Der Havaneser – Kubaner ohne Heimatland …

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Der Name der Rasse leitet sich ab von der Hauptstadt Kubas, Havanna (La Habana). Obwohl der ­Havaneser also eine kubanische Rasse ist, ist er – zum Teil aus politischen Gründen – dort fast ausgestorben. In der „Fremde“ lebt die Rasse aber durch engagierte Züchter weiter. Und dies zum Glück, hat doch die Rasse viele gute Eigenschaften, die sie zu einem idealen Begleithund in der heutigen Zeit macht.

Der Havaneser und seine Vor­fahren haben eine viele Jahrhunderte lange Geschichte. Er gehört zur Familie der Bichons, ­seine engsten Verwandten sind ­Malteser, Bologneser und Bichon Frisé, wo­runter der Malteser wohl nach wie vor die allgemein bekannteste Rasse der Bichon-Familie ist. Zur Gruppe der Bichons werden auch der Coton de Tulear und das Löwchen gezählt.

Auf Kuba durch Pudeleinkreuzung entstanden
Trotz aller Forschung über die Ausgangsrassen des Havanesers gibt es noch immer Widersprüche. Einerseits wird vermutet, dass die Rasse bei der Kolonisation von Westindien mit den spanischen Eroberern ins Land kam und auf den Bichon Frisé zurückgeht. Andere Quellen vermuten, dass ­Malteser und Bologneser als Vorfahren der Rasse von italienischen Schiffskapitänen nach Kuba gebracht wurden. Auf Kuba, so recherchierte es die kubanische Züchterin Zoila ­Portuondo Guerra, sei aus den Nachkommen der Bichons, Blanquito de la Habana genannt, durch die Einkreuzung von Pudeln schließlich die eigentliche Rasse Havaneser entstanden.

Auf Kuba machte der Havaneser, der je nach Land auch Bichon Havanais, Bichon Habanero, Bichon Havanese oder Havana Silk Dog genannt wird, jedenfalls Karriere. Er war vor allem im 18. und 19. Jahrhundert bei den wohlhabenden und adeligen Familien auf der Karibikinsel als Schoßhund sehr beliebt. Im 20. Jahrhundert fand er sich immer häufiger in weniger begüterten Kreisen als Familien- und Gesellschaftshund, während er bei den reichen Kubanern nicht mehr so hoch im Kurs stand. Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Havaneser außerhalb von Kuba so gut wie nicht bekannt.

Fidel Castro – ein Hundehasser?
Auf Kuba selbst erlebte die Rasse nach der Revolution von Fidel Castro im Jahre 1959 einen herben Rückschlag, nachdem im Zuge sich ändernder (Hunde-)Moden das Interesse an Havanesern bereits rückläufig war. Als Symbol des Kapitalismus waren ­Havaneser den neuen Machthabern ein Dorn im Auge. Viele Kubaner ­flohen während der Revolution nach Florida und ließen ihre Hunde, darunter auch viele Havaneser, zurück. Die Tiere wurden sich selbst überlassen und so vielfach zu Straßenhunden. Unter dem Castro-Regime (Fidel ­Castro selbst soll dem Vernehmen nach ein richtiger Hundehasser sein) gab es keine Verbände und Vereine, die sich um den Erhalt der Reinrassigkeit der Havaneser kümmerten.

Die Havaneser, die über 200 Jahre auf Kuba als Rasse gelebt hatten, vermischten sich mehr und mehr mit anderen Hunden. Das führte dazu, dass der Havaneser auf Kuba selbst fast ausstarb. Nur wenige reinrassige Tiere blieben dort erhalten.

Von Kuba in die Welt
Wie aber kam der Havaneser aus seiner Heimat Kuba in den Rest der Welt? Als Wiederbegründer bzw. Restaurator der Havaneser-Rasse in der westlichen Welt gilt Dorothy Goodale aus Colorado (USA). Sie wurde in den 1970er-Jahren auf die Rasse aufmerksam und war von den „Seidenhündchen“ fasziniert. So suchte sie intensiv nach Havanesern, die aus Kuba in die USA gekommen waren, und erwarb 1974 und 1975 insgesamt elf aus Kuba stammende Havaneser. Unter dem Zwingernamen „Havana“ begannen Dorothy und Bert Goodale ihre Zucht und gründeten 1979 den „Havanese Club of America“. Nahezu alle heutigen Havaneser weltweit (mit Ausnahme der auf Kuba und im früheren Ostblock) stammen letztlich von diesen wenigen Hunden der Goodales ab. Vor diesem Hinter­grund ist es daher verständlich, dass der Genpool der Rasse ­extrem begrenzt ist. Angesichts dieses ­kleinen Genpools ist es bedauerlich, dass europäischen Züchtern der Zugang zu neuen Havanesern aus Kuba durch die Importvorschriften der EU für Drittländer sehr erschwert bzw. unmöglich gemacht worden ist.

