sind.

Verteilungsmuster
Zumeist finden sich Knötchen, ­Krusten und Rötungen vorwiegend im ­hinteren Körperbereich, am Unterschenkel, am Rutenansatz oder im Bereich des ­Bauches um den Nabel. Mit Fort­dauern der Erkrankung werden die Stellen dann haarlos und dunkel ­pigmentiert. Nicht selten infizieren sich diese dann vorgeschädigten Bereiche zusätzlich mit Bakterien und entwickeln einen üblen Geruch.

Diagnose
Die Dauer des Juckreizes, das Ver­teilungsmuster der Hautveränderungen (s.o.) und natürlich der Nachweis von Flöhen und/oder von Flohkot.

Hautentzündung gehört zum ­Tierarzt
Die Therapie der AFD ergibt sich aus dem Ausmaß der ­Hautveränderungen und ob diese bereits sekundär bakteriell infiziert sind. Grundbedingung ist natürlich die Bekämpfung der zugrundeliegenden Ursache, also der Flohpopulation. Die Hautbehandlung richtet sich nach den Symptomen. Besteht bereits eine Infektion, wird der Tierarzt auch ein Antibiotikum anwenden. Auf alle Fälle gehört ein Hund mit einer Hautentzündung zum Tierarzt, weil dieser im Rahmen seiner Untersuchung ggf. auch andere Ur­sachen dafür finden kann.

HINTERGRUND

Welche Anwendungsformen?
Beim Thema Flohbekämpfung scheiden sich die Geister. Während die Einen auf Schutzhalsbänder oder Öle schwören, bevorzugen die Anderen Spot on-Produkte. Eine kurze Übersicht.

Hundehalter erwarten sich von einem Flohmittel:
• einfache Handhabung und Anwendung
• rascher Wirkungseintritt (Verhinderung der Übertragung von Erregern durch die Parasiten)
• gute Verträglichkeit
• lange Wirksamkeit
• keine Flöhe am Tier

Spot ons
Das komfortable und am weitest verbreitete Mittel zur Flohbekämpfung. Es wird der Inhalt einer kleinen Pipette auf die Haut am Nacken des Hundes geträufelt. Der Wirkstoff verteilt sich über den Talg in den oberfläch­lichen Schichten der Haut und wird in den Talgdrüsen gespeichert. Hier gibt es auch Kombi-Präparate (z.B. mit Fipronil und Permethrin), die Flöhe, Zecken und Stechmücken sowohl fernhalten (Repellents) als auch sofort abtöten (Akarizide).

Parasitenhalsbänder
Der Wirkstoff befindet sich im Halsband und wird sukzessive an das Fell abgegeben. Wirkstoffe und Wirkung sind denen der Spot ons ähnlich.

Tabletten
Werden meist als Kautabletten ver­abreicht. Da der Wirkstoff im Blut des Hundes zirkuliert, müssen die Parasiten erst stechen und Blut saugen, bevor sie getötet werden.

Allgemeines
Unabhängig von Produkt und Anwendungsart ist die Gebrauchsanleitung strikt einzuhalten.

HINTERGRUND

So erkennt man Flohbefall

Die sog. Primärdiagnostik des Floh­befalls stützt sich auf folgende ­Symptome und Zeichen.

• Der Hund kratzt sich ständig ­aufgrund von Juckreiz
• Flöhe im Fell des Hundes ­(Absuchen, Flohkamm)
• Flohkot (winzige rötliche wurst­förmige Partikel) oder Floheier (weiß, 0,5mm groß) im Fell des Hundes oder in seiner Umgebung
• Sichtbare Hautveränderungen, wie bspw. Ekzeme oder umschriebener Haarausfall

WUFF-INFORMATION

Flohzirkus

Die im 18. und 19. Jh. beliebten Flohzirkusse fanden sogar Eingang in das zoologische Nachschlagewerk Brehms Tierleben.
Alfred Brehm erklärt in seinem Werk, wie Flöhe „dressiert“ werden, und verweist dabei auch auf die Belohnung, die die Flöhe nach einer Vorstellung erhalten. So schreibt er: „Bekanntlich gibt es Leute, welche durch Abrichten von Flöhen (Anspannen derselben an kleine Wägelchen usw.) sich ihren Lebensunterhalt verschaffen. Indem sie die Tiere längere Zeit in flache Döschen einsperren, wo sie sich bei Springversuchen jedes mal derb an den Kopf stoßen, gewöhnen sie ihnen diese Unart ab, und durch Ansetzen an einem ihrer Arme belohnen sie einen jeden nach der Vorstellung stets mit so viel Blut, als er trinken mag.“

 

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