Der Hund als „Familienbeschützer“ aus rechtlicher Sicht

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Die Ausbildung eines Hundes zum sog. Familienbeschützer, der zwar nicht beißen, aber auf Kommando einen potenziellen Angreifer verbellen und sodann auch anspringen soll, ist in rechtlicher Hinsicht sicherlich nicht unproblematisch. Zunächst stellt sich die Frage, ob bereits die Ausbildung an sich rechtliche Folgen haben kann. Ferner gilt es zu bewerten, zu welchen Konsequenzen es führen kann, wenn der ausgebildete Hund tatsächlich einmal eingreift.

Rechtliche Folgen der Ausbildung zum „Familienbeschützer“
Die Ausbildung von privat geführten und gehaltenen Hunden, die darauf angelegt ist, die Familie vor möglichen Aggressoren zu schützen, ­beurteilt sich im Wesentlichen nach den Hunde­gesetzen und -ver­ordnungen der einzelnen Bundesländer. Die ­landesrechtlichen Regelungen sind sich insofern oft recht ähnlich; in Nordrhein-Westfalen bspw. gelten Hunde als im Einzelfall gefährlich, wenn mit ihnen eine Ausbildung zum Nachteil des Menschen, zum Schutzhund oder auf ­Zivilschärfe begonnen oder abgeschlossen ­worden ist (§ 3 Abs. 3 S. 1 Nr. 2 LHundG NRW). Die Feststellung, ob eine solche ­Ausbildung vorliegt, trifft das zuständige Ordnungsamt nach ­Begutachtung durch den Amtstierarzt (vgl. § 3 Abs. 3 S. 2 LHundG NRW).

Diejenigen, die ihren Hund nun zum sog. „Familienbeschützer“ ausbilden (lassen), werden es nun zweifelsohne weit von sich weisen, einen gefährlichen Hund im Sinne der vorgenannten Definitionen zu kreieren; ob dies die jeweils zuständigen Behörden indes genauso sehen, ist eine andere Frage. Denn für die Ämter zählt vor allem, ob die gesetzlichen Tatbestände erfüllt sind. Insofern stellt sich vorliegend insbesondere die Frage, ob eine Ausbildung auf Zivilschärfe vorliegen könnte. Dies soll nach den Verwaltungsvorschriften zum LHundG NRW (Ziffer 3.3.1.2) dann der Fall sein, wenn der Hund lernt, auf vom Abrichter gegebene Hör- oder Sichtzeichen Menschen oder Tiere anzugreifen. Angreifen muss dabei nicht unbedingt mit Beißhandlungen verbunden sein; wenn ein Hund einen Menschen auf Kommando anspringt und ihn kratzt oder umstößt, reicht dies völlig aus.

Nach diesen Vorgaben bspw. des nordrhein-westfälischen Landes­rechts ist die Ausbildung zum Familien­beschützer sicherlich eine recht ­riskante Angelegenheit. Es kommt insofern noch nichtmals auf die mitunter schwierige Frage der Grenzziehung zwischen der (für private Hundehalter unzulässigen) Ausbildung zum Schutzhund und der erlaubten Schutzdienst- bzw. Sporthundeausbildung an; vielmehr läuft der Hundehalter Gefahr, allein durch die Ausbildung, d.h. ohne dass es zu einem Vorfall gekommen sein muss, eine behördliche Einstufung seines Hundes als gefährlich zu kassieren. Die Folgen: Erlaubnispflichtigkeit der Hundehaltung, Maulkorb- und Leinenzwang, möglicherweise Heranziehung zur „Kampfhundesteuer“.

Hund springt vermeintlichen Angreifer an
Die vorgenannten Folgen treten natürlich nur ein, wenn die zuständige Behörde Kenntnis von der Aus­bildung erlangt und dann einschreitet. Ansonsten wird ein Ordnungsamt nur dann aufmerksam, wenn es denn zu einem Vorfall kommt.

Wahrscheinlich weniger bedeutsam – jedenfalls für den Hund – werden diejenigen Sachverhalte behandelt werden, in denen der Hundehalter tatsächlich von einem Dritten angegriffen wurde und sein Hund ihn dann verteidigt hat. Problematisch sind allerdings diejenigen Fälle, in denen der Hundehalter eine ­Situation falsch einschätzt und seinen Hund auf einen nur vermeintlichen Aggressor schickt und dieser dann – so wie es der Hund gelernt hat – angesprungen wird. Abgesehen davon, dass die Behörde spätestens dann auf die vorange­gan­gene Ausbildung aufmerksam werden dürfte, ­gelten Hunde als gefährlich, die einen ­Menschen in gefahrdrohender Weise angesprungen haben (vgl. bspw. § 3 Abs. 3 S. 1 Nr. 4 LHundG NRW). Genau dieses Anspringen ist bei der Ausbildung zum ­Familienbeschützer nun bezweckt. Selbst wenn das Verhalten des ­Hundes aus dessen Sicht spielerisch sein ­sollte, kommt es ­darauf vor dem Gesetz nicht an; denn ­entscheidend ist, ob der Ange­sprungene die ­Situation für ge­fährlich oder be­drohlich hielt.

Wer seinen Hund daher etwa in der Dunkelheit auf einen bedrohlich wirkenden Menschen schickt, der tatsächlich aber nur betrunken, unbeholfen oder vielleicht selbst in einer Notlage befindlich war, riskiert ebenfalls die Einstufung seines treuen Weggefährten zum gefährlichen Hund.

Darüber hinaus ist in einer derartigen Konstellation bei einer Verletzung des vermeintlichen Angreifers durchaus auch eine strafrechtliche Ahndung zu Lasten des Hundehalters, jedenfalls aufgrund fahrlässiger Körperverletzung, denkbar. Ebenso sind in zivilrechtlicher Hinsicht Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche zu Gunsten des Verletzten möglich. Ob eine etwaige (Tierhalter-) Haftpflichtversicherung einen solchen Schaden reguliert, ist letztlich ebenfalls fraglich, weil die Ausbildung des Hundes zum Familienbeschützer durchaus als gefahrerhöhender Umstand gewertet werden könnte. Wenn dies dem Versicherer zuvor nicht angezeigt wurde, könnte durchaus dessen Leistungsfreiheit in Betracht kommen.

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