Nach Europa kamen die ersten ­Havaneser im Jahr 1981 durch ­Monika Moser, die Hunde aus den USA importierte und in Bayern ihre Zucht begann (Zwingername Pillowtalks). Da sie praktisch die Begründerin der europäischen Havaneser-Zucht ist, verwundert es nicht, in fast jeder Ahnentafel eines europäischen ­Havanesers Vertreter der Pillowtalks zu finden.

Direkt unter dem Patronat der FCI
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Havaneser, obwohl Kuba als sein Herkunftsland gilt, nicht von Kuba selbst betreut wird. Generell ist es üblich, dass eine Rasse von dem Land betreut wird, aus dem sie stammt. Dies ist zum Beispiel Deutschland beim Deutschen Schäferhund oder Italien beim Malteser und Bologneser. Der Havaneser jedoch steht direkt unter dem Patronat des internationalen Dachverbandes FCI (Fédération Cynologique Internationale), der auch für den Rassestandard verantwortlich ist.

Die Charaktereigenschaften des Havanesers sind so vielfältig wie seine Farbvarianten. In erster Linie war der Havaneser sogar ein Hütehund und das steckt ihm auch immer noch im Blut. Im Folgenden wird die Rasse in Hinblick auf ihren Charakter beschrieben.

Der „Begleithund“
Der Havaneser ist ein Begleithund im wahrsten Sinn des Wortes. Nicht nur, dass er formal der FCI-Gruppe der Gesellschafts- und Begleithunde angehört, er nimmt diese Aufgabe auch wirklich ernst. Er begleitet seine Menschen absolut überall hin. ­Diese Anhänglichkeit ist zwar rührend, doch gibt es auch Menschen, die lieber alleine schlafen bzw. im Bad und auf dem WC ihre Ruhe haben möchten. Durch konsequente Erziehung kann sich der Mensch vielleicht einige Freiräume schaffen, wo er mal ungestört und ohne Hund sein kann. Dennoch – man sollte dem Charakter dieses ­Hundes schon auch ein wenig entsprechen und ihn daher, wo immer möglich, dabei sein lassen.

Glücklicherweise sind Havaneser klein, sodass sie fast überall gerne gesehen sind. Wenn man einen Havaneser­welpen gut sozialisiert, ihm alles zeigt, was er in seinem Hundeleben braucht, und ihn von Anfang an überall mit hinnimmt, gibt es später beim gemein­samen Ausgehen kaum Probleme.

Weiß man um diese herausragende Eigenschaft, ergibt sich, dass der Havaneser nicht gerne allein bleibt. Natürlich bleibt kein Hund gerne allein, aber dem Havaneser fällt das Alleinsein ganz besonders schwer. Für ganztags berufstätige Menschen ohne Hundesitter ist diese Rasse daher nicht geeignet.

Der Freundliche
Havaneser sind in der Regel sehr aufgeschlossene und freundliche Hunde. Als sehr menschenbezogen freut sich ein Havaneser über alle Menschen, insbesondere auch über Kinder. So passen Kinder und Havaneser gut zusammen, da die Hunde sehr verspielt sind und gerne übermütig toben und herumalbern. Allerdings müssen Kinder auch lernen, rücksichtsvoll mit dieser Kleinhundrasse umzugehen und es nicht zu wild mit ihnen zu treiben. Die Ruhephasen des Hundes müssen natürlich respektiert werden.

Der Pfiffige
Havaneser sind ziemlich schlaue ­kleine Hunde. Sie lernen sehr schnell, da sie es lieben, mit ihren Menschen zusammen etwas zu erarbeiten. In der Hunde­schule sind die meisten Havaneser wahre Musterschüler. Zuhause sieht es schon mal etwas anders aus. Der Havaneser hat oftmals seinen eigenen Kopf. Das Erlernte, das er soeben noch in der Hundeschule mit Bravour vorgeführt hat, ist wie weggeblasen, und der kleine Frechdachs macht, was er will. Durch seinen un­widerstehlichen Charme kann er seinen Willen oft durchsetzen.

Der Gesellschaftsfähige
Havaneser sind, wie schon ­beschrieben, nicht gerne allein. Was bietet sich da eher an, als irgendwann noch einen zweiten Hund dazuzuholen. Ein Havaneser liebt Hundegesellschaft, in der er seine Verspieltheit erst richtig ausleben kann. In der Regel kommt der Havaneser daher mit anderen Hunden gut zurecht, wobei die meisten Havaneser kleinere Hunde­freunde aber bevorzugen.

Der Gemütliche
Havaneser sind durchaus lebhaft und temperamentvoll. Nur nicht in dem Maße, wie man es von anderen Kleinhunderassen kennt. Eigentlich benimmt sich der Havaneser wie ein „Großer“: Er kann wild sein und ausgelassen herumtollen, kann aber auch ruhig und ganz entspannt in der Ecke liegen, sodass man ihn kaum bemerkt. Havaneser sind sehr anpassungsfähig. Sie können sich gut in das jeweilige Familienleben integrieren. Als Gegenleistung fordern sie natürlich auch die Aufmerksamkeit ihrer Menschenfamilie. Havaneser wollen auch beschäftigt werden. Sie lieben es, Aufgaben zu lösen, Spiele zu spielen und Spazier­gänge zu unternehmen. Wird man ­diesen Anforderungen gerecht, dankt der Havaneser dies mit seiner Anhänglichkeit und Ausgeglichenheit.

Der Herzensbrecher
Jeder Havaneser ist ein kleiner Herzensbrecher. Durch seine Art ver­zaubert er die Menschen, die ihn lieben. Das macht die Erziehung nicht immer ganz leicht. Man kann ihm einfach nicht wirklich böse sein. So wie bei allen Rassen ist der Charakter des Havanesers zum Teil natürlich auch ein Produkt seiner Sozialisation und Erziehung.

Tipps zur Pflege eines Havanesers
Die Fellpflege beim Havaneser ist nicht gerade unerheblich. Es ist ganz wichtig, dass der Welpe von klein auf täglich mit dem Bürsten vertraut gemacht wird. Hilfreich ist es auch, die Dauer des Kämmens langsam und behutsam zu erhöhen. Hierzu sollte man ein Gespür für den Welpen entwickeln, es sollte niemals in Stress oder gar einen Machtkampf ausarten. Hilfreich ist es immer, dann aufzu­hören, solange der Welpe es noch duldet, und nicht zu warten, bis er keine Lust mehr hat. Dann muss auch sofort eine positive Verstärkung wie Lob und ein besonderes Leckerchen folgen. Natürlich wird dem Welpen erst einmal langweilig beim Kämmen sein und er versucht zu spielen oder sogar in den Kamm zu beißen. ­Dieses sollte allerdings sofort mit einem „Nein“ unterbunden werden. Gespielt kann nach dem Kämmen werden, dieses wäre dann eine zusätzliche Belohnung für den Hund. Der Welpe wird so ganz schnell lernen, dass die Fellpflege nichts Schlimmes ist, und oft wird dabei sogar ein Nickerchen gemacht.

Wenn der Havaneser vom Welpenfell ins Erwachsenenfell wechselt,­ ­welches ca. zwischen dem 9. und dem 15. Monat stattfindet, verfilzt das Fell ziemlich stark. Dann muss der Havi jeden Tag gekämmt werden, was auch durchaus eine Stunde dauern kann. Sollten Sie so gar nicht mit dem Haarkleid zurechtkommen, dann gibt es auch Halter, die das Fell ihrer Hunde kürzen. Mein Rat: Lassen Sie hier einen Fachmann ran, ansonsten kann es passieren, dass Ihr Hund nachher „geschoren“ aussieht, und das ist nicht mehr Havaneser-gerecht. ­Bedenken sollte man auch immer, dass ein geschorener Havaneser im Sommer durchaus auch einen Hitzschlag oder einen Sonnenbrand bekommen kann.

Fazit
Alles in allem ist der Havaneser sowohl eine historisch interessante Rasse wie auch ein wunderbares Familienmitglied, werden die hunde­spezifischen Ansprüche an Haltung und Pflege erfüllt.

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